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Fakten und Hintergründe zum Film "Fair Game"

Kino.de Redaktion |

Fair Game Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Valerie Plame führte ein Doppelleben, damals im Jahr 2001. Da gab es die private Valerie Plame, Ehefrau des ehemaligen Botschafters Joe Wilson und liebende Mutter ihrer Zwillinge. Aber es gab auch ein überaus geheimes Berufsleben, von dem mit Ausnahme ihres Mannes und ihrer Eltern außerhalb des Geheimdienstes niemand etwas wusste. Nicht einmal ihren besten und engsten Freunden war bewusst, dass Valerie eine der erfolgreichsten Agentinnen des CIA war. Als Leiterin der Joint Task Force im Irak hatte Valerie den Auftrag, Saddams Waffenprogramm zu infiltrieren – zu einer überaus entscheidenden Zeit an der Schwelle zum Irakkrieg. „Sicherlich war es politisch gesehen eine faszinierende Geschichte“, sagt FAIR GAME-Produzent Jerry Zucker. „Aber je mehr Valerie und Joe uns darüber erzählten, welche Folgen sie für ihre Ehe hatte, desto klarer wurde uns, dass wir es mit einem zutiefst persönlichen menschlichen Drama zu tun hatten.“

Die Geschichte der Wilsons spielte sich im Licht der Öffentlichkeit ab. Joe Wilson wurde von der U.S.-amerikanischen Regierung in den Niger geschickt, um eine Bestätigung für Berichte zu finden, dass die irakische Regierung dort große Mengen an Uran eingekauft hätte. Vor Ort kam er zu dem Schluss, dass die Gerüchte unwahr und frei erfunden waren. Die Bush-Regierung kehrte diese Entdeckung jedoch unter den Teppich. Dabei war der ehemalige Berater des Auswärtigen Amts, Joe Wilson, gewiss kein Anhänger von Saddam Hussein. Er war der letzte amerikanische Diplomat, der sich mit dem Diktator traf, nachdem der Irak im Jahr 1990 in Kuwait einmarschiert war, und verlangte persönlich den sofortigen Rückzug der irakischen Truppen. Er stellte sich auch gegen Hussein, als der irakische Präsident damit drohte, er könne nicht mehr für das Leben von Ausländern im Irak garantieren. Tausende von Amerikanern wurden von Wilson gerettet, bevor er selbst das Land verließ.

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Vor allem aber fühlte sich Wilson stets der Wahrheit verpflichtet. Deshalb war er außer sich, als das Weiße Haus beschloss, den nachweislich erfundenen Urankauf als Beweis dafür heranzuziehen, der Irak stünde kurz davor, nukleare Waffen produzieren zu können. Kurz nachdem er einen Artikel in der New York Times veröffentlicht hatte, in dem er seine Version der Geschichte darlegte und beschrieb, was er im Niger gefunden, bzw. nicht gefunden hatte, wurde Valerie Plames Identität als Geheimagentin enttarnt. Die Wilsons, ihre Familie und zahlreiche Kollegen von ihr wurden willkürlich in Gefahr gebracht. Ganz offenkundig war die ungenannte Quelle ein hochrangiger Beamter der Bush-Administration. „Diese Geschichte hätte man nicht erfinden können“, sagt Produzentin Janet Zucker kopfschüttelnd.

Nachdem sie noch mehr über die Wilsons recherchiert hatten, wurde den Produzenten klar, dass die Geschichte tiefer ging und komplexer war, als die Schlagzeilen es zunächst hatten vermuten lassen. Joe und Valerie waren ein Paar, dessen ganzes Privatleben auf tragische Weise komplett auf den Kopf gestellt wurde. Beide reagierten völlig unterschiedlich auf den Feldzug, der gegen sie gestartet wurde. Joe feuerte zurück, mit allem, was in seiner Macht stand: Für ihn war die Enthüllung schlicht und einfach ein Verbrechen, das vor Gericht gebracht gehörte. Valerie, die einen großen Teil ihres Lebens im Verdeckten verbracht hatte, zog sich zurück: Sie wollte mit ihrer Geschichte nicht in die Öffentlichkeit. „Sie war eine Frau, die lange Zeit ein Doppelleben geführt hatte“, sagt Jerry Zucker. „Selbst ihre engsten Freunde dachten, sie sei eine Risikokapitalanlegerin. Mit einem Mal wird sie ins Licht der Öffentlichkeit gezehrt und als Spionin enttarnt, mit einem Mal soll sie sich öffentlich rechtfertigen und ihr Leben verteidigen. Das war eine absolute Umkehrung dessen, was sie gewohnt war.“

