Flags of Our Fathers

  1. Ø 4
   2006
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Filmhandlung und Hintergrund

Flags of Our Fathers: Kriegsdrama von Clint Eastwood über die legendäre Schlacht von Iwo Jima.

Der 2. Weltkrieg tobt nicht nur in Europa, sondern auch im Pazifik – besonders auf der Insel Iwo Jima, die am 20. Februar 1945 von 30.000 amerikanischen Soldaten unter hohen Verlusten gestürmt wird. Darunter sind Navy-Matrose Bradley (Ryan Phillippe) und die Marines Gagnon (Jesse Bradford), Hansen (Paul Walker), Ignatowksi (Jamie Bell), Indianer Hayes (Adam Beach) und ihr Sergeant (Barry Pepper). Sie hissen auf dem Berg Suribachi die amerikanische Fahne und ihr Bild wird – zum Teil postum – um die Welt gehen und sie berühmt machen.

Nach dem Oscar-Triumph von „Million Dollar Baby“ wandeln Clint Eastwood und sein Autor Paul Haggis auf den Spuren von „Der Soldat James Ryan„, wenn sie mit Starbesetzung die tragisch-legendäre Schlacht um eine Pazifikinsel realistisch nachzeichnen.

Im Februar 1945 ist der Krieg für Amerika zwar in Europa fast gewonnen, aber im Pazifik sind die brutalsten Schlachten noch nicht ausgefochten. Zu einer besonders kompromisslosen Auseinandersetzung kommt es auf der Insel Iwo Jima, wo fünf Marines und ein Navy-Matrose auf dem Berg Suribachi die amerikanische Fahne hissen. Das Bild geht wenig später um die Welt und macht die Sechs unsterblich – auch wenn einige von ihnen niemals davon erfahren.

Noch während der Kampf um die japanische Insel Iwo Jima tobt, werden der introvertierte John „Doc“ Bradley, der leichtlebige Rene Gagon und der traumatisierte Indianer Ira Hayes von der Pazifikfront abgezogen, um zu Hause unter größtem PR-Rummel die Werbetrommel für Kriegsanleihen zu rühren. Denn Krieg kostet Geld. Also reisen die Heroen quer durch die Staaten, stellen unter frenetischem Applaus in Stadien nach, wie sie auf der fernen Insel die US-Flagge hissten. Und am anderen Ende der Welt fallen ihre Kameraden wie die Fliegen.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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    Sowohl die Schlacht vom Februar 1945 um die japanische Insel Iwo Jima - ein einsames Eiland mit schwarzen Sandstränden und Schwefelhöhlen - als auch das Foto vom Hissen der amerikanischen Fahne auf Mount Suribachi zählen zu den berühmtesten Mythen des Zweiten Weltkrieges, wurden gleichsam zu amerikanischen Ikonen.

    Clint Eastwoods Auseinandersetzung mit diesem Thema liegt völlig abseits nationaler Legendenbildung, ist ein faszinierender Gegenentwurf.

    "In den Kriegsfilmen meiner Jugend", so Eastwood, "war die Welt klar in die Guten und die Bösen aufgeteilt. Das hat aber mit der Realität des Krieges nichts zu tun ... Es geht mir um das, was der Krieg in den Menschen anrichtet."

    Clint Eastwood hinterfragt in mehreren Schichten die Erinnerung an den Mythos. Zunächst durch ein illusionsloses Abbild der Gewalt und Grausamkeit des Krieges. Die Landung auf Iwo Jima erweist sich als Himmelfahrtsunternehmen der makabersten Art. Die Sturmtruppen geraten in eine tödliche Falle, gehen einen schockierenden Opfergang.

    Nach der Rekonstruktion des Grauens reflektiert der Film dann mit Bitterkeit und Sarkasmus die Konstruktion von Helden und ihre Instrumentalisierung. Drei Überlebende der Fahnenhissung werden auf eine Tour durch amerikanische Städte geschickt, um das patriotische Fieber anzufachen und für Kriegsanleihen Stimmung zu machen. Eine fragwürdige Show, die für die Drei zur Farce und zur Tragödie gerät.

