Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind Poster

„Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ – die Kritik

Alexander Jodl |

Magiezoologe Newt Scamander verschlampt im News York der späten 20er einige „Phantastische Tierwesen“ – und führt uns bei der Suche zurück in eine zauberhafte Welt, die wir seit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ schmerzhaft vermisst haben.

Über fünf Jahr ist es jetzt her, dass wir der Welt von J.K. Rowling einen letzten filmischen Besuch abstatten durften: Hogwarts wiedersehen, Magie erleben – und mit Harry Potter samt seinen Freunden beim Kampf gegen Voldemort mitfiebern. Ganze zehn Jahre hatten wir damals den jungen Magier auf seinen Abenteuern im Kinosaal schon begleitet.

Gemeinsam mit ihm und Star Daniel Radcliffe sind wir älter geworden. Parallel dazu sind auch Konflikte und Gefahren gewachsen, mit denen der Zauberlehrling samt Publikum in insgesamt acht Filmen konfrontiert wurde. Und plötzlich hieß es dann: Aus der Zauber. Bitte alle das magische Land verlassen, Harry hat’s endgültig geschafft. Und irgendwie wollen seit der Zeit Abermillionen Muggels wieder genau dahin zurück.

Neue Magier braucht das Land

Doch jetzt kommt der junge Magier Newt Scamander aus dem Nichts, resp. aus der Vergangenheit von Harry – und hält uns die Tür dahin weit auf. Nun ist es seine Geschichte, die Regisseur David Yates erzählt, der schon die letzten vier „Potter“-Filme auf die Leinwand gebracht hat. Und diese Einladung darf man nicht ausschlagen. Nicht zuletzt, da die geistige Mutter von Harry, Joanne K. Rowling, erstmals auch fürs Drehbuch verantwortlich zeichnet.

Wo Harry ein Junge war, ist Newt konsequenterweise ein junger Mann mit den Problemen eines solchen. Schussligkeit steht dabei ganz oben auf der Liste. Gefolgt von Schüchternheit und einer generellen Abneigung, Regeln zu befolgen. Vor allem Regeln, die sein großes Hobby betreffen: Das Sammeln und Pflegen magischer Tiere.

Dieses ist es auch, das den 29-jährigen Engländer nach New York führt. Mit im Gepäck: ein erstaunlich geräumigen Koffer voll seiner zauberhaften Schützlinge. Nur dass der Tölpel es prompt schafft, diesen im Big Apple der „Roaring Twenties“ zu verschlampen. Statt „phantastischen Tierwesen“ findet er in seinem Lederkoffer leckere Backwaren. Und Bäcker Jacob Kowalski findet in seinem Lederkoffer... – eine wirklich große Überraschung.

Das gibt Ärger mit den Behörden

Zwar ist keines der eingeschleppten Wesen wirklich gefährlich, aber alle haben durchaus ihre Eigenarten: Die reichen von der extremen Goldgier eines Nifflers bis hin zum sagenhaften Wachstums eines Occamy. Bei aller Friedfertigkeit kann sowas durchaus drastische Folgen haben. Unter anderem für Newt. Speziell, da der magische Kongress weder der Einfuhr von Tieren, noch dem Offenbaren seiner Existenz gegenüber Nichtmagiern, sogenannten No-Majs, besonders aufgeschlossen gegenübersteht. Ganz im Gegenteil.

Für diese Behörde arbeiten auch Porpentina Goldstein (Katherine Waterston) und ihre Schwester Queeni (Alison Sudol) – allerdings unerfreulich weit unten auf der Karriereleiter. Die haben Newt zwar beim vergeblichen Versuch ertappt, seiner Tierchen wieder Herr zu werden. Und auch den No-Majs Bäcker Jacob (Dan Fogler) haben sie irgendwie im Schlepptau – der fasziniert darauf wartet, endlich aus seinem vermeintlichen Traum aufzuwachen. Doch sogar zum Anschwärzen bei den Behörden fehlt den Damen das nötige Durchsetzungsvermögen.

