Filmhandlung und Hintergrund

Intimes Porträt eines an Krebs erkrankten jungen Mannes.

Der dreißigjährige Pariser Modefotograf Romain (Melvil Poupaud) steht auf der Spitze des privaten und beruflichen Glücks, als ihn eine niederschmetternde Diagnose ereilt: Ein Hirntumor droht sein Leben binnen Monaten zu beenden, Heilungschancen liegen etwa bei Null. Romain reagiert mit Wut und Verzweiflung, lehnt Aufträge ab, brüskiert ahnungslose Freunde und Verwandte. Nur bei der Großmutter (Jeanne Moreau) findet er Halt. Da taucht eine Fremde (Valeria Bruni-Tedeschi) auf und äußert ihrerseits einen letzten Wunsch…

Dichtes Drama über das Leben, den Tod und die Suche nach Wahrheit. Zweiter, sehr persönlicher Teil seiner Trilogie über das Sterben von Francois Ozon („8 Frauen„).

Der hippe Pariser Modefotograf Romain hat alles, was ein 30-Jähriger begehrt – eine Karriere, einen netten Freund und eine schicke Maisonette Nach einer Ohnmacht bei einem Foto-Shooting befürchtet er, Aids zu haben. Aber die Diagnose des Arztes lautet Hirntumor im letzten Stadium, er hat nur noch wenige Monate zu leben.

Der attraktive Pariser Fotograf Romain hat Erfolg im Beruf, einen netten Freund und eine hübsche Wohnung. Doch eines Tages wird er bei einem Fotoshooting ohnmächtig. Wenig später verkündet der Arzt die niederschmetternde Diagnose: Romain hat einen Tumor in Kopf und nur noch wenige Wochen zu leben. Doch anstatt sich in eine Therapie zu stürzen, die zudem wenig Aussichten auf Erfolg besitzt, beschließt der Fotograf, die restliche Zeit, die ihm noch bleibt, mit jenen Menschen, die ihm wichtig sind, in vollen Zügen zu genießen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Schultern und Hinterkopf eines Kindes, das am Strand aufs Meer hinausschaut: Das erste Bild verweist in seiner Komposition auf „Unter dem Sand“ (2000), den ersten Teil von François Ozons nun weitergeführten Trilogie über die Trauer. Damals blickte in gleicher Position Charlotte Rampling aufs Meer hinaus, am Strand war ihr Mann verschwunden, mit diesem Verlust muss sie umgehen.

      In „Die Zeit, die bleibt“ muss Romain an sich selbst Trauerarbeit leisten, seinen unheilbaren Tumor lässt er nicht behandeln, sondern wartet darauf, bis er selbst als Person verschwindet von dieser Welt. Dabei weiß er zunächst nicht, was er anfangen soll mit der übrigen Zeit. Sein Leben ist ungeordnet, die Beziehungen zu Mitmenschen, auch zum Liebhaber, auch zur Familie, sind angespannt und dünn. Nur seiner Großmutter erzählt er von der Krankheit, sie ist in einer ähnlichen Situation, weil sie alt ist und bald sterben wird – kerngesund wird sie sterben, bei all den Tabletten, die sie schlucken muss.

      Ozon erzählt immer von der Brüchigkeit von Beziehungen, von Familien, die rissig sind; er ist Spezialist für die Merkwürdigkeit von Liebesszenen, hat mit „Scènes de lit“ 1998 sieben Kurzfilme über das Geschehen in Betten gedreht, lässt hier eine – recht explizite – schwule Liebesszene sich in einen Kampf verwandeln, lässt eine Kellnerin den schwulen Romain die Möglichkeit zur Reproduktion offerieren, weil ihr Mann unfruchtbar ist: eine bizarre, verklemmte Ménage à Trois ist die Folge, zwischen Leuten, die sich nichts zu sagen haben.

