Fakten und Hintergründe zum Film "Elegy oder die Kunst zu Lieben"

Kino.de Redaktion |

Elegy oder die Kunst zu lieben Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Produktion: Die Geschichte

„Ich bin an einem Punkt meines Lebens angekommen”, so Coixet, „wo es mir extrem wichtig geworden ist, das Verhalten anderer Menschen, vor allem auch der Männer, zu verstehen. Die Fokussierung auf das rein Sexuelle, die David Kepesh in ELEGY zunächst betreibt, stellt in meinen Augen eine Flucht vor seinen wirklichen Gefühlen dar, denen er sich später unweigerlich stellen muss. Diesen Prozess finde ich nicht nur sehr interessant, sondern auch äußerst bewegend.“ Die junge Consuela betrachtet die Regisseurin als eine ausgeprägte Persönlichkeit: „Sie ist die Stärkere von beiden. Sie hat klare Vorstellungen, besitzt einen sehr starken Willen, agiert durchaus uneitel und zeigt keine falsche Scham.“

Der selbstbewusste Professor Kepesh scheint alles zu wissen, aber auf dem Gebiet der alles verzehrenden Leidenschaft hat er noch viel zu lernen. Die erste Szene des Films zeigt ihn als prominenten Gast einer Fernseh-Talk-Show, in der er der Öffentlichkeit sein neuestes, und wie immer sehr provokantes Buch über die verborgenen Wurzeln des amerikanischen Hedonismus vorstellt. Als bekennender Anwalt sexueller Freizügigkeit entdeckt er diese Wurzeln in der kleinen und wenig bekannten Kommune Merrymount, die während der Kolonialzeit von dem Sittenrebell Thomas Morton 30 Meilen außerhalb von Plymouth gegründet wurde. Dieses Refugium für gesellschaftliche Außenseiter und Freidenker existierte jedoch nicht lange, da, wie Kepesh erläutert, „es den Puritanern ein Dorn im Auge war und sie es bald schlossen.“ Erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, Kepeshs eigener Sturm- und Drang-Zeit, explodierte die lange unterdrückte Botschaft sexueller Liberalität endgültig in der amerikanischen Gesellschaft. Ironisch-sarkastisch, eloquent und gewitzt definiert sich Kepesh selbst als geistiger Nachfahre der rebellischen Pioniere. Heutzutage aber, so führt er aus, lebe selbst ein Revoluzzer, der sich der „fleischlichen Aspekte der menschlichen Komödie“ bewusst sei, nach den Regeln der bürgerlichen Gesellschaft. Denn für permanente Belohnung mit Glück und Sinnesfreude sei auch ein gewisser Preis zu bezahlen.

Bilderstrecke starten(29 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Elegy oder die Kunst zu lieben

Wie reagiert ein professioneller Verführer von beachtlichem Geschick wie Kepesh, der die Frauen zwar liebt, sie aber niemals nah an sich herankommen lässt, auf die Begegnung mit der außergewöhnlichen Consuela Castillo, deren glutäugige und schwarzhaarige Schönheit zugleich betört und verstört? Denn die Ausstrahlung der Tochter konservativer kubanischer Immigranten schwankt permanent zwischen schwüler Erotik und geradezu madonnenhafter Reinheit. Diese Studentin scheint also keine leichte Beute zu sein. Und dennoch gelingt es Kepesh, dem gewieften Erotomanen, sie auf sich aufmerksam zu machen und am Ende tatsächlich zu verführen.

Obwohl Consuela in ihrer Beziehung mit Kepesh allerhand Widrigkeiten hinnehmen muss, beschreibt Penélope Cruz sie als einen selbstbestimmten Charakter, der durchaus seine eigenen Ziele verfolgt: „Er ist kein Raubtier und sie kein Opfer, denn sie weiß genau, warum sie mit diesem Mann zusammen sein will.” Im Verlauf ihrer komplizierten Beziehung, die zunächst wächst, dann zerbricht und schließlich eine Fortsetzung unter veränderten Bedingungen erlebt, erfahren Kepesh und Consuela hautnah den heißen Atem der Leidenschaft, den stechenden Schmerz des Verlustes und die Glück verheißende Möglichkeit wahrer Liebe.

