Eine gute Mutter

  

Filmhandlung und Hintergrund

Das Abschiedsvideo ist ein Gruß aus dem Jenseits. Noch lebt Mona Doermer zwar, doch der Ausflug, den sie mit ihren beiden Kindern Danny und Marlen an die Küste macht, ist eine Reise in den Tod; das Ticket sind mehrere Packungen Schlaftabletten. Aber bevor sie den Kindern den tödlichen Cocktail verabreichen kann, verschwindet Marlen, und plötzlich ändert sich alles; fast alles. Der vielfach ausgezeichnete Autor Christian...

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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7 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

  • Das Abschiedsvideo ist ein Gruß aus dem Jenseits. Noch lebt Mona Doermer zwar, doch der Ausflug, den sie mit ihren beiden Kindern Danny und Marlen an die Küste macht, ist eine Reise in den Tod; das Ticket sind mehrere Packungen Schlaftabletten. Aber bevor sie den Kindern den tödlichen Cocktail verabreichen kann, verschwindet Marlen, und plötzlich ändert sich alles; fast alles.

    Der vielfach ausgezeichnete Autor Christian Jeltsch (Grimme-Preis für „Einer geht noch„) erzählt mit „Eine gute Mutter“ eine düstere Geschichte, die von Claudia Garde mit entsprechend kühlen Bildern umgesetzt worden ist. Im Vordergrund steht zwar die Sorge um das kleine Mädchen, aber im Grunde handelt das Drama von der Verlorenheit. Die emotionale Mona, von Petra Schmidt-Schaller als Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs verkörpert, fühlt sich ohnehin von Gott und der Welt im Stich gelassen, und ihr Gegenentwurf trifft zumindest eine einsame Entscheidung: Die im Unterschied zu Mona sehr rational handelnde Kleinstadtpolizistin Greta Burmeester (Mina Tander) hat sich um eine Versetzung nach Berlin beworben. Ihr Freund Ole (Lucas Prisor) hat davon keine Ahnung; dass Greta schwanger ist, erfährt er erst aus zweiter Hand.

    Weil diese Dinge ähnlich wichtig sind wie die verzweifelte Suche nach Marlen, ist „Eine gute Mutter“ kein Krimi, zumal Garde ohnehin auf die üblichen Genre-Elemente verzichtet. Natürlich sorgt die Polizeiarbeit für eine gewisse Spannung, aber die Qualität des Films liegt in den Figuren. Sämtliche wichtigen weiblichen Mitwirkenden sind Mütter, denn beide, Mona wie Greta, werden nicht zuletzt durch ihre Beziehungen zu ihren eigenen Müttern definiert: Elsbeth Burmeester (Judy Winter) ist eine etwas wunderliche alte Dame, die auf den Tag wartet, an dem sie sich im Ruderboot ins Nirwana treiben lassen kann. Judith Doermer (Jenny Elvers) hat sich von Mona losgesagt, als ihre Tochter mit 15 schwanger wurde und das Weite suchte. Ähnlich trostlos sind die Männer in dieser Geschichte, allen voran der von Axel Milberg mit viel Wirrnis versehene Besitzer des Hotels, in dem Mona mit ihren Kindern abgestiegen ist. Sein Pendant ist ein proletarischer Schausteller (Gerdy Zint), dem sich Mona kurz hingibt; die Szene ist derart frei von Erotik und Gefühlen, dass sie die Tristesse von Monas Dasein perfekt illustriert. Dass die beiden Männer vorübergehend verdächtigt werden, Marlen entführt zu haben, ließ sich dramaturgisch kaum vermeiden, aber die entsprechenden Vernehmungen geschehen eher der Vollständigkeit halber. All‘ das wäre ohnehin schon sehenswert, aber wie Petra Schmidt-Schaller die angesichts der permanenten Überforderung ständig zwischen Hysterie und Apathie schwankende Mutter verkörpert, ist herausragend: mal billig und willig, mal in Selbstmitleid und Weltschmerz ertrinkend. Fast noch größerer Respekt gebührt der Regisseurin für die Führung von Juri Winkler, der seine Sache als aufopferungsvoller Beschützer der kleinen Schwester fabelhaft macht.

    Gut getroffen ist auch die herbstliche Tristesse. Bei der Bildgestaltung haben die Regisseurin und ihr Kameramann Philipp Peschlow komplett auf warme Farben verzichtet, weshalb sich die Atmosphäre ausgesprochen kühlt anfühlt. Garde inszeniert die Geschichte mit großer innerer Ruhe, was den optischen Trick, mit dem sie das Mädchen verschwinden lässt, umso effektvoller wirken lässt. Ansonsten konzentriert sich der Film ganz und gar auf die beiden Frauen, die so unterschiedlich sind und doch so viele Gemeinsamkeiten haben. Das merkt Greta spätestens dann, als ausgerechnet die irrlichternde Mona ihr erklärt, zu bleiben sei mutiger als wegzulaufen. tpg.

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