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Produktionsnotizen von Günter Rohrbach

Theodor Fontanes „Effi Briest“ ist der große Liebes- und Ehebruchsroman der deutschen Literatur, in seiner nationalen Bedeutung vergleichbar mit Werken der Weltliteratur wie Flauberts „Madame Bovary“ oder Tolstois „Anna Karenina“. Es ist ein Filmstoff wie kein anderer, und so lag es nahe, dass sich praktisch jede Generation deutscher Filmemacher an ihm versucht hat. Die jungen Stars ihrer Zeit setzten sich mit dieser Rolle ein Denkmal. Begonnen hat es mit Marianne Hoppe, am Vorabend des zweiten Weltkriegs, unter dem Titel DER SCHRITT VOM WEGE und ihr Regisseur war Gustaf Gründgens. Mitte der fünfziger Jahre war es Ruth Leuwerik unter dem zeittypischen Titel ROSEN IM HERBST mit Rudolf Jugert als Regisseur. Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre gab es dann gleich zwei Filme, einen in der DDR mit Angelica Domröse, Regie Wolfgang Luderer, und einen in Westdeutschland mit Hanna Schygulla, Regie Rainer Werner Fassbinder, beide ebenfalls unter dem Originaltitel EFFI BRIEST. Inzwischen sind fast 40 Jahre vergangen, und es wird Zeit für eine neue, aus heutiger Perspektive erzählte Version.

Die drei Verfilmungen vor Fassbinder hielten sich in einem vergleichsweise konventionellen Rahmen und bedienten ihre Vorlage ohne eigenen künstlerischen Anspruch. Erst Fassbinder hat durch seine strenge Stilisierung (in Schwarz-Weiß!) den Stoff in eine neue Dimension gehoben. Gerade indem er sich penibel auf Fontane einließ, hat er zugleich über ihn hinausgewiesen. Dennoch ist auch Fassbinders Film seiner Zeit verhaftet geblieben.

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Die Amerikaner und insbesondere auch die Engländer machen es uns seit Jahren immer wieder vor, wie erfolgreich man mit den literarischen Klassikern umgehen kann (siehe z.B. SINN UND SINNLICHKEIT oder STOLZ UND VORURTEIL). Es gibt dafür ein großes, aufgeschlossenes Publikum. Voraussetzung ist freilich, dass es gelingt, den Reiz einer historischen Situation, ihre Dekors und Kostüme, ihre einzigartige Aura mit dem Bewusstsein der Gegenwart zu vermählen. Mit diesem Ziel wurde EFFI BRIEST gedreht.

Wir haben uns bemüht, Fontane neu zu lesen, die Ereignisse, die Gefühle, die Obsessionen aufzudecken, die sich hinter den Zeilen verbergen. Der Roman ist gewissermaßen in Synkopen geschrieben, entscheidende Momente werden unterdrückt, verschwinden im Off. Das Buch vibriert geradezu vor Sexualität, aber der Text gibt sie nicht preis, versteckt sie in bedrohlichen Bildern, angstmachenden Halluzinationen. Er ist quasi vor-freudianisch und gerade darum mit Freud zu lesen. Das haben wir versucht, ohne uns dabei von Fontane zu entfernen.

In dem Roman stecken überdies zwei Themen von - betrachten wir unsere Parallelgesellschaften - geradezu brennender Aktualität: Zwangsverheiratung und Ehrenmord. Es ist noch nicht so lange her, dass solche Verhältnisse ein Teil unserer eigenen Welt waren. Die Frau, die Fontane als reales Vorbild diente, ist erst vor wenigen Jahrzehnten gestorben. Sie, die reale Figur, hat uns auch ermutigt, in einem wichtigen Punkt von Fontane abzuweichen. Da war noch ein Leben nach dem Leben, darum der befreiende Schluss.

Es ist der Vorteil historischer Geschichten, dass sich in ihnen die Konflikte stärker abzeichnen, als wir das heute zulassen würden. Da ist ein Ehebruch noch eine unheilbare Katastrophe, und da wird nicht gestritten, sondern geschossen. Es sind nicht die Probleme, die uns heute von den damaligen trennen, wohl aber die Art, damit umzugehen. Da ist nichts geglättet und abgeschliffen, da ist alles harte Kante.

