Ein Sommersandtraum

  1. Ø 0
   2011
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Filmhandlung und Hintergrund

Ein Sommersandtraum: Skurrile Romantikkomödie aus der Schweiz über einen Misanthropen, der plötzlich Sand verliert und so auf die Hilfe einer Café-Besitzerin angewiesen ist.

Benno ist ein verkanntes Musikgenie und arbeitet in einer Philatelie. Völlig unterfordert betrügt er Kunden und lässt seinen Frust an seinen Mitmenschen aus. Besonders genervt ist er von Café-Besitzerin Sandra, die ihn jede Nacht mit musikalischer Lärmbelästigung quält und dafür permanent bitterböse Beleidigungen einstecken muss. Doch dann passiert etwas Überraschendes: Benno stellt fest, dass, jedes Mal, wen er lügt, Sand aus ihm herausrieselt. Für das seltsame Phänomen habe die Ärzte keine Erklärung, und Benno verliert zusehends an Gewicht. Nur widerwillig wendet er sich an Sandra, die vielleicht helfen kann.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Im Zeitalter von Special Effects und 3D kommt „Ein Sommersandtraum“ erfrischend anders daher. Keine ausgeflippten Kameramoves, keine Schnitttechnik, die schwindliger macht als jedes Musikvideo sondern einfach „nur“ eine bezaubernde Geschichte, die ganz von ihrer Handlung lebt und vor allem durch ihre Figuren und die Spielkunst ihrer Darsteller zu einem filmischen Genuss wird. Der Schweizer Regisseur Peter Luisi erzählt ein modernes Märchen und bleibt dabei bis zum Schluss konsequent: Als Benno zum Beispiel mit seiner Freundin telefoniert und ihr dabei das Blaue vom Himmel runterlügt und deshalb immer mehr Sand verliert, ist sein Arm irgendwann einfach weg – komplett (unblutig) abgerieselt – und das Handy fällt zu Boden.

    Der Psychiater, den Benno aufsucht, hält die „Versandung“ für eine wunderschöne Metapher für das eigentliche Problem. Obwohl er damit innerhalb der Filmhandlung natürlich komplett falsch liegt, trifft er damit außerhalb den Nagel auf den Kopf: Sand zu verlieren steht hier als Metapher für unterschiedliche Dinge. Für die Zeit, die (in einer Sanduhr) davon rinnt, für die innere Leere, für Träume, Lügenkonstrukte, die wir erfinden und manchmal auch für das ganze Leben – eben für alles, was mitunter dummerweise nur auf Sand gebaut ist. Und – auch wenn es möglicherweise etwas weit hergeholt klingt – schön, dass die Person, von der sich Benno am Ende Rettung erhofft, mit dem Wort „Sand“ schon durch ihren Namen verbunden ist.

    Exakt diese metaphorische Doppelbödigkeit verleiht „Ein Sommersandtraum“ die nötige Tiefe, um vor lauter Komik nicht belanglos zu sein. Denn komisch ist dieses Märchen auf jeden Fall, und zwar nicht nur, was den Grundplot betrifft. Die skurrilen Nebenfiguren, wie Bennos Chef und Arbeitskollege, beanspruchen die Lachmuskeln des Zuschauers genauso wie die grandiosen Wortgefechte zwischen Benno und Sandra. Und ja, zugegeben, das Schwyzerdütsch tut für jeden Nichtschweizer sein Übriges. Sandra wird übrigens gespielt von Irene Brügger. Deren Künstlername ist „Frölein Da Capo“ und sie hat tatsächlich in der Schweiz bereits eine Karriere als Sängerin und „Einfrauorchester“ gemacht. Sandras Gesangsdarbietungen sind also ein wahrer Ohrenschmaus. Auch Fabian Krüger überzeugt in der Rolle des snobistischen Dandys, der sein arrogantes unsoziales Verhalten offenbar grundlegend ändern muss, wenn er sich nicht vollständig in Sand auflösen will.

    Fazit: Eine schweizer Komödie mit bitterbösen Wortgefechten, viel Gefühl und vor allem Verstand – trotz des absurden märchenhaften Grundplots. Ein Muss für jeden, der sich nicht scheut, im Kino laut aufzulachen.
  • Beziehungs-Tango statt Beethoven: Ein Unsympath löst sich in der skurrilen Schweizer Hassliebeskomödie wortwörtlich in Sand auf.

    Märchenhaft-phantastisch, aber im Tonfall gänzlich modern und heutig, vereint „Vitus“-Drehbuchautor Peter Luisi das Lügenkonzept des „Dummschwätzers“ mit den Traumwelten von „Inception“ zu einer skurrilen Komödie im Lo-Fi-Gewand um die romantische Läuterung eines eitlen Misanthropen. Sowohl der deutsche als auch der (deutschsprachige) Originaltitel „Der Sandmann“ wecken mit Shakespeares Lustspiel und Hoffmanns Kunstmärchen falsche Assoziationen, denn der Schweizer Komödienregisseur Luisi will eine ganz unverblümte, publikumswirksame Fabel mit Tiefgang dichten. Das Sand-Sujet befreit er von nebulöser Metaphorik, schließlich steht ihm nicht der Sinn nach dem avantgardistischem Surrealismus von „Die Frau in den Dünen“, sondern unkomplizierter Unterhaltung auf Feel-Good-Kurs.

    Als Opfer hat er sich den unleidigen Benno (Theater-Star Fabian Krüger) ausgesucht, ein verkanntes Musik-Genie, das unterfordert in einer Philatelie jobbt, Kunden betrügt und seinen Frust an anderen auslässt. Vor allem an der pfundigen Café-Besitzerin Sandra (als Einfrauorchester unter dem Künstlernamen Frölein Da Capo berühmt: Irene Brügger), die ihn jede Nacht mit musikalischer Lärmbelästigung quält und dafür permanent bitterböse Beleidigungen einstecken muss. Wieso sie ihm hilft, bleibt Geheimnis und Schwachpunkt des sonst so einfallsreichen Drehbuchs, das in erotischen (Alp)Träumen beide als Paar und sie als berühmte Solistin kennt, in der Realität als Intimfeinde respektive talentlose graue Maus.

    Wie es nun beginnt aus dem Protagonist herauszurieseln, bis er eine unerklärliche Sandspur hinterlässt, das leistet viel Situationskomik Vorschub, auch wenn einiges Humorpotenzial ungenutzt bleibt. Mediziner und Psychologen sind ratlos, doch nach einer Gewöhnungsphase streut der Blender anderen seinen einschläfernden Sand in die Augen, um sie zu übervorteilen. Wenn er nur nicht ständig an Gewicht verlieren würde! Dafür müsste er aber das Lügen einstellen, denn nur dabei – und im Schlaf – verliert er Sand. Widerwillig wendet er sich an Sandra, womit die moralische Läuterung des amtlichen Heuchlers beginnen kann. Diese ist mit neurotischen Nebenfiguren wie einem TV-Wahrsager namens Dimitri (der Zauber-Comedian Michel Gammenthaler) gesäumt, deren ausgeprägte Macken für einen ironisch-absurden Drive sorgen. Leider filtert die nüchterne deutsche Synchro viel von dem schwyzerdütschen Charme, für den in Saarbrücken der Publikumspreis verliehen wurde, weshalb man unbedingt auf die Originalfassung zurückgreifen sollte. tk.

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