Elementarteilchen

  1. Ø 2.7
   2006
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Filmhandlung und Hintergrund

Elementarteilchen: Oskar Roehlers Adaption des gleichnamigen Skandalromans von Michel Houellebecq mit Starbesetzung.

Traumatisiert von der experimentierfreudigen Hippie-Mutter (Nina Hoss) haben die ungleichen Brüder Michael (Christian Ulmen) und Bruno (Moritz Bleibtreu) jeweils auf ihren eigenen Kriegspfad mit der Sexualität gefunden. So forscht Michael an einem renommierten Forschungsinstitut an Sex-freier Fortpflanzung, während Lehrer Bruno heimlich seinen Schülerinnen hinterher hechelt und doch nur im Puff zum Schuss kommt. Als dann aber beide auf die große Liebe treffen (Franka Potente und Martina Gedeck), könnte alles anders kommen.

Die Crème de la Crème des deutschen Schauspielwesens ist zur Stelle, wenn die Produzenten Bernd Eichinger und Oliver Berben den gleichnamigen Roman von Michel Houellebecq verfilmen.

Michael und Bruno sind Halbbrüder, Söhne einer Hippiemutter und von Grund auf verschieden. Während der introvertierte Molekularbiologe Michael lieber mit Genen hantiert, lässt sich Bruno gerne im Puff verwöhnen. Eines Tages treffen beide die Liebe ihres Lebens – Michael seine frühere Schulfreundin Annabelle, Bruno die sexy Christiane. Beide Frauen werden kurz darauf schwer krank.

Lehrer Bruno und sein Halbbruder, der Molekularbiologe Michael, könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine wird vom Schuldienst suspendiert, weil er eine Elftklässlerin angegraben hat, dem anderen fällt der Wellensittich tot von der Stange. Der eine kann von nichts träumen außer Sex, der andere ist mit seinen knapp 40 Jahren immer noch Jungfrau. Vielleicht ist die Hippiemutter an den Problemen der Geschwister Schuld, die nur Sex im Kopf hat(te) und ihre Söhne bei den jeweiligen Großmüttern abstellte, um ihrem Jet-Set-Leben zu frönen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Wer, wenn nicht Roehler? Wem sonst würde man es zutrauen, „Elementarteilchen“ zu adaptieren, diese harte Abrechnung mit den Eltern der 68er-Generation, die verstörte, gestörte Kinder in die Welt gesetzt hat. Kinder, die mit dem „anything goes“ nicht umgehen können. Aber Regisseur Oskar Roehler, eigentlich für den deutschen Film, was Michel Houellebecq für die französische Literatur ist, der gnadenlos zynisch und oft bunt-überdreht die gesellschaftliche Gegenwart analysiert, der von Beziehungs- und Lebensunfähigkeit, von gestörter Sexualität und Traumata erzählt – dieser Oskar Roehler nimmt „Elementarteilchen“ die Wucht.

    Damit keine Missverständnisse aufkommen: es geht nicht um Werktreue. Es galt, Houellebecqs „Skandalroman“ erzählerisch umzustrukturieren und zu entflechten, denn man kann seine endzeit-philosophischen, gesellschaftskritischen und politisch unkorrekten Reflexionen wohl kaum eins zu eins auf die Leinwand übertragen. Es geht auch nicht darum, dass die Handlung nach Berlin verlegt wurde. Es geht um den Gestus, um die Wirkmacht des Stoffes. Was bei Houellebecq ein wütender, zynischer Aufschrei ist, das wird bei Roehler zum Melodram, bei dem am Ende die Kraft der Liebe die Oberhand behält. Aus der abstoßenden, extrem gelebten Sexualität Brunos wird Perversion in homöopathischen Dosen, die man im Kinosessel zurückgelehnt als Abweichung von der Norm nur müde belächeln kann.

    Nun kann ein Film gegenüber der literarischen Vorlage selten bestehen. Schaltet man das Vorwissen um den Roman aus, bleibt vor allem die Geschichte zweier Brüder auf dem Weg zu sich selbst. Die beiden sind zwei Seiten einer Medaille, leben zwei Spielarten einer gestörten, gefühlslosen Sexualität, der eine ganz in sich zurückgezogen, der andere aggressiv nach außen gekehrt, aber beide unfähig zu lieben.

    Selbst die Umbettung seiner Großmutter – in einem Müllsack wird der halbverweste Körper über den Friedhof getragen – kann Michel keine Reaktion entlocken. Allenfalls als sein Wellensittich tot von der Stange kippt zuckt er kurz zusammen – um ihn dann entschlossen in den Mülleimer zu entsorgen. Sektflaschen lagert er neben tiefgekühlten Laborratten. Diesen Mann kann so etwas nicht irritieren, Gefühle scheinen für ihn ein Fremdwort zu sein. Christian Ulmens Michel sagt nichts, bewegt sein Gesicht nicht, steht verschüchtert in der Ecke und scheint froh, wenn man ihn in Ruhe lässt. Und man ist sich nicht ganz sicher, ob das Interpretation der Rolle oder schlicht schauspielerisches Unvermögen ist.

    Es sind die Frauen, die die beiden Brüder wieder ins Leben, in die Welt zurückholen, und schauspielerisch beeindrucken. Franka Potente, als jugendliche Annabelle bereits in Michel verliebt, tritt ganz ungewohnt als ruhiges, einfühlsames Mädchen auf, das nur noch wenig mit ihren schrill-bunten Auftritten von früheren Filmen zu tun hat. Das tut dem Film gut und bestätigt, dass Potente mehr kann als Action und Komödie. Und dann ist da Martina Gedeck, geheimnisvoll, sinnlich und sehr pragmatisch. Mit Bruno zieht sie durch die Swingerclubs der Hauptstadt, doch die Beziehung ist keine rein sexuelle. Das erste Mal scheint sich Bruno geliebt und zu Hause zu fühlen bei einer Frau. „Ich glaube ich liebe dich“, sagt er zu ihr. Immer wieder „Ich glaube“. Er hat noch keine Sicherheit, kein Wissen um den Umgang mit den eigenen Gefühlen. Aber unfähig zu lieben ist Bruno nicht mehr.