Die Zuckers sicherten sich die Dienste des prämierten Drehbuchautors Jez Butterworth und dessen Bruders John-Henry Butterworth. Die beiden Briten hatten nicht den blassesten Schimmer, wer Valerie Plame war, als man sie für das Drehbuch gewinnen wollte. „Mit Ausnahme der gröbsten Grundzüge war uns nicht einmal das politische System in den Vereinigten Staaten vertraut“, gesteht Jez Butterworth freimütig. „Aber die Geschichte war so faszinierend, dass wir unbedingt mehr darüber in Erfahrung bringen wollten.“ Die Drehbuchautoren sahen großes filmisches Potenzial in den Figuren und dem zentralen Konflikt der Geschichte. Ihnen war schnell bewusst, wie sehr die Familie und Ehe der Wilsons nach dem Outing Valeries in ihren Grundfesten erschüttert wurde. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich weiß, wie man politische Szenen schreibt, auch wenn meine politischen Sympathien ganz klar auf der Seite der Wilsons liegen“, meint Jez Butterworth. „Aber Figuren, die beherrsche ich.“

Doch nachdem die Butterworth-Brüder den Auftrag angenommen hatten, das Drehbuch zu schreiben, sahen sie sich schnell mit Hindernissen konfrontiert wie noch nie zuvor in ihrer Karriere. Selbst von den zu dieser Zeit noch unveröffentlichten Memoiren von Valerie Plame hatten die beiden Autoren die Finger zu lassen, bis sie von der CIA freigegeben worden waren. „Unser ursprüngliches Interesse an FAIR GAME galt der Gelegenheit, die Geschichte zweier bemerkenswerter Figuren an einem entscheidenden Moment der Historie zu erzählen“, sagt Produzentin Janet Zucker. „Als wir mit der Entwicklung des Projekts begannen, erkannten wir, dass unsere Absicht durch eine Reihe von Faktoren deutlich erschwert wurde, nicht zuletzt weil große Teile von Valeries Arbeit für die CIA auch heute noch streng geheim sind.“ Obwohl die Produzenten die Filmrechte an Valeries Buch besaßen und sich ihre Mitwirkung an dem Film als Beraterin gesichert hatten, konnte sie keinerlei Informationen weitergeben, die von der Regierung immer noch als geheim angesehen wurden. Den Autoren blieb nichts anderes übrig, als eigene Recherchen anzustellen. „Wir haben unendlich viel recherchiert“, stöhnt Jez Butterworth. „Erst über die amerikanische Regierung, dann über die CIA und schließlich über die Wilsons selbst.“ Und sein Bruder John-Henry merkt an: „Wir fanden die Nachforschungen fürchterlich aufregend. Es war eine richtige Nacht-und-Nebel-Aktion. Zunächst waren die Menschen zurückhaltend, uns etwas über Valerie zu erzählen, speziell wenn wir ihnen erzählten, dass wir an einem Film arbeiteten. In unserem Hotel hatten wir uns allen Ernstes als Bauleiter registriert.“

