Ella Schön: Die Inselbegabung

  1. Ø 5
   2018
Ella Schön: Die Inselbegabung Poster

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Die richtige Besetzung einer Hauptrolle hat naturgemäß immer entscheidenden Anteil an der Qualität eines Films, aber in diesem Fall ist sie mehr als die halbe Miete. Auf den ersten Blick mag es nicht weiter überraschen, dass Annette Frier die Titelfigur der neuen ZDF-Filmreihe „Ella Schön“ spielt, schließlich bietet das „Zweite“ in seinen sonntägigen „Herzkino“-Geschichten unterhaltsamen Zeitvertreib, der hin und wieder auch gewisse Ansprüche erfüllt. Frier, der in vielen ihrer Filme die rheinische Herzlichkeit aus allen Knopflöchern strömt, muss hier jedoch eine völlig andere Rolle spielen, und darin liegt der außerordentliche Reiz der Reihe: Ella Schön hat das Asperger-Syndrom. Die Schauspielerin interpretiert die Figur daher wie einen Androiden aus einem Science-Fiction-Film. Wenn Ella doch mal Gefühle zeigt, sind sie gesteuert, weshalb ihr Lächeln exakt so aufgesetzt wirkt, wie es ja auch ist. Ähnlich klingt die Redeweise: Die Frau hört sich an wie ein fortgeschrittener Sprachroboter, der Lexikoneinträge runterrasselt.

    Richtig interessant und darstellerisch zur echten Herausforderung wird Friers Spiel, wenn Ella in eine kognitive Dissonanz gerät, weil ihr Verstand sie in die eine Richtung drängt, das Herz aber in eine andere; und diesen Höhepunkt des ersten von zunächst zwei Filmen bereitet das Drehbuch äußerst geschickt und von langer Hand vor. Geschrieben hat es Simon X. Rost, der seine Heldin, eine Frankfurter Juristin ohne Abschluss, zum Auftakt der Handlung auf eine (Halb-)Insel schickt: Ellas verstorbener Mann Thomas hat ihr auf Fischland in der Mecklenburger Bucht ein Haus hinterlassen, das sie nun verkaufen möchte. Überrascht stellt sie fest, dass es bewohnt ist, und nicht nur das: Christina (Julia Richter) und ihre Kinder waren Thomas‘ Zweitfamilie. Weil sie ein vertraglich zugesichertes lebenslanges Wohnrecht besitzt, kann Ella sie nicht einfach vor die Tür setzen; also nistet sie sich erst mal im halbfertigen Anbau ein, um in Ruhe zu überlegen, wie sie weiter vorgehen soll.

    Diese Geschichte ließe sich auch als Drama erzählen, und genau darin liegt ihre große Stärke. Regisseur Maurice Hübner, der für das ZDF die satirische ZDF-Kurzserie „Familie Braun“ über zwei Neonazis gedreht hat, gibt dem Film zwar einen heiteren Tonfall, aber lustig ist das alles eigentlich nicht. Diese Haltung wird schon in den ersten Bildern deutlich, die Hübner und der vorzügliche Kameramann Moritz Anton („Fritz Lang“) in strengem Grauschwarz halten. Selbst die Kameraführung betont gelegentlich mit Einstellungen von schräg oben, dass Ella anders ist als die anderen. Die komischen Momente resultieren aus dem Zusammenprall der Kulturen und Mentalitäten. Das gilt natürlich in erster Linie für den Gegensatz zwischen den beiden Frauen: hier die zwanghaft kontrollierte und verschlossene Ella, dort die ebenso offene wie hilfsbereite Christina; Ordnung trifft Chaos. In diesen Szenen zeigt sich eine weitere große Qualität des Drehbuchs: Ellas Verhalten ist zwar Auslöser der komischen Momente, aber Rost und Hübner machen sich nicht über sie lustig.

    Das ZDF will erst mal abwarten, wie die Zuschauer die beiden ersten Filme annehmen, bevor über etwaige Fortsetzungen nachgedacht wird. Für den „Herzkino“-Sendeplatz im ZDF, dessen Ruf beim anspruchsvoller Publikum aufgrund der zumeist beliebigen „Pilcher“- und „Lindström“-Filme nicht der beste ist, wäre „Ella Schön“ jedenfalls eine vortreffliche Bereicherung. Die Reihe ist der zweite Versuch von Dreamtool Entertainment auf diesem Sendeplatz. Bei „Zweimal zweites Leben“ (2016) hat es zwar Unstimmigkeiten mit dem Regieduo Claudia Pritzel und Peter Henning gegeben, aber sehenswert war der Film trotzdem; für „Ella Schön“ gilt das nicht minder. tpg.

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