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Fakten und Hintergründe zum Film "Drive Angry"

Kino.de Redaktion |

Drive Angry Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Regisseur Patrick Lussier und Autor Todd Farmer diskutierten schon über ihr neues Projekt, bevor ihr erster gemeinsamer Film „My Bloody Valentine 3-D“ (My Bloody Valentine 3D) ein Blockbuster-Erfolg wurde. Die Erfahrungen mit dem Horrorfilm, der weltweit über 100 Millionen Dollar einspielte, inspirierte sie dazu, sich noch intensiver mit der 3D-Technik zu beschäftigen und das neue Format bis an seine Grenzen auszureizen.

Als sie sich im Gespräch an die Adrenalinschübe erinnerten, die sie in ihrer Jugend beim Anschauen der von beiden geschätzten Action-Filme erlebten, ergab sich die Idee zu „Drive Angry“ (Drive Angry) wie von selbst. „Todd und ich überlegten, was wir als Nächstes anpacken könnten“, sagt Lussier. „Wir sprachen über die mitreißenden Action-Filme aus der Zeit von etwa 1967 bis Mitte der 1970er-Jahre, in denen oft Steve McQueen oder Charles Bronson die Hauptrolle spielten. Immer gab es tolle Verfolgungsjagden und reichlich verbeultes Blech zu sehen. Damals gab es noch keine digitalen Effekte – wir wussten also, dass die Jungs so schnell fuhren, wie es menschlich überhaupt möglich ist. Wir beschlossen, dass auch wir so etwas machen wollten – aber in 3D.“

Farmer und Lussier hatten beide bereits erfolgreiche Horrorfilme geschrieben. Im Action-Genre hatten sie bisher keine Erfahrung, aber sie waren seit jeher Fans. „Als ich als Autor nach L.A. kam, stellte ich mir vor, Action-Filme zu schreiben“, sagt Farmer. „Ich wollte die Art Filme schreiben, mit denen ich aufgewachsen bin, aber heute gibt es sie nur noch selten. Interessant an diesen Filmen ist vor allem, dass der Held durchaus nicht immer sympathisch ist. Heutzutage sind die Helden absolut sauber, aber für mich kommt das nicht infrage. Wenn der Held ein Bösewicht ist, bringt das Schreiben viel mehr Spaß. So konnten wir Rollen erfinden, nach denen sich die Schauspieler die Finger lecken.“

Wenn man dem Roadmovie der 1970er-Jahre die dritte Dimension hinzufügt, kann man den Spannungsfaktor drastisch erhöhen und die Zuschauer völlig mit einbeziehen in die unberechenbare, brutale Welt ihres Films – das merkten die Autoren sofort. „Es handelt sich um einen Action-Film, ein Roadmovie im Stil der 1970er-Jahre-Filme“, sagt Lussier. „So etwas hat es in 3D noch nie gegeben. Die Zuschauer sitzen wie Nic Cage hinterm Lenkrad. Sie sitzen mit Amber Heard und Billy Burke im Wagen und müssen reichlich einstecken.“

Lussier und Farmer freuten sich darauf, mit den neuen Kameras und der modifizierten Arbeitstechnik einen Schritt weiterzugehen. „Wir bauen natürlich auf unsere bisherigen Erfahrungen auf, denn dies ist ja nicht unser erstes Rodeo“, sagt Farmer. „In einigen 3D-Filmen geht es nur um den Effekt, andere lassen uns völlig ins Geschehen eintauchen. Bei ‚My Bloody Valentine‘ (My Bloody Valentine) standen die Effekte im Vordergrund, aber die Technik hat sich seitdem derart verbessert, dass die folgenden Filme viel mehr als nur ein Fenster in eine besondere Welt öffneten. Mit ‚Drive Angry‘ wollen wir beides erreichen.“

Die Filmemacher gingen von dem Konzept aus, dass ihr Antiheld John Milton ein schwerer Junge ist, der aus dem Gefängnis flieht, um seine Tochter zu retten. „Er ist ein ganz normaler Typ, der einen Rachefeldzug beginnt – und den bringt er auch zu Ende“, sagt Farmer.

