Fakten und Hintergründe zum Film "Duplicity - Gemeinsame Geheimsache"

Kino.de Redaktion |

Duplicity - Gemeinsame Geheimsache Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Produktion: Die Entstehung

Nachdem er 2007 mit „Michael Clayton“ sein von der Kritik gefeiertes Regiedebüt gegeben hatte, wandte sich Autor/Regisseur Tony Gilroy erneut den schmutzigen Machenschaften der Geschäftswelt zu… diesmal allerdings unter romantischen Gesichtspunkten. Vor dem Hintergrund eines halsbrecherischen Wettrennens zweier Konzerne, die um ein neues Wundermittel konkurrieren, entstand eine Geschichte voller überraschender Wendungen. Das Herz ist jedoch der emotionale Kleinkrieg eines zu allem entschlossenen Paares im Gefühlschaos, das in diesem Wettkampf auf feindlichen Seiten steht. So scheint es zumindest…

Den Grundstein zu „Duplicity – Gemeinsame Geheimsache“ legte Gilroys Faszination für die Feinheiten der Industrie-Spionage. Bei den jahrelangen Recherchen für seine Drehbücher zur „Bourne“-Reihe kam er mit vielen Geheimdienstlern in Kontakt und stellte fest, dass viele von ihnen kürzlich aus dem Staatsdienst in den Privatsektor gewechselt waren. Das war der Ausgangspunkt für Gilroys leichtfüßiges Skript, das Elemente der Screwball-Komödie mit den Plot-Wendungen eines klassischen Krimis kombiniert.

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Über seine Recherchen und die Inspiration für seine Story berichtet er: „Laut Statistik liegen die Verluste durch Industriediebstahl irgendwo zwischen 50 und 100 Milliarden Dollar jährlich. Es gibt auf diesem Planeten kein wichtiges Unternehmen, das keine Sicherheitsberater beschäftigt. Im Grunde sind das Spionage-Einheiten, die entweder defensiv oder offensiv arbeiten.“

Der Filmemacher entwarf einen Kalten Krieg zwischen zwei Industrie-Giganten, in dem diese Spione obendrein versuchen, ihre Auftraggeber hereinzulegen. Er konstruierte ein verworrenes Netz aus Betrug zwischen den gegnerischen Magnaten und fügte zwei Agenten hinzu, deren Liebe genauso auf dem Spiel steht wie ihr Coup. Dabei hebt Gilroy hervor, wie persönliche Verstrickungen ihre Arbeit komplizieren. Durch ihr ständiges Doppelspiel ist schwer zu durchschauen, woran man mit ihnen ist. Dazu Gilroy: „Sie sagen niemals die Wahrheit. Jeder hintergeht jeden; nichts ist so, wie es scheint.“

Wir lernen Claire und Ray durch eine Reihe von Rückblenden kennen, die ihre Beziehung offenbaren – von der ersten Begegnung in Dubai 2003 bis zur Planung ihres großen Coups im Manhattan der Gegenwart. Während er das Paar zum Leben erweckte, beschäftigte Gilroy immer wieder dieselbe Frage: „Wie machen Skorpione Liebe?“ Der Filmemacher erklärt: „Ich habe mich gefragt, was wohl passiert, wenn sich zwei Berufslügner ineinander verlieben. Das ist wirklich schwer für sie; denn es gibt für sie ja sonst niemanden. Sie sind eine Spezies für sich.“

Als sie sich zum ersten Mal treffen, ist der damalige MI6-Kollege Ray für CIA-Agentin Claire nur eine Zielperson. Sie verführt ihn bei einer Konsulats-Party in Dubai, setzt ihn unter Drogen und durchsucht sein Zimmer, um ihm Ägyptens Luftabwehr-Codes abzunehmen. Gilroys Produktionspartnerin Jennifer Fox führt aus: „Claire lässt Ray mit einem Lächeln auf dem Gesicht zurück. Einerseits ist er hingerissen von dieser Frau, andererseits unglaublich frustriert. Er muss sie finden. In Rom treffen sie sich wieder. Sie verbringen ein romantisches Wochenende und beschließen zusammenzuarbeiten, ihre Jobs bei der CIA und beim MI6 aufzugeben und sich selbständig zu machen… und mit einem sensationellen Coup abzusahnen, damit sie endlich zusammen sein können.“

