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Kritikerrezensionen

    1. Schon in alten Zeiten wurde auf der ganzen Welt Menschenfleisch gegessen und es wurde sich davon eine besondere Wirkung erhofft: Das Herz des Feindes zu essen galt als das Aufnehmen seiner Macht in den eigenen Körper und als letzte Demütigung an ihm, Kinder wurden in Hungersnöten gegessen oder um die Götter zu besänftigen.

      Durch die Hintertür einer heruntergekommenen Hongkonger Mietwohnung schleicht sich der Kannibalismus aus längst vergessenen unzivilisierten Zeiten wieder ein.
      Die vom Wohlstand Übersättigten können nur eines nicht kaufen: die Zuneigung anderer Menschen und diese versuchen sie über ihre Attraktivität zu erlangen.

      Exemplarisch wird an Mei, der Köchin und Herstellerin der delikaten Teigtaschen gezeigt, wie wenig sie von ihrer ewigen Schönheit hat: sie ist eine einsame Frau. Der einzige Sinn in ihrem Leben ist es, anderen Verzweifelten eine temporäre Scheinlösung zu bieten.

      Die Sexszene zwischen Herrn Li und Mei zeigt besonders die Einsamkeit und Verzweiflung dieser Menschen. Zwei Leute über Fünfzig treiben es wie die Wilden, aber sie scheinen keinen Spaß dabei zu haben. Die eine im Körper einer Dreißigjährigen und der andere im attraktiven, aber deutlich seinem Alter gerechten reifen Körper.

      Herr Li ist nicht schnell genug von der Veränderung seiner Frau beeindruckt und schließlich ist sie zu allem bereit, was den Prozess ihrer Verjüngung beschleunigen könnte. Da übertritt Frau Li alle Grenzen des moralischen Anstandes.

      Wenn Frau Li ihre erste Teigtasche mit der prekären Ladung in den Mund schiebt, nachdem sie sich vor Ekel kaum überwinden konnte, erinnert das an einen Vegetarier, den man zwingt eine Blutwurst zu essen.
      Überhaupt, die Bezüge und sinnhaften Bilder, die Fruit Chan für unsere als selbstverständlich geltenden kulturellen Angewohnheiten findet, sind erschreckend. Herr Li liebt es, gekochte Eier mit ganzen Vögelchen darin zu essen. Die Perversion, die wir mit unserem Nahrungskult treiben ist hier offensichtlich ausgestellt.

      Die Eier, die fast schon leitmotivisch auftauchen sind eigentlich ein Zeichen von Schutz gegen eine feindliche Außenwelt. Doch selbst die härteste Schale kann den Inhalt nicht beschützen. Genauso die Kürbiskerne, die Mei ständig mit ihren Zähnen aufknackt, dienen als ähnliche Bildmetapher. Die harte, schützende Schale wird entfernt und das zarte, vollkommen Ausgelieferte darin zerstört.

      Die Behausungen der Menschen sind ebensolche Orte. Die Lis finden im Hotel Zuflucht vor den Handwerkern, die in ihrer Luxusvilla zugange sind.
      Und selbst Mei selbst lebt in einem Appartement mit ewig offenen Lamellenfenstern die sie nie ganz von der Außenwelt beschützen.
      Stets bauscht der Wind die Vorhänge auf, zieht durch Wohnung und auch durch die unwohnlichen Protzzimmer der Li-Villa.
      Nirgendwo sind die Figuren zuhause. Nicht in den Räumen, nicht bei ihren Partnern und nicht einmal in ihren eigenen Körpern.

      In wunderschönen, mal sinnlichen, mal eiskalten Bildern erzählt Christopher Doyles Kamera von dem Schrecken hinter den maskenhaften Gesichtern.

      Am Ende wird klar, dass diese heruntergekommenen Menschen vielleicht nicht ihre Seele verkaufen, aber ihre Menschenwürde und das nur um Geld oder Schönheit dagegen einzutauschen.
      Doch die Moral von der Geschicht: mit viel Geld kann man einiges kaufen, doch das Leben nicht.

      Fazit: Verstörender, sinnreicher Film über den Jugend- und Schönheitswahn in unseren Gesellschaften, der aufzeigt, wie die letzte Schwelle zur absoluten Perversion überschritten wird. Ein Film der nichts als Beklemmung, nach diesem Blick in den tiefen Abgrund des Menschen, hinterlässt.

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