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Distanz

   Kinostart: 19.08.2010
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Filmhandlung und Hintergrund

Deutsches Independent-Drama mit Ken Duken als Soziopath, der motivlos Menschen mordet, bis ihm die Liebe einer Frau in die Quere kommt.

Der zurückgezogene Einzelgänger Daniel Bauer verrichtet als Gärtner in einem botanischen Garten sein Tagwerk. Nachts wirft er von Autobahnbrücken Steine auf Autos. Einen dadurch ausgelösten Unfall mit Todesfolge registriert er emotional reglos und folgt seinem Drang zu Töten weiter, indem er mit einem geklauten Jagdgewehr in einem Park unerkannt auf Menschenjagd geht. Als sich seine Kollegin Jana in ihn verliebt, bricht sie die abweisende Schale des Mörders auf, ohne von seinen Taten zu ahnen, die bereits von der Polizei ermittelt werden.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Mit seinem Spielfilmdebüt „Distanz“ versucht Regisseur Thomas Sieben, einen Serienkiller zu portraitieren, ohne ihn zu psychologisieren. Nicht jeder Mörder hatte eine schwere Kindheit und nicht jeder Mörder braucht ein Motiv für seine Taten, das ist erwiesen. Ein fehlendes „Warum“ war nur bisher für Filmemacher und Drehbuchautoren nicht besonders attraktiv.

      Wie stellt man so einen Menschen dar, der ohne Grund mordet und mordet? Wie macht man sichtbar, dass ein solcher Mensch die Welt offenbar mit andern Augen sieht? Wie überhaupt erzählt man so eine Geschichte, wenn man nichts über die Vorgeschichte eines solchen Menschen erzählen kann, weil sie unwichtig ist und wenn man keine Erklärung für seine Taten liefert?

      Thomas Sieben versucht Antworten auf diese Fragen zu finden. Daniels emotionale Störungen darzustellen, macht natürlich die geringsten Probleme und gelingt am besten, als Daniel versucht, sich mit Hilfe einer kleinen Pflanze bei Jana zu entschuldigen. Aber Sieben findet keine Bilder für die Welt, wie Daniel sie sieht. Das will er wahrscheinlich auch gar nicht. Aber er findet einen Weg, zu verdeutlichen, dass Daniel die Welt nicht so sieht, wie wir es tun. Immer wenn Daniel irgendwohin läuft, wird er ausschließlich von hinten, halbnah mit einer Handkamera gefilmt – eventuell gäbe es bessere Möglichkeiten, das zu verdeutlichen, aber Sieben hat sich hierfür entschieden und ist dabei auch konsequent. Es gibt kaum Musik, nur wenige Dialoge und wenn Daniel dann mal spricht, wirkt es mechanisch und unnatürlich. Nicht weil Ken Duken es nicht besser kann, sondern weil es seine stoische Rolle verlangt. Deshalb blinzelt er auch nie und starrt alles und jeden ununterbrochen an. Die Wohnung, in der er haust, ist absolut unwohnlich, trist und kalt. Aber Daniel ist das egal, es ist unwichtig. Für ihn bedeutet seine Wohnung bloß, dass er einen Platz zum Schlafen und zum Essen hat und eine Möglichkeit, seine Aufzeichnungen über seine Gräueltaten aufzubewahren.

      Während die Figur des Daniel quasi durch das Zurschaustellen seiner Abnormität tatsächlich plausibel gemacht wird, wirkt Jana als Figur ab einem bestimmten Punkt unglaubwürdig (– nämlich als sie Daniels dunkles Geheimnis erfährt). Das liegt weniger an Franziska Weisz, sondern eher daran, wie die Figur angelegt ist. Kann es wirklich sein, dass eine Frau bei einem Mehrfachmörder bleiben will? Gut, sie sehnt sich nach Liebe, mehr als nach allem anderen, aber die würde sie mit Sicherheit auch bei jemand anderem finden.

      Die Darstellung dieser aufkeimenden Liebe ist allerdings sehr gelungen – warme Farben und schöne Musik. Daniel lacht sogar und es sieht fast so, als gäbe es für ihn einen Neuanfang. Es scheint, als hätten diese beiden schreienden Seelen – ihre unfähig, mit Distanz umzugehen, seine unfähig, Nähe zuzulassen – tatsächlich eine gemeinsame Basis gefunden, auf der sie mit einander leben können – leider nur für einen kurzen Moment.

      Fazit: Ein mutiges Spielfilmdebüt und ein interessanter Versuch der Demontage des Serienkillermythos.
    2. Distanz: Deutsches Independent-Drama mit Ken Duken als Soziopath, der motivlos Menschen mordet, bis ihm die Liebe einer Frau in die Quere kommt.

      Deutsches Independent-Drama mit Ken Duken als Soziopath, der motivlos Menschen mordet, bis ihm die Liebe einer Frau in die Quere kommt.

      Das Spielfilmdebüt von Thomas Sieben ist eine für wenig Geld entstandene Einzelgängerstudie, die mit Ken Duken („Zweiohrküken“) als Serienmörder mit schizoider Persönlichkeitsstörung und der österreichischen Nachwuchsschauspielerin Franziska Weisz, die schon für Haneke, Seidl und Hausner vor der Kamera stand, zwei namhafte Darsteller aufweisen kann. Dem Charakter des porträtierten, stillen Menschen mit dunklem Geheimnis entsprechend, zeigt sich der Film selber als distanziertes und stummes Psychogramm.

      Präzise folgt Sieben der Hauptfigur Daniel Bauer, der als Gärtner in einem botanischen Garten sein Tagwerk verrichtet, während er nachts von Autobahnbrücken Steine auf Autos wirft. Einen Unfall mit Todesfolge registriert er emotional reglos. Blasse, farbarme und dunkle Bilder zeigen die Welt, wie er sie sieht. Derweil beginnt sich seine Kollegin Jana (Weisz) für den gut aussehenden Loner zu interessieren, sehr zum Missfallen seines eifersüchtigen Chefs, dem Widerling Christian (Josef Heynert). Weder dessen Mobbing, noch Daniels abweisende Art können Jana aufhalten, die den zurückhaltenden Mann mit überraschend weicher Stimme erobert und mit ihm eine scheinbar normale Liebesbeziehung eingeht. Dass Daniel mit einem geklauten Jagdgewehr im Stadtpark schon zwei Jogger erschossen und die Polizei seine Spur aufgenommen hat, ahnt sie zwar, ist aber bereit, ihrer Liebe sogar die Wahrheit zu opfern.

      Aus dieser Oszillation zwischen Glück und Tragik speist sich die konstante Spannung eines ruhig aufgefächerten Films, der auf jeglichen Soundtrack verzichtet und oft nur zu Hintergrundgeräuschen sein Studienobjekt durch Parks, Straßen und Wälder streifen lässt. Was Daniel bewegt, wie es in seinem Inneren aussieht, darüber schweigt sich Sieben und sein Drehbuch beharrlich aus. Koproduzent Ken Duken legt die Figur als waffenkundigen Schweiger mit starrem Blick und drängender Mordsucht aus, bleibt so undurchschaubar wie die Handlung - und vielleicht auch der Film selbst, was keinesfalls ein Nachteil ist. Das ungewöhnliche, fast minimalistische Werk in der Tradition von „Henry: Portrait of a Serial Killer“ und „Target“ eröffnete die deutsche Sektion der Berlinale 2009 und gewann unter anderem in Oldenburg den German Independence Award. tk.

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