Doch bald spielten Lussier und Farmer mit einer Idee, die die Story von einer normalen dramatischen Geschichte in eine überirdische Vergeltungsmission umfunktionierte. Miltons rätselhafter Verfolger wird als Buchhalter bezeichnet – er entwickelte sich zu einer mächtigen, außergewöhnlichen Figur. „Aufgrund der Buchhalter-Figur veränderte sich auch Miltons Vorgeschichte“, sagt Lussier. „Wir wollten dieser Figur einige übernatürliche Fähigkeiten geben, und deswegen muss Milton eine andere Vorgeschichte bekommen.“

„Als wir darüber sprachen, überlegten wir: ‚Und wenn er gar nicht aus dem Gefängnis kommt?‘“, sagt Farmer. „‚Wenn er nun aus der Hölle entwischt? Da ergeben sich doch ungeahnte optische Möglichkeiten!‘“

Mit dem fertigen Skript in der Hand trafen sich die beiden mit etlichen Produzenten, die sich für die Idee begeisterten – zu ihnen gehört Michael De Luca. Er zählt zu den umtriebigsten Produzenten in Hollywood und verantwortete „Ghost Rider“ (Ghost Rider), „21“ (21), den von der Kritik gefeierten „Brothers“ (Brothers) sowie aktuell „Priest“, „Moneyball“ und „Fright Night“. „Wir fragten Mike De Luca, was er sich zum Skript notiert hatte“, sagt Farmer. „Aber er hatte nichts aufgeschrieben – er sagte nur: ‚Dreht einfach los.‘ So etwas hatten wir noch nie erlebt.“

De Luca sagt: „Als ich dieses Skript las, war mir sofort klar, dass wir es verfilmen mussten. Genau solche Filme will ich sehen. Und ich war ziemlich sicher, dass Nicolas Cage das Drehbuch gefallen würde, weil ich weiß, wie sehr er auf Autos steht.“

Die Filmemacher sprachen den Oscar-Preisträger auf die Rolle des John Milton an. „Sobald De Luca und ich mit Nic ins Gespräch kamen, war klar, dass wir einen Partner gefunden hatten, der dieselbe Leidenschaft in dieses Projekt investiert wie wir“, sagt Lussier. „Er ist der perfekte Held für unseren Film.“

Cage hat immer wieder sein Interesse an der Parapsychologie bekundet – übernatürliche Themen waren der Ausgangspunkt seiner Filme „Ghost Rider“, „Knowing“ (Know1ng – Die Zukunft endet jetzt) und „The Sorcerer’s Apprentice“ (Duell der Magier). „Aber dieses Skript hat mich schockiert“, sagt Cage. „So etwas hatte ich noch nie gelesen – und das ist ein Kompliment. Mir war sehr unbehaglich zumute, und genau das weckte mein Interesse an diesem Film. ‚Drive Angry‘ sorgt für Adrenalinschübe, der Film ist sehr intensiv, aber auch komisch. Mir gefällt dieser durchgängige Humor, weil der Film in vieler Hinsicht so extrem ist. Er macht in seinem zerstörerischen Ansatz keinerlei Kompromisse. Deswegen hoffe ich, dass die Zuschauer wenigstens in manchen Szenen lachen müssen. Dies ist eindeutig ein Film für die Spätvorstellung, und genau für dieses Publikum mache ich sehr gern Filme.“

In „Drive Angry“ fährt John Milton mit einem hochfrisierten Sportwagen durchs Land – am Steuer sitzt eine schöne junge Frau. „Es geht um Rache und Erlösung, und Milton stellt ein in Rätsel verpacktes Geheimnis dar“, sagt Farmer. „Wir legen die Story so an, dass die Zuschauer nie genau wissen, was in Milton vorgeht. Er tut sich mit dieser tollen jungen Frau zusammen, die ihn an seine Tochter erinnert. Aber es handelt sich nicht um einen Überland-Sex-Trip, sondern eher um eine Vater-Tochter-Geschichte mit jeder Menge nicht-jungendfreier Action, Blut, nackter Haut, Sex und was sonst noch dazu gehört.“