Zwei starke Frauen tragen diesen Film: die Regisseurin Hermine Huntgeburth und die Schauspielerin Julia Jentsch. Hermine Huntgeburth hat in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen gezeigt, wie genau, wie sensibel und wie modern sie Geschichten erzählen kann. Und Julia Jentsch ist nicht zuletzt seit SOPHIE SCHOLL eine der großen Hoffnungen des deutschen Films, für EFFI BRIEST die Idealbesetzung.

Interview mit Hermine Huntgeburth (Regie)

Erinnern Sie sich daran, wann Sie „Effi Briest“ zum ersten Mal gelesen haben?

Das war in der Schule und ich weiß noch, dass es nicht gerade meine Lieblingslektüre war…

Wie kam es dann ausgerechnet zu dieser Verfilmung?

Wenn man das Buch richtig liest und sich auch mit dem Stoff auseinandersetzt, ist er sehr spannend und im Prinzip auch sehr modern, weil es um Geschlechterrollen geht und um den Einfluss, den die Gesellschaft auf Beziehungen hat. Das hat mich sehr interessiert. Denn im Grunde ist „Effi Briest“ auch die Emanzipationsgeschichte einer jungen Frau, die ihre Sexualität und ihr Innerstes entdeckt – und das, was sie als Individuum ausmacht.

Das klingt nicht unbedingt nach der „armen Effi“, wie Fontane sie genannt hat…

Ich finde, Effi ist ein Mensch, der eine Chance ergreift. Sie ist eine kraftvolle Frau, die aus ihrem Gefühl heraus reagiert und sehr stark bei sich selber ist. Sie spürt, was sie will. Sie hat eine Chance und ergreift sie auch. Das ist für mich eine positive, eine kraftvolle Aussage.

Innstetten ist ja ein sehr preußischer Charakter. Gibt es heute noch Typen wie ihn?

Ich denke, ja. Es kommt weniger auf die Zeit an als auf die Frage, inwieweit man sich selbst als Mittelpunkt der Welt sieht. Innstetten hat diese Mischung aus Egozentrik und Überempfindlichkeit – er ist jemand, um den alles kreist. So was findet man heute natürlich auch.

Zur Besetzung: War Julia Jentsch als Effi für Sie sofort offensichtlich?

Ja, für mich war sehr schnell klar, dass Julia Jentsch das spielen muss. Die Qualität und vor allem die Klarheit von Julia Jentschs Spiel machen sie zur absolut idealen Effi Briest. Was Effi ausmacht, ist eine gewisse Ehrlichkeit, etwas Unverstelltes. Sie tut und kann nur tun, was sie empfindet. Sie ist ein Mensch, der sich nicht verstellen kann. Julia Jentsch trägt den Film mit soviel Kraft und Liebreiz, dass sie für mich die ideale Besetzung ist.

Etwas überraschender war da die Besetzung von Sebastian Koch, der dem deutschen Publikum ja eher als gutaussehender Sympathieträger bekannt ist.

Für mich war es immer ein Problem, wenn Innstetten nur als verknöcherter Bürokrat dargestellt wird, der eigentlich völlig unattraktiv und komplett langweilig ist. Da ist es ja kein Wunder, wenn sich ein junges Mädchen von ihm trennt und eigene Wege geht! Es ist wichtig zu zeigen, dass sie sich nicht wegen äußerer Umstände von ihm trennt, sondern dass es wirklich etwas mit der Beziehung zu tun hat. Ich finde, dass Innstetten ein sehr komplizierter Charakter ist. Er hat eine Tiefe, er hat ein Geheimnis, er hat etwas, was man entdecken muss. Er sehnt sich ja auch nach dem Aufbrechen seiner eigenen Strukturen, kommt dann aber doch nicht damit zurecht, als Effi sein Leben durcheinanderwirbelt. Er ist also ein Mann, der in sich schon eine große Ambivalenz hat und da ist es wichtig, durch die Besetzung eine Spannung zu erzeugen.

Auch Mišel Matičević ist im deutschen Kino noch eine eher unkonventionelle Wahl. Wie kamen Sie auf ihn als Crampas?