Aber Informationen aus erster Hand waren von entscheidender Bedeutung für das Gelingen der Unternehmung, weil es in der „Plame-Affäre“ längst so viele Presseberichte und Spekulationen gab, dass man nicht sicher sein konnte, was stimmte und was nicht. „Über den Fall war in den Zeitungen so viel geschrieben worden wie über eine Fußballbegegnung“, meint John-Henry. „Jeder hatte eine Meinung. Aber wir wollten wissen, was wirklich vorgefallen war. Keiner, mit dem wir uns trafen, war besonders scharf auf ein Interview. Alle bestanden darauf, dass ihre Erklärungen absolut vertraulich seien. Aber nach den Zwischenwahlen im Jahr 2006 begann sich das politische Klima in Washington zu wandeln. Auf einmal erzählte man uns viel befreiter als zuvor.“ Die Brüder sprachen mit zahllosen Menschen, darunter ehemalige Mitarbeiter des Geheimdienstes, Journalisten, Anwälte und Abgeordnete. Gemeinsam mit Janet Zucker besuchten die Butterworth-Brüder die Gerichtsverhandlung des früheren Stabschefs des damaligen Vizepräsidenten Dick Cheney, Lewis „Scooter“ Libby, das einzige Regierungsmitglied, das in der Sache Plame jemals vor Gericht gebracht wurde. Schließlich durften die Autoren auch Valerie Plames Memoiren lesen, die allerdings vom Veröffentlichungsprüfungsprozess der CIA massiv eingeschwärzt worden waren. Je tiefer die Butterworth-Brüder gruben, desto zuversichtlicher waren sie, eine Geschichte an der Hand zu haben, in der das persönliche Schicksal schwerer wog als die politischen Aspekte. „Als wir die Wilsons kennenlernten, spürten wir sofort, dass wir es mit einem Mann und einer Frau zu tun zu haben, deren alltägliche Existenz komplett auf den Kopf gestellt worden war“, sagt Jez Butterworth. „Sie kämpften eine Schlacht, in der es um ihr Leben ging.“

Um diese höchst komplexe Geschichte in einem zweistündigen Film erzählen zu können, waren die Autoren gezwungen, einige Namen zu ändern und sich ein paar zusammengesetzte Figuren auszudenken. „Ein Beispiel: Dr. Hassan und ihr Bruder, der Physiker, die Valerie im Film mit Informationen über das irakische Nuklearwaffenprogramm versorgen, wurden von uns erfunden“, erklärt Jerry Zucker. „Sie stehen repräsentativ für jene Quellen für Geheiminformationen, wie sie von Valerie tatsächlich angezapft wurden, als sie als Spionin arbeitete.“

Als das Projekt so weit war, dass man es vorzeigen konnte, wandten sich die Zuckers an Bill Pohlad und seine Firma River Road. River Road hat sich auf Projekte spezialisiert, die hohe Kommerzialität mit kreativem Anspruch verbinden, wie man in der Vergangenheit mit Filmen wie dem Oscar-Gewinner Brokeback Mountain (2005), ROBERT ALTMAN’S LAST RADIO SHOW (A Prairie Home Companion, 2005) oder auch dem neuen Film von Terrence Malick, TREE OF LIFE (2010), bewies. „Ich las das Drehbuch und fand es ungemein packend“, erinnert sich Pohlad. „Bei River Road lassen wir lieber die Hände von Geschichten, die zu sehr in ihrer Zeit verhaftet sind, wir suchen nach einem zeitlosen Element. Zunächst waren wir etwas besorgt, dass die Thematik womöglich zu sehr von den Schlagzeilen der Zeitungen beeinflusst sein könnte. Aber nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, war mir klar, dass das absolut nicht zutraf. Was Valerie und Joe auf einer ganz privaten Ebene durchleben, ist völlig universell, für jedermann nachvollziehbar. Wir waren einer Meinung, dass der politische Aspekt zwar eine Bedeutung hatte, aber doch ein sekundäres Element war.“ Auch Pohlad gefiel der Ansatz, dass man bei der Erzählung immer so nah an der Wahrheit bleiben wollte, wie es im Rahmen eines Spielfilms nur möglich war. „Aber FAIR GAME ist weit davon entfernt, ein historisches Dokument oder gar ein politisches Lehrstück zu sein“, räumt der Produzent ein. „Vielmehr haben wir es mit einem emotionalen Porträt zu tun, einem Film über die Zivilcourage zweier außergewöhnlich mutiger und entschlossener Menschen, die vom Machtstrom der Politik mitgerissen werden und deren Ehe beinahe daran zerbrochen wäre.“

