Filmhandlung und Hintergrund

Low-Budget-Kammerspiel und Ödipus-Fantasie über Sehnsüchte der Selbstmörder, Sexfantasien und "Erziehungstribunale".

Radio Donau meldet die steigende Zahl junger Selbstmörder, die von der Reichsbrücke in Wien springen. Auch Basti und Claudia wollen den Sprung wagen, streiten um den Vortritt und landen doch in der Eisdiele und im Stundenhotel, wo sie Lebengeschichten austauschen.

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Kritikerrezensionen

  • Donauleichen: Low-Budget-Kammerspiel und Ödipus-Fantasie über Sehnsüchte der Selbstmörder, Sexfantasien und "Erziehungstribunale".

    Low-Budget-Kammerspiel und Ödipus-Fantasie über Sehnsüchte der Selbstmörder, Sexfantasien und „Erziehungstribunale“.

    Seit seinem Regiedebüt „Crazy Boys“ (1987) gilt Peter Kerns Liebe den Verlorenen und Vergessenen der Gesellschaft, deren Geschichten er in Filmen wie „Gossenkind“ (1992) oder „Knutschen Kuscheln Jubilieren“ (1998) vertrat. In „Donauleichen“ meldet er als Sprecher von Radio Donau die ständig steigende Zahl junger Selbstmörder, die von der Reichsbrücke in Wien in die schöne blaue Donau springen. Basti (Christian Blümel) und Claudia (Marie Miklau) wollen den Sprung wagen, streiten gar um den Vortritt und landen doch in der Eisdiele und im Stundenhotel, wo sie Lebengeschichten austauschen. Die Dialoge und Monologe, in denen sie Erinnerungen austauschen, künden von grenzenloser Einsamkeit, der Gleichgültigkeit der Welt (das schöne alte Motiv aus Albert Camus‘ Meisterwerk „Der Fremde“) und den Versuchen, Menschen mittels „Erziehungstribunalen“ die Lust auszutreiben. Claudia wird ihre lesbische Freundin verlassen, Basti seinen verhassten Stiefvater, dem er einst ein Ohr abschlug, im Fleischhauerbetrieb erstechen, mit der Mutter schlafen und sie erwürgen. Im Finale geht’s, diesmal als glückliches Paar, unter die Reichsbrücke.

    Peter Kerns mit der Digitalkamera gefilmte Low-Budget-Produktion ist eine aberwitzige, mit makabren Lebensfolterszenen durchsetztes abenteuerliches Kammerspiel, das Motive aus Ödön von Horvaths „Geschichten aus dem Wienerwald“, vier Musiknummern um Sexfantasien, Lesben als Gewalttäterinnen, Oden an Unterhosen und Ödipus als Metzgersohn kombiniert. Der letzte Teil funktioniert am besten, weil er die vorher angerissenen Tabuthemen mit dem Elternmord auf die antibürgerliche provokante Ebene überführt. Gut gespielt von den jungen Hauptdarstellern Christian Blümel, der an Jean-Hugues Anglade in Michel Devilles „Sommernacht in der Stadt“ erinnert, und Marie Miklau, die ausschaut wie die junge Elfriede Jelinek, der der Film gewidmet ist. Der Nobelpreisträgerin, die ähnliche Motive literarisch verarbeitete, dürfte der Wiener Schmäh gefallen. Was für Programmkinos mit Hintergedanken. ger.

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