Stephen Kings „ES“ ist natürlich ein Bestseller und entsprechend kennen viele die Geschichte um den Horrorclown Pennywise. Die Verfilmungen mussten sich davon jedoch teilweise grundlegend verabschieden und die Macher haben jetzt erklärt, warum.

– Achtung: Es folgen Spoiler zu „ES: Kapitel 2“! –

Stephen Kings berühmten Roman „ES“ zu verfilmen, ist wahrlich keine leichte Aufgabe. Schließlich lieferte der Bestseller-Autor einige kosmische Erklärungen, wer das Böse ES überhaupt ist und woher ES kommt. Entsprechend mussten Regisseur Andy Muschietti und Autor Gary Dauberman ein paar Aspekte des Endes von „ES: Kapitel 2“ ändern und so manches wichtige Detail aus dem Buch komplett weglassen.

Im Gespräch mit Collider erklärten die beiden diesen Prozess und wie schwer es ihnen fiel, das Ende der Romanvorlage teilweise bewusst links liegenzulassen. Als Knackpunkt erwies sich hierbei das sogenannte Ritual von Chüd, mit dem der Club der Verlierer Pennywise im Buch entscheidend schwächen kann. Dort entdeckt Bill als Kind dieses Ritual in der Bibliothek, in „ES: Kapitel 2“ ist es jetzt wiederum Mike, der als Erwachsener Nachforschungen in Derry anstellte.

Muschietti kämpfte darum, das Ritual irgendwie in seinem Film einbauen zu können. Er habe versucht, dafür einen Verwendungszweck zu finden, der auch in die Dramaturgie eines Filmes passe: „So habe ich es wieder in die Geschichte einbauen können. Das Ritual von Chüd ist das letzte Hilfsmittel, etwas, das in der Mythologie existiert.“

Das ganze Makroversum und die Schildkröten-Gottheit musste „ES 2“ streichen

Im Buch unterscheidet sich das Ritual deutlich von der Darstellung im Film. ES stammt ursprünglich aus dem Makroversum, wo es zwei rivalisierende Kräfte gibt: das Böse, ES, und das Gute, die riesige Schildkröte Maturin, die unser Universum hochgewürgt hat, als sie unter Magenschmerzen litt. Das Ritual von Chüd ist wiederum ein bizarres Ritual, mit dem Gestaltenwandler angeblich besiegt werden können. Dabei müssen sich beide Teilnehmer auf die Zunge beißen und Witze erzählen, bis eine Seite lacht und damit verloren hat. Bill wandte dieses Ritual gegen Pennywise im Buch an und begriff dabei, dass es vielmehr ein mentales Duell ist, in dem Bill dem bösen ES all seine guten Überzeugungen entgegenstellen muss. Ihr bemerkt hier vermutlich schon die Schwierigkeit, dies in einen Horrorfilm stimmig einzubauen.

Als Anspielung hat es Maturin aber immerhin in „ES 2“ geschafft:

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„ES 2“: 15 versteckte Anspielungen, die ihr vielleicht verpasst habt

Im Buch kann der Club der Verlierer Pennywise so tatsächlich entscheidend schwächen, im Film selbst ist das Ritual jedoch ein Totalausfall. Dessen ist sich Mike laut Muschietti aber auch bewusst: „Es funktioniert nicht wirklich. Aber er weiß, dass sie Pennywise nur besiegen können, wenn sie die Macht ihres vereinten Glaubens nutzen“, erklärt der Regisseur. Das Ritual ist im Film vielmehr Mittel zum Zweck, um die Gruppe wieder zusammenzubringen.

Die wichtigste Waffe gegen Pennywise konnte „ES 2“ zeigen

Mikes eigener Glaube, dass die Gruppe Pennywise so besiegen kann, stammt laut Muschietti wiederum aus dem Finale des ersten „ES“-Films. Dort habe er bereits gelernt, dass ES nur besiegt werden konnte, weil der Club der Verlierer daran glaubt, dass sie ES eben besiegen können: „Es gibt keine Waffe, die Pennywise töten kann. Die einzige Waffe ist Glaube, diese Waffe benutzt Pennywise wiederum, um seine Opfer zu töten.“

Diesen Glaubens-Aspekt konnten die Macher gut in den beiden „ES“-Filmen nutzen, weil er sich filmisch durchaus umsetzen lässt. Der ganze Ansatz mit dem Makroverse und der Schildkröten-Gottheit Maturin hätte allerdings den Rahmen gesprengt. „Wir wissen, das Beißen in die Zunge, das Rätsel und all dieses Zeugs hätte auf der Leinwand nicht so funktioniert wie im Buch. Also mussten wir uns überlegen, wie können wir das erzählen?“, fasste Dauberman das Problem gut zusammen.

Er enthüllte sogar, dass die Macher nie versucht haben, das Filmstudio davon zu überzeugen, all dies in den Film aufnehmen zu dürfen: „Ich glaube nicht, dass ich das je erwogen habe, weil ich einfach weiß, welche Gespräche ich dann führen muss. ‚Was meinst du, wenn du sagst „Außenbereich“?‘ Also kommst du diesen Diskussionen einfach zuvor. Du kannst es versuchen, aber es wird nicht klappen, deshalb gibt es Momente, in denen du dir einfach die kreative Freiheit nehmen musst.“ Und dafür dürften vermutlich selbst die Fans des Romans Verständnis haben, schließlich bietet jedes Medium Vor-, aber eben auch Nachteile.

Ob ihr eher Pennywise oder ein Mitglied des Clubs der Verlierer seid, verrät euch unser Quiz:

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