Die Co-Autoren dachten sich ein Quartett origineller Figuren aus, die die Story vorantreiben. „Ungewöhnlich daran ist, dass alle Figuren Aspekte eines Bösewichts haben“, sagt Lussier. „Der eigentliche Schurke Jonah King wird von Billy Burke gespielt – er ist die Verkörperung des Bösen und als solcher sehr unterhaltsam. Piper begleitet Milton auf seiner Odyssee – sie ist ordinär, sexy, neigt zu Gewalttätigkeit. Der Buchhalter (William Fichtner) bleibt Milton auf den Fersen und will ihn erwischen, egal was Milton vorhat. Seine Aufgabe ist es, Milton in die Hölle zurückzubringen, damit die Bilanz wieder stimmt. Und es besteht kein Zweifel daran, dass auch Milton ein übler Schurke ist“, sagt Lussier. „Er ist ein Bösewicht, der eine noble Tat vollbringen will, was ihn aber kaum weniger böse macht. Er hat es verdient, dass er in der Hölle gelandet ist. Die Leute, die dort für die Bürokratie zuständig sind, setzen alles daran, ihn zurückzuholen – es interessiert sie überhaupt nicht, was er vorhat und welche Gründe ihn dazu treiben.“

Milton und der Buchhalter ähneln sich in vielen Aspekten wie Spiegelbilder – der klassische Gegensatz zwischen Jäger und Gejagtem. „In gewisser Weise sind sie ein und dieselbe Person“, sagt Farmer. „Beide sind total auf ihr Ziel fixiert. Milton muss das Baby zurückholen, egal wer sich ihm in den Weg stellt, wen er für seine Zwecke einsetzt und was er anstellen muss, um dieses Ziel zu erreichen. Und seltsamerweise merken die beiden gegen Ende des Films, dass sie nur Erfolg haben können, wenn sie einander helfen.“

Unterwegs hinterlassen sie auf ihrem Wettlauf gegen die Zeit in sechs Staaten eine Spur der Zerstörung. „Die menschliche Natur beinhaltet eine sehr finstere, grausige Seite“, sagt Farmer. „Wie gesagt ist in diesem Film sogar der Held böse. Aber das Böse hat verschiedene Abstufungen, die uns Drehbuchautoren und den Schauspielern besonderen Spaß machen. Im Grunde geht es um die Sehnsucht nach Erlösung – aber am Anfang haben alle Figuren Dreck am Stecken. Wir machen den Film für Zuschauer, die auf Action stehen, die spannende Jagden und kompromisslose Frauen als Heldinnen schätzen. Als Piper zögert Amber Heard keine Sekunde, abzudrücken oder einen Typen zusammenzuschlagen. Sie ist zu allem bereit, wenn es sie weiterbringt.“

Lussier und Farmer bestätigen, dass sie ihre Filme für sich selbst schreiben – einen solchen Film schauen sie sich gern im Kino an. „Wir haben das als Achterbahnfahrt konzipiert“, sagt der Regisseur. „Es geht unglaublich brutal und hektisch zur Sache, es geht um gewalttätige Hauptfiguren – vor allem aber soll der Film Spaß machen. Lehnen Sie sich zurück, lassen Sie den Sicherheitsbügel vor ihrem Sitz einrasten und freuen sie sich darauf, ordentlich durchgerüttelt zu werden.“

Produktion: Die Besetzung

Die kompromisslose Story in „Drive Angry“ bietet jede Menge cleverer, gnadenloser Figuren, die vor nichts zurückschrecken. Jede Figur wird durch ihre Kraft motiviert, nicht durch Schwäche – entsprechend handelt es sich um begehrte Rollen, um die sich etliche von Hollywoods Spitzenstars bemühten.

„Mit unserer Besetzung haben wir riesiges Glück gehabt“, sagt Lussier. „Zunächst einmal spielt Nicolas Cage John Milton, dessen Tochter von einem Sektenführer brutal ermordet wurde. Milton fordert nicht nur Vergeltung für ihren Tod, er will auch seine kleine Enkelin retten, die von demselben Mann entführt worden ist. Durch seine Aufgabe verwandelt sich Milton in eine überirdische Naturgewalt, die vor nichts zurückschreckt, um dieses Kind zu retten.“

