Flug 93

  1. Ø 4
   2006
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Flug 93 Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Flug 93: Minuziöse Nachstellung der Ereignisse, die an Bord des vierten Flugzeugs vom 11. September 2001 zum Absturz über einem Feld führten.

Als Besatzung und Passagiere des Flugs 93 am Morgen des 11. Septembers 2001 zum Flughafen von Newark eilen, erwarten alle bis auf vier einen ganz normalen Linienflug von der Ost- an die Westküste. Das ändert sich, als vier arabischstämmige Terroristen mit Teppichmessern und Plastiksprengstoff die Kontrolle übernehmen. Während sie das Flugzeug auf neuen Kurs zwingen, erfahren die entsetzten Passagiere über ihre Radios und Handys von den Selbstmordflügen ins New Yorker World Trade Center.

Knappe fünf Jahre sind vergangen, bevor nun Paul Greengrass mit Genehmigung der Hinterbliebenen und ohne jeglichen Star-Auftrieb im Kino den Anfang macht mit der Einkleidung der Ereignisse vom 11. September in dramatisches Bildgewand. Weitere werden folgen.

Am 11. September 2001 steigen 44 Menschen in den Flug 93 von United Airlines, der sie von Newark bei New York nach San Francisco bringen soll. Mit an Bord befinden sich Ziad Jarrah, Ahmad Al Haznawi, Al Ghamdi und Ahmed Al Nami. Kurz nach dem Start bringen sie die Maschine in ihre Gewalt. Als sich an Bord herumspricht, dass andere entführte Flugzeuge in das World Trade Center und das Pentagon gestürzt sind, schlagen die verzweifelten Passagiere zurück. Um 10.10 Uhr stürzt die Maschine südöstlich von Pittsburgh in Bundesstaat Pennsylvania ab. Fünf Minuten zuvor war der Südturm des World Trade Centers eingestürzt.

Am 11. September 2001 startet um 8 Uhr 42 Flug United 93 von New York in Richtung San Francisco. An Bord befinden sich 44 Menschen, darunter auch vier Terroristen, die die Maschine kurz nach dem Start in ihre Gewalt bringen. Als die Passagiere nach und nach mitbekommen, dass andere entführte Flugzeuge ins World Trade Center und ins Pentagon eingeschlagen sind, handeln sie und erreichen zumindest, dass die Maschine ihr geplantes Ziel verfehlt. Um 10 Uhr 10 stürzt das Flugzeug in einem Waldstück in Pennsylvania ab.

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

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  • „Besonders wertvoll”

    "Es ist der richtige Film", hieß es in der FBW-Jury bei der Diskussion. Während die Welt am 11. September 2001 gebannt den Ereignissen um das World Trade Center in New York folgte und eher beiläufig Notiz vom Absturz eines weiteren entführten Flugzeuges in das Pentagon nahm, war das Schicksal der Menschen in der an diesem Tag entführten vierten Maschine nur noch Randnotizen wert. Die Passagiere an Bord von Flug 93, einer United Airlines-Maschine, hatten aus Telefongesprächen von den Ereignissen um die anderen entführten Flugzeuge erfahren und konnten mit ihrem Widerstand gegen die Terroristen an Bord einen Absturz zwar nicht abwenden, mit dem Einsatz ihres Lebens aber eine noch größere Katastrophe verhindern. Flug 93 hatte das Capitol in Washington angesteuert, sozusagen Herz der Demokratie in den USA.

    So nüchtern wie die Medien von den Ereignissen um Flug 93 berichteten, so unspektakulär hat Regisseur Paul Greengrass nun fünf Jahre nach dem Schreckenstag diesen Film gestaltet. Dies muss ihm hoch angerechnet werden. Sein Film verzichtet auf allen Hollywood-Schnickschnack, etwa auf sentimentale Geschichten um die Passagiere, die hilflosen Fluglotsen in den Luftkontrollzentren oder die zögernden Militärs. Er schafft keine Helden und macht aus den Terroristen keine Bösewichte. Ja, er verzichtet sogar auf sonst die bei Katastrophenfilmen übliche Dramaturgie. Fast dokumentarisch zeichnet er die Ereignisse um Flug 93 nach, so banal und nüchtern wie der Alltag in den Flugleitzentren, im Flughafen und an Bord eines Flugzeuges vor sich geht. Bis das Chaos hereinbricht...

