Fasten à la carte

Filmhandlung und Hintergrund

Fernsehfilm mit Dietmar Bär als gebeutelter Gastrokritiker, dem der Geschmackssinn abhanden kommt.

Nach einem Sturz verliert Gastrokritiker Gilles Demmonget jene Gabe, die ihn berühmt gemacht hat: Er schmeckt nichts mehr. Dabei soll er ausgerechnet jetzt zum Kochduell gegen einen Nachwuchsstar antreten. Einzige Chance ist eine Fastenkur in einem Hotel auf Sylt, das ausgerechnet von jener Frau geleitet wird, über die er sich noch vor Kurzem lustig gemacht hat. Prompt öffnet der Verzicht auf die gewohnten Schlemmereien dem Kochgenie die Augen für die wahren Werte des Lebens.

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Kritikerrezensionen

  • Fasten à la carte: Fernsehfilm mit Dietmar Bär als gebeutelter Gastrokritiker, dem der Geschmackssinn abhanden kommt.

    Wenn ein Mensch ausgerechnet jene geniale Gabe verliert, die ihn aus allen anderen heraushebt, dann hat er ein Problem; und das ist weit größerer Natur, als er zunächst glaubt. Bei Siegfried Lenz („Die Auflehnung“) war es ein Teeverkoster, in dieser Geschichte ist es ein Kochgenie, das seinen Geschmackssinn verliert.

    Gilles Demmonget ist zudem nicht irgendein Gourmet. Freunde und Feinde respektieren ihn als „Riesen des guten Geschmacks“: Der Gastrokritiker hat bei einem Privatsender eine eigene TV-Show und weiß seine kulinarischen Scharmützel als sorgsam formulierte Bosheiten zu servieren, was den Schmerz der Opfer nur noch vergrößert. Aber damit ist nun Schluss: Nach einem Sturz schmeckt für Gilles, den Freunde von früher noch unter seinem bürgerlichen Namen Günter Esser kennen, alles gleich. Unter diesen Bedingungen kann er unmöglich zu dem von einem Boulevardblatt angezettelten Kochduell gegen einen Nachwuchs-Star antreten.

    Die Rolle ist nicht nur äußerlich wie geschaffen für Dietmar Bär, der als Zyniker eine ausgezeichnete Figur macht. Schriftsteller Gernot Gricksch, der einer Vorlage von Kathrin Wilkes und Anne Otto den letzten Schliff gegeben hat, legt ihm großartige Dialoge in den Mund. Während eines Besuchs bei alten Freunden kürt Gilles eine zwar nicht unattraktive, aber offenkundig jeder Art von Hedonismus abgeneigte Besucherin (Inka Friedrich) zum bevorzugten Opfer. Marit, eigentlich Entwicklungshelferin, hilft ihrem Bruder in dessen Fastenpension auf Sylt, was sie prompt zum Ziel wohlformulierter Gehässigkeiten des TV-Stars macht. Nach dem Sturz aber ist ausgerechnet Marit seine letzte Hoffnung: Der Verzicht auf Gaumenfreuden aller Art soll seine Sinne wieder schärfen. Und weil der Geschmacksverlust natürlich bloß ein Symptom ist, öffnet die Fastenkur Gilles die Augen für die wahren Werte des Lebens.

    In einer der schönsten Szenen des Films verführt der Gourmet-Guru die bis dahin abholde Marit in aller Öffentlichkeit und ohne eine einzige Berührung: Er lädt sie zum Essen ein; Bär und Friedrich spielen diesen erotischen Moment, in dem sich die Widerspenstige zähmen lässt, ganz wunderbar. Gleiches gilt für die vielen großartigen Nebendarsteller. Allein im Fastenhotel haben die Autorinnen und der Autor höchst skurrile Gäste versammelt. Hans-Erich Viet, als Ostfriese ohnehin genau der Richtige für Grickschs trockenen Hamburger Humor, gibt dem Ensemble immer wieder die Möglichkeit, sich zu entfalten; darunter Waldemar Kobus als Fernfahrer, der sich als wandelndes Lexikon entpuppt; Victoria Trautmannsdorff als Ehefrau, die ihren Gatten nie zu Wort kommen lässt; und Catrin Striebeck als eines der vielen flüchtigen Vergnügen Demmongets. Es gelingt der Frau, die zarten Bande zwischen Marit und dem nach Sylt geflohenen Gilles zu torpedieren, indem sie das Boulevardblatt informiert. Den Chef dieser „Tagespost“ - „Unsere Rechtsabteilung ist so groß wie Liechtenstein“ - spielt Martin Brambach auf seine unverwechselbare Art herrlich hinterhältig. Aber als Gilles endlich doch noch zum TV-Duell antritt und die Gelegenheit nutzt, Marit einen öffentlichen Antrag zu machen, ist die längst auf dem Weg zurück nach Afrika. tpg.

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