    Eastwood perforiert die "Heldentour" immer wieder mit Erinnerungssequenzen, die das Trauma der Soldaten zum suggestiven Albtraum machen.

    Die Heldendämmerung vollendet sich dann in der Nachkriegsgesellschaft. Sie fallen förmlich aus der Normalität der Welt, ihre Tragödie schreibt sich zu Ende, am beklemmendsten die des indianischen Soldaten Ira Hayes.

    Ohne plakativ irgendwie darauf zu verweisen, ist Clint Eastwoods Film auch ein intensiver Dialog mit der jüngsten US-Geschichte nach dem 11. September 2001.

    Die bohrenden Fragen nach der "echten" Erinnerung und der subtile Diskurs mit der Macht der Bilder und ihrer Manipulation machen "Flags of Our Fathers" zu einem alles andere als historischen Kunstwerk.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Beruhend auf dem gleichnamigen Buch von James Bradley (dem Sohn des Sanitäters John Bradley) inszenierte Clint Eastwood gleich zwei Filme: „Flags of our fathers“ und „Letters from Iwo Jima“, der die Ereignisse aus japanischer Sicht schildert und 2007 in die Kinos kommen wird. Wie also einen Film beurteilen, der eigentlich nur ein halber ist – denn „Flags of our fathers“ blendet die japanische Position konsequent aus, der Feind erscheint allenfalls als anonymes Wesen in Uniform, das es zu erschießen gilt. Doch wer ein Kriegepos voller monumentaler Kampfszenen erwartet, liegt falsch. Eastwood konzentriert sich über weite Strecken auf die Ereignisse in den Vereinigten Staaten. Nach dem rund halbstündigen Schlachtengewirr um Iwo Jima verschiebt sich der Schwerpunkt des Films mehr und mehr an die „Heimatfront“.

    Doch zunächst die alles entscheidende Schlacht: in entsättigten, beinahe schwarz-weiß wirkenden Bildern kämpft sich eine Truppe unerfahrener, fast naiver Soldaten durch den schwarzen Vulkansand von Iwo Jima, durch eine Welt, in der der Tod allgegenwärtig ist. Wie eine verlassene Toteninsel erscheint das Eiland zunächst, als die amerikanischen Marines zur Eroberung ansetzen. Doch dies entpuppt sich schnell als Trugschluss: die Japaner verteidigen nach Kräften ihre Insel. Die Schlacht um das strategisch günstig liegende Iwo Jima ging als eine der blutigsten in die Geschichte ein: Fast 7 000 Amerikaner und 21 000 japanische Soldaten (von 22 000) fielen den Kämpfen zum Opfer. Doch trotz präziser Kameraführung und exzellenter Tongestaltung, bei der man jedes Sandkorn unter den Stiefeln der Marines knirschen hört, entwickeln die auf Island gedrehten groß angelegten Schlachtszenen nur selten jene Beklemmung, die man aus vergleichbaren Kriegsfilmen kennt.

    Zurück in den Vereinigten Staaten werden Ira, John und Rene von einer Veranstaltung zur nächsten weitergereicht, um für den Kauf von Kriegsanleihen zu werben. „Ihr habt für einen Berg im Pazifik gekämpft, jetzt kämpft ihr für einen Berg von Geld“, wird ihnen lapidar erklärt. Dafür ist der politischen Führung alles recht: die Szene, in der die Flagge gehisst wird, wird in großen Stadien für die Öffentlichkeit nachgestellt oder als Vanilleeis mit Erdbeersoße präsentiert, die wie Blut über das Heldenbild fließt. Von Anfang an demontiert Regisseur Eastwood das Bild der Helden, die den Amerikanern zu Hause neue Hoffnung bringen sollen. Denn die klinisch reine Inszenierung in den USA hat nichts gemein mit den grausamen Kampfhandlungen, die die neuen Helden der Nation in Japan erlebt haben. „Das ganze ist eine verdammte Farce“, echauffiert sich der Indianer Ira, der am meisten unter der Situation leidet.

