Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau

   Kinostart: 24.06.2010

Easy Virtue: Verbal geistreiche und giftige Verfilmung von Noel Cowards Komödie über eine Amerikanerin und ihre Kollision mit ihrer englischen Schwiegermutter.

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Filmhandlung und Hintergrund

Verbal geistreiche und giftige Verfilmung von Noel Cowards Komödie über eine Amerikanerin und ihre Kollision mit ihrer englischen Schwiegermutter.

England in den Zwanzigerjahren. Nachdem John Whittaker im Urlaub in Frankreich die lebenslustige Larita kennengelernt und geheiratet hat, stellt er seine große Liebe seiner Familie vor. Doch seine konservative, neurotische und frustrierte Mutter ist entsetzt über das vermeintliche Flittchen aus Amerika, macht Larita von Beginn an den Aufenthalt auf dem noblen Landsitz zur Hölle. Nur in ihrem Schwiegervater, der in der eigenen Familie ein Außenseiter ist, und anfangs auch in ihrem Ehemann findet Larita Verbündete.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. „Let´s Misbehave“: Cole Porters Swingnummer könnte als Motto für das Aufeinandertreffen zweier Kulturen dienen. Eine zwar elegante, aber Hosen tragende, rauchende Amerikanerin, die in der Männerdomäne des Rennsports reüssiert, Sex liebt und „Lady Chatterley s Lover“ liest, trifft auf eine gelangweilt-snobistische Aristokratie, in welcher der Schein über dem Sein steht. Bei diesem „Culture Clash“ der Gesellschaftsschichten kann es nicht ausbleiben, dass sich schnell feindliche Lager bilden.

      Während Johns Schwestern zuerst begeistert auf den unkonventionellen Familienzugang reagieren, schlagen sie sich rasch auf die Seite der abweisenden Mutter, die in Laritas Pollenallergie eine Achillesferse entdeckt. Nach ersten Bemühungen um einen Konsens eckt das platinumblonde Energiebündel mit frei geistigem Lebenswandel bei allen an, wobei ihr Mann John bald eine Entscheidung zwischen Sippschaft und Ehefrau fällen muss. Erst im weiteren Verlauf schält sich die desolate finanzielle Familiensituation heraus, so dass der schöne Anstrich schließlich deutliche Risse erhält.

      Nach neunjähriger Pause meldet sich Stephan Elliott, dessen Kultfilm „Priscilla - Königin der Wüste“ sein einziger Kassenhit blieb, mit der Neuverfilmung eines weniger bekannten Noel Coward-Stücks zurück. Nach eigenen Worten wollte der Australier den satirischen Kostümstoff, 1928 schon einmal von Alfred Hitchcock verfilmt, als modernen Kinofilm adaptieren. So treffen die vertrauten Exzentriker des britischen Boulevards auf eine emanzipierte Frau mit ungebührlichem Verhalten und klassische Cole Porter-Titel auf aktuelle Popnummern wie „Sex Bomb“, „Car Wash“ oder „When the Going Get s Tough“, interpretiert allerdings in Ragtime-Arrangements. Ebenso zielen die bissigen Dialoge gelegentlich tiefer unter die Gürtellinie als es bei Coward wohl der Fall war.

      Wenn Elliotts Werk mit dem Zeichen der berühmten Ealing-Studios öffnet, knüpft sein filmisches Comeback bewusst an die goldene Zeit britischer Komödientradition an. Schräge Musical- und Slapstick-Einlagen erinnern zudem an Hollywood-Glamour. In extremen Kameraperspektiven, oft durch Gläser, Spiegel oder Scheiben fotografiert, findet sich seine vertraute Handschrift wieder. Häufig warf man Elliott vor, Stil dominiere bei ihm über Inhalt. Das trifft hier nicht unbedingt zu, obwohl sich in der zweiten Hälfte Längen einstellen und die Gags mitunter reichlich albern wirken. Wenn sich am Ende Larita und der stets gelangweilte Mr. Whittaker, frustriert vom britischen Understatement, als Geistesverwandte entpuppen, bringt diese Wendung einen wohltuend tragischen Unterton in die leichtfüßige Geschichte.

