Filmhandlung und Hintergrund

TV-Drama mit Monica Bleibtreu als Mutter, die ihren längst erwachsenen Sohn (Matthias Brandt) nicht seiner rumänischen Braut überlassen will.

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Kritikerrezensionen

  • Die zweite Frau: TV-Drama mit Monica Bleibtreu als Mutter, die ihren längst erwachsenen Sohn (Matthias Brandt) nicht seiner rumänischen Braut überlassen will.

    Diese wunderbare Tragikomödie wird durch den kürzlichen Tod der großen Monica Bleibtreu erst recht zu einem besonderen Werk, das völlig zu Recht mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.

    „Es gibt für alles einen Markt“, sagt Erwin Kobarek. Selbst für einen wie ihn. Das sagt er zwar nicht, aber nicht nur seine Mutter weiß genau, was er meint. Hans Steinbichler braucht nicht viele Worte, um in die Szenerie einzuführen; die Bilder von Kameramann Christian Rein sind beredt genug. Wenige Einstellungen reichen, um die bedrückende Enge zu verdeutlichen, in der Erwin und seine Mutter leben. Er sei alles, was sie habe, sagt sie später; aber da ist es schon zu spät, weil ihr Leben kräftig in Unordnung geraten ist.

    Die Geschichte vom Muttersöhnchen, dass endlich erwachsen wird, ist nicht neu, vor allem nicht für Monica Bleibtreu: Die Rolle der Mutter, die ihren Sohn nicht loslassen kann, hat die Österreicherin schon in Xaver Schwarzenbergers Film „Muttis Liebling“ gespielt. Auch damals war es selbstredend eine Konkurrentin, die für Ungemach sorgte. Die Handlung des Drehbuches von Robert Seethaler erinnert allerdings noch stärker an den französischen Kinofilm „Sie sind ein schöner Mann“: Hier wie dort reist ein nicht mehr ganz junges männliches Mauerblümchen nach Rumänien, um mit Hilfe einer Heiratsvermittlung nach einer Frau Ausschau zu halten. Hier wie dort wird er fündig, allerdings weit über seinen Verhältnissen: Beide Frauen sind viel zu jung, viel zu hübsch und vor allem viel zu lebenslustig, um ihr Dasein irgendwo auf dem Land an der Seite eines zu kurz Gekommenen zu fristen. Der wiederum hat nur eine Wahl, wenn er die Frau nicht verlieren will: Er muss über sich hinauswachsen.

    Steinbichlers Filme („Hierankl“, „Winterreise“) sind stets das Ergebnis sorgfältiger Kompositionen. Auch „Die zweite Frau“ enthält Aufnahmen, an denen man sich am liebsten satt sehen würde. Großartig ist etwa die Bilderstrecke, in der Erwin und Irina endlich ihre fast widerwillig erwachte Liebe ausleben. Diesmal kann Steinbichler auf Worte völlig verzichten, weil der brillante Matthias Brandt und die nicht minder vorzügliche Rumänin Maria Popistasu über eine Stunde lang auf ganz wunderbare Weise den Weg zu dieser Szene bereitet haben. Gerade Brandt versieht den unbeholfenen Erwin mit viel Würde. Trotzdem ist es Irina, die ihm aus seinem Schneckenhaus hilft; in diesem Märchen ist Dornröschen ein Mann. Als Erwins Mutter zusammenbricht, ins Krankenhaus muss und nicht mehr lange zu leben hat, scheint der Weg frei für das junge Glück. Doch ausgerechnet jetzt verschwindet Irina in der Nacht: Es gibt da ein Detail, dass sie Erwin bislang verschwiegen hat. Aber wie lauten doch die letzten Worte von Frau Kobarek: „Morgen ist ein neuer Tag, und jeder Tag ist ein neues Leben“. Beim Grimme-Preis ist Monica Bleibtreu übrigens leer ausgegangen; die Trophäen gingen an Steinbichler, Brandt und Popistasu. tpg.

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