Mit Cage fanden die Filmemacher einen Schauspieler, der nicht nur seine angeborene Intelligenz, sondern auch Ehrgeiz und Menschlichkeit in die Rolle einbringt. „Durch Nic wird Milton ein Mensch, für den wir Mitgefühl entwickeln – egal wie skrupellos er vorgeht“, sagt der Regisseur. „Als Darsteller ist er derart mitreißend, dass man einfach akzeptiert, was er tut – auch wenn er grausam handelt.“

Cage bereitete sich eingehend vor und brachte eigene Ideen mit ans Set, mit denen er den geheimnisvollen John Milton analysierte. „Er sagte dann: ‚Ich habe über diese Szene nachgedacht‘ und rasselte dann seine Dialogsätze herunter“, sagt Farmer. „Dabei bekam ich richtige Gänsehaut, weil er sich wirklich in Milton verwandelte. Das war sogar noch besser als das, was wir geschrieben hatten. Das passiert oft: Die Schauspieler lassen uns besser aussehen, als wir eigentlich sind. Für Nic trifft das bei diesem Film eindeutig zu.“

Lussiers Erfahrung mit der 3D-Technik und optischem Design waren für Cage ein weiterer positiver Faktor – hinzu kommt das Gespür des Regisseurs für die Arbeit mit seinen Schauspielern. „Er kennt die goldenen Regeln für das Inszenieren von Schauspielern“, sagt Cage. „Verbessern sollte man sie nur, wenn es total daneben geht – man sollte sie einfach spielen lassen. Er bestätigte unsere Leistungen, und wenn er das Gefühl hatte, dass man daran noch feilen musste, dann tat er das auch. Patrick ermunterte alle Schauspieler, ihre eigenen Ideen einzubringen und ließ sie tanzen. Bei diesem Verfahren kann ich frei atmen.“

Als Milton auf seinem Höllentrip nicht weiterkommt, bittet er die temperamentvolle Piper um Hilfe, weil sie hartgesotten ist und über einen schnellen Wagen verfügt. „Milton merkt, dass er Hilfe braucht“, sagt Lussier. „Er sucht sich Piper aus, weil sie seinen Bedürfnissen entspricht. Ihr Leben gerät unerwartet außer Kontrolle – also lässt sie sich auf ihn ein, und schon rasen sie gemeinsam los.“

Im Laufe ihrer haarsträubenden Abenteuer entwickeln Milton und Piper eine enge Freundschaft, aber die Beziehung wird dabei nie romantisch. „Hier geht es um einen Mann, der in Bezug auf seine Tochter versagt hat und das wieder gutmachen muss“, sagt Lussier. „Wir suchten für die Piper-Rolle eine Schauspielerin, die Milton nicht nur eine hervorragende Partnerin sein kann, sondern sich auch zu einer Ersatztochter entwickelt. Als wir über mögliche Besetzungen sprachen, kamen wir sehr schnell auf Amber Heard. Sie hat genau die richtige Einstellung, Charme und Wildheit – natürlich ist sie auch sehr schön.“

Sobald sie das Skript in den Händen hielt, wusste Heard, dass „Drive Angry“ das Zeug zu einem außergewöhnlichen Film hat. „So eine Rolle war mir noch nie untergekommen“, sagt die Schauspielerin. „Piper trägt Cowboy-Stiefel, flucht, fuchtelt mit der Kanone herum, fährt einen Charger – sie ist eine Kleinstadt-Kellnerin mit einem Herz aus Gold. Piper entspricht keinem Klischee und sie würde uns eine reinhauen, wenn wir das behaupten würden. Sie hat keine Angst, loszuballern und sich für ihre Sache einzusetzen. Sie ist das Herz des Films. Sie entwickelt sich und sie verändert Milton. Sie hat nachhaltigen Einfluss auf seinen Trip, und das könnte sie nicht, wenn sie sich nicht so intensiv in diese Freundschaft einbringen würde.“

Heards Verbindung von Mut und Verletzlichkeit in Kombination mit ihrem schauspielerischen Talent überzeugten Cage davon, dass sie die Idealbesetzung der Piper ist: „Amber gelingt es, sympathisch zu wirken und trotzdem ungemein ruppig aufzutreten – genau das erfordert diese Rolle. Durch sie wirkt Piper traurig, sie erregt unser Mitleid. Piper hat es nicht leicht im Leben – Amber kann uns das vermitteln. Die Beziehung der beiden im Film ist eine Partnerschaft. Das sind zwei Menschen, die sich zusammentun, um eine sehr gruselige Situation zu überstehen.“

