Ein Augenblick Freiheit

   Kinostart: 13.08.2009

Ein Augenblick Freiheit: Arash T. Riahi überzeugt mit einem ebenso authentischen wie brisanten Flüchtlingsdrama, das einfühlsam und differenziert von Migrantenschicksalen erzählt und dabei nicht in Larmoyanz verfällt. Eine Odyssee hat auch der in Österreich lebende, im Iran geborenen Arash T. Riahi („Exile Family Movie“) hinter sich. Sechs Jahre kämpfte er um die Realisierung seines Projekts, schrieb angeblich vierzehn Fassungen von „...

Filmhandlung und Hintergrund

Arash T. Riahi überzeugt mit einem ebenso authentischen wie brisanten Flüchtlingsdrama, das einfühlsam und differenziert von Migrantenschicksalen erzählt und dabei nicht in Larmoyanz verfällt. Eine Odyssee hat auch der in Österreich lebende, im Iran geborenen Arash T. Riahi („Exile Family Movie“) hinter sich. Sechs Jahre kämpfte er um die Realisierung seines Projekts, schrieb angeblich vierzehn Fassungen von „...

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • „Wertvoll”

      Ein Augenblick Freiheit schafft das Kunststück auf hochspannende und zugleich unterhaltsame Weise ein Flüchtlingsdrama zu erzählen. Dabei spielen bei aller Ernsthaftigkeit auch Humor und Komik eine tragende Rolle und ermöglichen so den Zugang zu einem sehr komplexen Thema, das schließlich auch ganz grundsätzliche Fragen zum menschlichen Zusammenleben und dem Umgang miteinander aufwirft. Es sind die vielen interessanten und liebenswerten Figuren mit ihren ganz individuellen Schicksalen, die den Film authentisch und atemberaubend vielschichtig machen. Gekonnt werden verschiedene Geschichten erzählt und miteinander verwoben. Ein Film, der auch durch seinen warmen menschlichen Blick und sein feines Gespür, wie er verschiedenste Lebenswirklichkeiten schildert zutiefst berührt. Ein kraftvoller Film, der Hoffnung atmet und vom ersten Augenblick in den Kinosessel fesselt. Ein absoluter Geheimtipp. Einfühlsam und brandaktuell.

      Jurybegründung:

      Drei Gruppen Flüchtlinge sind in einem schäbigen Hotel in Ankara untergekommen. Schlepper haben sie auf gefährlichen Wegen und unter großen Strapazen aus dem Iran über die Grenze in die Türkei geschleust. In ständiger Furcht vor Entdeckung durch den Geheimdienst des Iran warten sie unter menschenunwürdigen Bedingungen in drei Hotelzimmern oder stehen tagelang, ja wochenlang in der Schlange der Asylsuchenden vor dem UN-Gebäude. Nur wenige aber werden die Aufnahmeurkunde als Asylbewerber und das Einreisevisum in eines der EU-Länder erhalten.

      Zwei im Charakter ganz unterschiedliche Männer, die sich auf der Flucht zusammengefunden haben, teilen sich ein Zimmer und werden enge Freunde, obwohl ihre Träume von Freiheit sehr unterschiedlich sind. Im zweiten Zimmer ein Ehepaar mit einem Kind, dessen Kampf um Asyl so hoffnungslos scheint. Und im dritten Zimmer zwei junge Freunde, die zwei Kinder zu ihren Eltern nach Wien bringen sollen und selbst ein Leben ohne Furcht in Freiheit ersehnen. Während der eine sich in ein Mädchen verliebt, wird der andere mit den Kindern vom iranischen Geheimdienst verhaftet und brutal gefoltert. Wessen Traum von Freiheit wird in Erfüllung gehen? Und diese Träume sind ganz unterschiedlicher Art! Und wie wird ihr Leben dann im Land der Hoffungen und Träume sein? Dem in Österreich lebenden Regisseur Arash T. Riahi ist es gelungen nach Erfahrungen aus der eigenen Familie einen außergewöhnlich eindrucksvollen Spielfilm zu gestalten. Dank eines exzellenten Drehbuchs mit hervorragenden Dialogen erleben wir ein Flüchtlingsdrama von hoher Authentizität, das unter die Haut geht. Eine herausragend präzise Montage verwebt die Schicksale der drei Flüchtlingsgruppen bis zu den glücklichen wie auch tragischen Enden. Die Besetzung der verschiedenen Rollen ist eindrucksvoll, ihre Charaktere sorgfältig durchgezeichnet. Ein Lob verdient auch das Spiel der Kinder unter sicherer Führung. Die gute Kamera zeichnet wunderschöne Panoramen, vor allem auch bei der Flucht durch das Grenzgebirge, und sensible Bilder der Protagonisten in Großaufnahmen. Obwohl der Film starke Emotionen auslöst, der unmenschliche Druck auf die Flüchtlinge spürbar ist, gerät das Geschehen nie ins Klischeehafte. Und bei aller Tragik erfahren die Menschen auch humorvolle Momente, die der Film ohne Brüche zeigen darf.