„Wir wollen nicht, dass das Publikum das Kino verlässt und darüber debattiert, wer jetzt im Recht war und wer nicht“, überlegt Pohlad. „Dies ist die Geschichte von Menschen, die ihre Stimme im Angesicht rücksichtslosem Machtmissbrauchs erheben und sich einmischen, anstatt die Dinge einfach nur an sich vorbei ziehen zu lassen.“ Pohlad war sich sicher, mit Doug Liman den absolut richtigen Mann für dieses Projekt gefunden zu haben. „Doug hat einige Erfahrung in der Inszenierung von Spionagethrillern und ein feines Gespür für Action und Bewegung. Gleichzeitig wussten wir auch, dass Doug den richtigen Ansatz hatte, um auch die Ereignisse im Privatleben von Joe und Valerie überzeugend zu inszenieren. Er fängt all die Elemente der Geschichte perfekt ein: Valeries Doppelleben, der Aufruhr, der entsteht, als ihre Identität öffentlich gemacht wird und wie sie mit all den Leuten umgeht, die dachten, sie würden sie kennen.“

Liman war schon vor FAIR GAME ein großer Fan der Arbeit der Butterworth-Brüder. „Sie hatten für mich ein bisschen an MR. & MRS. SMITH (2005) gefeilt“, sagt der Regisseur. „Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass sie meine bevorzugten Drehbuchautoren sind. Ich hatte davor bestimmt schon ein halbes Dutzend mal versucht, sie für einen meiner Stoffe zu begeistern – und jedes Mal einen Korb von ihnen bekommen. Als Janet und Jerry mir ihr Drehbuch vorlegten, ließ ich alles stehen und liegen.“ Liman empfand den Stoff als eine unmittelbare Fortsetzung seiner bisherigen fiktionalen Stoffe. „Dieses Mal erzähle ich die Geschichte der realen MR. & MRS. SMITH. Und doch fühlte sich die Geschichte anders an, weil es letztlich um eine Ehe auf dem Prüfstand geht und nicht um eine politische Belehrung. Diese Geschichte wäre auch vor hundert Jahren schon relevant gewesen und sie wird es auch in hundert Jahren noch sein. Bill Pohlad sagt immer, dass es sich um einen Kriegsfilm handele, der Krieg im Zentrum aber nicht der Irakkrieg sei, sondern vielmehr der Krieg im Haushalt der Wilsons. Diese Geschichte wollte ich unbedingt verfilmen.“

Schon vor seinem ersten Treffen mit den Wilsons fühlte Liman eine Seelenverwandtschaft mit Valerie und Joe. „Was mich für Stoffe begeistert, sind immer die Figuren und nicht Action oder Politik“, erklärt er. „Hier hatten wir es mit zwei außergewöhnlichen Menschen zu tun, die eine ungemein aufregende Geschichte zu erzählen haben. In der Öffentlichkeit bloßgestellt worden zu sein, erwies sich für Valerie Plame und ihre Familie als verzweifelte Angelegenheit, an der sie beinahe zerbrochen wären. Ich wollte einen Silberstreifen finden für all die unschuldigen Menschen, die in die Sache hereingezogen wurden.“ Liman fand heraus, dass Valerie Plame etwas war, was man „non-official covert operative“ oder „NOC“ nennt – eine nicht offizielle, verdeckt arbeitende Geheimagentin. „Ich fand das sehr reizvoll“, meint Liman. „NOCs sind die wahren James Bonds. Sie arbeiten so verdeckt und geheim, dass ein NOC nicht einmal einen anderen NOC benennen könnte. Sie sind die spannendsten Figuren, die man in der CIA finden kann. Wenn man sich bereit erklärt, als verdeckter Agent für die CIA zu arbeiten, dann steht man mit seinem Leben dafür ein, dass niemals jemand auf der Welt davon erfährt, was man gemacht oder enttarnt hat. Trotzdem hat Valerie einen Mann geheiratet, der das genaue Gegenteil von ihr ist, der im Licht der Öffentlichkeit steht und keine Sekunde zögert, auf Konfrontationskurs zu gehen und seine Meinung zu äußern. Dabei zuzusehen, wie sich diese beiden Menschen mit ihren völlig unterschiedlichen Temperamenten gegen das mächtigste Weiße Haus in der Geschichte unseres Landes stellen, ist aufwühlend – ganz großes Drama.“