Auch im wirklichen Leben fährt Heard einen Sportwagen, und sie bringt etliche von Pipers praktischen Fähigkeiten mit. „Sie kann zum Beispiel mit jeder Feuerwaffe der Welt umgehen“, sagt Lussier. „Sie bringt ihre eigenen Erfahrungen in die Rolle ein – dadurch wirkt Piper noch tiefgründiger, als wir uns je vorgestellt hatten.“

Heard bezeichnet sich selbst als „Texas-Girl“ und erlebte den Film als Chance ihres Lebens: „Ich mag schnelle Autos, große Kanonen, den Lärm, die kompromisslose Action mit übernatürlichen Elementen – und Nic Cage in einem 69er-Charger“, sagt sie. „Ich habe noch nie erlebt, dass sich ein Schauspieler so intensiv vorbereitet wie Nic. Wenn er am Set erscheint, gelingt ihm die Szene auf Anhieb. Es ist sehr ungewöhnlich, all diese tollen Aspekte in einem Paket zu bekommen – dafür bin ich wirklich dankbar. Und in einem solchen Wagen fühle ich mich wie im Himmel. Ehrlich: Der Charger macht mich high.“

In der Riege ungewöhnlicher Figuren ist der Buchhalter (William Fichtner) die wohl Verblüffendste. Der Buchhalter wird im Auftrag der Hölle auf Miltons Fährte gesetzt – er ist ein tödlicher Teufelsbraten, der seine überirdischen Fähigkeiten aus dem Handgelenk schüttelt. Dadurch wirkt er immer wieder nicht nur gruselig, sondern auch komisch. „Als ich das Buch las, fand ich es äußerst originell, cool und spannend, weil es von diesen ausgeflippten Freaks geprägt wird. Aber alle Figuren haben einen emotional nachvollziehbaren Grund für ihr Verhalten. Bei einem so tollen Skript ist bereits alles an seinem Platz – da macht es wirklich Spaß, es mit Leben zu erfüllen“, sagt Fichtner.

Wie bereitet man sich auf eine Rolle wie den Buchhalter vor? „Vorbilder gibt es dafür natürlich nicht“, sagt Fichtner. „Eine Figur wie ihn hat es noch nie gegeben. Da muss man einfach seine Fantasie spielen lassen. Es war toll, mit Patrick und Todd darüber zu sprechen – für einen Schauspieler ist es wunderbar, eine derartige Freiheit auszuleben. Die Figur setzt sich aus vielen Einzelaspekten zusammen. Zum Beispiel kann sich der Buchhalter anders bewegen als die Menschen. Er kann aus einem fahrenden Wagen steigen und dennoch ganz sicher und elegant auftreten. Ich kann diese Aspekte nur nach und nach zusammensuchen und sie möglichst einfach darstellen, bis sie sich zu der Figur zusammenfügen, die wir auf der Leinwand sehen.“

Der böse Demagoge Jonah King, der Miltons Tochter auf dem Gewissen hat und auch seine Enkelin umbringen will, hat ebenfalls ein Ziel – er will die Apokalypse entfesseln. Und er hat seine Jünger davon überzeugt, dass sie in seiner schönen neuen Welt die Führung übernehmen werden. „In der ersten Fassung war Jonah eher ein Scharlatan“, sagt Farmer. „Aber im Zuge der Änderungen, die wir vornahmen, schrieben wir die Rolle so um, dass er jetzt selbst an seine Äußerungen glaubt.“

Den King spielt Billy Burke, der über seine erste Reaktion berichtet: „Ich dachte: ‚Drehen sie diesen Film wirklich?‘ Das Skript las sich wie ein mitreißender Comic, aber eine solche Vorlage gibt es nicht, und je weiter ich las, desto verblüffender wurde es. Es geht weit über die heute üblichen Filme hinaus.“

Burkes Vorsprechen beeindruckte alle Anwesenden, wie Lussier sich erinnert: „Er war echt unglaublich. Sein Akzent, sein prahlerisches Auftreten wirkte sehr verführerisch, gruselig und wirklich unwiderstehlich. Ich war schockiert, als er mir erzählte, dass er die Sätze vorher nie laut gelesen hatte, sondern erst beim Vorsprechen.“