    Gewitter, die Blitze der Fotografen und die monumentalen Feuerwerke der Feierlichkeiten evozieren immer wieder Schlacht und Kugelhagel und werden zum Auslöser zahlreicher Flashbacks, die die Figuren und mit ihnen die Zuschauer zurück nach Iwo Jima befördern. In der zweiten Hälfte des Films nehmen dann solche Szenen die Überhand, in denen James Bradley sich an die Erzählungen seines Vaters, des Sanitäters erinnert. Die Erzählstruktur, mit der Oscar-Preisträger Clint Eastwood versucht, die verschiedenen Ebenen zusammenzuhalten, in dem er zwischen den einzelnen Ebenen hin- und herspringt, schadet „Flags of our fathers“ jedoch mehr, als sie ihm nützt. Denn so gelingt es ihm nicht, ein erzählerisches oder emotionales Zentrum aufzubauen. Auch die schematisierten Auslöser der Rückblenden verkommen mehr und mehr zum rein für die Logik der Erzähltechnik benötigten Moment.

    Die flache Figurenzeichnung tut ein Übriges dazu, dass sich die Geschichte schnell totläuft: der alkoholkranke Indianer Ira, der mit den Kriegserlebnissen nicht umgehen kann, der Sanitäter John als harmloser all american boy und der Medienliebling Rene, der wegen der schicken Uniform zu den Marines gegangen ist, wirken wie ein gewollter Querschnitt durch die Bevölkerung, der nur wenig Raum lässt für die Entwicklung der Charaktere. Clint Eastwood und Produzent Steven Spielberg haben sich bewusst dafür entschieden, die Hauptrollen mit jungen, weniger bekannten Schauspielern zu besetzen, die das naive Auftreten der unerfahrenen Soldaten glaubhaft verkörpern könnten. Doch es gelingt diesen unverbrauchten Gesichtern Ryan Phillippe, Jesse Bradford und Adam Beach nur selten, ihre Charaktere mit Inhalten zu füllen, die über stereotype Allgemeinplätze hinausgehen.

    Ein Problem aber ist viel essentieller und führt zu einem fundamentalen Widerspruch innerhalb des Films: Schon früh zeigt Eastwood, dass die Erlebnisse der Soldaten und ihre Präsentation in der amerikanischen Öffentlichkeit nur wenig gemein haben. Gründlich entlarvt er die PR-Maschinerie und demontiert er das Bild der Kriegshelden, die selbst nie welche sein wollten. Von dem Bild der Retter der Nation, das die Offiziellen kreieren, blättert schnell die Farbe ab, und kurze Zeit nach Kriegsende geraten die vermeintlichen Helden von Iwo Jima in Vergessenheit. Als sie die amerikanische Flagge gehisst haben, war diese für sie ein Symbol ohne Inhalt, eine Pflichtübung ohne besondere Bedeutung, auf Befehl ihres Kommandanten ausgeführt, nicht aus Liebe zum Vaterland. „Es gibt keine Helden. Helden sind etwas, das wir geschaffen haben“, lässt der Regisseur den alten John Bradley am Sterbebett sagen. Doch so sehr Eastwood die Helden und die Kriegspropaganda einerseits auseinander nimmt, so hebt er andererseits auch die Kameradschaft der Soldaten hervor. Und kreiert damit einen neuen Heldentypus – keinen öffentlichen, der eine Flagge aufstellt, sondern einen, der „für seine Freunde gestorben ist.“ So traut sich der Regisseur zwar, die Kriegspropaganda zu kritisieren (denn er hat diesen Film sicher nicht ohne Grund gerade zu Zeiten des Irakkriegs gedreht) – das Konzept des Heldentums selbst in Frage zu stellen wagt er jedoch nicht.

    Fazit: Clint Eastwood hat viel gewollt – und ist auf hohem Niveau gescheitert.
  • Clint Eastwood betreibt mit seinem ambitionierten Kriegsfilm um die legendäre Schlacht auf der japanischen Insel Iwo Jima anno 1945 sowohl patriotische Geschichtsaufarbeitung als auch kritische Auseinandersetzung mit Heldenverehrung.

