Dom Hemingway: Jude Law als wunderbar derber Safeknacker, der nach zwölf Jahren im Londoner Gefängnis, in denen er seine Komplizen stets gedeckt hat, seinen Beute-Anteil einfordert.
Expressionistischer Gangsterfilm über einen Londoner Safeknacker, der nach zwölf Jahren Gefängnis seinen Anteil an der Beute einfordert.
In schönster Tradition des lakonischen britischen Gangsterfilms ist Richard Shepards Ode ans Kleinverbrechertum auch ein echtes Kleinod, das hinreißend auffällig und immens unterhaltsam geraten ist. Regieveteran Shepard („Der Matador“) lässt seinen Star
Jude Law dabei einen tollen Image-Rückwärtssalto schlagen: Als Titel-Antiheld, ein offenkundig enger Verwandter von Ben Kingsleys legendär fluchenden Gangster Don Logan aus „
Sexy Beast“ und allen denkbaren Cockney-Gaunern, die
Ray Winstone jemals gespielt hat, sieht Law als genialer Prolo-Safeknacker mit seinem Backenbart und seinen engen Anzügen so verwegen und verkommen aus, als würde er sich um einen Posten bei
Nick Caves Band The Bad Seeds bewerben. Und ein schlimmer Finger, ein bad seed, ist er gewiss, dieser Dom Hemingway, ein Schläger, ein Rassist, ein unverbesserlicher Penner, der den Film mit einem mehrminütigen Monolog in einer aufreizend langen Einstellung eröffnet, in der er in immer blumigeren und sich förmlich in Raserei steigernden Sentenzen über die Vorzüge seines Gemächts rhapsodiert - bis die Kamera so weit zurückgezogen hat, dass man nicht nur erkennt, dass Dom im Knast sitzt, sondern auch, dass ein junger Mitsträfling orale Hilfestellung leistet.
Zwölf Jahre saß Dom im Knast, wo er - Gangsterehre! - seinen Chef Mr. Fontaine gedeckt hat und damit - noch einmal Gangsterehre! - auch hingenommen hat, dass er weder den Tod seiner krebskranken Frau noch das Erwachsenwerden seiner Tochter miterleben konnte. Nun ist Dom wieder frei. Und er gibt Gas in einer Abfolge immer noch grotesker ausufernden Szenen, in denen er mit seinem besonnenen besten Freund - großartig:
Richard E. Grant, den man gerne öfters wieder sehen würde - eine Schneise der Verwüstung durch London und schließlich Südfrankreich schlägt. Im Grunde besteht der Filme aus einer Reihe von Konfrontationen, in denen das Gegenüber jeweils das Verhalten von Dom diktiert, das je nach Situation von gewalttätig und unflätig zu unterwürfig und devot reicht, manchmal all das in nur einer einzigen Szene. Und schließlich ist er doch auch schuldbewusst, als der Film den unverbesserlichen Bad Boy mit den Fehlern aus seiner Vergangenheit und deren Konsequenzen konfrontiert. Vor allem aber ist es ein wilder, kompromissloser und amoralischer Ritt, in dem Jude Law jede Sekunde auskostet, einmal nicht Mr. Beautiful sein zu müssen. ts.
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