Fair Game

  1. Ø 4
   2010
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Filmhandlung und Hintergrund

Fair Game: Unkonventioneller Politthriller über den brisanten Fall der Botschafterehefrau Valerie Plame, deren Status als geheime CIA-Agentin von konservativen Medien als Rache gegen die Bush-feindliche Haltung ihres Mannes aufgedeckt wurde.

Vier Monate nach der US-Invasion im Irak veröffentlicht der ehemalige Botschafter Joseph Wilson im Juli 2003 einen flammenden Meinungsartikel in der „New York Times“: Die CIA habe die Nachrichtenlage verzerrt, um es so aussehen zu lassen, dass Saddam Hussein eine Gefahr für die USA darstelle. Tage später wird Wilsons Ehefrau Valerie Plame von dem konservativen Autoren Robert Novak als geheime CIA-Agentin entlarvt. Startschuss für einen Spießrutenlauf für die Wilsons, an dessen Ende es zu Entlassungen in der Bush-Administration kommt.

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Kritikerrezensionen

  • Komplex angelegter Politthriller mit bekannter Geschichte, exzellenter Regie und zwei ebenso exzellenten Hauptdarstellern.
  • Prickelnder Politthriller von „Mr. & Mrs. Smith“-Macher Doug Liman über die skandalöse Enttarnung der CIA-Agentin Valerie Plame und deren Folgen.

    „Was ich nicht in Afrika gefunden habe“ ist der Titel eines Meinungsartikels, den der ehemalige Botschafter Joseph Wilson im Juli 2003, vier Monate nach dem Beginn des Irakkrieges, in der New York Times veröffentlichte. Zuvor war er auf Anraten seiner als verdeckte CIA-Agentin arbeitenden Frau Valerie Plame vom Geheimdienst nach Niger geschickt worden, um herauszufinden, ob etwas an den Gerüchten dran sei, aus dem armen afrikanischen Land sei im großen Stil angereichertes Uran in den Irak gebracht worden. Wilson kann trotz intensiver Suche nichts finden und meldet es entsprechend. Als Präsident Bush den US-Einmarsch in den Irak allerdings öffentlich damit rechtfertigt, Saddam Hussein habe Uran aus Afrika bezogen, wird Wilson hellhörig. Mit seinem eingangs genannten Artikel gibt er seinen Zweifeln Ausdruck und löst ein mittelschweres politisches Erdbeben aus. Wie er und seine Frau in der Folge unter Druck gesetzt, ihre Namen in den Dreck gezogen werden und dadurch fast ihre Existenz bedroht wird, das behandelt Doug Liman in seinem Politthriller, das einerseits ein flammendes Plädoyer für Zivilcourage, andererseits eine eindringliche Studie eines Ehepaars unter Beschuss ist: Es ist Freiwild in einem nach 9/11 angst- und hasserfüllten Land, das von seiner Regierung nach Belieben manipuliert wird.

    Mit Filmen wie „Die Bourne Identität“ oder „Mr. & Mrs. Smith“ hat sich Liman einen Namen gemacht. Nun spielt er mit seinem couragierten neuen Film erstmals bei den großen Jungs mit. Zwar finden sich Elemente vorgenannter Arbeiten auch in „Fair Game“, das auf den gleichnamigen Memoiren von Valerie Plame aus dem Jahr 2007 basiert, aber vor allem lassen sich Elemente der engagierten Filme eines Alan J. Pakula oder Costa-Gavras in der Geschichte entdecken, die als „Plamegate“ weltweit für Schlagzeilen sorgte und zuvor bereits von Rod Lurie in seinem in Deutschland nur als Videopremiere erschienenen Film „Nichts als die Wahrheit“ wenngleich leicht verklausuliert, aufgegriffen worden war (Kate Beckinsale spielte die Hauptrolle, als Plame-Figur war Vera Farmiga zu sehen). Hohes Tempo ist eines der Merkmale von allen Filmen von Doug Liman. Auch hier gönnt er sich und seinem Publikum kaum eine Sekunde zum Verschnaufen, und doch zählt es zu seinen herausragenden Leistungen, dass man bei der höchst komplexen Geschichte nie den Überblick verliert. Tatsächlich stellt er zwar Wilson und Plame, gespielt von Sean Penn (in seiner ersten Rolle seit dem Oscar-Gewinn mit „Milk“) und Naomi Watts, in den Mittelpunkt, aber er fixiert sich nicht auf die beiden Figuren: Um die höchst tragischen unmittelbaren Auswirkungen der sofortigen Suspendierung Plames nach ihrer illegalen Enttarnung als CIA-Agentin durch den konservativen Journalisten Robert Novak zu verdeutlichen, zeigt „Fair Game“ in einer Nebenhandlung eine Gruppe von ehemaligen Atomwissenschaftlern im Irak, die den CIA mit Informationen füttert und im Gegenzug von Plame sicher außer Landes geschafft werden sollen – nur dass die Hilfe nie kommt.