Gilroy fügt hinzu: „Nach Dubai sehen sie sich lange Zeit nicht wieder, bis äußerst ungewöhnliche Umstände sie erneut zusammenführen. Der ganze Film dreht sich darum, dass die beiden herausfinden müssen, ob sie sich wirklich lieben, einander trauen können und ob sie inmitten dieses Spionage-Krieges reich werden.“

Gilroy kreierte auch Howard Tully (Chef von Burkett & Randle) und Dick Garsik (Chef von Equokrom), zwei Pharmazie-Bosse, deren Hass aufeinander genauso groß ist wie ihre Egos – und ihr Geschäftssinn. „Die Fehde zwischen Tully und Garsik ist der Motor der Geschichte“, führt Gilroy aus, „ein Kalter Krieg, der in der Park Avenue ausgefochten wird. Die Gegner sind nicht etwa zwei Staaten, sondern zwei Business-Giganten. Aber sie kämpfen genauso erbittert – und genauso raffiniert.“

Gilroy war klar: Wenn „Duplicity – Gemeinsame Geheimsache“ plausibel erscheinen soll, musste der Einsatz für die Figuren ebenso hoch sein wie in einem tatsächlichen Kalten Krieg. So erdachte er ein Wettrennen um das Patent für ein bahnbrechendes Produkt, das dem Besitzer den Markt sichern und die Konkurrenz ein für allemal ausschalten würde. „Wir brauchten also etwas, hinter dem alle her sind, bei dem der Einsatz wirklich hoch ist – den finanziellen Heiligen Gral“, merkt der Regisseur an.

Produzentin Fox stimmt zu: „Eine von Tonys großen Stärken ist, starke, dynamische und smarte Charaktere zu kreieren. Ich denke, das ist ihm hier mit Claire und Ray gelungen. Das Publikum wird Spaß an dem Film haben und dabei, die Story zu entwirren. So, wie sich die Figuren gegenseitig übers Ohr hauen, so spielt Tony auch mit uns ein Verwirrspiel, das bis zum Schluss so manche Überraschung bereit hält.“

Produktion: Die Besetzung

Als er die Protagonisten für „Duplicity – Gemeinsame Geheimsache“ schuf, stellte Gilroy sich sein Liebespaar so vor: unfähig, jemals ehrlich zu sein – schon gar nicht, wenn es um ihre Gefühle geht. Er musste zwei Schauspieler finden, die als rivalisierende Spione ebenso glaubhaft sind wie als romantische Pokerfaces. Julia Roberts und Clive Owen gaben das perfekte Paar ab: Roberts kam als Claire Stenwick an Bord des Projekts, Burkett & Randles stellvertretende Leiterin der Spionageabwehr (die wiederum heimlich Equokrom Informationen zuspielt). Owen stieß als ehemaliger MI6-Agent Ray Koval dazu, Claires Kontaktmann (bzw. Handlanger) im Hause Equokrom.

Fox schwärmt über ihr Leinwandpaar: „‚Duplicity‘ weckt Erinnerungen an den Glamour der Filme von früher. Deshalb war es natürlich wunderbar, so glamouröse Filmstars dabei zu haben. Julia und Clive haben diese besondere Chemie, die man weder durch Kostüme noch mit Sets oder Schauplätzen erzeugen kann.“

Obwohl er als Autor und Regisseur mit dem Who’s Who Hollywoods gearbeitet hat, gibt Gilroy zu, dass die Besetzung von Oscar®-Preisträgerin Roberts als seine Leading Lady ihn schon ein wenig nervös gemacht hat. „Über dieses erste: Oh wow, das ist Julia Roberts und ich arbeite mit ihr – darüber kommt man hinweg“, lacht er. „Du siehst ihr bei der Arbeit zu, und es ist vollkommen natürlich. Sie ist eine echte Veteranin und weiß genau, wie sie auf die Kamera wirkt.“

In den letzten Jahren hatte sich Roberts vorrangig ihren Kindern gewidmet und in erfolgreichen Ensemblefilmen mitgewirkt. „Duplicity – Gemeinsame Geheimsache“ markiert ihre ersehnte Rückkehr als Hauptdarstellerin. Die Schauspielerin war von der Figur der Claire fasziniert: überwältigt von ihren Gefühlen, während sie bei der Arbeit doch nie ihr Ziel aus den Augen verliert. Darüber hinaus freute Roberts sich darauf, erneut mit Clive Owen, ihrem Co-Star aus „Hautnah“, zu drehen.