Produktion: Charaktere und Besetzung

Auf der Grundlage des von dem Oscar-nominierten Autors Nicholas Meyer (1977 für KEIN KOKS FÜR SHERLOCK HOLMES) verfassten Drehbuchs ging Coixet gemeinsam mit ihrem gesamten Kreativteam das Abenteuer an, die intime Geschichte einer komplizierten Zweierbeziehung in fesselnde, dramatische Filmbilder zu übersetzen. Ben Kingsley bezeichnet den Kern dieser gemeinsamen Anstrengung als „Erforschung und Durchleuchtung der Liebe zwischen Mann und Frau.“ Er hält dieses Unterfangen für extrem wichtig und produktiv, da „das einzige, das diesen Planeten – diese ganze verdammte Menschheits-Show – zusammenhält, eben die Liebe ist.“

Kingsley porträtiert den augenscheinlich so selbstsicheren, aber insgeheim einsamen und unruhigen Professor mit großer Kraft und Präzision. Penélope Cruz beschreibt die Arbeit mit ihrem Kollegen als „ein erstaunliches Abenteuer, das süchtig macht, genauso wie eine aufregende Achterbahnfahrt.“ Kingsley besticht aber nicht allein durch seine schauspielerischen Fähigkeiten, er verfügt darüber hinaus auch über die seltene Gabe, seine Mitakteure zu motivieren, anzufeuern und zu inspirieren. Der darstellerische Prozess, so erklärt der britische Mime, hänge entscheidend damit zusammen, offen zu bleiben und sich einen „Appetit auf Wahrheit“ zu bewahren. „Ich glaube nämlich“, so Kingsley weiter, „dass das einzige, auf das wir Schauspieler uns verlassen können, unsere Verletzlichkeit ist. Wir werden von etwas getroffen, angestoßen, und dann beginnen wir, in einer spezifischen Weise darauf zu reagieren, dann strömt etwas aus uns heraus.“ Drehbuchautor Nicholas Meyer bescheinigt Kingsley ein untrügliches Gespür für den Augenblick, das innerhalb des Mediums Film von allergrößter Bedeutung ist: „Ben beherrscht es wie kaum ein anderer, mit der Kamera eins zu werden und auf diese Weise eine Atmosphäre der Intimität herzustellen. Das macht ihn zu einem so einzigartigen Schauspieler.“

Regisseurin Coixet gibt ein eindrucksvolles Beispiel für Kingsleys unvergleichliche, expressive Kraft: „Ich glaube, er hat wohl die ausdrucksstärksten Augen, die ich je gesehen habe. An den Dreh einer bestimmten, im Prinzip sehr simplen, Szene für ELEGY erinnere ich mich in diesem Zusammenhang besonders. Ben gießt Cognac in zwei Gläser, nimmt sie in die Hände und geht damit auf Penélope zu. Ich beobachtete diese Aktion durch das Kameraobjektiv und dachte: ‚Wow, das ist wirklich ein hungriger Blick, gleich frisst dieser Wolf seine Beute nur mit den Augen auf.’“ Im Anschluss daran fragte Coixet ihren Star, wie er diesen Ausdruck hinbekommen und an was er dabei gedacht habe. Und er antwortete: „Ich habe meinen eigenen Tod angeschaut.“ Eine Antwort auf die Frage, worauf er bei jeder seiner Rollen immer wieder von neuem abzielt, bleibt Kingsley ebenfalls nicht schuldig: „Ich muss mich selbst überraschen.“

Seitdem Produzent Tom Rosenberg ihr vor über fünf Jahren Philip Roths Roman zu lesen gegeben hatte, fieberte Penélope Cruz ihrer Rolle in ELEGY geradezu entgegen, denn sie hält Consuela „für einen der schillerndsten, herausforderndsten, aber auch beängstigendsten Charaktere” ihrer Karriere. Die Spanierin zeigt sich dabei vor allem von Consuelas Komplexität und Widersprüchlichkeit fasziniert: „Ich liebe diese Figur, weil man sie nicht so einfach in eine bestimmte Schublade stecken kann. Sie ist sozusagen mehrere Frauen in einer, aber dennoch immer sie selbst. Zwar ist ihr Verhalten schwer vorhersehbar und erscheint deshalb oft wild und impulsiv, aber sie agiert trotzdem jederzeit aufrichtig.“