    "Flug 93" verzichtet auf bekannte Gesichter in der Besetzung. Die Darsteller spielen ihre Rollen absolut angemessen und ohne jegliche Überzeichnung. Eine perfekte Leistung muss man der Montage bescheinigen, die überaus geschickt und dabei unauffällig die vielen beteiligten Schauplätze präzise verbindet. (...) Auch die Kamera ordnet sich ganz der sachlich-nüchternen Inszenierung unter, wobei die letzte Sequenz an Bord des Flugzeuges eine Meisterleistung der Handkamera bietet. Keines der filmischen Mittel aber wird hier Selbstzweck, der Film geht äußerst verantwortlich und sensibel mit seinem Inhalt um.

    In all seiner unspektakulären Machart ist dieser intensive Film auch ein Mahnmal für die Ohnmacht der Menschen, wenn sie dem Terrorismus ausgesetzt sind. Und: Der Zuschauer, dem die Ereignisse des
    11. September 2001 hinlänglich bekannt sind, wird durch diesen Film doch in atemloser Spannung gehalten und auch mit der Verzweiflung und Ohnmacht von "damals" konfrontiert. Dies ist ein Film, der nachhallt - und an dem sich all die künftigen Filme zu diesem Themenkomplex messen lassen müssen.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Was macht einen guten Film aus? Auf diese Frage gibt es entweder keine oder sehr viele unterschiedliche Antworten. Hier müsste die Frage etwas umformuliert werden: Genügt gute Filmtechnik, um einen guten Film zu machen? Denn die Technik des erfahrenen Regisseurs Paul Greengrass ist zweifellos gut.

    Gekonnt schneidet er zwischen den unterschiedlichen Bodenstationen und dem Innern des Flugzeugs hin und her, ohne den Zuschauer zu verwirren. Der Grad der Kamerabewegungen korrespondiert dabei mit dem Grad menschlicher Erregtheit. Je mehr das Bodenpersonal in hilflosem Chaos und emotionaler Unbeholfenheit versinkt, desto mehr scheint auch die Kamera die Kontrolle zu verlieren. Die Bewegung der Geschichte gleicht einem Strudel, der alles unabänderlich mit sich reißt und dabei mehr und mehr an Geschwindigkeit gewinnt. Am Ende des Films bleiben völliger Kontrollverlust und Bildfetzen, die nur noch erahnen, nicht aber wissen lassen.

    Und genau hier wäre der Übergang zu setzen zur oben angesprochenen Frage. Denn scheinbar wird dem Zuschauer hier das Wissen präsentiert: „So war es.“ Aber, es ist wichtig festzuhalten: „So war es nicht.“ Der Film ist keine Dokumentation, er ist ein fiktiver Spielfilm. Über die tatsächlichen Ereignisse an Bord lässt sich nur spekulieren, aber niemals die Wahrheit erzählen, so ausführlich man auch recherchiert haben mag.

    „United 93“ ist also eine Idee, wie es möglicherweise gewesen sein könnte. Zwei Überraschungen bietet der Film dabei allerdings schon. Die Terroristen werden nicht in ein Klischee gepresst. Neben der Angst vor dem Versagen und der Nervosität vor der Tat gesteht der Regisseur ihnen auch die Angst vor dem eigenen Tod zu.
    Gleichzeitig macht er die Passagiere nicht zu amerikanischen Helden, die, um ihr Land oder gar ihren Präsidenten zu schützen, einen Absturz herbeiführen, wie es die Medien hin und wieder propagierten. Gezeigt werden Menschen, die noch die geringste Hoffnung auf Überleben zum Anlass nehmen, gegen die Terroristen zu rebellieren.

    Gleichzeitig hilft ihnen die verzweifelte Aktion, die Unerträglichkeit der Situation zu mindern. Es scheint eine natürliche Reaktion zu sein, nicht auf den Tod warten zu wollen, sondern aktiv etwas zu tun. Dass das keinen Sinn mehr hat, weiß der Zuschauer am allerbesten. Den Wissensvorsprung, den er hat, wird er den ganzen Film über behalten, da es sich um eine wahre, medial zigfach verbreitete Geschichte handelt.

    Und genau deshalb ist der Film eben nicht gut. Denn er baut sich auf dem Schicksal real gestorbener Menschen auf. „United 93“ kann dabei kaum von sich behaupten, den Opfern eine Erinnerung ermöglichen zu wollen. Die Menschen an Bord werden zu Filmfiguren, von denen man wenig bis nichts persönliches erfährt. Aufklärung kann ebenso wenig Filmziel gewesen sein, dann hätte es schon ein Dokumentarfilm sein müssen, der sich nur auf Tatsachen und nicht auf fiktive Ideen stützt.