Warum sie den Part angenommen hat, erklärt sie so: „Clive bat mich als Erster, bei diesem Film mitzumachen. Als Tony mir dann das Skript zuschickte, schrieb er mir einen Brief dazu. Ich fühlte mich wirklich geschmeichelt, dass gerade mir die Rolle der Claire angeboten wurde, denn sie ist keine durch und durch liebenswerte oder vertrauenswürdige Person. Aber schließlich und endlich trägt sie ihr Herz auf der Zunge. Das fand ich interessant. Ich dachte, es wäre doch toll, jemanden zu spielen, der etwas komplizierter ist als die durchschnittliche Leinwand-Lady.“ Roberts’ Part in „Duplicity – Gemeinsame Geheimsache“ ist eine interessante Variante ihrer früheren Rollen.

In Gilroys Skript erleben Claire und Ray kurze romantische Intermezzi in diversen Städten und Zeitzonen. Eine Jetset-Superspionin zu verkörpern war für Roberts eine aufregende Erfahrung: Die Crew drehte an den unterschiedlichsten Schauplätzen, von Rom über Dubai bis Cleveland und Zürich. Tatsächlich kam es ihr vor, als würden sie und Clive in „kleinen Blasen“ agieren – „kleine Kapseln, in denen wir auftraten“. Zum Glück war ihr langjähriger Freund mit von der Partie. „Clive ist der ultimative Leading Man“, schwärmt Roberts. „Er ist großartig in dieser Rolle. Ich liebe es, wenn er so tut, als hätte er keinen blassen Schimmer. Seine Ernsthaftigkeit ist so authentisch, und ich habe es geliebt, mit ihm zu spielen – jede Minute. Er ist bestens vorbereitet und kann die Arbeit entsprechend genießen. Wir haben das gleiche Ziel: gute Arbeit zu leisten und Spaß dabei zu haben.“

Von „The International“ bis zu vorangegangenen Thrillern wie „Inside Man“ und „Die Bourne Identität“ hatten schon viele von Clive Owens bekanntesten Rollen mit Spannung und Diebstahl zu tun. Zu „Duplicity – Gemeinsame Geheimsache“ kam er durch seine Freundschaft zu einem anderen Filmpartner von Julia Roberts: George Clooney. Clooney stellte Owen seinem „Michael Clayton“-Regisseur vor und empfahl ihn für die Rolle des Ray Koval. „Ich hatte zwar Clives Part in ‚Die Bourne Identität‘ geschrieben, ihn aber nie persönlich getroffen“, erzählt Gilroy. „Ich hatte seine Karriere verfolgt und fand ihn einfach grandios. Als George uns vorstellte, wollte ich Clive sofort für den Film haben.“

Kaum hatte er das Drehbuch gelesen, war der Mann, dem Produzentin Fox „den Charme und das Charisma eines Cary Grant“ bescheinigt, unbedingt bei dem Projekt dabei sein: „Ich las die letzte Seite des Skripts, griff zum Telefon, rief meinen Agenten an und sagte: Das ist es. Das ist das Skript“, erinnert sich Owen. „Ich hatte eine starke instinktive Reaktion darauf. Ich fand den Stil brillant und wollte unbedingt ein Teil davon sein.“

Erneut mit Julia Roberts zu drehen, war für Owen ein Bonus – ebenso wie die Tatsache, dass der Urheber des Drehbuchs auch sein Regisseur sein würde. „Ein Aspekt, der mich bei diesem Film am meisten gereizt hat, war die Gelegenheit, diese Dialoge mit Julia zu sprechen. Sie sind so gut geschrieben, dass man als Schauspieler gewissermaßen keine großen Entscheidungen treffen muss. Man kann sich darin einrichten wie in einem bequemen Wagen und einfach losfahren, denn der Takt ist bereits vorgegeben. Es ist eine Freude, wenn man so mit Sprache spielen kann – und das noch dazu mit jemandem wie Julia. Sie ist fantastisch für einen Stoff wie diesen.“