„Kepesh“, so erläutert Drehbuchautor Nicholas Meyer, „betrachtet Consuela zunächst nur als einen wunderschönen, exotischen Schmetterling, den er aufspießen und seiner Sammlung hinzufügen will. Ihr eigentliches Wesen und ihre Verletzlichkeit erkennt er erst, als es bereits zu spät ist.“ Um die Ambivalenz und Brüchigkeit Consuelas glaubhaft darzustellen, versuchte Penélope Cruz, möglichst viele ihrer eigenen Erfahrungen in die Rolle einzubringen: „Die Tatsache, dass Consuela vor allem von den Männern ständig auf ihr Äußeres reduziert wird, ist mir, wie vielen anderen Frauen auch, nicht ganz fremd. Insofern konnte ich mich relativ gut in sie hineinversetzen. Ich wäre sehr froh, wenn dies auf der Leinwand spürbar wird.“ Darüber hinaus lobt Cruz ihre Landsmännin Isabel Coixet für ihre große Sensibilität bei der Inszenierung erotischer Momente: „Sie versteht es meisterlich, Sexualität zwar sehr direkt, ohne falsche Scham oder Prüderie darzustellen, dabei aber niemals den Bereich plumper Pornografie zu streifen. Isabel gelingt es somit, die Magie, von der Philip Roths beeindruckender Text erfüllt ist, in den Film hinüberzuretten.“

Besorgt darüber, dass Kepesh sich allzu sehr auf die verführerische Consuela einlassen und dabei ernstlich aus dem emotionalen Gleichgewicht geraten könnte, gibt ihm sein Freund, der Schriftsteller und Pulitzer-Preis-Gewinner George O’Hearn den Rat, „das Sexding mit ihr auf ein Sexding zu beschränken. Denn schöne Frauen“, so weiß er aus Erfahrung, „sind unsichtbar. Niemand kann ihre wahre Persönlichkeit sehen. Wir Männer sind so geblendet von ihrer äußeren Erscheinung, dass wir niemals in ihr Inneres schauen können, und deshalb wissen wir auch nie, was dort alles auf uns lauert.“ Die Themen des Sehen und Gesehen Werdens, des Sichtbaren und des Unsichtbaren sowie des Äußerlichen und des Innerlichen klingen an mehreren Stellen des Films an: Einmal fotografiert Kepesh Consuela am Strand. Später, als er den Film in seiner Dunkelkammer entwickelt, zeigt er sich ein wenig befremdet über die Resultate dieses Shootings. In einer anderen Filmszene präsentiert er ihr seine beeindruckende Sammlung klassischer Porträtfotos. Auch hier wird deutlich, dass er sich vor allem auf seine visuelle Wahrnehmung verlässt. Der Professor ist ein wahrhaftiger Augenmensch, er ist fixiert auf das Sichtbare.

Seit der berühmt-berüchtigten Masturbationsszene, die Philip Roths 1969 erschienenen Weltbestseller „Portnoys Beschwerden“ zu einem Skandalbuch machte, wurde der Autor für seine unerhört offenherzigen Schilderungen männlicher Sexualfantasien immer wieder scharf kritisiert, von anderer Seite aber auch ausdrücklich gelobt. Mit Consuela (in „Das sterbende Tier“) kreierte er eine Figur, die zwar eine Projektionsfläche männlicher Begierden darstellt, jedoch hinter dem verführerischen Schleier ihrer Schönheit gleichzeitig eine ausgeprägte Persönlichkeit erkennen lässt. Dem Film gelingt es, diese beiden Aspekte der Figur auch visuell hervorzuheben.