      ‚Ein Augenblick Freiheit‘ ist ein filmisches Werk von höchster Qualität und Eindringlichkeit, das gegenwärtig noch eine ganz besondere Aktualität erfährt.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
    1. Arash T. Riahi überzeugt mit einem ebenso authentischen wie brisanten Flüchtlingsdrama, das einfühlsam und differenziert von Migrantenschicksalen erzählt und dabei nicht in Larmoyanz verfällt.

      Eine Odyssee hat auch der in Österreich lebende, im Iran geborenen Arash T. Riahi („Exile Family Movie“) hinter sich. Sechs Jahre kämpfte er um die Realisierung seines Projekts, schrieb angeblich vierzehn Fassungen von „Ein Augenblick Freiheit“. Die Mühe und das Stehvermögen haben sich gelohnt. Bereits über 20 Preise erhielt der Filmemacher für sein anrührendes Drama weltweit und - vielleicht wichtiger - er wurde für sein Skript vom verstorbenen Sydney Pollack explizit gelobt. Eine Geschichte mit Happy End - und genau das bleibt den meisten Helden seines Films verwehrt. Dabei haben sie Anspruch drauf, denn ihr Happy End heißt schlicht Freiheit, ihr Traum ist ein Leben ohne Repression und Verfolgung.

      Dafür wagen die unterschiedlichen Menschen die lebensgefährliche Flucht aus dem Iran, Hassan, seine Frau Lale und ihr gemeinsamer Sohn Kian. Viel Geld zahlen sie an Schlepper, die sie übervorteilen und so zwingen, sich zu Fuß über die Grenze in die Türkei zu kämpfen. Dabei entgehen sie nur knapp patrouillierenden Milizen, wie auch Ali und sein Kumpel Merdad, die Alis Nichte und Neffen zu deren Eltern nach Wien bringen wollen. In Ankara stranden die Flüchtlinge. Die türkische Hauptstadt entspricht Hollywoods „Casablanca“. Minus dem Hollywood-Touch, minus dem Glamour Ingrid Bergmans, dem Mut Bogarts und der Menschlichkeit von Claude Rains. Die Flüchtlinge sind hier und heute nur Opfer. Man nutzt ihre Naivität aus, ihre Sprach- und Orientierungslosigkeit. Der geldgierige Hotelier beispielsweise, bei dem die Exilanten in schäbigen Zimmern viel zu teuer unterkommen. Hier wohnen, besser hausen schon der ewig optimistische Kurde Manu (liebenswert: Fares Fares), der nur positive Nachrichten in die Heimat schickt, und der schwermütige Aktivist Abbas, der den politischen Kampf als Pflicht sieht. Hoffnung aller ist das UN-Kommissariat. Im diesem Gebäude wird entschieden, wer als Flüchtling anerkannt, wem das Recht auf eine neue Heimat, eine neue Chance eingeräumt wird. Doch bevor man überhaupt in den bewachten Komplex hineinkommt, heißt es Schlange stehen, Geduld und Demut beweisen.

      Riahis Arbeit sieht man die autobiographischen Erfahrungen seines Machers an. Einen sehr genauen Blick hat er für seine geradezu tragikomischen Helden, irgendwie allesamt prototypische, schablonenhafte Figuren und dann doch wieder liebenswerte Individuen, die sich schon mal im Zimmer einen Schwan kochen, um nicht immer nur Fladenbrot essen zu müssen, die sich streiten und (ver)lieben und notfalls, um zu überleben, auch selbst betrügen und fälschen. Und weil sie so menschlich sind, so bekannt und so nachvollziehbar, wachsen sie einem alle ans Herz, allen Macken und Marotten zum Trotz. Doch nur wenige werden es in ein „sicheres“ Land schaffen, manche heimkehren, wieder andere sterben. Eine tieftraurige Geschichte, herzerwärmend und in Momenten durchaus humorvoll erzählt - den pessimistischen Zeiten zum Trotz. Bravo. geh.

    News und Stories

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      Kino.de Redaktion  
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