Owen schwärmt weiter von der Zusammenarbeit mit Gilroy: „Er schreibt brillante Dialoge. Sie tänzeln dahin und haben einen tollen Rhythmus. Es wirkt alles ganz natürlich. Als ich drei Seiten des Skripts gelesen hatte, war ich von den Dialogen begeistert und konnte es kaum erwarten, an die Arbeit zu gehen. Es ist alles da, und es ist ganz klar, was gefordert ist. Der Vorteil eines Autorenfilmers ist, dass er selbst am Set ist und erläutern kann, was er sich beim Schreiben gedacht hat. Das ist eine tolle Sache für einen Schauspieler. „Es ist geistreich, beschwingt und ungewöhnlich“, fährt Owen fort. „Es geht um einen Typen und eine Frau, die ineinander verliebt sind, aber sie streiten ständig und trauen einander nicht über den Weg – obwohl sie verrückt nacheinander sind. Für das Publikum ist das sehr unterhaltsam.“

In der Eröffnungsszene von „Duplicity – Gemeinsame Geheimsache“ stürmen die Arbeitgeber von Claire und Ray auf einer regennassen Rollbahn aufeinander zu, um einander die Seele aus dem Leib zu prügeln. Als Howard Tully, den souveränen (aber nachtragenden) Chef des Konzerns Burkett & Randle, besetzte die Produktion Tom Wilkinson. Der britische Schauspielveteran, dem Tony Gilroys „Michael Clayton“ eine Oscar®-Nominierung einbrachte, fand seinen Gegenspieler in seinem „John Adams“-Partner Paul Giamatti, der als Equokroms rachsüchtiger Geschäftsführer Dick Garsik an Bord kam. Das Duo, das kürzlich mit Golden Globes für den hochgelobten HBO-Mehrteiler ausgezeichnet wurde, präsentiert nun jene Geschäftspraktik, die Produzentin Fox als die „Schildkröte und Hase“-Methode bezeichnet.

Gilroy sagt über Wilkinson: „Tom macht einem das Leben so einfach. Wir erzählten ihm von der Eingangsszene, in der er und Paul sich einen choreografierten Kampf liefern – und er ließ sich nicht lange bitten. Von dem Moment an, in dem Tom Ja sagt, kann man sich als Regisseur entspannen.“

Zur Einstimmung auf seine Rolle bat Gilroy Giamatti, sich ein Meisterwerk von Stanley Kubrick anzusehen: die nihilistische Komödie „Dr. Strangelove oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ von 1964. Gilroy fand, dass George C. Scott als unerschütterlicher General „Buck“ Turgidson das ideale Vorbild abgab. „Ich gab Paul den Hinweis, dass er durch und durch ein Siegertyp ist. Seine Figur sollte das gleiche Selbstvertrauen ausstrahlen wie George C. Scott.“

Als es an der Zeit war, in die Rolle des größenwahnsinnigen Dick Garsik zu schlüpfen, löschte Giamatti jegliches Mitgefühl, das seinen John Adams ausgezeichnet hatte, aus. Seine Erfahrung am Set beschreibt er so: „Einen Geschäftsmann zu verkörpern ist so, als würde man einen König in einem Shakespeare-Stück spielen: Du bist der Boss. Ich musste in den ‚Keiner-kümmert-mich-außer-mir‘-Modus umschalten und glauben, dass alle einfach tun werden, was ich ihnen sage.“

Giamatti lobt den Teamgeist der Filmcrew: „Tony hat einen ausgeprägten visuellen Stil; Robert Elswit, der Kameramann, und er arbeiten sehr gut zusammen. Er ist perfekt vorbereitet und denkt voraus; also genau das, was man von einem Regisseur erwartet – aber so ist es eben nicht immer. Man kann sich absolut sicher sein, dass dieser Kerl genau weiß, was er will. Und trotzdem hat man jede Freiheit, damit herumzuspielen.“

Verstärkt werden Julia Roberts und Tom Wilkinson im Spionageabwehr-Büro bei Burkett & Randle von Tom McCarthy („Michael Clayton“) als Claires Kollege Jeff Bauer – ein Mann, „hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch zu verführen und zu zerstören“, wie Gilroy schreibt – und ihrem Vorgesetzten Wayne Duvall („Das Gesetz der Ehre“) als ehemaliger Marine/Polizist/FBI-Agent Ned Guston. Carrie Preston, die schon in „Die Hochzeit meines besten Freundes“ mit Roberts vor der Kamera stand, spielt Barbara Bofferd, die naive Reisebüro-Angestellte der Firma. Christopher Denham tritt als neurotisch-genialer Erfinder Ronny Partiz auf, der jede Woche locker Hunderttausende beim Bakkarat auf den Bahamas verprasst.