Liman betont, dass er bei der Inszenierung von FAIR GAME keine politische Agenda verfolgte. „Meine Priorität war es, immer den Blick auf die Geschichte zu richten und eben nicht die Politik in den Fokus zu rücken“, sagt er. „Die Politik war wie die Sirenen, die ständig von den felsigen Klippen am Ufer säuselten und mich umgarnten. Ich musste mir die Ohren zuhalten, wenn ich zum Dreh erschien, denn darum durfte es nicht zuallererst gehen.“

Produktion: Die Besetzung

Von Anfang an wollten Doug Liman und die Produzenten Naomi Watts für die Rolle der Valerie Plame gewinnen. Watts, die für ihre Arbeit an der Seite von Sean Penn in 21 GRAMM (2003) für einen Oscar vorgeschlagen wurde, ist bekannt für ihre ungewöhnlich große emotionale Bandbreite und enorme Wandlungsfähigkeit. Sie verkörpert regelrecht die für Plame typische Kombination aus unbeschwerter Weiblichkeit und stählerner Ruhe. „Die Rolle ist Naomi auf den Leib geschneidert“, sagt Bill Pohlad. „Valerie führte ein Doppelleben: Sie hatte ein Leben mit ihren Freunden und ein weiteres in ihrem Job. Dies zu spielen, ist eine fantastische Herausforderung für eine Schauspielerin“, fügt Pohlad an. Liman wusste, dass die Butterworth-Brüder mit Watts befreundet waren, und bat sie, ihr das Drehbuch zu schicken. „Ich wollte, dass sie die ersten zehn Seiten liest und mir sagt, was sie davon hält“, erinnert sich Jez Butterworth. „Naomi rief mich sofort an und sagte, dass sie das Drehbuch in einem Rutsch gelesen hätte und begeistert sei.“ Watts, die gerade ihr zweites Kind zur Welt gebracht hatte, sagt, dass sie zu jenem Zeitpunkt nicht wirklich große Lust hatte, Drehbücher auf Herz und Nieren zu prüfen: „Allerdings wusste ich, dass Jez immer qualitativ hochwertige Arbeit abliefert. Und ich kannte die Geschichte von Valerie Plame. Was mir daran besonders gefällt ist, dass die politischen Aspekte der Geschichte erst durch die Ehekrise so richtig Gewicht bekommen. Das Zerbrechen ihrer Ehe und ihre erneute Annährung als Ehepaar macht die Geschichte ausgesprochen emotional. Dem Publikum wird viel mehr geboten als nur eine trockene Geschichtsstunde.“