      Die Emotionalität von Trauer erzählt Ozon mit dezenter Künstlichkeit, die nur manchmal Nachdruck erhält: ein grauer nächtlicher Wald, in dem nur Romains roter Pullover farbig leuchtet; ein Badestrand, der sich in einer Minute leert. Auch die Blicke nach innen, in Romain hinein, wirken fast kühl: Er sieht sich selbst als Kind, erinnert sich an vergangene Geschehnisse, an Streiche – doch diese Flashbacks sind nur Schnappschüsse, wie die Fotos, die Romain mit seiner Digitalkamera schießt, die die Zeit, die ihm bleibt, festhalten sollten, die den Lauf des Sterbens aber nie stoppen können.

      Der Strand: das ist bei Ozon Ende und Anfang; in „Unter dem Sand“ begann hier die Trauer um den Mann, in „5 x 2“ nahm an einem Meeresufer am Ende des rückwärts erzählten Films die Liebesgeschichte, die erzählt wird, ihren Anfang. In „Die Zeit, die bleibt“ trifft Romain am Strand ein letztes Mal das Kind, das er einstmals war; dann kann die Sonne im Dunkeln verschwinden.

      Fazit: Ein Film über Trauer ohne Tränendrüseneffekt; kühl, aber dennoch einfühlsam.
    2. Die Zeit die bleibt: Intimes Porträt eines an Krebs erkrankten jungen Mannes.

      Im zweiten Teil seiner Trilogie über den Umgang mit dem Tod nach „Unter dem Sand“ zeichnet Francois Ozon das sehr persönliche und intime Porträt eines unheilbar an Krebs erkrankten jungen Mannes, die Suche nach der eigenen Wahrheit.

      Der hippe Pariser Modefotograf Romain hat alles, was ein 30Jähriger begehrt – eine tolle Karriere, einen netten Freund und eine schicke Maisonette im In-Viertel. Nach einer Ohnmacht bei einem Foto-Shooting befürchtet er, Aids zu haben. Aber die Diagnose des Arztes lautet noch schlimmer: Hirntumor im letzten Stadium, er hat nur noch wenige Monate zu leben. Im Gegensatz zu Patrice Chéreaus „Mein Bruder“ oder Isabelle Coixets „Mein Leben ohne mich“ mit ihren sympathischen Protagonisten, ist Ozons Romain kein Sympathieträger, sondern ein arroganter Egomane, der auf den Gefühlen anderer herumtrampelt. In der Konfrontation mit dem Tod verweigert er Medikamente, teilt sich niemandem mit, reagiert auf die Krankheit mit sinnloser Wut – beschimpft seine Eltern, demütigt seine Schwester und wirft seinen Liebhaber aus der Wohnung. Ruhe findet er bei seiner Großmutter (Jeanne Moreau), der er sich anvertraut. Ozon überrascht auf der ganzen Linie, lässt bei aller Tragik auch schwarzen Humor zu, wenn die Oma den Enkel voller Sarkasmus fragt, ob er denn auch noch mal eine rauchen dürfte. In großer Nähe begleitet er den Kranken, der ganz langsam begreift und Ordnung in den Rest seines Lebens bringt. Dazu gehört auch die Versöhnung mit seiner Schwester und ein Gespräch mit dem Ex-Lover, der aber nichts mehr von ihm wissen will. Dass eine Fremde ihn in der Autobahnraststätte anspricht, ob er statt des unfruchtbaren Gatten ihr nicht ein Kind machen will, verleiht der Geschichte eine ganz neue Wendung, die nicht jedem gefallen muss. Die gemeinsame Liebesszene zwischen Ehemann, Frau und Samenspender wird zur Grenzerfahrung mit großer Zärtlichkeit. Auf der Suche nach sich und der Wahrheit macht Romain Fotos – für eine Erinnerung, an der er nicht mehr teilhaben kann. Melvil Poupauds Präsenz trägt den Film als harscher, dann wieder sehr unsicherer und feinsinniger Charakter. Eine sehr persönliche Betrachtung des Sterbens, die auf die Ambivalenz der Figur setzt, keinen Gutmenschen, sondern ein Individuum, das sich aufbäumt gegen das Schicksal und sich nach einer Katharsis darin fügt. Ozon stellt die Frage, der wohl jeder gerne ausweicht: „Was wäre wenn…“? mk.

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