Ich fand es wichtig, neben Sebastian Koch eine starke Figur zu haben und das ist er. Zudem wollte ich jemanden, der eine gewisse Leichtfüßigkeit hat. Er sieht gut aus und ich finde, er hat eine positive Ausstrahlung. Man sollte sich vorstellen können, dass es einfach Spaß macht, mit ihm zusammen zu sein. Und abgesehen davon ist Mišel Matičević auch ein sehr guter Schauspieler. Also, für mich lag er auf der Hand…

Eine sehr interessante Konstellation ist auch das Paar Juliane Köhler und Thomas Thieme als Effis Eltern. Juliane Köhler ist eigentlich noch recht jung, gerade in der Rolle als Effis Mutter…

Man muss sich Innstetten und die Mutter Briest als ein Paar vorstellen können, weil sie eins waren und im Grunde ihres Herzens auch geblieben sind. Letztendlich ist das ja auch eine ganz interessante Perfidie dieser Geschichte, dass die Mutter ihre eigene Tochter an den Liebhaber verheiratet. Deshalb brauchte die Figur der Mutter Briest einerseits eine Strenge, aber andererseits auch eine gewisse Weichheit. Diese Vielfältigkeit hat Juliane Köhler und diese Doppelbödigkeit gefällt mir sehr gut an ihr. Thomas Thieme habe ich schon lange als Schauspieler bewundert und abgesehen davon, dass es großen Spaß macht mit ihm zu arbeiten, hat er mit seiner Menschlichkeit und seiner Wärme diesem Herr von Briest eine Tiefe gegeben, die ich ganz toll finde. Gleichzeitig hat aber auch die Verkommenheit und Feigheit der Figur zum Ausdruck gebracht.

Waren für Sie die Änderungen im Drehbuch gegenüber dem Roman nach vier Verfilmungen wichtig?

Ja, ich denke wenn man sich noch einmal mit der Geschichte befasst, dann muss man etwas ganz Neues zeigen. Die reine Nacherzählung, die reine Übersetzung des Romans ist, glaube ich, nicht mehr zeitgemäß. Trotzdem sind aber die Themen, die im Roman behandelt werden, absolut übertragbar auf heute und deswegen finde ich es spannend, die Dinge zu zeigen, die nie gezeigt worden sind, aber indirekt und zwischen den Zeilen zu lesen sind.

Haben Sie sich zur Vorbereitung auch noch einmal mit der realen Geschichte beschäftigt?

Ein bisschen. Das Vorbild für Effi Briest, Elisabeth von Ardenne, hat ja noch lange gelebt und mehr als ein Kind gehabt. Fontane hat die Grundkonstruktion dieser Geschichte genommen, um über die Moral dieser Zeit zu erzählen, über die Doppelbödigkeit und die Bigotterie dieser Gesellschaft. Teilweise konnten wir diese Originalgeschichte auch sehr gut für die Verfilmung gebrauchen, zum Beispiel bei der Figur des Crampas, der im Film ein sehr sportiver, sehr körperbetonter Mensch ist – wie die Originalfigur.

Kann man Effi als modernes Mädchen bezeichnen, das es in die falsche Zeit verschlagen hat?

Auf jeden Fall. Modern an ihr ist, dass sie wie die Mädchen heute die Dinge tut, die sie gerne möchte und die sie empfindet. Die Zeit der Frauen und Mädchen, die beginnt ja jetzt erst. Von Gleichberechtigung ist lange nur geredet worden, aber heute werden die jungen Mädchen mit einem Selbstbewusstsein erzogen, mit dem sie frei in die Welt hinaus gehen und sich behaupten können, ohne ihre Weiblichkeit verleugnen zu müssen. Und Effi ist so eine junge Frau, die ein geerdetes Gefühl zu sich selber hat und in die falsche Zeit geraten ist.

Interview mit Julia Jentsch (Effi Briest)

Können Sie sich noch erinnern, wann Sie „Effi Briest“ zum ersten Mal gelesen haben?

Das muss in der Mitte der Oberstufe gewesen sein – ich erinnere mich auf jeden Fall, dass ich das Buch sehr gerne gelesen habe. Ich fand die Geschichte spannend und bin da richtig eingetaucht. In erster Linie ist mir natürlich Effis Schicksal nahe gegangen, aber faszinierend fand ich auch, dass alle Menschen, die in dem Roman vorkommen, eine gewisse Widersprüchlichkeit haben – und ihre Gefühle auch zum Ausdruck bringen. Dadurch hatte der Stoff für mich etwas ganz aktuelles! Es geht letztlich um ganz zeitlose Emotionen und Konflikte, die heute genauso gut stattfinden könnten.

Was genau hat Sie an Effis Schicksal berührt?