In der Guerilla-Spionage-Abteilung von Equokrom assistieren Clive Owen und Paul Giamatti Denis O’Hare („Milk“) als Projektleiter-Ass Duke Monahan; Oleg Stefan („Der gute Hirte“) als der raue Boris Fetyov; Rick Worthy („Kampfstern Galaktika“) als Equokroms Schwergewicht Dale Raimes; Kathleen Chalfant („Kinsey“) als clevere Alleskönnerin Pam Frales; Khan Baykal als Computer-Genie Dinesh Patel; und schließlich Dan Daily als Garsiks leidgeprüfte rechte Hand.

Produktion: Die Dreharbeiten

Damit seine Stars schon vor Drehstart das richtige Tempo für ihren Schnellfeuer-Dialog finden, probte Gilroy eine Woche lang mit Roberts und Owen. „Man ist voller Erwartungen und hofft inständig, dass etwas passiert, was nicht geplant war“, sagt er. „So war es in diesem Fall. Clive und Julia haben eine tolle Chemie, so elegant.“

Roberts freute sich über die Extrawoche zur Vorbereitung auf den Film und um, wie Gilroy es ausdrückt: „in die Garderobe ihrer Figur“ zu schlüpfen. Und sie wusste den Luxus zu schätzen, Zeit für Proben zu haben, anstatt sich direkt in die Rolle stürzen zu müssen. Sowohl Roberts als auch Owen hatten im Hinterkopf, dass Claire und Ray sich jahrelang auf ihren Coup vorbereitet haben, und sie wollten jeden Blick, jede Nuance und jedes kleinste Detail auf den Punkt bringen. Nie im Leben würden diese beiden 40 Millionen Dollar aufs Spiel setzen. Tatsächlich benötigten die Schauspieler jede Minute der Vorbereitungszeit, um Gilroys Dialoge so abfeuern zu können, wie es auf dem Papier vorgesehen war.

Um sich in den Kontrollfreak Garsik hineinzuversetzen und einen Eindruck des exklusiven Lifestyles zu bekommen, den ein Mogul genießt, wurde Giamatti zu einem Barbier auf der Upper East Side geschickt. Jennifer Fox erklärt: „Paul ist so bodenständig, von sich aus würde er das nie machen. Wir verordneten ihm eine Maniküre und eine Rasur in einem dieser altmodischen Herrenclubs, um ihm genau dieses aalglatte, elitäre Gefühl zu vermitteln.“

In der Eröffnungssequenz des Films rennen unsere beiden Geschäftsführer aufeinander zu. Wilkinson musste nicht lange überredet werden, den Kampf mit Giamatti in einem Tanzstudio zu proben. Zum Hintergrund: Tully und Garsik sind gerade aus ihren Privatjets gestiegen, haben ihre Entourage stehenlassen und setzen zu einer Rauferei an wie auf dem Spielplatz. Zur Vorbereitung auf diese Szene – die schließlich in einem Flughafen-Hangar in Upstate New York gedreht wurde – wälzten sich die beiden Männer auf Wrestling-Matten. „Wir planten jede Bewegung mit einem Stunt-Koordinator durch, und der Untergrund war gepolstert“, erinnert sich Fox. „Einmal hebt Tom Paul hoch; er ist in der Luft, dann geht er zu Boden. Ihre Fäuste fliegen; es ist völlig außer Kontrolle – und einfach fantastisch.“

Produktion: Das Design

Gilroy war wichtig, dass sich die beiden konkurrierenden Firmen in Sachen Optik und Atmosphäre deutlich voneinander abheben. Burkett & Randle sollte sehr sauber und klinisch wirken. Hier logiert die Spionageabwehr in einem dunklen, mit High-Tech-Equipment ausgestatteten Keller, wo geschäftiges Treiben herrscht; das Ganze sollte kalt wie ein Bunker aussehen. Im Kontrast dazu hat die Equokrom-Einheit mehr Raum, Struktur, Muster und Licht. Produktionsdesigner Kevin Thompson erklärt die schrittweise Entwicklung: „Man beginnt mit sehr rudimentären Grundideen wie: Burkett & Randle wird ganz in Weiß und eher minimalistisch gehalten, und die Farbe des Firmenlogos ist Blau. Equokrom dagegen ist das rote Team; viel technisierter und großzügiger, mit Abstufungen von Grautönen, aber überhaupt kein Weiß oder Blau. Kurioserweise wurde das Logo von Burkett & Randle am Ende rot und das von Equokrom blau.“