    Der Film speist sich aus der Neugier und der Lust der Zuschauer am Unglück anderer. Während dieser sich in den Kinositz kuschelt, kann er sich das sehr reale Schreckensszenario anschauen mit dem sicheren Wissen darüber, wie es ausgehen wird. Spannung und Emotionen resultieren allein aus dieser Tatsache heraus und werden durch emotionalisierende Musik und ebenso eingesetzter Kamera noch zusätzlich unterstützt. Die Opfer eines Anschlags werden auf diese Weise entwürdigt, ihr Schicksal kommerziell ausgeschlachtet. Und das sollte man beim Sehen des Films nicht vergessen.

    Fazit: Technisch guter, aber künstlerisch wertloser Film über den Absturz des vierten Flugzeugs am 11. September 2001.
  • Kino als Katharsis: Regisseur und Drehbuchautor Paul Greengrass betreibt mit seinem fiktionalisierten Dokudrama über die Entführung des einzigen Flugzeugs, das während der 9/11-Terroranschläge sein Ziel verfehlte, taktvolle Geschichtsaufarbeitung.

    Obwohl bereits zwei Kabel-TV-Produktionen über das heikle Thema mit positiver Zuschauerresonanz ausgestrahlt worden sind, wurden im Vorfeld der Kinoauswertung Fragen laut, ob es zu früh für einen Film über die nationale Tragödie sei. Ein Kino in Manhattan weigerte sich aus Pietätsgründen gar, den Trailer zu zeigen. Vorbehalte dieser Art sind jedoch nicht nötig, da Greengrass, der sich bereits mit dem Berlinale-Gewinner „Bloody Sunday“ einem historischen heißen Eisen annahm, das Material mit allem nötigen Respekt und Würde behandelt. Daher wundert es nicht, dass eine Reihe des involvierten Personals des Militärs und der Luftfahrtbehörde FAA sich selbst spielt.

    Für seine Version der Ereignisse benutzte Greengrass die bekannten Fakten (darunter die herzzerreißenden Telefongespräche der Passagiere) und Interviews mit Angehörigen und Freunden der Verstorbenen als Ausgangspunkt, um im Realzeitszenario über die Vorgänge an Bord während der 91 Minuten, die Flug 93 in der Luft verbrachte, bevor die Maschine in einem Feld in der Nähe von Pennsylvania abstürzte, zu spekulieren.

    An den Start geht die Story mit Aufnahmen der islamistischen Terroristen in ihrem Hotelzimmer, wo sie inbrünstig aus dem Koran zitieren. Abgesehen von dem melancholisch unheilkündenden Score skizziert Greengrass in Folge einen scheinbar ganz normalen Tag im Luftverkehr: einerseits das organisierte Chaos in den Kontrolltürmen, andererseits den Flughafen-Alltag von Passagiere und Crew. Ihre Gespräche sind so unaufregend wie die sich aus weitgehend unbekannten Gesichtern zusammensetzende Besetzung unauffällig ist. Damit wird unterstrichen, dass es sich bei den heroischen Passagieren, die selbstlos die Selbstmordmission der Terroristen vereitelten, um ganz normale Bürger in außergewöhnlichen Umständen handelte. Dabei wird man nicht mit den einzelnen Figuren vertraut gemacht, sondern mitten in die brenzlige Situation hineinversetzt. Dies wird mit den Reaktionen der Luftfahrtsbehörden und dem Militär, die von Unglauben über Schock und Entsetzen hin zu Frustration reichen, gegengeschnitten. Wie zuletzt in „Die Bourne Verschwörung“ kommt Greengrass‘ Stil mit handgehaltener Kamera, schnellen Schwenks, häufigem Zooming, verwackelten Bildern und rapidem Schnitt zum Einsatz. So haucht er den Szenen ein Maximum an Realitätsnähe und Dringlichkeit ein. Da die tragischen Ereignisse hinlänglich bekannt sind, faszinieren insbesondere die interpretierten letzten 20 Minuten an Bord, als die mit der Ausweglosigkeit der Situation konfrontierten Passagiere beschließen, sich zu wehren. Allein dadurch ist „Flug 93“ unabhängig von einzelnen Zuschauerreaktionen ein unter die Haut gehendes Kinoerlebnis. ara.

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