    Das historische Foto der fünf Soldaten und des Navymatrosen, die das Sternenbanner auf Mount Suribachi hissten, inspirierte im Zweiten Weltkrieg eine ganze Generation und evoziert für Amerikaner noch heute tiefsten Nationalstolz. Die Definition von Gut und Böse, Held und Übeltäter ist jedoch von jeher realistisch gesehen nicht mit idealistischer Schwarzweißmalerei zu bewerkstelligen. Dies vermeidet Eastwood, der sich 20 Jahre nach „Heartbreak Ridge“ erstmals wieder dem Kriegsfilm zuwendet, auch tunlichst. In Abweichung seines generell eher geradlinigen Stils erzählt Eastwood komplex und verschlungen in chronologisch hin- und herspringenden Flashbacks von der höllischen Schlacht (mit etlichen beeindruckenden CGI-Aufnahmen) und der folgenden bombastischen Publicitytour, die zur Verkaufsankurbelung von Kriegsanleihen organisiert wurde. Eingeklammert wird die Story zudem mit Szenen vom gealterten Kriegsveteran John „Doc“ Bradley und später seinem recherchierenden Sohn James. Auf seinem Tatsachenbuch beruht das Skript von Paul Haggis („Million Dollar Baby“) und William Brayley Jr.(„Jarhead“). Letzterer hatte den ersten Entwurf für Steven Spielberg geschrieben, der ursprünglich die Rechte erworben hatte und nun als Produzent auftritt. Folglich erinnern die Gefechtsszenen, die in monochromatisch dunkel-dreckiger Farbpalette ein höllisches Pandemonium schildern, nicht von ungefähr an Spielsbergs Genremeilenstein „Der Soldat James Ryan“. Ebenso schonungslos sind die von Kameramann Tom Stern eingefangenen Details: zerfetzende Schusswunden, abgerissene Gliedmaßen, brennende Körper, hervorquellende Gedärme, von Panzern überrollte Tote und Verwundete. Von den Männern, die die Fahne gehisst hatten, überleben drei: der introvertiert-stille Bradley (Ryan Phillippe fungiert als sympathische Identifikationsfigur), der charmant-opportunistische Rene Gagnon (Jesse Bradford) und der sein emotionales Trauma in Alkohol ertränkende Indianer Ira Hayes (Oscar-Buzz für Adam Beach aus „Smoke Signals“). Sie werden vorzeitig von der Front abgezogen und dem Volk als verehrungswürdige Helden verkauft – auch wenn dies tatsächlich nicht bedingungslos der Fall ist und ihnen der Medienzirkus selbst (abgesehen von Gagnon) mehr als peinlich ist. Ihr Werdegang nach dem Krieg wird ebenfalls angeschnitten und rundet das zur Nachdenklichkeit anregende Kriegsdrama ab.

    Eastwood, der wie gewohnt auch die Musik komponierte, liegt daran zu zeigen, dass es letztendlich keine Helden, wie sie im Volksmythos gerne kreiert werden, gibt. Er skizziert sie (insbesondere im Fall von Hayes) als tragische Figuren, die über menschliche Attribute sowie Ecken und Kanten verfügen. Dabei wird die Erinnerung an sie persönlich selbstverständlich in keiner Weise angegriffen, dies bleibt geldgierigen Politikern, die scheinheilig auf flammenden Patriotismus pochen, vorbehalten. Damit schlägt der zweifache Oscargewinner eine recht unverkennbare Gedankenbrücke zur aktuellen Situation im Irak, was den teils auf Island gedrehten Film nicht nur für nostalgische Kriegsveteranen relevant machen sollte. Erwähnenswert ist zudem, dass die lebende Legende bereits „Letters From Iwo Jima“ abgedreht hat, worin die Ereignisse aus japanischer Sicht erzählt werden. Dirty Harry weiß eben wie man explosive Geschütze auffährt. ara.

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