Das erste Treffen zwischen Naomi Watts und Doug Liman kam rasch zustande. „Naomi zeigte von Anfang an Begeisterung für den Film“, sagt der Regisseur. „Sie entwickelte sich zu meiner Verbündeten und krempelte die Ärmel hoch: Sie hatte lange Arbeitstage unter schwierigen Bedingungen zu meistern. Wir drehten in fünf verschiedenen Ländern, teilweise unter Gegebenheiten, die ein Star ihres Formats sich normalerweise nicht antun würde. Trotz allem war sie in der Lage, die in meinen Augen vielleicht beste Performance abzugeben, die ich in meiner Karriere auf Film fixiert habe“, schwärmt Liman. Die Schauspielerin war ihrerseits beeindruckt von Limans Entschlusskraft, die Geschichte völlig ungeschminkt zu erzählen, so wahr und wahrhaftig, wie es möglich war. „Doug besitzt eine unbändige Leidenschaft“, so Watts. „Ich wusste, dass er den Mut hatte, diese Geschichte zu erzählen. Er legte sich so ins Zeug, dass es teilweise wirklich verrückt war. So reisten wir in den Irak, um dort zu drehen - und er übernahm die Kameraarbeit auch noch selbst! Kein ‚Nein’ dieser Welt konnte ihn aufhalten. Teilweise drehten wir sogar ohne Drehgenehmigung. Aber Doug Liman hätte sich eher verhaften lassen, als sich auf einen Kompromiss einzulassen, wenn es um seinen Film geht.“

Naomi Watts schlug den Filmemachern vor, das Drehbuch an Sean Penn zu schicken, um sein Interesse zu wecken, Joe Wilson zu spielen. Liman und die Produzenten nahmen den Vorschlag an. „Ich war überzeugt, dass Sean einen Draht zu der Figur haben würde“, so Watts. „Schließlich ist er genauso leidenschaftlich wie Joe Wilson. Er gibt immer 200 Prozent.“ Nach einem Treffen mit Liman war Penn mit an Bord. „Natürlich war Sean Penn für alle die erste Wahl für diese Rolle“, sagt Liman. „Sean ist derzeit der großartigste Schauspieler Amerikas. Meiner Meinung nach ist er sogar der beste Schauspieler seiner Generation. Diese Meinung vertrat ich schon, bevor wir mit den Dreharbeiten begonnen haben. Und Sean übertraf diese unglaublich hohen Erwartungen sogar noch bei Weitem.“

„Ihn bei seiner Rollenfindung zu beobachten war, als würde man DIE DÄMONISCHEN (Invasion of the Body Snatchers, 1956) ansehen“, sagt der Regisseur. „Er verbrachte Zeit mit Joe Wilson und nahm ihn förmlich in sich auf. Er schaffte es, Joe Wilson zu werden. Das war sicherlich eines der faszinierendsten Erlebnisse, denen ich beiwohnen durfte.“ Watts pflichtet bei, dass Penns Verwandlung frappierend war. Allerdings hatte sie auch nichts anderes erwartet, da sie bereits zwei Mal mit dem zweifachen Oscar-Preisträger zusammen arbeiten durfte. „So ist er eben. Nichts ist besser, als mit ihm zusammen in einer Szene zu spielen. Man glaubt, dass man ein Toyota ist, der plötzlich wie ein Porsche abzieht. Es ist eine einfache, schnelle Fahrt mit Sean.“

Valerie Plame selbst war ebenfalls eingeschüchtert von der physischen und emotionalen Authentizität der schauspielerischen Leistungen. Es war, so Plame, als säße sie Doppelgängern ihres Mannes und ihrer selbst gegenüber. „Joe und ich waren überwältigt von den Schauspielern und den Filmemachern. Ich habe meinem Sohn ein Foto gezeigt, auf dem ich mit Naomi am Set zu sehen bin. Er sah es sich an und sagte: ‚Mama, ist es nicht komisch mit 45 Jahren herauszufinden, dass du eine Zwillingsschwester hast?’“ Die beiden Frauen lernten sich erst nach Drehbeginn persönlich kennen. Zur Vorbereitung auf die Rolle telefonierte Watts allerdings stundenlang mit Plame. Des weiteren dienten E-Mails als Kommunikationsmittel. „Ich wollte mich wirklich in ihre Denkweise einfühlen“, so Watts. „Ich wollte alles über ihr persönliches Leben erfahren, wie sie es bewältigte, gleichzeitig Ehefrau, Mutter und Karrierefrau in einer Männerwelt zu sein. Ich wollte wissen, wie es sich anfühlte, Geheimnisse zu haben, die sie gegenüber ihren Freunden und Bekannten nicht verraten durfte. Ich vergrub mich förmlich und verbrachte viel Zeit damit, ihre Art zu Reden, ihre Familie und ihren Charme zu erforschen.“ Joe Wilson fühlte sich geschmeichelt und war aufgeregt, von Sean Penn gespielt zu werden. „Ich hätte niemals erwartet, dass mich mal jemand wie Sean verkörpern würde“, sagt Wilson. Er ist ein solch großartiger Schauspieler. Wir verbrachten eine Woche lang wie siamesische Zwillinge – und er geht dir wirklich unter die Haut.“ Naomi Watts ist überzeugt, dass die persönlichen Schwierigkeiten der Wilsons das Kinopublikum ebenso mitreißen werden, wie es sie mitgerissen hat. „Ich hoffe, dass die Geschichte von Valerie und Joe die Herzen berührt. Sie ist ein Zeugnis dafür, dass ihre Ehe selbst schärfster öffentlicher Beobachtung standhielt“, so Watts.