Regisseurin Isabel Coixet führt gemeinsam mit ihrem langjährigen Crew-Mitglied Jean-Claude Larrieu seit einiger Zeit auch selbst die Kamera. Von daher erscheint es durchaus zutreffend, wenn Ben Kingsley sagt: „Isabel ist buchstäblich das Auge des Films, ein sehr wachsames Auge, das Übertreibungen, Ungenauigkeiten oder Unglaubwürdigkeiten sofort erkennt. Diese Tatsache ist für die Darsteller sehr beruhigend.“ Coixets empathische und oft auch humorvolle Sichtweise trägt dazu bei, dass keine ihrer Filmfiguren unwichtig oder uninteressant erscheint und somit ins Holzschnittartig-Eindimensionale abzurutschen droht: „Ich mag jeden Charakter in diesem Film“, versichert sie. „Und wenn ich auch finde, dass die Frauen genauer wissen, was sie wollen, und deshalb meistens sehr viel aufrichtiger agieren als die Männer, bedeutet dies nicht, das die männlichen Charaktere weniger faszinierend oder vielschichtig wären.“

Die bereits für einen Oscar nominierte Patricia Clarkson (für PIECES OF APRIL) spielt Carolyn, ehemals Kepeshs Studentin und heute eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die mit dem Professor seit über 20 Jahren eine erotische Beziehung unterhält, ohne indessen den Status einer offiziellen Partnerin oder gar Ehefrau beanspruchen zu können und zu wollen. Carolyn erscheint im Film einmal in einer Schlafzimmerszene, die laut Isabel Coixet „den wundervollen Striptease einer sinnlichen und erfahrenen Frau in den 40ern“ zeigt. „Patricia“, so die Regisseurin weiter, „stattet diese Figur mit einer solchen Wahrhaftigkeit und Furchtlosigkeit aus, dass es eine wahre Wonne ist, ihr dabei zuzusehen.“ Carolyn stellt eine sehr komplexe Figur dar. Als sie zu spüren beginnt, dass Consuelas Einfluss auf Kepesh größer wird als ihr eigener es jemals war, realisiert sie sofort, dass die Tage ihrer langjährigen Beziehung mit ihm gezählt sind. Der Schmerz, den sie angesichts dessen empfindet, ist ihr deutlich anzumerken, aber dennoch beklagt sie sich nicht. Drehbuchautor Nicholas Meyer hebt vor allem Clarksons meisterliche Darstellung der Widersprüchlichkeit von Carolyns Existenz hervor: „Carolyn hat zwar beruflich große Erfolge vorzuweisen, ihr Privatleben bleibt jedoch gänzlich unerfüllt.“

Dennis Hopper bringt die ihm eigene charismatische Ausstrahlung voll in die Rolle des berühmten, aber ebenso verschlagenen Poeten George O’Hearn ein, welcher seinem alten Freund und Womanizer Kepesh den Rat gibt, zwischen seinem Intim- und seinem Berufsleben einen deutlichen Trennstrich zu ziehen. Angesichts der sehr intensiven Gesprächsszenen, die ihn in ELEGY gemeinsam mit Ben Kingsley zeigen, witzelt Hopper: „Das sieht aus wie BLUE VELVET trifft SEXY BEAST oder wie Frank Booth debattiert mit Gandhi“. Seinen Kollegen Kingsley nennt Hopper anerkennend einen „großen Darsteller und engagierten Künstler.“

George O’Hearn, ein berühmter und nicht ganz uneitler Schriftsteller, der geflissentlich das Image eines eleganter Zynikers im Stil Oscar Wildes pflegt, scheint seine Gefühle und Begierden vollkommen unter Kontrolle zu haben. Unerwartete Wendungen seines Schicksals zwingen ihn aber schließlich dazu, sein Herz zu öffnen und sich zu seinen tiefsten Bedürfnissen und Nöten zu bekennen. So nehmen auch die Zusammenkünfte zwischen ihm und Kepesh, in denen sich zunächst viel Zynismus und eitle Selbstzufriedenheit artikuliert, nach und nach einen ganz anderen Charakter an. Der Ton wird ernster und erwachsener. Georges Schicksal stellt für Kepesh zugleich eine Lehre und eine Warnung dar, sofern der Freund früher als er den Wert wahrer Liebe und Treue erkennt und reumütig zu seiner Ehefrau Amy zurückkehrt, die unter seinen ständigen Seitensprüngen lange gelitten hat. Amy wird eindrucksvoll von Deborah Harry, der Leadsängerin der legendären Pop-Formation „Blondie“, verkörpert. Am Ende sieht sich der sonst so selbstherrliche George O’Hearn gezwungen, seine zynischen Ratschläge zurückzunehmen. Ben Kingsley rühmt Dennis Hoppers künstlerische Kompetenz: „Dennis ist mehr als ein ausgezeichneter Schauspieler. Er verfügt über das scharfe Auge eines Fotografen, er ist in der Lage, das ganze Bild zu sehen, nicht nur einen kleinen Ausschnitt.“

