Für Links auf dieser Seite erhält kino.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder blauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
  1. Kino.de
  2. Filme
  3. Fasten auf Italienisch
  4. Fakten und Hintergründe zum Film "Fasten auf Italienisch"

Fakten und Hintergründe zum Film "Fasten auf Italienisch"

Fakten und Hintergründe zum Film "Fasten auf Italienisch"
Poster Fasten auf Italienisch

Streaming bei:

Alle Streamingangebote

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Interview mit dem Regisseur

Der auf der sozialen Wirklichkeit basierende FASTEN AUF ITALIENISCH ist eine für Ihr bisheriges Schaffen eher ungewöhnliche Produktion.

Kad und ich hatten bereits seit langem Lust, eine Komödie zu einem etwas hintergründigeren Thema zu machen. Wir wollten nicht gleich eine gesellschaftskritische Komödie drehen, aber wir träumten davon, in einem Film etwas mehr zeigen zu können, ohne den Humor zu verlieren, der schon immer unser wichtigster Lebensgrund war. Wir haben beide gesucht, bis wir das Drehbuch von Nicolas Boukhrief und Eric Besnard über die Schwierigkeiten, die auch heute noch bedeutet, ein Franzose mit Migrationshintergrund zu sein, entdeckt haben.

Ihre ursprüngliche Version der Geschichte war sehr anders, eher realistisch, oder?

Nicolas Boukhrief kommt nicht von der komödiantischen Seite, und mit Eric Besnard hatten wir glücklicherweise jemanden, der sich vorstellen konnte, dass wir dem Thema eine leichtere Handschrift verpassen könnten.

Wie war der Prozess des Umschreibens?

Zuerst einmal hatte ich das Bedürfnis, das Essentielle herauszuarbeiten, um mich gefühlsmäßig dem Film annähern zu können: Die Hauptperson sollte keinen perfekten Italiener spielen, sondern sollte als perfekter Franzose, fast schon als Karikatur davon, durchgehen. Zweifellos zu bemüht, da er ja sogar, um vor seinen Kollegen das Gesicht nicht zu verlieren, ihre rassistische Haltung übernimmt. Der Film würde nicht für jeden lustig werden. Um mir ganz sicher zu sein, gab ich das überarbeitete Script Kad, und er meinte: „Unmöglich.“ Schließlich geht es auch ums Geld! (lacht). Das ist der Vorteil, wenn man sich gut kennt! Ich habe mich also noch mal an die Arbeit gemacht und das Drehbuch mit Kads Vorschlägen verbessert.

Inwieweit ähnelt die Hauptfigur Kad Merad, bevor er berühmt wurde?

Ich glaube, dass Kad weniger als sein Vater unter diesen kleinen, alltäglichen Diskriminierungen zu leiden hatte, denen Migranten aus dem Maghreb und Afrika ausgesetzt waren. Im Gegensatz zu Dino im Film entschied Kad, dass er seinen Vornamen nicht ändern müsse, um seine Herkunft zu verschleiern. Er hat eine Silbe fallen lassen, was eine kleine Anpassung an die gesellschaftliche Realität bedeutet, die ich aber eher interessant finde. Dennoch hat er sich nie auf eine Rolle festlegen lassen. Als Kad mir erzählte, dass und warum sein Vater sich sein ganzes Leben Rémi nannte, fand ich das unglaublich. Wenn man da ein wenig genauer hinsieht, entdeckt man, dass viele Männer dieser Generation dasselbe gemacht haben, beispielsweise für ein Vorstellungsgespräch einen französischen Vornamen wählten.

Das ist genau die Haltung, die Dino im Film innehat.

Ja, weil er nicht die beruflichen Möglichkeiten verpassen wollte, die ihm deshalb angeboten wurden. Und er zieht es durch: Er erfindet nicht nur einen italienischen Vornamen, sondern gleich eine ganze Familie dazu! Er versinkt in einer endlosen Identitätslüge, vor allem in den Augen seiner Freundin. Genau da gleitet das Thema ins Komödienhafte ab.

Der Film unterstreicht die Bedeutung von Religion, da Dino sich entschließt, den Regeln des Koran zu folgen, um seinem Vater einen Gefallen zu tun. Wie haben Sie diesen Aspekt herausgearbeitet?

Stéphane Ben Lahcene hat uns geholfen, die Szenen so korrekt und glaubwürdig wie möglich zu gestalten, in denen Dino betet und versucht, die Regeln des Ramadan zu befolgen.

Die Gebetsszenen strahlen eine schöne Feierlichkeit aus und bieten Kad einige Momente reiner Emotionalität. Wie führt man Kad Merad bei starken Gefühlen?

