Enemy

  1. Ø 2.7
   2013

Enemy: Surreal angehauchtes, hypnotisches Drama, das auf lose José Saramagos "Der Doppelgänger" basiert und eine weitere Zusammenarbeit von Jake Gyllenhaal und Denis Villeneuve ("Prisoners") darstellt.

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Filmhandlung und Hintergrund

Enemy: Surreal angehauchtes, hypnotisches Drama, das auf lose José Saramagos "Der Doppelgänger" basiert und eine weitere Zusammenarbeit von Jake Gyllenhaal und Denis Villeneuve ("Prisoners") darstellt.

Der spanisch-kanadische Psychothriller „Enemy“ erzählt die Geschichte des Dozenten Adam Bell (Jake Gyllenhaal), dessen Leben nach der Begegnung mit seinem Doppelgänger völlig aus den Fugen gerät. Der Film von Regisseur Denis Villeneuve basiert auf dem Roman „Der Doppelgänger“  des portugiesischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers José Saramago und lässt sich sowohl dem Genre des Mystery-Thrillers sowie des Surrealismus zuordnen.

Adam Bell (Jake Gyllenhaal) langweilt sich in „Enemy“ fast zu Tode und führt ein tristes Leben zwischen Arbeit und einer wenig befriedigenden Beziehung zu seiner Freundin Mary (Mélanie Laurent), die sich auf routinierten Sex beschränkt und jegliche Wärme vermissen lässt.

Eines Tages wird Adam von einem Kollegen empfohlen, sich einen Film anzuschauen. Während der Sichtung bemerkt der verdutzte Mann plötzlich, dass ihm ein Nebendarsteller gleicht wie ein Ei dem anderen. Adam beschließt, seinen Doppelgänger ausfindig zu machen und beginnt, wie ein Besessener in das Leben des Schauspielers Anthony Claire (ebenfalls Jake Gyllenhaal) einzutauchen und steigert sich immer mehr in die Vorstellung, einen geheimnisvollen Bruder zu haben, der ihm von seiner Mutter (Isabella Rossellini) bewusst vorgehalten wird.

Als es zur ersten Begegnung der beiden Männer kommt, nimmt die Geschichte von „Enemy“ jedoch einen anderen Verlauf, als sich ihn Adam gewünscht hätte, denn er steht nicht einem Freund, sondern einem Feind, seinem „Enemy“, gegenüber. Als der Schauspieler Anthony dem zunehmend verstörten Adam einen Frauentausch anbietet, gerät ein Strudel von immer absurder werdenden Ereignissen in Gang, der nicht mehr zu stoppen ist.

„Enemy“ wurde in Kanada bei den Canadian Screen Awards im Jahr 2014 mit fünf Preisen ausgezeichnet, unter anderem für die beste Regie und die beste Kamera.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Bildgewaltiger und atmosphärischer Psychothriller, der die Interpretation des Films komplett dem Zuschauer überlässt.
  • Gleichermaßen Kafka, Cronenberg und Lynch ist dieser Kino(alb)traum von Denis Villeneuve verpflichtet, der auf José Saramagos „Der Doppelgänger“ basiert.

    Mit seinem Hollywooderstling „Prisoners“ sorgte Denis Villeneuve 2013 für Aufsehen – wohl nicht zuletzt deshalb hat sein hypnotisches Drama „Enemy“, das der Kanadier im selben Jahr realisierte, einen deutschen Verleih gefunden. Im Vergleich zu seinem bei Publikum und Kritik erfolgreichen Entführungsthriller verweigert sich der Regisseur hier strikt gängigen Erzählmustern, variiert vertrackt das Doppelgängermotiv und wandelt auf den Spuren der Kinosurrealisten David Lynch und David Cronenberg.

    Lose auf José Saramagos „Der Doppelgänger“ fußt diese leise, kafkaeske Arbeit um den Geschichtsprofessor Adam. Monotonie bestimmt sein Dasein. Lustlos verrichtet er den Job, seine Beziehung langweilt ihn zusehends. Aus dem Alltagstrott wird er herausgerissen als er in einem von einem Kollegen empfohlenen Film einen Schauspieler namens Anthony sieht, der ihm aufs Haar gleicht. Verstört aber auch fasziniert, beschließt er, diesen aufzuspüren. Je tiefer Adam in der Folge in Anthonys Welt eindringt und dabei auch dessen schwangerer Frau näher kommt, desto mehr hadert er mit sich selbst. Schleichend wird ihm sein Alter Ego zur Obsession.

