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Fakten und Hintergründe zum Film "Drau?en am See"

Kino.de Redaktion |

Draußen am See Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Der Regisseur über den Film

Die größten Dramen spielen sich innerhalb der Familie ab. Mich interessiert, was passiert, wenn sich der Ort, der ursprünglich für Geborgenheit und Sicherheit steht, dramatisch verändert. Und die Frage, wie Menschen trotz traumatischer Erfahrungen weiterleben, weil sie weiterleben müssen. In DRAUSSEN AM SEE ist es ein düsteres Geheimnis, das die Familie aus dem Gleichgewicht bringt. Aber wie lebt man mit so einem Geheimnis? Wie hält eine Ehe so eine Tat aus? Warum hat das Umfeld nichts mitbekommen? Wie vertreibt man die Angst? Und vor allem: Was passiert, wenn das Schweigen immer schlimmer, schließlich unerträglich wird? Wirklich zufriedenstellende Antworten wird man nicht finden, zufriedenstellende Antworten wird auch mein Film nicht geben können, für eine Tat, die unbegreiflich scheint und mir bei zunehmender Beschäftigung mit ihr immer unbegreiflicher wird.

Deshalb liegt der Fokus von DRAUSSEN AM SEE nicht auf den Tätern, sondern auf der jüngster Tochter Jessika. Wie sie mit dem Wissen (weiter-) leben muss. Wie sie ihre Aufgabe meistert, trotz all der Widrigkeiten und Belastungen erwachsen zu werden, ihren eigenen Platz im Leben und in der Welt zu suchen und sich letztendlich von den Eltern zu emanzipieren. Um schließlich zu erkennen, dass sie als „Überlebende“ auch ein Recht auf Glück hat. DRAUSSEN AM SEE endet bei aller Grausamkeit und Dramatik zuversichtlich. Es ist mir wichtig zu erzählen, dass es eine Möglichkeit zur Überwindung der Krise gibt und dass es nötig ist, das Schweigen zu brechen.

(Felix Fuchssteiner)

Produktionstagebuch

Frühjahr 2006

Idee zu „Draußen am See“. Felix und ich beginnen mit der Recherche und entwickeln ein erstes Exposé. Mit „Draußen am See“ wollen wir uns mit dem immer wieder aktuellen Thema Neonatizid - Kindstötung nach der Geburt - auseinandersetzen und der Berichterstattung der Boulevard-Medien etwas entgegensetzen. Auch wenn sich heute forensisch alle möglichen gruseligen Rätsel klären lassen (haben die Kinder bei der Geburt noch gelebt, wer war der Vater, wie sind sie gestorben, etc.), bleiben die wirklichen Fragen im Dunkeln. Das Thema ist schwierig, kaum greifbar, kaum begreifbar. Butz Buse kommt als Dramaturg mit an Bord und bringt die Geschichte voran. Er ist und bleibt bis zur Drehfassung ein wichtiger Ratgeber.

Sommer 2006

„Draußen am See“ wird ins First Movie Programm des Bayrischen Filmzentrums aufgenommen. Im Herbst 2006 bekommen wir vom FFF Bayern Drehbuchförderung und können richtig loslegen - und vor allem die Miete bezahlen.

Anfang 2007

Das Drehbuch ist so weit fertig, dass wir beginnen, Koproduktionspartner zu suchen. Trotz des harten Stoffes trifft das Drehbuch bei verschiedenen Produktionsfirmen auf Interesse. Die positiven Rückmeldungen von Fernsehsendern und möglichen Filmverleihern lassen (noch?)auf sich warten…

Sommer 2007

Immer mehr Absageschreiben treffen ein. Mal wird der angeblich unpassende Name des Familienhunds (hieß damals noch „Herr Krause“) als Ablehnungsgrund genannt, andere stellten fest, dass „trotz handwerklicher Qualität des Buches und erzählenswertem Inhalt“ das Projekt bei ihrem Sender (leider, leider) nicht am richtigen Platz sei. Schade. Trotzdem finden wir eine interessierte Redakteurin, die wichtige dramaturgische Hinweise gibt. Wir hoffen auf eine positive Entscheidung, die aber erst in einem Dreivierteljahr fallen kann. Also versuchen wir, uns nicht runterziehen zu lassen und weiter an das Projekt zu glauben.