Am Anfang der Geschichte befindet sich Effi gerade am Übergang vom Kind zur Frau. In ihr erwachen die ersten Liebesempfindungen, aber gleichzeitig spielt sie noch mit ihren Freundinnen – und dann findet sie sich plötzlich in einer Ehe mit einem Mann wieder, den sie vorher nicht kannte, der um einiges älter ist und dann auch noch ein ganz spezielles Verhältnis zu ihrer Mutter hat. Effi befindet sich plötzlich in einer Welt, mit der sie gar nichts anfangen kann und die ihr Angst macht. Zum einen ist diese Angst natürlich durch die äußeren Umstände bedingt, eine fremde Stadt, ein Haus, in dem es spukt… aber der meiste Spuk und die meiste Angst entsteht durch die Gefühlskälte, die ihr entgegenschlägt.

Wie würden Sie Baron von Innstetten beschreiben?

Innstetten ist ein Mensch, dessen Liebe und dessen Sehnsüchte enttäuscht wurden und der es nie geschafft hat, über diese Enttäuschung hinwegzukommen. Eigentlich also auch eine sehr traurige Figur. Gleichzeitig ist er jedoch Karrierist und man fragt sich, wie es wohl dazu gekommen ist. Ist dieser Ehrgeiz vielleicht aus einer Enttäuschung auf einer anderen, persönlichen Ebene entstanden? Effis Mutter, die er sehr geliebt hat, entschied sich damals gegen ihn, den kleinen Gardeoffizier, und für die Ehe mit jemandem, der viel Geld hatte und der für sie sorgen konnte. Nun sucht Innstetten nach etwas, das Effi ihm überhaupt nicht geben kann. Und Effi sieht in ihm nur einen Mann, der nicht in der Lage ist, ihr Liebe oder Zärtlichkeit entgegenzubringen.

Und Major Crampas? Ist er für sie ein typischer romantischer Held?

Ja, es umweht ihn schon ein Hauch von Romantik! Crampas steht für Freiheit, für die Erfüllung von Sehnsüchten, für Liebe – auch wenn Effi im Nachhinein erkennt, dass sie ihn nicht richtig liebt. Aber er ist für sie da und sie hat das erste Mal das Gefühl, dass sich jemand für sie interessiert, dass jemand ihr Zuneigung entgegenbringt. Wie alle Charaktere hat natürlich auch Crampas mehrere Seiten: Effi ist ja nicht die erste verheiratete Frau, für die er sich interessiert. Und seine Frau zuhause scheint er ja völlig zu vernachlässigen… Auch er ist eben eine Person, die noch auf der Suche ist und ihre Erfüllung noch nicht gefunden hat. Und das ist das Spannende bei allen Figuren: Sie sind alle eingebunden in die gesellschaftlichen Ordnungen und Verhältnisse. Sie alle sind von anderen Menschen umgeben – und gleichzeitig auch einsam und alleine.

Wie war es, sich in dieser historischen Optik zu bewegen, zum Beispiel in den Kleidern?

Da kann ich nur sagen ‚Chapeau!’ vor der Arbeit von Kostümbildnerin Lucie Bates und ihren Schneiderinnen. Historische Kostüme vorzubereiten stellt ja hohe Anforderungen. Das Kostüm Department hat wirklich Tag und Nacht gesessen und genäht – und eng mit uns Schauspielern zusammen gearbeitet. Es gab immer wieder Anproben und Lucie Bates hat nicht mit der Arbeit aufgehört, bevor alles optisch stimmte und sie gesehen hat, dass die Schauspieler sich in dem Kostüm mit der nötigen Freiheit und dem nötigen Wohlgefühl bewegen.

Was war das Besondere an der Zusammenarbeit mit Regisseurin Hermine Huntgeburth?

Für mich ist ihre Art Regie zu führen etwas ganz neues gewesen – und dadurch auch sehr spannend. Manchmal ist Hermine ganz von dem zurückgetreten, was vor der Kamera passierte und hat der Situation einfach ihren Lauf gelassen – dabei ist eine ganz intensive Atmosphäre entstanden. Gleichzeitig hat sie aber immer sehr genau hingeschaut und darauf geachtet, dass die Motive, die sie haben will, auch tatsächlich so drin sind.