    Hier ist nichts so wie es scheint. Einen Hinweis auf die Irrationalität des Werks gibt schon die erste Szene. In einem düsteren, schmuddeligen Privatclub sehen Männer nackten Frauen beim Tanzen zu – mit einer Spinne. Alles nur Einbildung? Möglich, eine Antwort wird nie gegeben. Zwischen Wahn und Wirklichkeit oszilliert die Story, die im trostlos gefilmten Hochhausdschungel von Toronto angesiedelt ist, einer lebensfeindlichen Betonwüste, in der monochrome Gelb- und Brauntöne vorherrschen und zwischen deren Wolkenkratzer plötzlich auch ein riesiger Gliederfüßler auftaucht.

    Ein symbolträchtiger Albtraum ist dieser Film, in Trip in die (Un-)Tiefen der Seele, gespickt mit filmischen und literarischen Querverweisen, unterlegt mit einem dissonanten Cello-Soundtrack. Somnambul taumelt Jake Gyllenhaal – perfekt besetzt als Mann ohne Eigenschaften – in seiner Doppelrolle durch die Handlung, bald lässt sich nicht mehr unterscheiden, wann er Adam und wann er Anthony ist. Dazu passt, dass auch die beiden Frauen in seinem Leben, gespielt von Mélanie Laurent und Sarah Gadon („Eine dunkle Begierde“), sich verblüffend ähnlich sehen. Ein kluges Vexierspiel, das viele Deutungsmöglichkeiten zulässt. Kopfkino im Wortsinn. geh.
  • Dass der kanadische Regisseur Denis Villeneuve zuletzt mit "Prisoners" einen komplexen, aber innerhalb seines Werkes vergleichsweise konventionell erzählten Rache- und Mystery-Thriller mit Jake Gyllenhaal vorlegte, mochte verwundern. Erst jetzt kommt der zuvor ebenfalls mit Gyllenhaal gedrehte "Enemy" nach dem José Saramago-Roman "Der Doppelgänger" in unsere Kinos, der wie ein Bindeglied zwischen "Prisoners", der ebenfalls von bedrohlichen Obsessionen handelt, und Villeneuves surrealem Frühwerk wie "Der 32. August auf Erden" oder "Maelström" wirkt.

    Wo es in "Maelström" sprechende Fische sind, die das Geschehen kommentieren, tauchen in "Enemy" wiederholt Spinnen auf, die in einer Traumsequenz ihre haarigen Beine über die Stadt legen oder bei einem rätselhaften Ritual in einem Nachtclub auftreten. So wie eine Spinne ihr Netz legt, spinnt gleichsam das Wissen um die Existenz eines Doppelgängers im Leben des isolierten Lehrers und des überheblichen Nebendarstellers seine Fäden. Häufig steckt das Dasein von Villeneuves Protagonisten schon zuvor in einer Sackgasse. Entweder kann der Konflikt ihnen Erlösung bringen oder wird sie endgültig vernichten.

    "Chaos ist Ordnung, die noch nicht entschlüsselt ist", heißt es zu Beginn. Allerdings erscheint Adams geordneter Alltag schon vom ersten Moment an brüchig. Angefangen vom verstörenden, dissonanten Orchester-Score über Torontos gleichförmige, kalte Architektur, Adams karges, unpersönliches Appartement bis hin zu den gelblich-braunen Farbtönen der Bildgestaltung etabliert sich eine Atmosphäre steter Verunsicherung. Bald beginnen die Ebenen von Realität und Traum sich aufzulösen.

    Von der Romanvorlage, in die Saramago ("Die Stadt der Blinden") immer wieder Exkursionen über das Schreiben selbst einfließen ließ, blieb lediglich das Handlungsgerüst übrig. Nur im Prolog setzt Gyllenhaal als Geschichtslehrer Adam Bell zu philosophischen Exkursionen über die Muster innerhalb der Historie an. Später konzentriert sich Villeneuve stärker auf den surrealen, symbolhaften Plot um Identitätsverlust, Dualität und Triebhaftigkeit als eine Motiv-Verkettung aus Franz Kafka, David Lynch oder David Cronenberg.