Anfang 2008

Wir stehen vor der Frage, was mit „Draußen am See“ geschehen soll. Da sich die Drehzeit über mehrere Jahreszeitenhinziehen wird, müssten wir im Sommer anfangen. Aber erst in einem halben Jahr ist die Sitzung beim Sender, dieeine mögliche Zusage entscheidet. Wie also planen? Eins steht fest: Das Drehbuch soll nicht in die Schublade zu all den anderen unrealisierten Projekten, wir wollen diesen Film wirklich machen. Also treffen wir einen Entschluss: Wir setzen alles auf eine Karte. „Draußen am See“ wird produziert. In jedem Fall. Mit Geld oder ohne. Wir drehen im Sommer 2008 in Berlin, übernehmen alleine mit unserer Firma mem-film berlin die Produktion und realisieren das zur Not auch in der Low-to-No-Budget Version.

Frühjahr 2008

Verschiedene Fördertermine stehen an: Kuratorium Junger Deutscher Film, BKM, FFA, Medienboard Berlin Brandenburg, FFF Bayern. Wir füllen Anträge aus, kopieren, lochen, reichen überall Förderung ein und beginnen mit der Vorproduktion. Wir haben zwei Kalkulationen: Die eine ist so, wie man einen Film machen sollte, die andere, die Not-Kalkulation, ist so, wie man einen Film besser nicht machen sollte… aber mit viel Idealismus und einigen schlaflosen Nächten wird es schon gehen.

April 2008

Eins steht fest: Der Film steht und fällt mit den Darstellern, vor allem mit der Besetzung der 14 jährigen Jessika. Im April beginnen wir mit dem Vorsprechen für die jugendlichen Hauptrollen Jessika und Caro. Es braucht nicht viel Überredungskunst, um Petra Kleinert - Felix' Wunschbesetzung für die Rolle der Tine - zum Mitmachen zu bewegen. Sie wird eine große Unterstützerin unseres Projekts. Auch für Ernst ist schnell eine Besetzung gefunden: ein ehemaliger Fernsehkommissar und toller Schauspieler. Auch das Team wird zusammengestellt, Kameramann Matthias Schellenberg gefällt das Buch und er ist dabei, das freut uns sehr.

Mai und Juni 2008

Leider gibt es keine positiven Förderentscheidungen und so schrumpft unsere Kalkulation immer mehr zusammen. Ende des Juni ist klar: Wir stehen ganz ohne Förderung und ohne Sender da. Aber der Cast ist super, das Team motiviert und die Drehorte viel versprechend. Nachdem wir alle auf den Boden der finanziellen Tatsachen geholt haben und trotzdem (bislang) alle dabei geblieben sind, kann die Arbeit beginnen. Es lebe der wahre Independent Film! Mit Geld kann schließlich jeder…

Also suchen wir nach privater Unterstützung: Mein Vater stellt sein Segelboot und seinen ganzen Segelverein als Komparsen gleich mit zur Verfügung. Mein Bruder hat einen alten VW-Bus, der als Spielfahrzeug brauchbar ist, der Szenenbildner hat eine Laube. Unsere Freundin Nadja leiht uns ihren Lieferwagen, der im Film das Familienauto wird (von dem Beinahe-Unfall, der im Drehbuch steht, wusste sie zu diesem Zeitpunkt noch nichts…). Im Hof hinter unserem Büro können wir die Schlussszene drehen. Wir merken, dass wir mit dem Team großes Glück haben. Jeder bemüht sich, aus wenig viel zu machen. Susanne Weiske lässt sich nicht davon abschrecken, dass wir ihr Kostümbudget um mehr als die Hälfte gekürzt haben. Aufnahmeleiterin Lena Bretschneider schafft es, Sponsoren für Tische, Bänke, Aufenthalts- räume, Mietklos, Zelte, Bier usw. zu besorgen. Oberbeleuchter Sunyam Riegger findet schnell billige Lösungen fürs Licht. Und es gibt noch mehr Unterstützung: Band Pro aus München stellen uns für die gesamte Drehzeit ihre Digi Prime Optiken zur Verfügung. Wer bracuht schon einen Dolly? Felix ersteigert einen alten Rollstuhl auf ebay aus dem Nachlass einer alten Frau. Fahren kann man damit schließlich auch…. Warum haben wir uns auf der Filmhochschule einreden lassen, dass man nur mit waren Materialschlachten Filme machen kann? Als erster Drehtag wird der 5. August festgelegt. Die erste Klappe rückt näher.

