„Dumbo“: Kritik für Eltern – Eignet sich der Film für kleinere Kinder?

Author: Sebastian WernerSebastian Werner |

Dumbo Poster

Der fliegende Elefant ist zurück. Die Realverfilmung des Disney-Klassikers „Dumbo“ ist ein liebevoll gestalteter Familienfilm mit einigen aufregenden Momenten. In unserer Kritik beschäftigen wir uns mit der Frage, ob der Film auch für die Kleinsten geeignet ist.

Die Walt Disney Studios haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihre alten Zeichentrickfilme als sogenannte „live action movies“ neu zu verfilmen. Nach „Die Schöne und das Biest“ und „Das Dschungelbuch“ wurde nun die Geschichte von „Dumbo“ mit echten Schauspielern und einem computeranimierten Elefanten neu aufgelegt. Wie gewohnt ist die Disney-Produktion ein technisch perfekt inszenierter Familienfilm, dessen Hauptdarsteller einfach zum Knuddeln ist.

Ob Dumbo nun tollpatschig herumtappst oder majestätisch durch die Manege fliegt, stets geht dem Zuschauer bei seinem Anblick das Herz auf. Zudem wird in „Dumbo“ viel Wert auf den familiären und gemeinschaftlichen Zusammenhalt gelegt, so dass auch traurige Momente stets gut aufgefangen werden. Ist der kleine Elefant etwa unglücklich, weil er seine Mutter nicht sehen darf, ist immer jemand da, um ihn zu trösten.

Besonders lobend möchten wir das neue Ende erwähnen, das wir natürlich nicht verraten. Nur so viel: Während Dumbo und seine Mutter im Originalfilm von 1941 im Zirkus verbleiben, findet die Neuverfilmung eine viel tiergerechtere Lösung. Eine ähnlich positive Veränderung gibt es am Schluss innerhalb der Zirkuswelt. „Dumbo“ 2019 hat die ganz klare Botschaft, dass Tiere nicht dafür da sind, um uns Menschen zu belustigen. Bravo!

FSK 6 Jahre für „Dumbo“

Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) hat der Neuverfilmung von Regisseur Tim Burton eine Altersfreigabe von 6 Jahren erteilt. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass jedes Kind in diesem Alter gleich gut auf das Leinwandgeschehen reagiert. Eltern kennen ihre Kinder selbst am besten und deshalb möchten wir euch anhand von Beispielen die Entscheidung darüber erleichtern, ob ihr einen gemeinsamer Kinobesuch von „Dumbo“ planen könnt.

„Dumbo“ (2019): Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Original

Im Prinzip erzählt die Realverfilmung die gleiche Geschichte wie der Zeichentrickfilm. Irgendwann in den 1940er Jahren wird in einem amerikanischen Wanderzirkus ein Elefant mit viel zu großen Ohren geboren. Erst ist der tollpatschige Kleine eine echte Lachnummer, was den ohnehin schon finanziell angeschlagenen Zirkus in ernsthafte Schwierigkeiten bringt. Dann stellt sich jedoch heraus, dass Dumbo fliegen kann und alles wird anders.

Damit enden aber schon die Parallen der beiden Filme, die Neuauflage geht erzählerisch andere Wege. Hier taucht schon bald der Unternehmer V. A. Vandevere (Michael Keaton) auf und bringt Dumbo in einen riesigen Vergnügungspark, wo er mit der Akrobatin Colette Marchant (Eva Green) eine spektakuläre Flugnummer einstudieren und die Gäste anlocken soll. Im folgenden Trailer könnt ihr euch ein Bild von dem Film machen.

Die Änderung der Geschichte ist nicht die einzige Abweichung vom Original, auch der Tonfall des Films hat sich verändert. So hat die Neuverfilmung alle märchenhaften Elemente hinter sich gelassen und ist realistischer gestaltet - sofern man das bei einem Film mit einem fliegenden Elefanten sagen darf. Es gibt keine sprechenden Tiere mehr, die Musical-Elemente fehlen und Dumbo wird auch nicht mehr vom Storch gebracht, sondern auf normale Art geboren.

Die Maus Timothy, die im Zeichentrickfilm der beste Freund von Dumbo war, wurde nun von den Zirkuskindern Milly und Joe ersetzt, die sich liebevoll um den Elefanten kümmern. Außerdem ist der Film actionreicher gestaltet, was immer wieder zu ziemlich hektischen und bedrohlichen Momenten führt. Diese Szenen sind genau der Grund dafür, warum die FSK eine Altersfreigabe von 6 Jahren vergeben hat.

