Fall 39 (2007)

Originaltitel: Case 39
Fall 39 Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Fall 39: Horrorthriller mit Renée Zellweger als Sozialarbeiterin, die mit einer von den Eltern verfolgten 10-Jährigen buchstäblich durch die Hölle geht.

Emily glaubt, in ihrem Beruf alles schon gesehen zu haben, doch ihr jüngster Fall treibt die engagierte Sozialarbeiterin an ihre Grenzen und fast in den Wahnsinn. Warum wurde Lilith, ein sanftes zehnjähriges Mädchen, von ihren Eltern fast umgebracht? Warum sterben Menschen aus Emilys privatem und beruflichem Umfeld, die das Rätsel um Lilith zu klären versuchen? Als Emily dem Unbegreiflichen auf den Grund geht, gerät sie selbst in Gefahr und muss erkennen, dass in diesem konkreten Fall Kinderschutz überbewertet wird.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • 38 Fälle hat Emily Jenkins vom Jugendamt schon auf dem Schreibtisch, dann bekommt sie den 39., und der ist der Schlimmste. Weshalb von den 38 anderen dann auch keine Rede mehr ist, außer bei einem, der mit Fall 39 zusammenhängt. Und das ist halt das Problem an dem Film: dass er das, was nicht mehr so wichtig ist, vergisst, dass er sprunghaft ist, dass er immer nur das im Blick behält, was gerade abläuft, Hintergründe, Vergangenes, Innenleben oder Zusammenhänge fallen unter den Tisch.

    Regisseur Christian Alvart, ein Deutscher in Hollywood, konzentriert sich nicht auf seine Geschichte, auch nicht auf seine Darsteller, hyperaktiv häuft er alles mögliche aufeinander und hofft, dass am Ende ein Stiefel daraus wird. Aber der ist halt dann nicht nur hastig zusammengestoppelt, sondern auch ausgelatscht.

    Der Anfang schon: unheimliche Musik überm Paramount-Logo, dann schwarz, mit der Aufblende ein Wuuusch auf dem Soundtrack, und ein düsteres, schmales Psycho-Haus unheilschwanger in der Nacht… Als hätten wir so was nicht schon tausendmal gesehen. Mit allen Mitteln der epigonischen Inszenierung bemüht sich Alvart, Schrecken zu erzeugen, aber da bleibt alles vollkommen oberflächlich. Da sind Schockeffekte mit einem Wecker, mit einem Polizisten, der ans Autofenster klopft, einem Hund, der ans Fenster springt. Aber nichts hat irgendetwas miteinander zu tun.

    Auf stetig höchstem Level von künstlicher Unheimlichkeit erzählt Alvart seine Horrormär, und atemlos lässt er sich und seinem Film keine Zeit, mal irgendwas einfach stehen zu lassen, nachklingen zu lassen, seine Darsteller sich entfalten, seine Figuren sich mal entwickeln zu lassen. Atmosphäre und Spannung werden so nur behauptet, künstlich herbeigeführt, sind aber erst mal gar nicht in der Geschichte begründet.

    Weder Story noch Darsteller brauchen all diese billigen inszenatorischen Tricks eigentlich gar nicht. Dass Renée Zellweger auch gut ist, wenn nicht unheilverkündende Musik, schleichende Kamera und kurze Einstellungslängen Grusliges behaupten, weiß man; und Jodelle Ferland hat in Gilliams „Tideland“ bewiesen, dass sie das darstellerische Spiel mit verschiedenen Doppelbödigkeiten in ihren Mädchenfiguren draufhat. Wie Emily Lily erst süß findet, schutzbedürftig, dann merkt, wie sie manipuliert wird, schließlich in blanken Schrecken verfällt, als sie erkennt, wie sie in sklavischen Bann geraten ist ohne Chance, wieder rauszukommen: das hätte – richtig erzählt – höchst spannend, höchst beklemmend werden können.