    Rein optisch bleibt „Elementarteilchen“ brav, nur die Jugend der Brüder ist quietschbunt, angesiedelt irgendwo zwischen Technicolor-Film und LSD-Trip. Doch diese Farbigkeit ist für die beiden Brüder kein Zeichen von Freude, sondern die eklige Materialisation des Hippie-Lebens der Mutter. Auch erzählerisch bleibt der Film konventionell und enthält nur wenig von den typischen Roehlerschen Ausweglosigkeiten und der Verzweiflung, die die Figuren auf sich selbst zurückwirft.

    Fazit: „Elementarteilchen“ ist ein Konsensfilm geworden. Die extrem gelebte Sexualität wird auf ein allenfalls optisches Faszinosum reduziert, das kaum noch etwas über die Abgründe der Figuren verrät. Unabhängig von der Vorlage betrachtet überzeugten aber vor allem die souveränen Schauspieler und die mit Tiefgang ausgestatteten Frauenfiguren.
    Ein sehr Roehlerscher Stoff – und ein überraschend un-Roehlerscher Film.
  • Es gehört Mut dazu, Michel Houellebecqs Skandalroman über den postmodernen Mann Anfang des Jahrtausends zu verfilmen. Oskar Roehler wagt den Trip durch verwüstete Seelenlandschaften.

    Mit rund 240000 verkauften Exemplaren ist „Elementarteilchen“ ein Bestseller. Ein Buch, dass man(n) lesen musste und nicht immer zu Ende las. Nicht gerade aufmunternd die Geschichte von zwei Halbbrüdern, die – von der Hippie-Mutter vernachlässigt -getrennt voneinander bei ihren Großeltern aufwachsen und sich erst in der Jugend kennenlernen. Ihre Wege könnten unterschiedlicher nicht sein: Michel Djerzinski macht als Molekularbiologe Karriere und lebt seinen Trieb in der Wissenschaft aus, sucht nach Wegen zur Reproduktion ohne Sex, Bruno Klement legt meistens Hand an sich, sobald er ein junges Mädchen sieht, und das ist bei einem Lehrer und verkrachten Schriftsteller nicht selten. Seine Avancen stoßen bei der Weiblichkeit auf wenig Gegenliebe. Was sie verbindet ist die Unfähigkeit zu Gefühlen, ein sexuelles Defizit, endlose Einsamkeit. Am Totenbett der Mutter finden sie sich wieder, zwei unglückliche Menschen, denen plötzlich doch das Ass im Leben winkt. Der schüchterne Michel trifft seine alte Jugendliebe wieder, die ihn „aufweckt“, Bruno in einem Nudistenclub eine sensible Frau ohne Prüderie, die sich mit ihm im Swingerclub verlustiert.

    Houellebecq negiert jegliches positive Ende, Roehler möchte ein Quentchen Hoffnung und entschärft die gesellschaftliche und emotionale Bombe. Auch wenn beide Frauen blindwütig das Schicksal trifft und die Partner unterschiedlich auf die persönliche Tragödie reagieren. Dem französischen Literaten wurde vieles zugeschrieben – eine Abrechnung mit der 68erGenration, beißende Gesellschaftskritik, diffuse Philosophie, ausgeprägte Frauenfeindlichkeit und Ekel vor der Welt, vielleicht

    auch vor sich selbst. Also eigentlich eine gute Kombination mit Roehler, dem nicht gerade ein großes Harmoniebedürfnis nachgesagt wird. Die Verfilmung des Romans ist ein Unterfangen, bei dem sich wohl jeder verheben kann oder muss. Roehler lässt seine kaputten Helden durch die Hölle gehen und mit den inneren Dämonen kämpfen, sich an der Wirklichkeit die Seele wundreiben Hinter dem se xuellen Akt steht Leere. Drei Jahre Drehbucharbeit, 15 Drehbuchfassung, die Umsetzung mit allem was in Deutschland einen Namen hat – Moritz Bleibtreu, Franka Potente, Christian Ulmen, Nina Hoss. Produzent Bernd Eichinger, der auch am Drehbuch mitschrieb, aber auf eine Erwähnung verzichtet, kürzte die erste Filmfassung schon mal um 40 Minuten. Wer „Elementarteilchen“ mit der eigentlich unverfilmbaren Vorlage vergleicht, wird sich über das Fehlen jeglicher Philosophie oder Gesellschaftskritik wundern, Roehler stürzt sich auf das Vordergündige, die Verlorenheit des Individuums, seine Zerrissenheit und Sex als Kampfzone, scheut auch vor publikumswirksamen Humor nicht zurück. Eine Art Houellebecq-Light ohne den originären Zynismus oder verletzende Kälte.

    Das Drama entwickelt nach einer ausgedehnten Exposition durch Rückblenden in der zweiten Hälfte seine Qualitäten, vor allem durch die weiblichen starken Charaktere. Martina Gedeck brilliert als sinnliche und außergewöhnliche Frauenfigur, die die Angst vor dem Tod überwindet. Houellebecqs Blick auf die Welt schockte mit Tabubrüchen, tat weh. Roehler gibt sich versöhnlich: Für ihn ist Liebe möglich. mk.

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