Thompson schätzt Gilroys Sinn für Ästhetik: „Tony ist ein sehr visueller Mensch mit klaren Vorstellungen: Er mag klare Linien, ruhige Kompositionen und eher maskuline Designs“, sagt er. „Als Autor kann er artikulieren, was ihm optisch zusagt; das ist für den Designer ein großer Gewinn.“

Produktion: Die Drehorte

Burkett & Randle und Equokrom haben ihren Firmensitz in Gilroys Heimatstadt New York City, während die Rückblenden uns in jene Städte entführen, wo Claire und Ray ihre heimlichen Rendezvous genießen, also nach – in chronologischer Reihenfolge – Dubai, Rom und London bis nach Miami, Cleveland und Zürich. Die Dreharbeiten zu „Duplicity – Gemeinsame Geheimsache“ begannen in Manhattan, dann zog die Produktion für eine Woche ins Atlantis Resort auf den Bahamas um. Die letzte Drehwoche verbrachte das Team in Rom, wo sich Claire und Ray verlieben und anfangen, „sich Momente zu stehlen“, wie Gilroy es nennt. Thompson kam die beneidenswerte Aufgabe zu, die Sets in einigen der berühmtesten Gebäude an den berühmtesten Orten der Welt zu gestalten.

Warum gerade Manhattan? „Es war wichtig, echte New Yorker Straßen und Locations zu zeigen, sie aber nicht im typischen Hollywood-Stil zu filmen“, erläutert Thompson. Eine der ersten Szenen des Films entstand im Bahnhof Grand Central Station, und zwar auf der Fußgängerebene, damit es dynamischer wirkte. Bei den Innen- und Außenansichten der Bürogebäude von Barnett & Randle und Equokrom kamen gleich mehrere New Yorker Wahrzeichen zum Einsatz. Die Kamerafahrten über den Big Apple etwa wurden vom Dach des MetLife Buildings und des Rockefeller Centers gedreht. Kameramann Elswit und sein Team freuten sich besonders, dass sie dabei mit als erste Filmemacher die neuen Panavision-Linsen der G-Serie einsetzen konnten.

„Die Grand Central Station war genauso wichtig wie die Kaufhaus-Szene bei Lord & Taylor, wo Clive endlich wieder auf Julia trifft“, sagt Thompson. „Fifth Avenue, Central Park, das Chase Manhatten Bank Building, das Dachgeschoss des Citicorp-Gebäudes, Lever House, das Seagram Building… das sind die schönsten architektonischen Prachtstücke, die New York zu bieten hat. Und wir haben darin gedreht.“

Die Dreherlaubnis für das Seagram Building, das als Schaltzentrale von Burkett & Randle dienen sollte, war eine der größeren Herausforderungen. Produzentin Kerry Orent erzählt: „Das Seagram-Gebäude gestattete Tony, Howard Tullys Büro inmitten des Geschäfts- und Finanzzentrums von Midtown Manhattan zu positionieren – den Erzrivalen Equokrom stets in Sichtweite. Zur Drehzeit war es allerdings sehr schwierig, in Midtown leere Büros zu finden, erst recht unter einer so begehrten Adresse wie Seagram. Nach monatelanger Suche wurde Kevin Thompson in dem Gebäude doch noch fündig. Mit Tonys Unterstützung verwandelte er ein unrenoviertes Büro, in dem die Kabel von der Decke hingen und der Putz bröckelte, in das schicke Designer-Büro von Howard Tully.“

Im Vergleich zu jener Szene, in der Ray Claire durch die Grand Central Station verfolgt, war das Seagram Building allerdings ein Spaziergang im Central Park. Orent übernahm die Koordination und verhandelte mit Behörden von Metro North Transit bis zum NYPD: „Uns blieben kaum fünf Stunden Zeit, um eine komplizierte Sequenz mit Hunderten von Statisten zu drehen… und zwar bevor tausende Pendler in Grand Central ankommen. An einem Sonntagmorgen um vier Uhr früh ging’s los. Das war das einzige Zeitfenster, das Metro North uns zugestehen konnte, um diesen Riesenbahnhof einigermaßen unter Kontrolle zu halten. Um 9 Uhr morgens mussten wir uns dann schon tüchtig beeilen, um die Szene in den Kasten zu bekommen.