      Zwar spielt Jessica Biel nicht in der gleichen darstellerischen Klasse wie die großartige Kristin Scott Thomas, doch der Ex-Tenniestar schlägt sich achtbar unter den britischen Kollegen, zumal sie Gelegenheit erhält, ihre tänzerischen und gesanglichen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Die meisten Lacher verbucht jedoch Kris Marshall als rauchender, sarkastische Butler, der auf das tolle Treiber seiner Herrschaft mit dauerhaftem Desinteresse reagiert.

      Fazit: Stephan Elliotts Rückkehr auf die Leinwand kann das anfängliche Tempo und den scharfen Witz nicht über die volle Laufzeit durchhalten, bringt aber frischen Wind ins leicht angestaubte Kostümfilm-Genre.
    2. Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau: Verbal geistreiche und giftige Verfilmung von Noel Cowards Komödie über eine Amerikanerin und ihre Kollision mit ihrer englischen Schwiegermutter.

      Wie langweilig Tugendhaftigkeit, aber amüsant die Kollision mit Regelbruch sein kann, zeigt Stephan Elliotts Verfilmung einer Noel-Coward-Komödie.

      Auf das Spießertum hat sich der britische Autor in mehreren Komödien eingeschossen, darunter auch in dieser, die er 1924 mit 23 Jahren schrieb. Das Milieu, verstaubter Landadel der Zwanzigerjahre, mag ein Blick ins Museum sein, doch die Dialoge wirken zeitlos giftig, geistreich und auch für moderne Komödien immer noch vorbildhaft. Hitchcock jedenfalls, der das Stück noch als Stummfilm und damit seiner schärfsten Waffen beraubt auf die Leinwand brachte, hätte seine Freude an der Ankunft der lebenslustigen Amerikanerin Larita (Jessica Biel) auf einem englischen Landsitz, auf dem Mrs. Whittaker (Kristin Scott Thomas) für die Aufrechterhaltung von Sitte, Tradition und gepflegter Langeweile sorgt.

      Hier trifft Jugend auf Alter, vulgäre Ex-Kolonie auf kultiviertes Mutterland - und das auch im wörtlichen Sinne. Denn Larita ist das Souvenir, das Mrs. Whittakers einziger Sohn John aus dem Urlaub in Frankreich mitgebracht und - schlimmer noch - zuvor geheiratet hat. Obwohl sich die junge Rennfahrerin aus den Staaten, deren „skandalöse“ Vergangenheit im Laufe des Plots ausgegraben wird, um Freundschaft mit ihrer Schwiegermutter bemüht, eröffnet diese von Beginn an das Feuer auf die Rivalin, die ihr den einzigen Halt in einem Leben voller Frust aus den Armen reißen will. „Du hast den Tunnelblick“ spottet Mr. Whittaker brillant über seine Frau, die Laritas Ankunft im Fernrohr beobachtet.

      Von Colin Firth mit perfektem Timing, vielen Bonmots, aber auch Momenten des Schweigens gespielt, ist Whittaker einer von Cowards Berufszynikern, den das Drehbuch aber als im Krieg verwundete Seele humanisiert. Undankbarer ist die Aufgabe für Scott Thomas, die ihre Familie erstickt und als kalt-konservative Provinzhexe den Zuschauer in die Armee der Sympathiefiguren treiben soll. Larita, die in den Augen von Mrs. Whittaker Klasse nicht, dank Jessica Biel aber doch hat, gehört dazu, wie auch Firths Figur und schließlich auch ein entnervter Butler, der sich den Landadel sicher unter die englische Erde wünscht. Während die versteckten Spitzen fliegen, einem Chihuahua das Genick gebrochen und bei einem Can-Can Natur pur enthüllt wird, sorgen neben Evergreens auch altmodisch arrangierte moderne Chartbreaker für eine Brücke zwischen den Zeiten. Ein gelungenes, federleicht unterhaltsames Comeback von Regisseur Stephan Elliott („Das Auge“) nach zehnjähriger Leinwandpause. kob.

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      Kino.de Redaktion  

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