Juli 2008

Eine Horrormeldung jagt die andere: Der männliche Hauptdarsteller sagt ab. Per SMS und drei Wochen vor Drehbeginn. Telefonisch ist er nicht mehr zu erreichen. Auch mit Petra Kleinerts Terminkalender gibt es Schwierigkeiten. Parallel zu unserem Film wird sie eine weitere Hauptrolle in einem Fernsehfilm spielen. Die haben ein richtiges Budget und natürlich Priorität. Petra ist bereit, 7 Tage die Woche zu drehen und notfalls an einen Tagdreh noch einen Nachtdreh dranzuhängen. Wir brüten über dem Drehplan. Eine Gleichung mit zahllosen Unbekannten. Trotzdem wagen wir es. Und dann haben wir großes Glück und finden Michael Lott für die Rolle Ernst. Ihm gefällt das Buch, er sagt kurzfristig seinen Urlaub ab und kommt zu uns nach Berlin. Der Cowboyhut steht ihm wunderbar… Zum Warm-Up finden sich alle zusammen und wir freuen uns, dass es endlich losgeht.

August 2008

Der erste von 28 Drehtagen. Da die Geschichte über mehrere Jahre, bzw. Jahreszeiten, erzählt wird, haben wir uns in den Kopf gesetzt, drei verschiedene Dreh-Abschnitte zu realisieren. Sommer, Herbst und Winter. Das bedeutet dreimal mehr Arbeit und wesentlich mehr Kosten. Film ist und bleibt unlogisch: Wir drehen im August bei brütender Hitze in der Wohnung die Weihnachts Szenen und im Oktober werden die Komparsen auf Hochsommer gestylt. Das Szenenbild-Team um Barbara Falkner und Sabrina Barteleit ist Tag und Nacht damit beschäftigt, von Sommer auf Winter und wieder auf Herbst umzudekorieren. Sommerbettwäsche rein, Weihnachtsbaum raus. Wir staunten, mit welcher Detailversessenheit und Akribie sie alles einrichten und wunderbar authentische Motive bauen. Es ist, als lebe Familie Borowski wirklich hier. Nach 20 Tagen Sommerdreh hatten wir was Gefühl, ein ganzes Jahr zusammen verbracht zu haben. Ein Höhepunkt ist das Bergfest im Segelclub an Felix' Geburtstag. Unvergessen sind die „Flockensahnetorten“, die Außenrequisiteur Clark Carman zu „Omas Geburtstag“ gebacken hat und sein extra scharfer Chiliburger, der Max Befort und Michael Lott noch immer Tränen in die Augen treibt.

Das Drehen mit einer 14-jährigen Hauptdarstellerin stellt hohe Anforderungen an das gesamte Team, alles muss sehr schnell gehen. Felix kommt es in manchen Momenten zu Gute, dass er das schnelle Arbeiten beim Fernsehen gelernt hat. Dem Team wird viel abverlangt. Wir versuchen Kameramann Matthias Schellenberg mit neuem Vollwert-Catering bei Kräften zu halten. Sein Assistent Frederick Schulz schafft es, trotz Hektik und Schlafmangel immer auf dem Punkt die Schärfe zu finden. Bewundernswert auch die Ruhe und Gelassenheit von Magnus Pflüger, unserem Tonmann, den weder ständiges Kindergeschrei, noch Hundebellen, Flugzeuge, Mähdrescher oder Planiermaschinen aus der Fassung bringen.

Oktober 2008

Ab dem Herbstdrehabschnitt übernimmt Ralf Schlotter die Kamera, ein Glücksgriff, der neue Energie mitbringt. Einige weitere Teammitglieder gehen verloren, neue kommen dazu, andere kehren erst zum Winterdreh zurück. Die Produktion steht und fällt mit dem motivierten und talentierten Team, das bereit ist, das fehlende Budget durch Idealismus wettzumachen. Im Herbst drehen wir in 5 Tagen 24 Szenen an sieben unterschiedlichen Motiven. „Ihr spinnt!“ meinen die einen, „Sportlich“ die anderen. Aber wir schaffen es … irgendwie.

Dezember 2008

Am 21. Dezember ist der letzte Drehtag geschafft und wir sind alle am Ende unserer Kräfte angelangt. Nicole Kortlüke hat den Rohschnitt schon fertig und legt jetzt richtig los, die letzten Winterszenen einzusetzen.

AN Sivester drehen wir auf der Dachterrasse unserer Nachbarn die letzten Einstellungen des Films. Prost. Das wär geschafft!

Ende Januar 2009 ist der Bildschnitt fertig und wir beginnen mit der Postproduktion. Niklas Kammertöns macht sich an das Sounddesign, Matthias Schwab mischt. Die „Post Republic“ koordiniert alles und sorgt dafür, dass wir im Plan bleiben.

Im April 2009 wird der Film fertig gestellt und hat als Auftakt einer erfolgreichen Festival-Tour Premiere beim Münchner Filmfest. Aber das ist eine andere Geschichte…

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