Der Schauspieler orientierte sich bei seiner Darstellung an einigen berühmten realen Vorbildern: „Als ich über den Jonah nachdachte, kamen mir historische Figuren in den Sinn, die mir als Orientierung dienen konnten. Sofort fiel mir natürlich der Sektenführer Jim Jones ein, der die Menschen dazu brachte, ihm bedingungslos zu vertrauen. Hinzu kommt, dass Jonah sich für eine Art Rockstar hält – also habe ich ein bisschen auch Jim Morrison nachgeahmt.“

Auch Burke beschreibt Lussier als einen Regisseur, der das Optimum aus seinen Darstellern herausholt: „Er hat offenbar sofort begriffen, worum es mir ging. Dadurch ist unser gegenseitiger Respekt ständig gewachsen. Patrick engagiert die Leute, die er für geeignet hält, und vertraut ihnen einfach – er lässt sie machen. Er hat eine Vision, weiß, was er will. Wenn ich mich aus diesem konzipierten Bereich entferne, hole ich mich zurück, oder wenn er mehr will, gibt er mir einen kleinen Schups. Dadurch entsteht Vertrauen.“

Produktion: Die Dreharbeiten

Die Helden in „Drive Angry“ brettern von Colorado nach Louisiana und benutzen dabei jedes Gefährt, dessen sie habhaft werden können – vom Sportwagen bis zum Wohnmobil. Freunde aufgemotzter heißer Öfen aus der Mitte des letzten Jahrhunderts kommen auf ihre Kosten: zu den Oldtimern zählen ein 1969er Dodge Charger, ein 1971er Chevelle, ein 1964er Riviera und ein 1957er Chevy sowie ein Morgan Concept Car, jede Menge Trucks, ein Lincoln, ein Wasserstoff-Tankwagen und sogar ein Hyundai Sonata.

„Ich verstehe nichts von Autos“, gibt Lussier zu. „Aber mir gefällt der Look der Sportwagen, und in 3D sehen sie noch toller aus. Ihre geschwungenen Linien bieten sich für diese Bilder geradezu an.“

Doch selbst die Wagen mussten ihre Testaufnahmen bestehen. Im ursprünglichen Drehbuch ging es um einen Pontiac GTO als Fahrzeug der Helden, doch in den 3D-Testaufnahmen schnitt der 1969er Charger eindeutig besser ab. „Der Charger sieht in 3D wirklich beeindruckend aus – also entschieden wir uns für ihn“, sagt Farmer. „Die Stromlinien, die Räder, der gesamte Eindruck wirkt in 3D echt toll.“

Um die Atmosphäre der Action-Filme aus den 1970er-Jahren, die als Vorbild dienten, besser nachahmen zu können, wurden alle spannenden Autojagden und die todesmutigen Stunts mit realen Wagen gedreht – auf Computereffekte verzichteten die Filmemacher. „Das bedeutet, dass Nic Cage wirklich auf der falschen Fahrbahn gegen den Strom fährt, schreit, sich durch die Lücken laviert und dabei das Gaspedal bis zum Anschlag durchdrückt“, sagt Lussier. „Nic ist ein hervorragender Fahrer. Am schwierigsten war, an ihm dran zu bleiben, denn er bretterte wie ein Berserker los und nahm keinerlei Rücksicht auf den Wagen.“

Doch Cage war nicht der einzige Autofan am Set. „Ich stehe auf Mopar“, sagt Fichtner und bezieht sich damit auf die Abkürzung für „motor parts“ (Motorteile), aber auch auf den Namen der Chrysler-Tochterfirma, die Ersatzteile herstellt. „Wenn die Leute mich fragen, ob ich ein Foto meines Sohnes auf dem Handy habe, muss ich es verneinen, aber ich kann ihnen ein Bild meines 1970er Road Runners zeigen. Am Set standen uns vier identische 69er Charger zur Verfügung, außerdem ein wunderschöner 70er SF Chevelle. Ich war echt enttäuscht, weil ich diese Wagen nicht fahren durfte – aber dafür lenkte ich Streifenwagen und einen Wasserstoff-Tankwagen – das war eine coole Erfahrung.“