    Aber Alvart hat halt auch stets noch das Problem, nicht zu wissen, was er erzählen soll; wie er es erzählen soll. Und er entscheidet sich jedes Mal falsch. Unentschieden schwankt er, ob er ein Rätsel um Lily aufbauen soll (das sowieso von vornherein klar ist), ob er eine Ambivalenz erzeugen soll, dass Emilys Verdacht über Lilys wahres Ich vielleicht nur eingebildet ist. Und ansonsten baut er alles rein, was ihm so einfällt (weil er’s schon mal in anderen Filmen gesehen hat): Das Böse, das sich durchs Telefon ausbreitet, der Tod durch die Konfrontation mit den eigenen schlimmsten Ängsten, der Dämon in uns allen, Verrückte, die vielleicht die Wahrheit sagen, Kinder, die Tyrannen sind, Insekten, die aus diversen Körperöffnungen quellen etc. pp. Alles ineinander geschmissen, hektisch gerührt, im Mikrowellenherd erhitzt und in Pappschachteln serviert. Aber: hochwertig ist so ein Junk-Food nicht, auch wenn die Grundzutaten vielleicht brauchbar sind.

    Fazit: Irgendwo unter der vollkommen überinszenierten Oberfläche, unter all den abgestandenen Horrorklischeemotiven, unter allerlei falschen Regieentscheidungen ist vielleicht ein guter Film verborgen. Der aber nochmal ganz neu und ganz anders gedreht werden müsste.
  • Das Hollywood-Horrordebüt von “Antikörper”-Entdeckung Christian Alvart liefert den Beweis in Bildern: Sozialarbeit ist ein Höllenjob.

    Was sich hinter “Fall 39″ verbirgt, sollte Verschwörungsarithmetikern und “Ring”-Geschädigten schnell klar sein. Die Quersumme von 39 führt halbiert zum Herrscher eines Reichs von Leid und Laster. Das Mädchen, das im Drehbuch von Horrorexperte Ray Wright Aufmerksamkeit einfordert, weist mit dunklen Augen und langen schwarzen Haaren auf japanische Plagegeister hin, die um die Welt spukten. Nichts davon ahnt Emily (Renée Zellweger), eine engagierte Kinderschützerin. Sie folgt einem Hinweis, dass die 10-jährige Lilith zu Hause schlecht behandelt werde. Der Ersteindruck von den unkommunikativen, offensichtlich gewaltbereiten Eltern ist denkbar negativ und bestätigt sich, als sie Lilith im Gasofen zu ersticken versuchen. Emily, selbst von einem familiären Trauma belastet, nimmt den Unschuldsengel bei sich auf. Doch als sie im Haus der verhafteten Eltern Kreuze, Bibeln und von innen verriegelte Schlafzimmer vorfindet, ist das der Beginn wachsenden Misstrauens und unheimlicher Todesfälle.

    Bereits 2007 fertig gestellt, lag das US-Debüt Alvarts zwei Jahre auf Eis – so lange, dass der thematisch verwandte Thriller “Orphan” und auch Alvarts Nachfolger “Pandorum” nur Wochen nach “Fall 39″ in die deutschen Kinos kommen. Der Horror eines Filmemachers, den das Produkt nicht zwingend begründet. Denn dieses funktioniert und versagt, wie das bereits viele Produktionen vor ihm getan haben, die nicht mit Originalität und ausgereifter Story, sondern Momenten des Terrors, mit Schocks in Bild und Ton, den Zuschauer aus dem Sitz holen. Zellweger scheint den Film darstellerisch zu adeln, tatsächlich dominiert ihn die horrorerfahrene Jodelle Ferland (“Silent Hill”) mit starker Präsenz zwischen kindlich verspielt, wütend und eisig berechnend – am unheimlichsten in einem Dialogduell mit Zellwegers Filmfreund Bradley Cooper. Liliths Macht sind Angstvisionen, die telefonisch oder auch nur mental über große Distanzen ausgelöst werden können. Der Tod kommt tierisch, mit digitaler Effektunterstützung oder fratzengestützt auf zwei Beinen auch zu Zellweger, die in bester “Bis-das-Blut-gefriert”-Manier terrorisiert wird. Echte Überraschungsmomente fehlen, dennoch gelingen Alvart bei der Tour durch die Filmgeschichte einige gute Sequenzen, die in Koalition mit Jump-Schocks, von klingelnden Weckern bis klopfenden Fingern, sensiblen Gemütern Horror hinter vorgehaltenen Händen bescheren werden – und Pflegemüttern Motivationsprobleme. kob.

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