Eden

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

    1. Dass Liebe durch den Magen geht, dass Meisterköche in ihrer Kunst viel mehr Sehnsüchte und Botschaften verfolgen als die Einhaltung der richtigen Gartemperatur, das ist bekannt. Aus „Bella Martha“ zum Beispiel, wo man auch sieht, wie Gerichte ohne Worte einen Menschen dazu inspirieren können, das festgefahrene Dasein aus seinen Schranken zu befreien. Das Gleiche passiert hier, und überhaupt steht man nach dem Genuss von „Eden“ vor einem leichten Rätsel, was den Geschmack, den Wert dieser Praline ausgemacht hat.

      Es ist also nicht so, dass die Geschichte an sich originell wäre oder die Auflösung der tragischen Zuspitzung nicht schon fast wurschtig Plots aus dem Mainstreamkino nachahmt, die man schon fünf Mal gesehen zu haben glaubt. Dicker Koch verehrt Kellnerin, ihr Mann pocht auf Ruhe und Ordnung? Esser starren dankbar auf Grießknödel in Himbeersauce? „Eden“ aber ist ein ähnliches Phänomen wie sein Koch: Er verrührt unscheinbare mit anderen unscheinbaren Zutaten, und heraus kommt eine verwegene, noch nie dagewesene Mischung, ein Original, ein Unikat, in dessen Beobachtungen und Gedankensprüngen man sozusagen mit allen Sinnen der Fantasie eintaucht.

      Gregor ist dick, stigmatisiert auch noch durch sein Stottern und seine trotzigen Hemmungen, die manchmal zu kleinen Eruptionen führen. Er ist ein Vulkan, ein Komponist und Dirigent, der die stillen Leiden eines einsamen Lebens, das Korsett des ungeliebten Zuschauers kaum mehr aushält. Dafür brodelt es zu sehr in seiner kreativen Seele. Regisseur und Drehbuchautor Michael Hofmann („Sophiiiie!“) fesselt bei der Annäherung an diesen Charakter mit grauen, unscheinbaren Aufnahmen, die den Blick sich langsam konzentrieren lassen, weil er durch nichts, durch keine Anbiederung oder Stimmungsmache gestört wird.

      Dieser Gregor sagt Sachen, die wenig zu passen scheinen: „Ich habe nie gevöllt. Genuss entsteht nur aus Mangel, aber ich wollte schon immer einen Bauch haben.“ In solchen leisen Widersprüchen glitzert Sympathie und Neugier. Der Bühnenschauspieler Josef Ostendorf stattet Gregor mit einer verhaltenen, impulsiven Kraft aus, einer vielsagenden Leinwandpräsenz, auch wenn er schüchtern schweigt.

      Da ist es dann gut, dass auch die beiden anderen Hauptfiguren ihre Rolle nicht nur ausfüllen, sondern buchstäblich die Blicke auf sich zu fixieren verstehen. Charlotte Roche als Eden hat Mut zu einem unschuldigen, kindlichen Lächeln, von dem man sich nicht abwenden mag, weil es so vollendet ist. Und Devid Striesow, der den ein wenig an Hape Kerkeling erinnernden Entertainer Xaver spielt, verleiht der wachsenden Spannung seines Charakters so witzig, so dynamisch Ausdruck, dass man sich richtig freut, wenn er wieder in Szene tritt.

      Letztendlich aber geht es hier nicht um eine Beziehungsgeschichte, um ein Kleinstadtdrama oder eine Gesellschaftsskizze, „Eden“ ist viel kleiner angesiedelt. Unspektakulär nach einer versteckten Glasperle im Sand zu stochern, das macht hier so Spaß. Die schwarzhumorigen, um nicht zu sagen, bizarren Bitternoten von Zeit zu Zeit sind Appetizer, und die Streicherkompositionen loten Klänge in einer Tiefe aus, in der sich Wehmut und Wahrheit versöhnen. Wieder so ein verblüffend-innovativer Filmemacherblick in die deutsche Provinz, der längst überbelichtet geglaubte Sachen ein bisschen anders sieht.

      Fazit: Der dicke Gregor, sein Stierhodengericht und die schlemmende Kellnerin: Kleines, funkelndes Unikat mit genauem Blick und gewagten Gedanken ohne große Handlung.

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