1. Kino.de
  2. Filme
  3. Echte Bauern singen besser

Echte Bauern singen besser

Filmhandlung und Hintergrund

Vermutlich reicht die Anzahl nicht, um von einem Subgenre zu sprechen, aber es fällt auf, dass sich viele Musikfilme mit dem Thema Comeback befassen. Die entsprechenden Produktionen waren auch dank der jeweiligen Hauptdarsteller in der Regel sehenswert, erst recht, wenn es um abgehalfterte Schlagersänger ging, allen voran Mario Adorf in „Comeback für Freddy Baker“ (1999, ARD) oder Uwe Ochsenknecht in „Das große...

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

0,0
0 Bewertung
5Sterne
 
(0)
4Sterne
 
(0)
3Sterne
 
(0)
2Sterne
 
(0)
1Stern
 
(0)

Wie bewertest du den Film?

Kritikerrezensionen

  • Vermutlich reicht die Anzahl nicht, um von einem Subgenre zu sprechen, aber es fällt auf, dass sich viele Musikfilme mit dem Thema Comeback befassen.

    Die entsprechenden Produktionen waren auch dank der jeweiligen Hauptdarsteller in der Regel sehenswert, erst recht, wenn es um abgehalfterte Schlagersänger ging, allen voran Mario Adorf in „Comeback für Freddy Baker“ (1999, ARD) oder Uwe Ochsenknecht in „Das große Comeback“ (2011, ZDF). In diese prominente Riege gehört ab sofort auch Sebastian Bezzel. Er spielt in der flotten Komödie „Echte Bauern singen besser“ eine Doppelrolle: Der brave Landwirt Sven Gose sieht dem einstigen Star Alexander Gromberg ähnlicher als der sich selbst. Für dessen Agentin Franzi (Susanne Bormann) ist Sven die letzte Hoffnung, denn Gromberg, mittlerweile völlig pleite, lebt sein Leben schon seit einiger Zeit nach der Devise „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“; allerdings ohne Rock’n’Roll. Trotzdem will Franzi den Plattenboss Fricke (Roman Knizka) überzeugen, Grombergs Comeback-Tournee zu finanzieren. Weil der Musiker derzeit nicht gesellschaftsfähig ist, soll ihn der zufällig entdeckte Sven bei einem Treffen vertreten. Das klappt wunderbar, aber der Manager will sich natürlich davon überzeugen, dass Gromberg es auch auf der Bühne noch drauf hat. Daran ist jedoch nicht zu denken: Der Musiker ist nach seinen jüngsten Eskapaden in der Klapse gelandet.

    Natürlich lebt der Film vom Kontrast zwischen den beiden Hauptrollen: hier der brave Bauer, dort der feiste Musiker, bei dessen Verkörperung Bezzel alle nur denkbaren Klischees erfüllt. Trotzdem gerät Gromberg nicht zur Karikatur, und darin lag vermutlich die größte Herausforderung, denn beide Männer wandeln sich im Verlauf des Films. Während die Läuterung des misanthropischen Musikers nicht weiter überrascht, muss Sven ein altes Trauma überwinden, um endlich seinen alten Traum zu verwirklichen. Bezzel spielt beide Charaktere mit großer Hingabe und verkörpert die jeweilige Entwicklung auch deshalb glaubwürdig, weil sie in kleinen Schritten vonstatten geht.

    Die Rolle des Musikers hat dem Schauspieler auch dank der wilden Kostümierung (Anne-Gret Öhme) womöglich den größeren Spaß bereitet; der Typ ist völlig fertig und sieht mit seinen blutunterlaufenen Augen aus wie ein blondierter Untoter. Als Inspiration dienten laut Bezzel Billy Idol, Farin Urlaub und Campino, aber Reminiszenzen an Udo Lindenberg und Matthias Reim lassen sich ebenfalls entdecken. Dass Gromberg seinen freien Fall - so hieß vor zwanzig Jahren auch sein einziger Hit - am Ende doch noch bremsen kann, hat er einer Patientin zu verdanken, die gar nicht in die Psychiatrie zu gehören scheint: Die kluge Rina (Pegah Ferydoni) öffnet ihm die Augen, aber als er sie zur gemeinsamen Flucht überredet, zeigt sich rasch, dass sie für die Welt außerhalb der Anstalt nicht geschaffen ist.

    Holger Haase (Regie) und Arndt Stüwe (Buch) haben schon bei der amüsanten romantischen Komödie „Heiraten ist nichts für Feiglinge“ (2016, ZDF) zusammengearbeitet. Haase hat zwar später für Sat.1 erst ein erschütterndes Drama über Gewalt in der Ehe („Die Ungehorsame“, 2015) und zuletzt den durchaus anspruchsvollen Stalker-Film „Lautlose Tropfen“ (2019) gedreht, steht aber vor allem für sehenswerte Komödien. Ein seltener Ausreißer nach unten war „Ein Dorf rockt ab“ (2017, ZDF), weil er die Gags mit dem Vorschlaghammer inszeniert hat. „Echte Bauern singen besser“ ist zwei Nummern besser, auch wenn es rund um Gromberg zuweilen recht deftig zugeht. Stüwe hat seine Figuren zwar konsequent ausgereizt, aber selbst der Musiker verkommt nicht zur Karikatur, weshalb der plumpe Titel auch nicht angebracht ist. Der Arbeitstitel lautete „Wenn schon falsch, dann richtig!“ und bezieht sich auf den erstaunlich guten Song, den Sven beim furiosen Finale zum Besten gibt. tpg.

Kommentare