    An Cronenberg erinnert nicht nur das Spinnenelement aus"Spider", sondern auch die Besetzung seiner Stammschauspielerin Sarah Gadon ("Map to the Stars", "Centropolis"). Auch das Casting von Adams Mutter, die offenbar mehr weiß, als sie preisgibt, mit Lynchs Ex-Muse Isabella Rossellini erscheint als kein Zufall. Ihr Kurzauftritt hinterlässt stärkeren Eindruck als die unterforderte Mélanie Laurent, die ihre Rolle offenbar nur annahm, um einmal mit Villeneuve zu drehen Dagegen erhält Jake Gyllenhaal die Gelegenheit, eine meisterliche Vorstellung zweier Männer in der Auflösung ihrer Existenzen zu liefern.

    "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", lautet der Titel des ominösen Films, in dem der stille Adam nachträglich seinen egoistischen Doppelgänger entdeckt. Wohin Adams Weg führt, bleibt bis zum abrupten Ende unklar, woraus "Enemy" seine untergründige Spannung bezieht. Eindeutigen Antworten, etwa zur Frage, ob Adam und Anthony zwei Seiten einer einzigen Seele sind, verweigert sich Villeneuve. Vieles wie die Bedeutung der Spinnen und Baubeeren oder die Frage, wer hier wirklich der Feind ist, bleibt der Interpretation des Zuschauers überlassen.

    Fazit: Jake Gyllenhaal glänzt in einer Doppelrolle in "Enemy", einem verstörenden, surrealen Thriller um die schicksalhafte Verkettung zweier grundverschiedener Männer.
  • Die Stärke des Kanadiers Denis Villeneuve sind die brutalen Konflikte des realen Lebens. Enemy ist anders. Der Film nimmt eine traumhafte, subjektive Perspektive ein. - In José Saramagos Romanvorlage wird Chaos als noch nicht aufgelöste Ordnung verstanden. Jake Gyllenhaal spielt Adam, einen gelangweilten Geschichtsprofessor. Er verrichtet sein Tagwerk, hält langweilige Vorlesungen und hat freudlosen Sex mit seiner Freundin ­Mary (Mélanie Laurent). Sein Apartment wirkt so leer, als ob niemand darin wohnen würde. Adam fehlt etwas. Eines Abends aber schaut sich Adam einen Film an und bemerkt, dass eine der Figuren (die eines Hotelpagen) exakt so aussieht wie er selbst. Der Schauspieler Daniel Saint Claire, der im wirklichen Leben Anthony Claire heisst, spielt den Pagen. Adam ruft den Schauspieler an und steht ihm schliesslich gegenüber. Der Doppelgänger ist verheiratet mit der schwangeren Helen (Sarah Gadon) und auch in seinem Leben fehlt etwas. Nun spinnt Villeneuve einen Reigen um Identität, Erotik und Macht und am Ende steht die Erkenntnis: Zwei Doppelgänger ist einer zuviel... In Enemy bleibt nicht nur eine Frage offen, sondern gleich eine ganze Reihe an Fragen. Sehen wir hier eine Allegorie auf Villeneuves kulturell geteilte Heimat Kanada? Bezieht sich die kryptische Geschichte auf das Kino selbst und dessen Beziehung zwischen Schauspieler und "Double"? Eines aber ist sicher: Villeneuve steht ganz selbstbewusst in der Tradition des europäischen Autorenfilms der 60er. Wer die Klassiker der Zeit im neuen Gewand erleben möchte, der wende sich Enemy zu! Erinnert euch auch einmal, wie die damals noch einer nationalen Tradition verpflichteten Autoren den Sprung zu echten Kosmopoliten machten! Villeneuve gelingt das als kanadischer Filmemacher in Hollywood genauso gut! Dazu, die intensivsten Filme zum Thema Wahnsinn, gesammelt auf der Seite unserer Videothek cinegeek.de
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