Aufregendes Geschehen auf der Leinwand

Gut erkennbar ist die hektischere Inszenierung der Neuauflage an einer Szene, die auch im Zeichentrickfilm vorkommt. Als Dumbo zum ersten Mal in der Manege vorgeführt wird, versucht der Zirkusdirektor noch, dessen große Ohren zu verbergen. Als sie dann aber doch zu sehen sind, beginnt das Publikum damit, den Elefanten mit Essen zu bewerfen und ihn lauthals zu beschimpfen. Dumbos Mutter beobachtet das Geschehen aus dem Vorzelt und stürmt wütend die Manege, was schließlich zu einer Panik führt.

Im Realfilm wird diese Situation nun sehr anschaulich dargestellt. Das Bild wechselt immer wieder zwischen dem wütenden Elefanten, den überforderten Tierpflegern und dem flüchtenden Publikum hin und her, so dass sich die Anspannung der Szene auf den Zuschauer überträgt. Das Finale des Films ist ähnlich aufregend gestaltet, nur dass es hier zusätzlich noch Feuer und Verfolgungsjagden gibt. Für solche Momente sollten Kinder schon eine gewisse Stress-Resistenz entwickelt haben, um von dem Geschehen auf der Leinwand nicht überfordert zu sein. Diese Empfehlung gilt ebenfalls für die bedrohlichen Momente des Films.

Das Spiel mit dem Nervenkitzel

Bedrohliche Situationen sind bei „Dumbo“ natürlich nicht neu. Schon im Zeichentrickfilm wurde mit der Höhenangst gespielt, etwa wenn der kleine Elefant auf einer absurd hohen Plattform steht und abzustürzen droht. Die Neuverfilmung steigert den Nervenkitzel aber noch einmal und zeigt solche Situationen öfter und inszeniert sie zudem intensiver.

Bei einer Clownsnummer muss Dumbo beispielsweise einen Affen von einem brennenden Haus retten, was mächtig schief geht. Das Feuer gerät völlig außer Kontrolle, die kleine Milly möchte Dumbo helfen und stürzt ab und dann lockert sich auch noch das Gitter, auf das sich Dumbo gerettet hat. Später ist dann die Akrobatin Colette immer wieder kurz davor, in die Tiefe zu stürzen.

Wir verraten nicht zu viel, wenn wir sagen, dass diese Momente immer gut ausgehen. Doch bis zur befreienden Auflösung vergeht immer etwas Zeit und diese gilt es auszuhalten. Am Ende des Films gibt es zusätzlich noch eine etwas unheimliche Szene in einem Spukhaus. Zum Glück bekommt dieses Geschehen aber schnell einen humoristischen Dreh, der für viele Lacher sorgt.

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Eine Szene mit Erklärungsbedarf

Zum Abschluss möchten wir noch einen Moment vom Anfang des Films erwähnen, der unserer Meinung nach nicht sehr gut erzählt ist. Die beiden Zirkuskinder Milly und Joe treffen am Bahnhof nach langer Zeit auf ihren Vater Holt (Colin Farrell). Er trägt eine Uniform und ihm fehlt sein linker Arm. Statt zu erklären, was ihm zugestoßen ist, sagt er lediglich, dass er trotzdem noch der Alte sei.

Während Erwachsene sofort einordnen können, das er als Kriegsversehrter aus dem 2. Weltkrieg zurückgekehrt ist, verstehen Kinder nicht, warum der Vater der beiden Kinder keinen Arm mehr hat. Das hätte der Film besser lösen können. Hier müssen nun die Eltern einspringen und das Geschehen auf der Leinwand erklären. Ein eventuelles Gespräch vor dem Kinobesuch könnte hier Verwirrungen vermeiden.

Fazit: „Dumbo“ ist ein detailverliebter Disney-Spaß für Groß und Klein, der mit seiner fantastischen Botschaft zum Thema Tierliebe und familiärem Zusammenhalt begeistern kann. Da es im Laufe der Handlung immer wieder zu ziemlich hektischen und bedrohlichen Momenten kommt, sollten Kinder eine gewisse Stress-Resistenz entwickelt haben, um von dem Leinwandgeschehen nicht überfordert zu sein.

„Dumbo“ startete am 28.3.2019 in den deutschen Kinos. Die Spielzeiten in eurer Stadt könnt ihr unter dem Link nachsehen. Den Originalfilm gibt es leider in keiner Streaming-Flatrate, ihr könnt ihn aber für kleines Geld bei zahlreichen Anbietern ausleihen.

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