Isabel Coixet war sehr froh, Peter Sarsgaard für die Rolle des erwachsenen Professorensohnes Kenny Kepesh gewinnen zu können, denn „Peter versteht es“, so schwärmt die Regisseurin, „auch scheinbar einfache Charaktere mit einer enormen Vielschichtigkeit auszustatten.“ Kenny Kepesh ärgert sich über die nicht abreißende Serie der amourösen Eskapaden seines Vaters, fühlt sich von ihm unterdrückt und definiert sich selbst in strikter Opposition zu ihm. An seinem alten Groll hat auch die Tatsache nichts verändert, dass er sich mittlerweile selbst innerhalb der akademischen Welt als renommierter Arzt etablieren konnte. Trotz alledem treibt aber ein merkwürdiger Zug seines Charakters Kenny dazu, seine eigene Ehe zu zerstören. Sarsgaard entdeckt in diesem Umstand den unbewussten Reflex, sich dem Vater anzugleichen und auf diesem Weg seine Aufmerksamkeit zu gewinnen: „Kenny, so glaube ich, berichtet dem Vater vom Zerbrechen seiner Ehe nicht um dessen Mitleid zu erregen oder ihn dafür verantwortlich zumachen, sondern eigentlich um ihm zu sagen: ‚Sieh mal, ich bin gewissermaßen wie du, ich bin genauso interessant wie du, denn ich habe etwas getan, das du doch ununterbrochen tust. Können wir uns jetzt nicht nah sein, können wir endlich Vater und Sohn sein?’“ In ELEGY geht es auf vielen Ebenen und in vielerlei Hinsichten immer wieder um Veränderungen und Verwandlungen, so auch im Verhältnis zwischen David und Kenny Kepesh. In dem Augenblick, als Kenny sich entschließt, mit seinem Erzeuger offen und unmissverständlich zu reden, beginnt bereits das Eis zwischen ihnen zu schmelzen.

Consuela entwickelt sich für David Kepesh im Laufe der Zeit mehr und mehr zu einer wahren Obsession, deren ständiger Begleiter die Eifersucht ist. Denn der allmählich alternde Intellektuelle fürchtet, dass ein jüngerer Mann ihm die Geliebte ausspannen könnte. Mit solchen Dingen kennt er sich nur allzu gut aus, war er doch vor einiger Zeit selbst noch genauso ein junger Mann. Die Jugend Consuelas und seinen eigenen körperlichen Verfall vor Augen, wittert er nun überall sogleich Betrug und Verrat. Er beginnt, Erkundigungen über ihre Ex-Freunde und sonstige Männerbekanntschaften einzuziehen und spioniert ihr regelrecht nach.

Kepesh, ein Meister der Manipulation, ist jetzt zu einem Gefangenen seiner eigenen Imaginationen geworden. Gleichzeitig aber ist er gezwungen, sich selbst realistischer zu sehen, nämlich als einen alten Mann, der einer jungen Frau in Liebe verfallen ist; eine Einsicht, die ihm nicht behagt, die ihm überhaupt nicht gefällt. Als Consuela ihn anlässlich ihres Studienabschlusses zu einer Familienfeier einlädt, schützt er eine Autopanne vor, um nicht dort erscheinen zu müssen. Wütend über diesen Winkelzug ihres Geliebten, bricht Consuela daraufhin mit ihm. Kepesh ist am Boden zerstört und stürzt sich in Arbeit, um sich von seinem Schmerz abzulenken. Jedoch die Macht, die Consuela über ihn ausübt, bleibt auch während ihrer Abwesenheit unvermindert bestehen.