Historsches Vorbild von Effi Briest

Elisabeth (genannt Else) Freiin von Plotho wurde am 26.10.1853 auf dem elterlichen Gut Zerben an der Elbe geboren. Sie war das jüngste von fünf Kindern und wuchs wild und eigenwillig auf. Mit zwanzig heiratete sie, nachdem sie seine Werbung zunächst abgelehnt hatte, den Fähnrich Armand Leon von Ardenne. Das Paar lebte zunächst in Berlin. 1881 wurde Ardenne als Rittmeister und Eskadronchef nach Düsseldorf versetzt. Dort lernte Else den Amtsrichter Emil Hartwich kennen, der Hobby-Maler und ein fanatischer Verfechter körperlicher Ertüchtigung war. Die Liebesgeschichte zwischen Else und Hartwich wurde von Armand von Ardenne entdeckt, als dieser sich, Argwohn schöpfend, mittels eines Nachschlüssels die Briefe verschaffte, die Hartwich an Else geschrieben hatte. Am 27. November 1886 fand das Duell zwischen Ardenne und Hartwich statt. Hartwich schoss in die Luft, Ardenne traf Hartwich in den Unterleib. Hartwich starb am 1. Dezember 1886. Es war das letzte bekannt gewordene Duell in Deutschland.

Else von Ardenne lebte bis zum 5. Februar 1952, zuletzt in Lindau am Bodensee. Ihr Tod wurde in der Lindauer Zeitung vom 6. Februar 1952 gemeldet: „Die älteste Lindauerin, Elisabeth von Ardenne, ist am Montag im 99. Lebensjahr gestorben.“

Hintergrund: Fontane über sein Werk

„Es ist eine Geschichte nach dem Leben, und die Heldin lebt noch. Ich erschrecke mitunter bei dem Gedanken, dass ihr das Buch – so relativ schmeichelhaft die Umgestaltung darin ist – zu Gesicht kommen könnte.“

Brief Theodor Fontanes vom 13. November 1895

„Mir wurde die Geschichte vor etwa sieben Jahren durch meine Freundin und Gönnerin L. bei Tisch erzählt ‚Wo ist denn Baron A.?’ fragte ich ganz von ungefähr. ‚Wissen sie nicht?’ und nun hörte ich, was ich in meinem Roman erzählt. Übrigens, glaube ich, wusste Frau L. den Namen der Dame nicht genau. Alles spielte, um auch das noch zu sagen, am Rhein, nicht in Pommern. Das ist das wenige, was ich weiß. Übrigens sagte mir Geheimer Rat Adler (der Architekt): ‚Gott, das ist ja die Geschichte von dem A.’ Er hatte es doch rausgewittert.“

Brief Theodor Fontanes vom 21. Februar 1896

„Die ganze Geschichte ist eine Ehebruchsgeschichte wie hundert andere mehr und hätte, als mir Frau L. davon erzählte, weiter keinen großen Eindruck auf mich gemacht, wenn nicht die Szene bzw. die Worte ‚Effi komm’, darin vorgekommen wären. Das Auftauchen der Mädchen an den mit Wein überwachsenen Fenstern, die Rotköpfe, der Zuruf und dann das Verschwinden machten solchen Eindruck auf mich, dass aus dieser Szene die ganze lange Geschichte entstanden ist. An dieser einen Szene können auch der Baron A. und die Dame erkennen, dass ihre Geschichte den Stoff abgab.“

Brief Theodor Fontanes vom 21. Februar 1896

„Ja, die arme Effi! Vielleicht ist es mir so gelungen, weil ich das ganze träumerisch und fast wie mit einem Psychographen geschrieben habe – also die reinste ‚Dunkelschöpfung’. Sonst kann ich mich immer der Arbeit, ihrer Mühe, Sorgen und Etappen, erinnern – in diesem Fall gar nicht. Es ist so wie von selbst gekommen, ohne rechte Überlegung und ohne alle Kritik.“

Brief Theodor Fontanes vom 2. März 1895

„Da ist nun also Effi. Schenken Sie ihr die Liebe, die sie menschlich so sehr verdient. Von dem Manne, den eine Freundin von mir einen ‚alten Ekel’ genannt hat, wage ich nicht zu sprechen. Männer – und nun gar wenn sie Prinzipien haben – sind immer ‚alte Ekels’. Darin muss man sich finden.“

Brief Theodor Fontanes vom 18. Oktober 1895

Heinrich Theodor Fontane wurde 1819 in Neuruppin geboren und starb 1898 in Berlin.

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