Filmhandlung und Hintergrund

Schwarze Komödie über einen Mann, der nach zwölfjähriger Haft wieder im realen Leben Fuß zu fassen versucht.

Ulrik wird nach zwölfjähriger Haft entlassen und will sich mit seiner Familie aussöhnen. Also sucht er den Kontakt zu seiner Exfrau und dem inzwischen erwachsenen Sohn. Derweilen wird er von seiner Hausherrin bekocht, die dafür aber auch gewisse Gegenleistungen erwartet. Ein Leben in Frieden scheint möglich. Wären da nicht seine alten Kumpels, die Ulrik drängen, sich an dem Mann zu rächen, der ihn einst an die Polizei verraten hat. Und dann gerät zu allem Überfluss auch noch die familiäre Annäherung wieder in Gefahr.

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Kritikerrezensionen

    1. Stellan Skarsgard gehört zu den wenigen internationalen Darstellern, denen es gelang, in Amerika dauerhaft und nicht nur für eine kurze Phase Fuß zu fassen. Immerhin arbeitet der populäre Schwede schon seit Ende der Achtziger in Hollywood, wobei er nicht allein in Big Budget-Produktionen wie „Fluch der Karibik“ mitwirkt, sondern abwechselnd noch in Independent-Arbeiten. Trotzdem bleibt der sich in Interviews als schlagfertiger und witziger Gesprächspartner auszeichnende Akteur bodenständig genug, um bei hiesigen Filmfestivals wie in Braunschweig seine Auszeichnungen persönlich abzuholen oder Filmemachern wie dem Norweger Hans Petter Moland die Treue zu halten. Nach „Zero Kelvin“ (1995) und dem in Englisch gedrehten, großartigen Generationsdrama „Aberdeen“ (2000) steht Skarsgard als Underdog Ulrik zum dritten Mal für Moland vor der Kamera.

      Das schüttere Haar zu einem reichlich unpassenden Pferdeschwanz zusammen gebunden, läuft dieser traurige Held durch eine abweisende Umwelt, die er nach langer Haftzeit kaum wiedererkennt. Eigentlich möchte Ulrik nur Frieden mit allen schließen und seine Zukunft sichern. Doch die widrigen Umstände lassen ihn kaum zu Ruhe kommen, und die Vergangenheit holt ihn immer wieder ein. Sein Boss Jensen, herrisch, großspurig und selbstverliebt, verlangt rücksichtslos Genugtuung. Ulrik soll für ihn einen Verräter beseitigen, was den Rückfall zu alten Untugenden bedeuten würde. Mit Scheitel und Halskette wirkt Jensen ebenso lächerlich wie Ulrik oder das restliche Personal. Vor seiner mürrischen Schwester Karen Margarete kuscht der egoistische Möchtegern-Pate allerdings widerspruchslos.

      Ulrik findet bei ihr ein vorläufiges Quartier, bei dessen Ausstattung jedoch zu schließen ist, dass seine Gefängniszelle zuvor mehr Komfort und Bequemlichkeit bot. Dass die verschroben-unnahbare Vermieterin bei ihrem Gast schnellen Sex sucht und für Gegenargumente ebenso wenig empfänglich ist wie ihr Bruder („Ich habe auch Gefühle“), führt zu einigen der unerotischsten, unsinnlichsten Liebensszenen der Filmgeschichte, was sich bei den Beischlafsequenzen mit Ulriks Exfrau und seiner zeitweiligen neuen Geliebten Merete wiederholt. Mag der Verleih dies auch als Running Gag ansehen, läuft sich der Einfall mit den emotionslosen, überspitzten Kopulationseinlagen doch bald tot.

      Ansonsten reichet der talentierte Drehbuchautor Kim Fupz Aakeson („Okay“, „Alt, neu, geliehen und blau“) Ulriks Suche nach Würde, Vergebung sowie einer besseren Zukunft mit zahlreichen schrägen Charakteren und Pointen an. Nach ersten persönlichen Erfolgen, etwa bei der Annäherung an den unbekannten Sohn, zeichnen sich bald neue Rückschläge ab, die das Schicksal noch vorgesehen hat. Diese tragikomische Odyssee eines Verlierertyps setzt Moland in langen, lakonischen Einstellungen in Szene, ohne wie eine Kaurismäki-Kopie zu wirken. Ebenso verstärkt die mitunter bewusst gegenläufige Musikuntermalung, etwa mit Mamboklängen, die bissige Komik der Inszenierung. Nur einige Anschlussfehler, etwa in Restaurantszenen, dürften einem Profi wie Moland längst nicht mehr unterlaufen.