    Der niederträchtige Racheakt der Bush-Administration, unliebsame Kritiker mundtot zu machen und zu diskreditieren, ist eben nicht nur moralisch verwerflich und illegal, sondern er hat auch unmittelbar Auswirkungen auf das Leben von Menschen. Überhaupt balanciert „Fair Game“ das Politische und Private brillant aus und macht deutlich, wie die zunehmende Isolation der in der Öffentlichkeit in Verruf gebrachten Eheleute zu einem Prüfstein wird, der zwar letztlich etwas bequem in einem Showdown überwunden wird, in dem sich der Film arg in die Pose wirft und seine Message mit dem Dampfhammer anbringt. Diesen etwas aufgesetzten Frank-Capra-Moment verzeiht man ihm dennoch von ganzem Herzen. Er hat ihn sich verdient, mit intelligenter und engagierter Unterhaltung. Doug Liman steigt damit in die allererste Riege von Hollywood-Regisseuren auf. ts.
  • Valerie Plame sei „fair game“, heißt es im Film einmal von Seiten des Weißen Hauses: man hat nur ausgeteilt, was man vorher einstecken musste, von Joe Wilson, Plames Ehemann; Valerie ist mit Wilsons illoyaler Indiskretion zum Abschuss freigegeben. Dahinter steckt einer der vielen großen Skandale der Bush-Regierung, die in Folge von 9/11 und dem übergroßen Skandalon des Irak-Krieges vonstatten gingen: Valerie Plame ist CIA-Agentin seit 18 Jahren, und sie ist nicht die Schlechteste. 2001 ist sie in der Task Force, in der es um mögliche Massenvernichtungswaffen in Saddams Irak geht; im Zuge dessen reist ihr Mann, ehemaliger US-Botschafter, nach Niger, von dort soll laut einer Quelle ein großer Uran-Transport in den Irak stattgefunden haben. Wilson findet keinen Beweis, eher starke Hinweise, dass dieser Handel schon aus logistischen Gründen niemals hat stattfinden können. Trotzdem behauptet George W. Bush in seiner Rede zur Lage der Nation, dass sich Saddam kürzlich in Afrika mit Uran eingedeckt habe… Eine glatte Lüge, die Wilson öffentlich als solche benennt, woraufhin – ein einmaliger Vorgang – aus dem Büro des Vizepräsidenten heraus Plame als Agentin enttarnt und damit in Gefahr gebracht wird.

    Doug Liman nimmt sich des Falles an, und das Gute ist, dass er sich nicht einfach zu einem weiteren Bush-Bashing hinreißen lässt. Nein: er beschreibt zunächst ganz einfach die Arbeit der CIA, die Kontaktaufnahmen, das Rekrutieren von Informanten, die Arbeit mit den Akten, die Gespräche und Besprechungen, die zu Einschätzungen der Lage führen… Und dann die Kompetenzstreitigkeiten, das Misstrauen der Behörden untereinander, das Instrumentalisieren der geheimdienstlichen Erkenntnisse, die Beeinflussungsversuche der Politik; und wie aus einem „höchstwahrscheinlich nein“ ein „mit Sicherheit ja“ wird.

    Diese Innensicht der „Firma“ – auf sich selbst und auf die Weltlage Anfang des Jahrhunderts – gewannen Liman und seine Autoren Jez und John-Henry Butterworth weniger aus den Akten oder den Memoiren von Wilson und Plame – die von der CIA zensiert wurden, weil viele Informationen als geheim eingestuft sind – denn aus langer persönlicher Recherche, aus Interviews und Hintergrundgesprächen. Daraus destillieren die Butterworths einen spannenden Plot, in dem es um die Ehe Wilson/Plame ebenso geht wie um die Erkenntnisse der CIA – wobei keine Enthüllungen, keine sensationellen Neuigkeiten offenbart werden, sondern sich der Blick vor allem auf zwei Bush-Argumentationen im Vorfeld des Irakkriegs konzentriert: die angebliche Niger-Irak-Connection und der Import von Aluminiumröhren in den Irak, von denen die US-Regierung auf jeden Fall behaupten möchte, dass sie ausschließlich für Anlagen zur Urananreicherung verwendbar seien…

    Zwei der Lügen, die zum Krieg führten, die Liman mit unbedingtem Willen zum Realismus, damit zur Glaubwürdigkeit des Films, in Szene setzte. Er filmte an Originalschauplätzen im Nahen Osten – sogar für einen Tag in Bagdad –¸ verwendet Fakten und originale Nachrichtenausschnitte, erzeugt ein realistisches Chaos der Medienkommentare und Einschätzungen, und filmt das alles in seiner typischen Art der wackligen Kamera – das freilich wirkt dann doch stark übertrieben, wenn es Ruckler gibt, die es bei normalem Gebrauch einer Schulterkamera nicht geben dürfte: Über-Manierismus, der der Intention schadet.

    Dramaturgisch freilich gelingt die Verdichtung dieser Faktenlage zu einem packenden Thriller – zumindest in den ersten zwei Dritteln. In der letzten halben Stunde geht Liman einen neuen Weg, hin zum Ehedrama, es geht um Emotionen und Befindlichkeiten von Plame und Wilson zueinander, die nach der Enttarnung von Plame auf verschiedenen Wegen – des Rückzugs und des Schweigens versus die Einbindung von Öffentlichkeit und Justiz – wandeln und auseinanderdriften. Hier versandet der Film, und es bleibt am Ende der Appell an den Zuschauer, gute Amerikaner zu sein und nicht wegzuschauen, wenn Unrecht geschieht, sei es ein Diebstahl in der Nachbarschaft oder eine Lüge in einer Rede des Präsidenten.

    Fazit: Ein realistischer und authentischer Agententhriller nach einem wahren Fall, nach einem der vielen Skandale der Bush-Regierung; leider versteift sich Doug Liman im letzten Drittel zu sehr auf das Ehedrama.
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