Der Film wartet überdies mit einem großem Ensemble angesehener Schauspieler auf, einschließlich Autor und Schauspieler Sam Shepard in der Rolle von Valeries Vater, einem ehemaligen Lieutenant Colonel der Air Force, sowie Bruce McGill als Vize-Direktor der CIA Jim Pavitt und David Andrews als Libby. „Jeder Regisseur erzählt, dass er den Film nicht ohne seine Schauspieler und Crew-Mitglieder hätte realisieren können“, sagt Liman. „Aber nur weil es jeder sagt, heißt es nicht, dass es nicht wahr ist. Ich hätte meinen Film nicht machen können, ohne diese außergewöhnlichen Schauspieler und meinen unglaublich talentierten und engagierten Stab. Unsere heutige Zeit bietet nicht gerade das beste Klima, um einen seriösen, ambitionierten Film zu drehen, der mit einem sehr geringen Budget realisiert wird. Aber zum Glück hat jeder, der beteiligt war, seinen Beitrag geleistet. Die Bereitschaft jedes einzelnen, für den Film alles zu geben, war überaus erstaunlich.“

Produktion: Die Dreharbeiten

Die erste Klappe für FAIR GAME fiel im April 2009, mit Dreharbeiten an Originalschauplätzen in Washington DC, New York City, dem Marshall Field Estate auf Long Island und Westchester County im Staat New York. Danach ging es weiter zu internationalen Drehorten in Kairo, Amman und Kuala Lumpur. Dort entstanden die Szenen, die Valerie Plame im Einsatz als Geheimagentin zeigen sowie Joes Reise in den Niger. Dank der tatkräftigen Unterstützung des Militärs des Landes konnte Liman in Jordanien eine Szene in den Kasten bekommen, in der ein Black-Hawk-Hubschrauber im Tiefflug über die Hauptstraße von Amman gleitet. In Kairo musste der Dreh in der Universität verschoben werden, weil ausgerechnet an diesem Tag Präsident Obama dort seine mittlerweile legendäre Rede hielt, in der er sich an die muslimische Welt wandte.

Die größte Herausforderung für Doug Liman war jedoch der Dreh im Irak. „Wir waren die erste amerikanische Filmfirma, die jemals in Bagdad einen Spielfilm drehte“, sagt Liman. „Das ging ganz schön an die Nerven, aber es lag einfach im Wesen des Films, an einem derart hoch explosiven, turbulenten Ort zu drehen.“ 24 Stunden hielten sich der Regisseur und ein Mitglied der Produktion in Bagdad auf. Dort trafen sie sich mit dem irakischen Filmemacher Oday Al-Rashed und einem bewaffneten Sicherheitskommando. Mit kugelsicheren Westen ausgestattet, drehten Liman und Al-Rashed am ehemaligen Saddam Hussein International Airport, an diversen Brücken, die über den Tigris führen, in einer verlassenen Moschee und in verschiedenen Gebäuden, die von amerikanischen Geschossen unter Beschuss genommen worden waren. „Wo auch immer wir drehten, konnten wir uns nicht den Hauch eines Fehlers leisten“, erinnert sich Liman. „Wir mussten die entsprechenden Szenen schlicht und einfach an diesem einen Tag in den Kasten bekommen, weil es am nächsten Tag keine Möglichkeit mehr gegeben hätte, sie nachzuholen. Am nächsten Tag drehten wir bereits wieder in einem anderen Land. Es gab keinen Ausweichplan. Wir mussten es entweder auf Anhieb hinbekommen, oder der Film wäre eben nicht so gut geworden.“

