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Hintergrund: Das Deutsche Dorf

Im Jahr 2003 entstand auf der koreanischen Insel »Namhae« ein »deutsches« Dorf: eine Siedlung für jene Koreaner, die in den 60er und 70er Jahren als Krankenschwestern und Bergarbeiter nach Deutschland gingen und nach mehr als 30 Jahren in ihre alte Heimat zurückgekehrt sind.

Die Heimkehrer, die sich in dem neuen Korea viel fremder als in Deutschland fühlen, bauten eine Siedlung nach deutschem Vorbild, abgeschottet auf einer Insel.

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Die Idee mit dem „deutschen Dorf“ kam von einem Provinzpolitiker, dessen Geschwister einst als Krankenschwestern und Bergarbeiter in Deutschland Arbeit fanden. Die Gastarbeiter, die in Deutschland geblieben sind, wollte er zur Rückkehr bewegen, zugunsten des lokalen Aufschwungs.

Auf Namhae - wie in den meisten ländlichen Gegenden Südkoreas -schrumpft die Bevölkerung seit Jahren. Die Jungen suchen Arbeit in den Großstädten, die leeren, verfallenden Häuser lassen zuhause traurige Geisterdörfer entstehen. Die Bauern können nicht mehr dem Ansturm von Billigprodukten aus China und den großindustriell hergestellten Agrarerzeugnissen aus den USA standhalten. Der Untergang der Bauern ist der Untergang des Dorfes.

Aber die Folgen der Globalisierung kann man auch positiv nutzen. So sind die reichen Rentner aus Deutschland willkommene Neubürger. Außerdem kann das exotische „Deutsche Dorf“ den lokalen Tourismus befördern. Das war die Idee von Herrn Kim, dem Kommunalpolitiker.

Nun strömen die Touristenbusse vom Festland heran, Neugierige trampeln mit ihren Kameras in den Vorgärten herum und gaffen in die deutschen Wohnzimmer. Die Menschen vom Festland, die sonst nur graue Betonhochhäuser kennen, bewundern die exotische, deutsche Idylle.

Die Geschichte hinter der Geschichte

Korea gehörte Anfang der 60er zu den ärmsten Ländern der Welt. Während die Bevölkerung hier verzweifelt nach Arbeit suchte, fehlten in Deutschland tausende Arbeitskräfte im Pflegebereich und Bergbau.

Der Diktator Park, der durch einen Militärputsch an die Macht kam und keine guten Beziehungen zu den USA hatte, suchte nach finanzieller Hilfe im wirtschaftlich

prosperierenden Deutschland. Er schloss ein Abkommen mit der Bundesrepublik, schickte koreanische Arbeitskräfte und erhielt als Gegenleistung das nötige Darlehen, das Korea zu einer rasanten wirtschaftlichen Entwicklung verhalf.

Nur diejenigen Koreaner, die ein hartes Aufnahmeverfahren bestanden, durften nach Deutschland. So kamen von 1966 bis 1976 10.000 ausgewählte Krankenschwestern und 8000 Bergarbeiter in die Bundesrepublik.

Viele davon sind in Deutschland geblieben, und einige haben deutsche Ehepartner. Diese bilden die erste Generation der koreanischen Mitbürger in Deutschland.

Sie sind unauffällig, angepasst und scheinbar gut integriert. Einige, die von ihrer alten Heimat nicht loslassen konnten, sind samt ihren deutschen Ehemännern nach Korea zurückgekehrt. Aber doch nicht so richtig. Sie nahmen ihre neue Heimat, ihre deutsche Umgebung mit in die alte Heimat Korea und versuchen dort ihr Leben in einer Art doppelter Heimat weiter zu führen, was ihnen noch nicht gelingt.

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  • Dokumentarfilm "Endstation der Sehnsüchte"

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