Ganz einfach. Um so mehr, als diese Szenen für Kad selbst eine besondere Bedeutung hatten, die er mit einem Coach erarbeitete, um sie protokollarisch richtig zu gestalten. Das hat uns echte Streitereien eingebracht, da ich ein Gebet auf der Terrasse drehen wollte, mit Sonnenaufgang und er dazu meinte: „Auf keinen Fall. Das Gebet ist drinnen.“ Ich bat ihn, für die Schönheit der Aufnahme einen kleinen Verstoß gegen die orthodoxen Regeln zu begehen. Und schlussendlich machten wir die Ausnahme.

Sind Sie gläubig?

Weder gläubig noch praktizierend, was mich nicht davon abhält, großen Respekt vor Religion im allgemeinen zu haben, die von den meisten mit einer großen Toleranz praktiziert wird. Die Szenen, in denen Dino einen Imam konsultiert und einen Fundamentalisten trifft, haben wir so gedreht, wie wir es mit einem christlichen Pfarrer gemacht hätten.

Wann wurde Ihnen bewusst, dass wir in einer multiethnischen Gesellschaft leben?

Eigentlich ziemlich spät! Ich wurde in den 1970ern in der Normandie groß, und vor Kad hatte ich keine maghrebinischen Freunde. (lacht). Wenn ich richtig nachdenke, fällt mir ein, dass ich einen afrikanischer Freund hatte, aber das war auf einer Privatschule in Caen, sein Vater war Diplomat … Also nicht wirklich repräsentativ! Also sehr spät, als ich Anfang der 80er in Paris ankam, entdeckte ich, dass verschiedenen Nationalitäten ganze Stadtteile besiedelten.

Wie fanden die anderen Darsteller ihren Platz zwischen Kad und Ihnen?

Kad ist letztlich derjenige, mit dem ich am wenigsten diskutiere. Wir haben uns davor schon so viel ausgetauscht (das dauert jetzt immerhin schon 20 Jahre), das es beim Drehen immer sehr schnell geht. Ich verbringe mit den anderen Darstellern wesentlich mehr Zeit.

Ist der Film Ihr Beitrag zur gegenwärtigen Identitätsdebatte?

Nein, ich habe eine Komödie mit einem sozialen Hintergrund gemacht, mit der ich am besten meine Position zu dieser Fragestellung darstellen konnte. Aber wenn FASTEN AUF ITALIENISCH das Publikum auch nur ein klein wenig zur Reflexion über dieses Thema anregt – um so besser.

FASTEN AUF ITALIENISCH ist ein Film, der Kad und mir ähnelt, in dem was wir lieben und können: die Menschen zum Lachen bringen und sie rühren.

Inerview mit Kad Merad (Dino)

Ihre Mutter ist Französin und Ihr Vater kommt ursprünglich aus Algerien. Was sind Ihre ersten Erinnerungen an Algerien?

Als wir in den Ferien im August dorthin fuhren. Mein Vater hatte einen Ami 8, wir vier Kinder saßen auf dem Rücksitz, meine Schwester und meine Brüder. Das war krass, das kann ich Ihnen versichern. Ich erinnere mich, dass wir mindestens drei Stunden an der marokkanisch-algerischen Grenze warten mussten. Die Reise dauerte mindestens drei Tage, ohne Klimaanlage, und wir übernachteten im Auto. Die Ankunft im Dorf war ein Fest. Meine Großeltern hatten einen kleinen Bauernhof in Ouled Mimoun (auf französisch Lamoricière), in der Nähe von Tlemcen.

Wie wurden Sie dort empfangen?

Alle waren supernett zu uns, mit einer ansteckenden, direkten Warmherzigkeit. Wir waren ja trotzdem die „kleinen Weißen“, auch wenn die Integration dank unserer Vornamen etwas einfacher war: Kaddour, Karim, Yasmina und Reda. Unsere Mutter wollte, dass wir arabische Vornamen haben.

Können Sie arabisch sprechen?

Nein, gar nicht. Und meine Großmutter konnte kein Französisch. Doch trotzdem herrschte zwischen eine innige Verbundenheit. Wir verbrachten unsere Ferien damit, aus vollem Hals zu singen und im Hof zu spielen. Ich erinnere mich an einen Springbrunnen und dass wir uns wie Könige fühlten. Wir waren nicht wirklich daheim, und doch fühlten wir uns wie zu Hause.

Hatten Sie keine Lust, die Sprache zu lernen?