Wir konnten ja schlecht die Züge anhalten oder den Reisenden mitteilen, dass sie heute leider nicht den Bahnhof durchqueren können. Die Planung hat Wochen in Anspruch genommen“, fährt Orent fort. „Aber mit viel Kooperationsbereitschaft und Tonys Flexibilität ist ihm eine grandiose Einstellung gelungen. Sie startet mit der Uhr in der Grand Central Station und zoomt dann auf Clive, der gerade Julia entdeckt hat.“

Darüber hinaus lieferte New York auch einige unerwartete Kulissen für unsere Jetset-Spione. Das Innere der Hotels in London, Rom und Dubai wurde in Manhattan gefilmt, die entsprechenden Außenaufnahmen übernahmen Second Units.

Dann zog die Crew ins Atlantis Paradise Island Resort auf den Bahamas, wo gleich drei Drehbuch-Locations auf einen Schlag gefilmt wurden: Neben den Atlantis-Szenen, wo unsere Spione den sturzbetrunkenen Ronny Partiz am Baccarat-Tisch im Auge behalten, sprang das Resort als „Double“ für zwei weitere Schauplätze ein: So entstand hier die Szene in Rays Bungalow in Miami, wo er und Claire beschließen, dass sie bei der Spionageabwehr von Burkett & Randle einsteigen (und Equokrom zuarbeiten) wird; ebenso wie jene am Pool des US-Konsulats in Dubai, wo das Paar zum ersten Mal aufeinandertrifft. Das Casino hingegen, in dem schließlich gedreht wurde, war genau das aus Tony Gilroys Drehbuch – ein echter Glücksfall für den Regisseur.

Die letzte Station der Dreharbeiten war Rom. Eine Rückblende zeigt, wie sich Claire und Ray drei Jahre nach ihrer Begegnung in Dubai hier wiedersehen. Im Vorfeld hatte die Produktion monatelang nach den idealen Drehorten gesucht, berichtet Orent: „Die Locations in Rom wählte Tony nach ausgiebiger Suche und langwierigen Verhandlungen aus. Um in der Altstadt drehen zu dürfen, brauchten wir die Einwilligung der italienischen Regierung. Einer unserer wichtigsten Schauplätze war die Piazza neben dem Pantheon – die perfekte Kulisse für die Sequenz, in der Clive Julia unter den Passanten entdeckt. Es hat lange gedauert, die Dreherlaubnis zu bekommen. Wir konnten nicht sicher sein, dass es klappt, denn der Platz ist eine große Touristenattraktion. Unser italienisches Produktionsteam hat sich monatelang mit den Behörden darüber auseinandergesetzt.“

Gilroy suchte nach Ansichten, die jene typische romantische Stimmung widerspiegeln, in die er sich bei seinen Italien-Besuchen verliebt hatte. „Wir haben uns an der Piazza Navona, dem Pantheon und dem jüdischen Ghetto umgesehen“, führt Designer Thompson aus. „Uns schwebte eine romantische Kulisse vor. Erst ist man mittendrin, dann gelangt man durch schmale Gassen auf einen abgelegeneren Platz, die Piazza Margana. Das ist mitten in der Altstadt. Tony liebt diese Ecke und hat davon geträumt, hier einen Film zu drehen. Also mussten sich Clive und Julia hier treffen.“

Obwohl die Crew ausgiebig in Rom drehte, entstand die Rückblende in Claires und Rays luxuriöse römische Hotelsuite in der James A. and Florence Vanderbilt Sloan Burden Mansion in New York. Heute beherbergt das Gebäude die Mädchenschule Convent of the Sacred Heart. Der Ballsaal und das Vorzimmer des Herrenhauses erinnerten nämlich an die Hotelsuiten, die sich Thompson und Orent in Rom angesehen hatten.

