Ein tödliches Wochenende

Filmhandlung und Hintergrund

Sie sitzen alle in einem Boot - nicht im metaphorischen, sondern im wörtlichen Sinn: Drei Männer und zwei Frauen finden sich zum gewohnten Selbsterfahrungswochenende ein. Therapeut Harry (Jürgen Hentsch) lädt zu einem seiner Psychospielchen: Das Schlauchboot im Wohnzimmer treibt in Wirklichkeit auf hoher See. Es bietet Platz für fünf, doch Proviant und Wasser reichen nur für vier; einer muss über Bord. Nach anfänglicher...

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Sie sitzen alle in einem Boot - nicht im metaphorischen, sondern im wörtlichen Sinn: Drei Männer und zwei Frauen finden sich zum gewohnten Selbsterfahrungswochenende ein. Therapeut Harry (Jürgen Hentsch) lädt zu einem seiner Psychospielchen: Das Schlauchboot im Wohnzimmer treibt in Wirklichkeit auf hoher See. Es bietet Platz für fünf, doch Proviant und Wasser reichen nur für vier; einer muss über Bord. Nach anfänglicher Gegenwehr lassen sich Harrys Patienten auf das Spiel ein; aus den scheinbaren Freunden werden erbitterte Feinde, die sich anschreien und handgreiflich werden.

    Die Bootsmetapher ist das Herzstück dieses Films von Torsten C. Fischer. Sie nimmt vor allem deshalb so großen Raum ein, weil Autor Klaus-Peter Wolf aus der Metapher eine Parabel werden lässt. Kaum haben die fünf Teilnehmer ihre „Bootsfahrt“ einigermaßen ohne Blessuren hinter sich gebracht, wird aus dem Psychospielchen tödlicher Ernst: Einer der Besucher des Landhauses hat auf dem Weg dorthin vermutlich ein Kind überfahren und Fahrerflucht begangen. Als der Junge seinen Verletzungen erliegt, sinnt der Vater (Jochen Nickel) auf Rache: Er übergießt das Haus mit Benzin und droht es anzuzünden, wenn sich ihm der Täter nicht binnen einer Stunde stellt. Erneut sehen sich die Teilnehmer damit konfrontiert, einen aus ihrem Kreis opfern zu müssen; allerdings sitzt Therapeut Harry nun ebenfalls mit im Boot.

    Wie schon in seiner (höchst prätentiösen) Seghers-Verfilmung „Der gerechte Richter“ konstruiert Regisseur Fischer eine Fallstudie: Wie verhalten sich Menschen in Extremsituationen? Doch während sich die Darsteller dort vor allem mit vielsagenden Blicken bewerfen mussten, lässt Fischer sie hier regelmäßig ausrasten. Da wird geschimpft und geschrieen, geheult und geschluchzt, dass die durchaus nachvollziehbaren Emotionsausbrüche mitunter ins Theatralische umkippen. Hinzu kommt die allzu deutliche Klischeehaftigkeit der Figuren, hinter deren scheinbarer Stabilität sich natürlich Abgründe verbergen („Es geht mir gut. Okay, es geht mir Scheiße“): der berechnende Anwalt (Helmut Berger), die egozentrische Lehrerin (Andrea Sawatzki), die stets opferbereite Apothekerin (Nele Mueller-Stöfen), der Macho-Manager (Thomas Kretschmann), der labile Arzt (Dominique Horwitz). In den ruhigen Phasen des Fernsehfilms bieten sie jedoch eine eindrucksvolle Ensemble-Leistung, die allerdings vom großartigen Jürgen Hentsch gekrönt wird. Und ganz nebenbei ist der Film natürlich auch ein interessanter Gegenentwurf zu Reality-Soaps im Stil von „Big Brother“. tpg.

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