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Forget Baghdad

Kinostart: 13.03.2003

Filmhandlung und Hintergrund

Filmische Reflexion, die die Klischees "des Juden" und "des Arabers" auf der Leinwand und gleichzeitig das Leben von vier arabisch-kommunistischen Juden aus dem Irak dokumentiert.

Fremd im eigenen Land zu sein ist eine Sache, aber so zwischen allen Stühlen zu sitzen wie die Protagonisten in „Forget Baghdad“, das ist schon einen abendfüllenden Dokumentarfilm wert. Im Mittelpunkt steht das Leben von vier jüdischen Arabern, geboren und aufgewachsen in der irakischen Hauptstadt, wo sie Mitglieder der kommunistischen Partei wurden und sowohl die Judenpogrome der 40er Jahre als auch die Kommunistenverfolgung unter dem jungen Saddam überlebten. Nun sitzen sie in Israel, wo sie als orientalische Juden auch wieder nur Außenseiter sind.

Beeindruckende Schicksale in einer gewohnt unterhaltsam und pointiert in Szene gesetzten Portraitreihe/Klischeereflektion des gefeierten arabischen Dokumentarfilmers Samir („Das große Mitte-Land“).

Geboren in den zwanziger/dreißiger Jahren im Irak, haben vier arabisch-kommunistische Juden ein ganzes Jahrhundert durchlebt: den Zweiten Weltkrieg, die Nazis, den antikolonialen Kampf, Befreiungskriege, den Kommunismus. Teil ihrer Geschichte sind die antisemitischen Pogrome, die die Jüdische Gemeinde in Bagdad 1948 in Angst und Schrecken versetzte.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Forget Baghdad: Filmische Reflexion, die die Klischees "des Juden" und "des Arabers" auf der Leinwand und gleichzeitig das Leben von vier arabisch-kommunistischen Juden aus dem Irak dokumentiert.

    Jüdische Araber oder arabische Juden - ein heißes Diskussionsthema. Samir, selbst Kind muslimischer irakischer Einwanderer in die Schweiz, fügt dem noch eine besondere Brisanz hinzu: die Emigration irakischer Juden nach Israel. Am Beispiel von vier Lebensgeschichten geht er Fragen von Entfremdung und Identitätssuche nach.

    Der Dokumentarfilm beschäftigt sich mit einer vergessenen Geschichte des Nahen Ostens, die sich zu Beginn fast wie ein Märchen anhört. Im Irak lebten Juden, Christen und Moslems friedlich miteinander bis zum von den Nazis unterstützten Militärputsch von 1941. Das religiös tolerante Gefüge zerbrach, es begann eine permanente Diskriminierung jüdischer Bürger, die in antisemitische Progrome nach der Gründung des Staates Israel 1948 eskalierte und eine Emigrationswelle auslöste: 1951 verließen 140.000 Juden (darunter auch viele Kommunisten) ihr Land, 120.000 davon fanden eine neue Heimat in Israel.

    In den Erzählungen der vier Protagonisten - Shimon Ballas, Professor für Arabisch in Tel Aviv, Sami Michael, Best-Seller-Autor, Moshe Houri, reicher Bauunternehmer, der immer noch die Kommunisten wählt und Samir Naquash, der als einziger seine Literatur auf arabisch schreibt - spiegelt sich die politische Unordnung der Region. Im Irak wurden sie aufgrund ihres jüdischen Glaubens und ihrer Unterstützung des Kommunismus verfolgt, im gelobten, von den europäisch-stämmigen Aschkenasim geprägten Land, empfing man sie nicht mit offenen Armen, sie wurden als Menschen zweiter Klasse behandelt - bei ihrer Ankunft mit DDT besprüht oder trotz Universitätsbildung zur Landarbeit verdonnert. Die sogenannten Mizrahim leiden noch heute unter der kulturellen Entwurzelung, auch wenn die Assimilierung scheinbar gelungen ist.

    Samir webt ein Netz aus Interviews und Archivmaterial, Ausschnitten aus Spielfilmen (die Klischees untermauern) und Parallelmontagen, beeindruckt durch formale Einfälle und einen behutsamen und differenzierten Kommentar, lässt kulturelle Widersprüche zwischen Okzident und Orient aufeinanderprallen. In Zeiten des drohenden Irak-Krieges ein hochaktueller Film, der den Blick schärft und den Nahen Osten unter einer anderen Perspektive betrachtet. mk.
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