Glücklicherweise erlaubte das Budget die ausgiebigen Dreharbeiten an Originalschauplätzen, die nötig waren, um „Duplicity – Gemeinsame Geheimsache“ Charakter und eine gewisse Tiefe zu geben. Über den Schauplatz Rom schwärmt Gilroy: „Im Drehbuch schreibt man schlicht: ‚Rom. Pantheon. Außen.‘ Und dann betet man zu Gott, dass man den Job lange genug behält, bis die Szene tatsächlich gedreht wird.“

Produktion: Die Kostüme

Dem zweifachen Oscar®-Preisträger Albert Wolsky wurde die Aufgabe übertragen, die Protagonisten so einzukleiden, dass sich ihr Charakter auch in ihrer Kleidung ausdrückt. „Zeitgenössische Filme sind aus vielerlei Gründen viel schwieriger auszustatten als Historienfilme“, erklärt der Kostümbildner. „Auch in meinem Job geht es darum, eine Geschichte zu erzählen, wobei die Kostüme mein Handwerkszeug sind. Früher war es leichter, Menschen anhand ihrer Kleidung einzuordnen; welcher Schicht sie angehörten oder woher sie kamen. Heute ist das nicht mehr eindeutig. Man kann nicht auf Anhieb sagen, ob jemand reich oder arm ist. Ich könnte nicht mal mehr sagen, ob jemand gut gekleidet ist.“

Seit ihrem unvergesslichen Bummel über den Rodeo Drive in „Pretty Woman“ hat Julia Roberts stets Stilsicherheit bewiesen. Wolsky, der sie schon für „Die Akte“, „Die Braut, die sich nicht traut“ oder „Der Krieg des Charlie Wilson“ eingekleidet hat, kreierte nun für Roberts den Stil einer attraktiven, scharfsinnigen Spionin, die keine Gefangenen macht.

Wolsky beschreibt, wie er den klassischen Look kreierte, der Gilroy und den Produzenten für die Hauptdarsteller vorschwebte: „Tony wollte, dass der Film glamourös und sexy aussieht. Allerdings konnte Julia Roberts nicht in schulterfreien Abendkleidern herumlaufen. Wir mussten also einen Weg finden, sie genauso aussehen zu lassen, ohne dass es gewollt wirkt. In Julias Fall ist alles sehr schick und figurbetont. Ich fand von Anfang an, dass sie sehr hohe Absätze tragen sollte, was ihr nichts ausmachte. Das verlieh ihr eine andere Haltung – und es ist sexy.“

Schon wenn das Publikum die Figur zum ersten Mal sieht, ist die richtige Kleidung entscheidend, glaubt Wolsky. Bei allen seinen Entwürfen stellt er sich Fragen wie: „Was sieht man zuerst? Wer sind diese Leute?“ „Julia ist ganz geschäftsmäßig gekleidet“, merkt er an. „Zunächst ist sie eine Figur in Schwarz. Clive trägt Anzug, Hemd und Krawatte – tadellos, in Grautönen. Der Auftakt des Films hat überhaupt viel Grau und Schwarz. Tom Wilkinson trägt Schwarz, und seine ganze Welt ist in Grau gehalten.“

Die Wahl der richtigen Farbpalette erforderte ausgiebige Gespräche zwischen Gilroy, Wolsky und Produktionsdesigner Thompson, der die Farben für die konkurrierenden Firmen darauf abstimmen musste. „Wir diskutierten die Farbpalette im Film und ihren zurückhaltenden Einsatz. Albert und ich sprachen uns ab, was die Figuren tragen, wie die Wände aussehen und wie wir uns gegenseitig unterstützen können. In bestimmten Szenen haben wir Farbe ganz eliminiert, dann wieder kräftigere Farben gewählt. Die Farbgebung innerhalb der Szenen ist sehr diszipliniert.“

Bei der Auswahl der Farbtöne und Kostüme (wie etwa Owens maßgeschneiderte Armani-Anzüge) kam es nicht nur auf den Schauplatz an, sondern auch auf den Zeitpunkt, zu dem die jeweilige Szene spielt – ob es sich um eine Rückblende handelt oder um die Gegenwart. „Für die Rückblende, in der Claire und Ray sich in Rom treffen, wollte ich Farbe. Dann springen wir in die Gegenwart, die eher in Grau, Schwarz und Weiß gehalten ist. Dubai – ebenfalls eine Rückblende – hat viel Farbe: Licht, Sonnenbräune, Beige und Sommer. Die Geschichte ließ mir da viel Spielraum.“

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