Nach zwei Jahren quälender Einsamkeit erreicht Kepesh ausgerechnet am Silvesterabend unverhofft ein Telefonanruf Consuelas, die ihn dringend sehen möchte und wenig später tatsächlich in seinem New Yorker Apartment erscheint. Die Neuigkeiten, die sie mitzuteilen hat, stellen seine ganze Welt auf den Kopf. Kepesh, der bislang erfolgreich andere Menschen von sich stieß, ist nun bemüht, Consuela an sich zu binden, koste es, was es wolle. Denn er musste entdecken, dass die Liebe weitaus erfüllender, aufregender, aber auch gefährlicher und schmerzhafter ist als die pure sexuelle Lust. Die Liebe schneidet nämlich nicht nur ins Fleisch, sondern auch tief in die Seele ein.

Produktion: Vom Buch zum Film

Die Produktionsfirma Lakeshore Entertainment (Tom Rosenberg, Gary Lucchesi, Andre Lamal) beauftragte den bereits für einen Oscar nominierten Drehbuch- und Romanautor Nicholas Meyer nicht zuletzt deshalb mit der Adaption der Erzählung „Das sterbende Tier“, weil er bereits zuvor erfolgreich den Philip Roth Roman „Der menschliche Makel“ in ein Filmskript umgewandelt hatte. Die gleichnamige Verfilmung war 2003 unter der Regie von Robert Benton mit Anthony Hopkins und Nicole Kidman in den Hauptrollen im Kino zu sehen. Meyer betrachtet die Adaption als einen Akt der Übersetzung, im Verlauf dessen der Drehbuchautor mit großem Geschick ein Minenfeld durchqueren muss, um etwas zustande zu bringen, von dem die Zuschauer hinterher sagen können: „Ja genau, so könnte eine Verfilmung dieses Stoffes aussehen“. Der Leitsatz, an den sich Meyer dabei hält, lautet: „Der Film muss funktionieren, ohne, dass man das Buch kennt, und darf nicht enttäuschen, wenn man es kennt.“ Ein Film muss seiner Meinung nach überdies eine gute Geschichte erzählen, und „eine gute Geschichte erkennt man daran, dass der Zuhörer hinterher weiß, warum der Erzähler sie mitteilen wollte.“ Meyer lobt die Produzenten Tom Rosenberg und Gary Lucchesi ausdrücklich für ihren Mut, sich komplizierter und anspruchsvoller Stoffe anzunehmen: „Diese beiden erfahrenen und klugen Filmschaffenden sind nicht nur extrem ehrgeizig, sondern auf ihre Art auch hoffnungslose Romantiker. Denn sie haben keinen Spaß daran, seichte Kinounterhaltung zu fabrizieren, die allein finanziellen Erfolg verspricht, sondern sie wollen künstlerisch elaborierte Filme für Erwachsene produzieren, die über den Tag hinaus Bestand haben.“

Im Vorfeld der Dreharbeiten für ELEGY verständigten sich Coixet und einige Mitglieder ihres Teams, darunter Ausstatter Claude Paré und Kostümbildnerin Katia Stano, darüber, wie man dem Film eine unverwechselbare Atmosphäre sowie eine starke visuelle Kohärenz verleihen könnte. Paré, der kurz zuvor die 130 Millionen-Dollar-Produktion NACHTS IM MUSEUM betreut hatte, kam dabei auf die Idee, David Kepeshs Apartment als eine Art Museum seines bisherigen Lebens zu konzipieren, als eine Schatzkammer, deren Schaustücke seinen Werdegang, seine Einstellungen und Erfahrungen genau widerspiegeln. Die in der Wohnung versammelten Einrichtungs- und Kunstgegenstände, welche Kepesh in einer Szene des Films seiner geliebten Consuela zeigt, reflektieren dabei wiederum exakt die Ästhetik des brillanten Aufnahmestils Jean-Claude Larrieus. Kameraführung und Ausstattung wurden also perfekt aufeinander abgestimmt. Und da ELEGY die Themen Jugend und Alter, Blüte und Verfall, Narzissmus, Eitelkeit und Zerbrechlichkeit streift, brachte Paré bei der Gestaltung von Kepeshs Apartment zahlreiche Spiegel und viel Glas zum Einsatz. Paré erinnert sich mit Stolz an den Moment, als Ben Kingsley zum ersten Mal die Filmkulisse betrat, die das von David Kepesh bereits seit Jahrzehnten bewohnte Apartment darstellt: „Ben kam nach wochenlangen Proben in einem Hotelzimmer an den Set. Er hatte eine Pappschachtel mit Suppe und einen kleinen Löffel dabei. Er öffnete die Tür zum Haupteingang, ging zielsicher durch das Wohn- und das Esszimmer in die Küche, setzte sich hin und begann, seine Suppe zu essen.“ Der Drehort entsprach also genau Kingsleys Vorstellungen. „Die Tatsache, dass er sich wohl fühlte und sich offensichtlich entspannen konnte”, so Paré, „empfand ich als großen Erfolg und als tolles Kompliment für meine Arbeit.“