Natürlich ließ sich auch Amber Heard nicht entgehen, einige diese wunderbaren Wagen zu fahren. „Ich konnte mich einfach nicht damit abfinden, dass mein Stuntdouble den ganzen Spaß haben sollte“, sagt sie. „Deshalb habe ich mich mit unserem Stunt Coordinator Johnny Martin vorbereitet, der für ‚Gone in 60 Seconds‘ (Nur noch 60 Sekunden) verantwortlich war. Er brachte mir all die Sachen bei, die man eigentlich nicht lernen soll – all das, was man im normalen Leben vermeiden sollte: Schleudern, Rotieren, das Hin- und Herschwingen der Hinterräder, Kollisionen und Sprünge. Beim Kampftraining haben wir es genauso gemacht: Ich habe ein paar Stunden bei ihm genommen und einige Schläge mit ihm einstudiert. Vielleicht liegt das an meiner texanischen Herkunft – jedenfalls hatte ich das nach ein paar Minuten voll drauf.“

In jedem Fall wurden alle Vorkehrungen getroffen, damit weder die Schauspieler noch die Autos zu Schaden kamen. Doch Heards Risikobereitschaft machte den Regisseur reichlich nervös. „Amber ist absolut unerschrocken – da macht man sich doch Sorgen“, sagt Lussier. „Eine gesunde Angst erhält uns am Leben. Egal welche Aufnahme wir vorbereiteten – immer sagte sie: ‚Das kann ich selbst machen.‘ Natürlich haben wir darauf geachtet, dass alles so weit wie möglich abgesichert wurde. Denn wir konnten weder Verletzungen der Darsteller noch Schäden an den Wagen riskieren. Aber wir haben diese wunderbaren Oldtimer bis zum Anschlag gefordert – und darüber hinaus.“

Solche Anforderungen an Autos, die 50 Jahre oder älter sind, sind nicht ganz ungefährlich, wie der Regisseur berichtet: „Es war manchmal sehr schwierig, sie in Top-Verfassung zu halten. Als wir einen Stunt ausführten, bei dem ein Wagen rückwärts geschleudert wird, fiel die Antriebswelle heraus. Da mussten wir die Dreharbeiten so lange unterbrechen, bis wir jemanden fanden, der sie wieder einsetzen konnte. So etwas ist uns mehr als einmal passiert.“

„Wir haben eine Menge Autos verschlissen“, sagt Farmer. „Am Ende des Drehs türmte sich ein großer Schrottplatz neben dem Set – er bestand aus unseren Wagen. Es handelte sich also nicht um einen Schrottplatz neben unserem Set, sondern um das, was von unserer Produktion übrig war.“

Natürlich brauchte man für diese Aufnahmen viele der besten Film-Fahrer und Stuntleute der Branche, um die großen physischen Schwierigkeiten dabei zu bewältigen. „Die besten Fahrer, die besten Auto-Springer und die besten Feuerexperten“, sagt Farmer. „Alle haben sie mitgemacht. Wenn man sich die Liste anschaut, würde man meinen, dass wir ein Riesenbudget hatten, denn sie scheint endlos. Sie haben sich in jeder Hinsicht voll bewährt. Sie kommen wie eine Naturgewalt daher – keine Aufgabe ist ihnen zu kompliziert. Der Film sieht toll aus, weil sie für uns ihre Gesundheit riskiert haben.“

Der Film wurde unter Verwendung des Paradise-FX-Systems in 3D gedreht – diese Technik wurde bereits bei „My Bloody Valentine 3-D“ (My Bloody Valentine 3D) eingesetzt. Diesmal ging Lussier allerdings weiter als je zuvor. „Wir beziehen die Zuschauer voll mit ein“, sagt er. „Am Ende des Films herrscht das totale Chaos. Überall wabert der Rauch, und wenn ich den Film in 3D sehe, wird deutlich, dass wir so etwas nicht nachträglich hätten konvertieren können. Solche Abstufungen in der räumlichen Tiefe lassen sich nicht simulieren. Aber wenn man den Film direkt in 3D dreht, funktioniert das.“