Nach der Rückkehr in die USA schlugen die Filmemacher ihre Zelte in dem weitläufigen IBM-Bürogebäude in White Plains, New York, auf, wo Szenenbildner Jess Gonchor die Büroräume des CIA eingerichtet hatte. „Ich hatte mir vorgenommen, bei diesem Film mit dem Realismus noch weiter zu gehen als bei DIE BOURNE IDENTITÄT (2002)“, erklärt Liman. „Ich wollte mit supergeheimen Gimmicks und Satelliten, die durch Wände sehen können, nichts zu tun haben. Wir alle waren bereits in Regierungseinrichtungen. Wir alle wissen, dass die Technologie dort alles andere als auf dem neuesten Stand der Dinge ist. Bei DIE BOURNE IDENTITÄT haben wir noch ein bisschen übertrieben, aber diesmal wollte ich hundertprozentig akkurat sein.“ Tatsächlich berief sich der Filmemacher sogar auf ein grundlegendes Kriterium der CIA, das beim Sammeln von Geheiminformationen zum Einsatz kommt: „Jedes Detail, das zu sehen ist, ließen wir uns von zwei Quellen bestätigen – selbst so eine Nebensächlichkeit wie die Anordnung des Mobiliars in Valerie Plames Büro“, berichtet der Regisseur.

Valerie Plame selbst gab den Filmemachern und Schauspielern wichtige Tipps, sofern dies ihrer unter Schwur geleistete Sicherheitsvereinbarung mit der CIA zuließ. Zudem verbrachte sie mehrere Wochen während des Drehs an den verschiedenen Sets. Sie sagt: „Die meisten Filme über die CIA, die ich gesehen habe, haben nicht allzu viel mit der Realität zu tun. In diesem Film wird alles so gezeigt, wie es wirklich ist, sogar was man an den Computerbildschirmen sieht oder an den Wänden hängt. Doug Liman und seinen Mitstreitern war es ungemein wichtig, die Details so wahrhaftig wie möglich darzustellen.“ Das ging so weit, dass Naomi Watts sogar mit Geheimagenten und speziellen Militäragenten ein Training durchlief, das sich an der strapaziösen Ausbildung orientierte, dem sich zukünftige Spione in Camp Reary, jener CIA-Anlage, die vor allem als „Die Farm“ bekannt ist, zu unterziehen haben.

Liman, dessen Vater während der Iran-Contra-Anhörungen als Berater für den Senat der Vereinigten Staaten fungierte, erzählt, dass er während der Produktion wiederholt an eine Bemerkung von Richter Louis Brandeis denken musste, die sein Vater gerne zitierte: „,Sonnenlicht gilt als eines der besten Desinfektionsmittel.’ Ich habe an diesem Film mit der erklärten Absicht gearbeitet, mich immer an die Wahrheit zu halten. Ich spürte die Gegenwart meines Vaters an jedem einzelnen Drehtag, bei jedem Aspekt der Entwicklung und kreativen Entscheidungen, bis hinein ins allerkleinste Detail. Ich wollte so akkurat sein, wie man nur sein kann.“ Abschließend sagt er: „Ich würde mir wünschen, dass die Menschen aus FAIR GAME einen Schimmer von Hoffnung mitnehmen. Ich will, dass das Publikum Valerie und Joe ebenso liebt und respektiert, wie ich es tue.“

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