Katia Stano arbeitete bereits an MEIN LEBEN OHNE MICH mit Isabel Coixet zusammen und war begeistert, als die Regisseurin sie erneut als verantwortliche Kostümbildnerin engagierte. Stano möchte, dass die von ihr entworfene Kleidung den Schauspielern dabei hilft, das Innenleben der von ihnen dargestellten Charaktere zu ergründen. So führte sie z.B. mit Ben Kingsley ausführliche Gespräche allein darüber, wie ein gewiefter Verführer der Sorte Kepeshs einen Jackenknopf effektvoll öffnet oder schließt. Denn solche Details sind für die Authentizität einer dramatischen Situation von nicht geringer Bedeutung. Die Garderobe Consuelas, die Stano in Absprache mit Penélope Cruz entwarf, zeichnet sich durch „klare klassische Linien aus und besticht durch ihre schlichte Eleganz.” Sie reflektiert damit den Stolz ihrer aus Kuba eingewanderten Eltern, die es im reichen Amerika durch Fleiß und Zähigkeit zu etwas gebracht haben. So trägt jedes kleine Detail dazu bei, den biografischen und sozialen Hintergrund einer Figur auszuleuchten. In diesem Sinne erzählen sogar ihre Dessous etwas über den Charakter der von Patricia Clarkson dargestellten Geschäftsfrau Carolyn: „Funktional und praktisch, aber sehr, sehr teuer und edel.”

Zu den Kommentaren

News und Stories

  • VOX und das Erste mit Free-TV-Premieren am Donnerstagabend

    Am Donnerstagabend, 28. Juli 2011, haben die TV-Sender VOX und das Erste wieder jeweils eine Free-TV-Premiere im Programm. VOX präsentiert um 20.15 Uhr die Komödie „(K)ein bisschen schwanger“ mit Lindsay Lohan in der Hauptrolle. Der Film dreht sich um die attraktive Sekretärin Thea, die spontan eine Schwangerschaft erfindet, damit sie ihren Job nicht verliert. Ihr unsympathischer Chef zieht die Kündigung zwar tatsächlich...

    Ehemalige BEM-Accounts  
  • Sky: Die Film-Neustarts dieser Woche

    Das Pay-TV-Unternehmen Sky hat auch diese Woche wieder einige Film-Neustarts zu vermelden, die auf dem Sender Sky Cinema starten. Den Anfang macht am Mittwoch, 10. März 2010 um 20.15 Uhr, das Drama “Elegy oder die Kunst zu Lieben“.mit Ben Kingsley und  Penélope Cruz. Der Film erzählt die Geschichte von dem New Yorker Literaturprofessor David Kepesh, der sich gerne Affären mit seinen jungen Studentinnen hingibt....

    Ehemalige BEM-Accounts  
  • Cruz beißt in Kingsleys Penis

    Cruz beißt in Kingsleys Penis

    Gerade als Penélope Cruz in "Elegy" Ben Kingsley mündlich einige schöne Minuten bescheren will, kommen ihr ihre Zähne in die Quere.

    Ehemalige BEM-Accounts  

Kommentare

  1. Startseite
  2. News
  3. Film-News
  4. Elegy oder die Kunst zu lieben
  5. Fakten und Hintergründe zum Film "Elegy oder die Kunst zu Lieben"