      Während „Ein Mann von Welt“ im Berlinale-Wettbewerb 2010 bei der Kritik eher auf Ablehnung stieß, ist es erfreulich, dass die schräge Charakterstudie jetzt im regulären Kinobetrieb noch eine Chance erhält.

      Fazit: Schwarzhumorige, tragikomische Chronik eines hürdenreichen Resozialisierungsversuchs für Fans skandinavischer Komik.
    2. Ein Mann von Welt: Schwarze Komödie über einen Mann, der nach zwölfjähriger Haft wieder im realen Leben Fuß zu fassen versucht.

      Lakonische norwegische Gangsterkomödie über einen aus dem Knast entlassenen Mann, der einfach nicht Nein sagen kann.

      Straubtrocken ist er, der nordische Humor, die Protagonisten von stoischer Ruhe und meistens wenig gesprächig. In dieses Muster passt optimal Hans-Petter Molands schwarze Komödie im grau-winterlichen Norwegen, wo auch schon mal eine Falschparkerin im Müllcontainer landet.

      Ulrik ist ein Typ, der niemandem etwas abschlagen kann und landete deshalb zwölf Jahre im Knast. Kein Mensch holt ihn ab, die Kumpel von einst erwarten ihn erst einen Tag später. Und es scheint da weiterzugehen, wo es vor zwölf Jahren aufgehört hat: Der dubiose Gangsterboss Jensen vermittelt ihm einen Job, dafür soll er den Typen ins Jenseits befördern, der ihn damals wegen Mordes am Liebhaber seiner Frau verpfiffen hat. Die richtige Lust auf eine neue Straftat fehlt dem Ex-Knacki, will er sich doch gerade an das Leben in Freiheit gewöhnen. Im kalten Keller von Jensens nicht mehr ganz taufrischer Schwester gefällt es ihm. Die nicht gerade attraktive Lady serviert ihm abends während des polnischen TV-Programms derbe Kost, die er mit noch derberen Sexszenen bezahlen muss, auch die Ex-Frau will nur einen Quickie und die nette Sekretärin in der Werkstatt verliert ebenfalls nicht viel Zeit, um zur Sache zu kommen. Gebratener Fisch gegen Sex-Pflicht, das ermüdet selbst den stärksten Mann.

      Die Mimik von Stellan Skarsgard spricht Bände. Er steht als grauhaariger Zopfträger im Mittelpunkt – doch die Damen wollen nur sein bestes Stück, der wieder gefundene Sohn und seine schwangere Frau wollen dagegen nichts von ihm, obgleich der Daddy so gerne „en famille“ machen möchte. Am Ende wird er glücklicher Großvater und entsorgt den lästigen Gangsterboss. In die Sonne blinzelnd kann das Leben beginnen. Moland, 2004 mit „Beautiful Country“ im Berlinale-Wettbewerb, setzt nicht nur auf den unschlagbar guten Hauptdarsteller, sondern auf die richtige Besetzung bis in die winzigste Nebenrolle – vom kleinwüchsigen Waffenhändler bis zum trotteligen Adlatus von Jensen, vom Werkstattbesitzer mit schneller Stakkatosprache im Gegensatz zu Ulriks schwerfälliger Diktion, von der Vermieterin, die dem Objekt der Begierde nach vollendetem Akt zufrieden auf die Schulter hämmert bis hin zur jungen Frau, die ihn schnell, zu schnell in Wohnung bzw. Bett lädt.

      Im tristen Grau des Nordens umkreist er den Protagonisten mit einem lachenden und einem weinenden Auge, erinnert in seiner Skurrilität und Stil manchmal an ältere Filme der Coen-Brüder. Das Leben ist ein stiller Fluss mit Untiefen. mk.

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