Keiner der Stars hatte bisher mit 3D-Kameras gearbeitet. „Mich interessierte, wie man sich auf dieses Format einstellt“, sagt Cage. „Man bekommt die Chance, etwas Neues auszuprobieren. Ich kam schnell darauf, die Gesten auszudehnen, um den Effekt maximal zu gestalten. Das ist ein sehr kreativer Vorgang – fast wie ein Tanz.“

Die Schauspieler vertrauten Lussier voll und ganz, weil er ein Pionier der 3D-Revolution ist. „Er ist ein 3D-Purist“, sagt Cage. „Er dreht ausschließlich Filme mit der 3D-Kamera. Mit dieser Technik bringt er die Schönheit dieser Wagen voll zur Geltung.“

Durch die Arbeit mit HD machte sich Heard das Zuschauererlebnis bewusster als bisher. „Normalerweise denke ich nicht darüber nach, wie das Publikum sich den Film anschaut“, sagt sie. „Aber wenn man mit der Faust zuschlägt oder Blut direkt auf das Objektiv spuckt, dann kommt es mir vor, als ob ich die Zuschauer in der vierten Reihe anspucke. Wenn ich beim Zurücksetzen mit dem 69er Charger direkt auf die Kamera zufahre, habe ich den Eindruck, als ob ich mit dem Publikum interagiere. Als ich diesen Film erstmals in 3D sah, saß ich mit der Brille in der ersten Reihe und war total überwältigt. Das verändert wirklich alles.“

„Patrick hat eine sehr exakte Vorstellung von seinen Bildern“, sagt Fichtner. „Diese Welt wirkt sehr realistisch, sprüht nur so vor Energie. Und durch 3D wird sie wirklich mitreißend. Das ist sexy, das ist cool – ganz unmittelbar und direkt.“

„Drive Angry“ entstand in und um Shreveport/Louisiana. „Da wir keine 200 Millionen Dollar zur Verfügung hatten, mussten wir sehr umsichtig zu Werke gehen“, sagt Farmer. „Unser Hauptquartier in Shreveport ermöglichte uns Aufnahmen in all den Landschaften, die wir brauchten, damit es so aussieht, als ob wir die Reise in Colorado beginnen und dann in Louisiana landen, wo es zum Showdown kommt.“

Die Dreharbeiten in Louisiana bedeuteten aber auch, dass die Filmemacher für jeden Drehtag mit Außenaufnahmen einen Plan B vorbereiten mussten, weil das Wetter dort unberechenbar ist. Manchmal haben die Filmemacher in einer solchen Situation (wie so oft) die besten Ideen. „Eine der entscheidenden Szenen auf dem Höhepunkt des Films sollte eigentlich draußen spielen“, berichtet Lussier. „Uns war klar: Wenn jetzt schlechtes Wetter einsetzen würde, war es für uns vorbei, denn der Dreh der Szene erforderte vier Tage. Wir schauten uns nach Alternativen um und fanden an der Straße eine wunderschöne alte Kirche – umgeben von einem Friedhof. Wir haben die Szene so umgeschrieben, dass sie da drin stattfand. Und dadurch wirkt sie tausendmal besser als die ursprüngliche Fassung, sie ist sehr viel effektiver. Das war eine echte Überraschung und kam als ein Geschenk. Was wir erst als Einschränkung erlebten, ergab eine der besten Szenen des Films.“

Gleichzeitig stellt Lussier fest, dass er einen solchen Non-stop-Action-Film in 3D niemals mit einem begrenzten Budget hätte drehen können, wenn er sich nicht auf seine außerordentlich versierte und engagierte Crew verlassen könnte. „Wir brauchten ein hervorragendes Stuntteam, ein sehr gutes Spezialeffekte-Team, einen Fachmann für spezielle Maskeneffekte, eine besonders fähige Crew und einen überragenden Kameramann“, sagt er. „Das erforderte eine außergewöhnlich ausgeklügelte Logistik. Als Team mussten wir alle sehr intensiv aufeinander eingehen und uns Varianten ausdenken, die originell und spannend sind. Und ich kann sehr zufrieden feststellen, dass wir zwar nicht den High-Tech-Apparat für Action und Explosionen à la Michael Bay zur Verfügung hatten, aber wir haben das wettgemacht mit Frechheit und dem Zusammenhalt unseres eingeschworenen Teams!“

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