Arabisch ist eine sehr schwierige Sprache, und unser Vater drängte uns nie. Manchmal glaubte ich, dass es nur eine Sprache zum Anschreien sei, als so martialisch empfand ich sie. Aber heute bedauere ich, dass ich mich nicht mehr darum bemüht habe. Ich könnte beides sprechen und würde weniger dumm aus der Wäsche gucken, wenn ich auf Landsleute treffe und die mich gleich auf arabisch vollquatschen, weil sie glauben, dass ich es sprechen kann! (lacht)

Was gefällt Ihnen an dieser Kultur?

Wenn ich arabische Musik höre, bekomme ich Gänsehaut. Das erinnert mich an die Sonntage meiner Kindheit. Mein Vater liebte es, Musik aus seiner Heimat zu hören, während er Couscous zubereitete.

Sind Sie trotz oder wegen Ihrer Herkunft Schauspieler geworden?

Ein wenig von beidem, tatsächlich. Ich war Schauspielschüler und wegen meines Namens entging mir eine Hauptrolle im Theater. Damals frustrierte mich das sehr, aber heute ist das nur noch eine vage Erinnerung.

Die Hauptrolle kam doch noch?

Ja, die eines maghrebinischen Erziehers in der Fernsehserie „Le Tribunal“. Meine Figur hieß Ahmed Ben Mabrouk und ich sagte mir, dass ich aufpassen müsse, nicht auf die Rolle des Arabers vom Dienst festgelegt zu werden. Damals hätte ich beinahe die gleiche Dummheit wie Mourad im Film begangen und meinen Namen in François Merad geändert – als Türöffner. Ich habe ernsthaft daran gedacht.

Hatte Ihr Vater in seiner Jugend dasselbe getan?

Mein Vater heißt Mohamed, aber jeder kannte ihn als Rémi. Das gefiel ihm, damit vermied er es, dass die anderen über seine Herkunft nachdachten, und hatte im Berufsleben seine Ruhe. Aber ich wollte dieses Schema nicht wiederholen und blieb Kaddour, wenn auch unter der Abkürzung Kad.

FASTEN AUF ITALIENISCH gibt also die Wirklichkeit wieder?

Absolut. Wir wollten keinen politischen Film machen, aber die Geschichte kratzt an einem sehr zeitgemäßen Thema, am Verständnis von Identität und Nationalität. Der Film blickt wie durch eine Lupe darauf, macht eine Bestandsaufnahme. Zwar mit komischen Mitteln, aber die Aussage stützt sich auf die Realität. Die französischen Pizzerias werden von vielen Mourads betrieben, die sich Dino nennen. (lacht)

Bedeutet FASTEN AUF ITALIENISCH eine neue Arbeitsweise?

Ich glaube nicht, dass das Ziel ist. Olivier und ich haben bereits soviel zusammen gemacht, dass wir mal was Neues ausprobieren wollten. Als wir das Originaldrehbuch von Nicolas Boukhrief und Éric Besnard entdeckten, waren zunächst einmal einfach total von der Tiefe des Themas berührt. Ohne etwas von dem leugnen zu wollen, was wir bis dahin gemacht haben, ist FASTEN AUF ITALIENISCH etwas ganz anderes, sogar als „Safari“, der reinen Komödie nur zum Loslachen. Wegen unseres Alters und der Tatsache, dass wir Kinder haben, fühlen wir uns zweifellos verantwortlicher.

Der Film thematisiert die Bedeutung von Religion im alltäglichen Leben der Hauptperson. Er ist nicht gläubig, aber um seinem Vater zu gefallen, versucht er, religiös zu leben.

Weder mein Vater noch meine Mutter waren gläubig. Wir essen nur kein Schweinefleisch. Ich erinnere mich nur daran, dass meine Großmutter betete, aber diskret in ihrem Zimmer. Das war nichts besonderes, wir sprachen noch nicht einmal darüber.

Wie fanden Sie die Gebetsszenen?

Ich war sehr bewegt. Die Vorarbeit mit einem Berater, der mir das Zeremoniell nahe brachte, hatte mich mental auf dieses Gefühl eingestimmt. Ich wollte das so gut machen, dass mir diese Religiosität abgenommen wird. In der Tat berührt mich die Geschichte dieses Mannes. Sie gefällt mir. FASTEN AUF ITALIENISCH ist die Geschichte eines Mannes, der sich von seinen Ängsten befreit und sich selbst kennenlernt.

Und ich hätte jetzt Lust, mit meinem Sohn Khalil nach Algerien zurückzukehren, um ihm den Familienhof zu zeigen und die Geschichten zu erzählen.