Die Jagd beginnt

Also tun alle gemeinsam, was eben getan werden muss: Die entwischten Biester wieder einfangen. Weit leichter gesagt als getan: Eines davon ist noch dazu unsichtbar, weshalb sie sogar auf die Hilfe des Koboldgangsters Gnarlack angewiesen sind. Und noch etwas Anderes macht die Sache weit gefährlicher, als ihnen lieb ist: Eines der Tiere, die in New York ihre Unwesen treiben, stammt nicht aus dem Koffer Newt Scamanders. Und das ist geheimnisvoll, finster, böse – und absolut tödlich…

Fünf Folgen soll es insgesamt dauern, bis Newt Scamander sein Lehrbuch „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ endlich fertiggeschrieben hat. Und wenn die restlichen davon dem ersten Teil nur halbwegs ähneln, wird der Trennungsschmerz fast so groß sein, wie bei „Harry Potter“. Denn die verzauberte Welt, in die uns der Magiezoologe einlädt, nimmt einen von der erste Minute an gefangen. David Yates präsentiert sie uns in üppigen Bildern mit viel Liebe zum Detail und sichtbar fortgeschrittener Tricktechnik. Filmisch erleben wir, was wohl auch Newt Scamander bei seiner Übersee-Reise empfinden muss: Alles ist zwar vage vertraut – aber auch größer, bunter, verwirrender als in der magischen Heimat England, die ja Schauplatz für Harrys Abenteuer war. Alles aber auch höchst faszinierend, mitreißend – und in höchstem Grade packend.

Aus Fremden werden Freunde

Seine Charaktere und Darsteller sind dabei so gewählt, dass sie in 133 Minuten eine glaubhafte Entwicklung durchmachen können: Eddie Redmayne, Dan Fogler, Katherine Waterston, Alison Sudol – keine der von ihnen verkörperten Figuren erobert das Herz des Publikums im Sturm. Aber alle verwandeln sich im Zuge des Geschehens in Freunde, die man in ihrer ganzen Schrulligkeit lieb gewinnen muss, und mit denen man sich unbedingt ein Wiedersehen wünscht.

Insgesamt legen Rowling und Yates die buchstäblich neue Welt so breit und ergiebig an, dass man es sowieso kaum erwarten kann, im Laufe der nächsten Teile mehr von ihr und ihren Bewohnern kennenzulernen. So genügen ein paar Minuten in einer magischen Halbweltbar von New York – komplett mit Kobold-Jazzsängerin, Elf-Personal und magischen wie nichtmagischen Verstößen gegen die Prohibition – um sie zur neuen Stammkneipe machen zu wollen.

Tolle Tierchen

Auch die vielen „phantastischen Tierwesen“ selbst, mit denen uns der Magiezoologe im Laufe seines ersten Einsatzes bekannt macht, sind... – nun: einfach magisch. Schon immer waren mystische Kreaturen ein höchst beliebter Bestandteil des Universums von Harry und seinen Mitschülern. Doch in dieser liebevollen Präsentation, so lebendig und voll individuellem Charakter, wurden sie noch nie  auf die Leinwand gezaubert.

Kurz: Das New York von Newt Scamander und seinen verlorenen Tierwesen ist in nächster Zeit filmisch „the place to be“ für alle Fans von Harry Potter, J.K. Rowling oder einfach nur opulent  inszenierter Fantasy. Keinen ganz jungen Fans, wohlgemerkt. Wirklich düstere Szenen und Bedrohungen samt einiger Opfer – sowie etliche romantische Aspekte des Films – machen die Altersfreigabe von 6 Jahren zu einer irreführenden Empfehlung. Kinder in dem Alter sollte man das Abenteuer nur dann ansehen lassen, wenn man zu Hause den „Trank der lebenden Toten“ von Professor Snape hat, der zu einem tiefen, traumlosen Schlaf führt. Alle anderen sollten sich von Newt und seinen Gefährten an der Hand nehmen lassen, und zurück in die magische Welt führen, die wir seit fünf Jahren schmerzhaft vermissen. Das Warten ist vorbei – aber es hat sich wenigstens gelohnt.

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Der Trailer zu „Phantastische Tierwesen“

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