Florence Foster Jenkins Poster

„Florence Foster Jenkins“ - die Kritik

Alexander Jodl |

Stephen Frears verfilmt die letzten Monate im Leben der Florence Foster Jenkins – der wohl untalentiertesten Sängerin aller Zeiten. Nicht zuletzt dank toller Stars ein so berührendes wie witziges Meisterwerk.

Man sagt, Menschen bewundern dich für das, was du kannst und bist – aber sie lieben dich, für deine Fehler. Nie traf das stärker auf jemanden zu, als auf „Florence Foster Jenkins“. Anfang des 20. Jahrhunderts war die vermögende Dame Herz, Seele und oft genug Geldbeutel der klassischen Musik von New York. Eine gesellschaftlich hoch angesehene Mäzenin, verliebt in die Muse und deren hochbegabte Kinder, eng befreundet mit den großen Künstlern ihrer Zeit.

Keinerlei Talent – aber viele Freude

Zum Glück reich genug, um nicht „völlig durchgeknallt“ sondern „exzentrisch“ zu sein – dazu stets bereit, ihr eigenes gesangliches Talent unter Beweis zu stellen.Das leider nahe Null war: Intonation, Rhythmus, Stimmumfang – für die begeisterte Sängerin eine Welt ohne Zugang. Was sie keinesfalls davon abhielt, vor ausgewähltem Publikum auf die Bühne zu treten.

Die eigene Einschätzung ihrer stimmlichen Virtuosität stand nämlich im kompletten Widerspruch zur Realität: Eine beseelte Musikerin, die vor Begeisterung brannte – und sich so enthusiastisch wie talentfrei den Ruf der schlechtesten Stimme ersang, die je von einer großen Bühne herabschallte. Übertrieben? Hier lohnt eine Suche auf youtube.com. Ihre dort verewigte Interpretation von Mozarts „Der Hölle Rache lässt einem das Schmalz aus den Ohren rinnen.

Ein Denkmal der Unperfektion

Die letzten Monate ihres außergewöhnlichen Lebens hat Kultregisseur Stephen Frears in einen Film verwandelt. Und charmanter, ergreifender – und dazu witziger – kann man das nicht machen. Was für ein Glücksfall, dass er Meryl Streep für die Rolle der musikverliebten Lady begeistern konnte.

Einmal mehr beweist die begnadete Mimin, warum sie bereits drei Oscars im Schrank stehen hat und dazu den Rekord als meistnominierte Schauspielerin aller Zeiten hält. Sie haucht der Exzentrikerin so vielschichtiges Leben ein, dass man nicht umhin kann, jede ihrer Emotionen zu teilen: Begeisterung, Angst, Schwäche – und vor allem tiefe Liebe. Zur Musik. Aber auch zu ihrem Mann, der sich verzweifelt bemüht, der Liebe seines Lebens jede Entwürdigung durch Spötter und Kritiker zu ersparen.

Stars in Bestform

Hugh Grant liefert hier die beste Vorstellung seines Lebens ab. Endlich in Würde gealtert und nicht länger gefangen in der Rolle des ewigjungen Gentlemans spielt er, na gut, im Großen und Ganzen sich selbst: Einen alternden Schauspieler, der von sich behauptet, er habe irgendwann eines begriffen: Dass er gut sei, aber eben nie sehr gut sein würde – wodurch er endlich frei wurde. Mit „Florence Foster Jenkins“ ist Hugh Grant sehr gut geworden. Auch Simon Helberg, den meisten bekannt als Möchtegern-Macho Howard Wolowitz aus „The Big Bang Theory“, spielt ihren verdrucksten Begleit-Pianisten genussvoll auf den Punkt. In dieser Rolle eine echte Entdeckung.

Filmemacher Stephen Frears gelingt das Kunststück, in seiner warmherzigen Interpretation der letzten Auftritte seiner Heldin das starke Ensemble auch zum Strahlen zu bringen. Im Gegensatz zu Jenkins findet er stets den richtigen Ton und dazu passende warme Bilder. Und schafft so eine ergreifende Hommage an all die verzweifelten Helden, die lieber voll Leidenschaft untergehen, als ihre Träume zu begraben.

Auf Florence Foster Jenkins Grabstein steht zu lesen: „Die Leute können vielleicht behaupten, dass ich nicht singen kann, aber niemand kann behaupten, dass ich nicht gesungen hätte.“ Und nach dem wundervollen Filmerlebnis, das Stephen Frears uns schenkt, lieben wir sie dafür.

Der Trailer zu „Florence Foster Jenkins“

Hat dir "„Florence Foster Jenkins“ - die Kritik" von Alexander Jodl gefallen? Schreib es uns in die Kommentare oder teile den Artikel. Wir freuen uns auf deine Meinung - und natürlich darfst du uns gerne auf Facebook, Twitter oder Instagram folgen.