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Die Wohnung

   Kinostart: 14.06.2012

Die Wohnung: Sehr persönliche Doku, in der Arnon Goldfinger schildert, wie er die Wohnung seiner Großmutter nach ihrem Tod mit 98 Jahren aufräumt und dabei seine Familiengeschichte entdeckt.

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Filmhandlung und Hintergrund

Sehr persönliche Doku, in der Arnon Goldfinger schildert, wie er die Wohnung seiner Großmutter nach ihrem Tod mit 98 Jahren aufräumt und dabei seine Familiengeschichte entdeckt.

Im Alter von 98 Jahren stirbt Gerda Tuchler in Tel Aviv. Kurz darauf versammelt sich deren Familie, unter ihnen Enkel Arnon Goldfinger, in ihrer Wohnung, um diese aufzulösen. 70 Jahre haben die Großeltern des Filmemachers hier gelebt. Das Apartment birgt Zeugnisse eines vollen Lebens - und unter den Papieren finden sich zudem Belege einer unglaublichen Freundschaft: der zwischen Großvater Kurt Tuchler, einst jüdischer Richter und Zionist in Berlin, und dem Kommandanten des SS-Judenreferats Baron Leopold von Mildenstein.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • „Wertvoll”

      Am Anfang steht eine Wohnung in Tel-Aviv. Arnon Goldfingers Großmutter hat darin gewohnt, bis zu ihrem Tod. Alles, was jetzt noch bleibt, sind Andenken und gesammelte Schätze. Beim Durchsuchen der Habseligkeiten fallen Arnon Briefe und Dokumente auf, die nicht in das Bild passen, welches er von seinen Großeltern hatte. Doch was genau wusste Arnon überhaupt über sie? Und welche Geheimnisse haben sie jahrelang still gehütet, weil keiner den Mut hatte, nachzufragen? Der Filmemacher Arnon Goldfinger startet mit dieser Dokumentation eine persönliche Suche nach den eigenen Wurzeln. Dabei tauchen Erkenntnisse auf, die ihm auch nach monatelanger Recherche noch unglaublich erscheinen und mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Es ist spannend und lehrreich zugleich, Arnon Goldfinger bei seiner Suche zu begleiten. Die Gespräche mit seiner Mutter und anderen Menschen, die Teil der Suche sind, werden von ihm sensibel und unaufdringlich dokumentiert. Es braucht keine zusätzlichen visuellen Hilfsmittel, um die Botschaften zwischen den Zeilen zu vermitteln. Am Ende des Films ist die Wohnung leergeräumt. Doch die Geschichte hat Spuren hinterlassen und das Schweigen wurde gebrochen. Ein wichtiger filmischer Beitrag zur deutsch-jüdischen Vergangenheitsbewältigung.

      Jurybegründung:

      Tel Aviv, Israel. Gerda Tuchler ist mit 98 Jahren verstorben. 70 Jahre hat sie in derselben Wohnung zusammen mit ihrem Ehemann Dr.Kurt Tuchler gelebt, nachdem sie 1933 aus Deutschland nach Palästina ausreisen mussten.

      Der Enkel von Gerda Tuchler, Arnon Goldfinger, ist Regisseur, Autor und Produzent dieses Filmes. Zusammen mit seiner Mutter beginnt er die Räumung der Wohnung. Es offenbart sich ihnen eine Welt randvoll mit Möbeln, Kleidern, Büchern, Dokumenten, Briefen und Erinnerungstücken aus 70 Jahren. Alles wurde aufbewahrt seit der Ankunft aus Deutschland. Eine Wohnung, die genau so auch in Berlin noch hätte existieren können.

      Was ist wegzuwerfen, was findet das Interesse der Mitglieder der großen Familie, was kann verkauft werden? Arnon Goldfinger taucht ein in den Nachlass von Briefen und Schriften seiner Großmutter, versinkt mehr und mehr in deren vergangenes Leben und stößt auf fast unglaubliche Dinge: Vor und nach dem Krieg war das Ehepaar Tuchler mit Baron Leopold von Mildenstein, einem SS-Offizier im Nazi-Regime, eng befreundet, unternahm mit ihnen gemeinsame große Reisen und trafen sich auch nach dem Krieg noch mehrfach bei Urlauben in Deutschland. Arnon Goldfinger beginnt zu recherchieren, macht Besuche in Wuppertal bei der Tochter von Mildenstein, geht in Archive, nimmt schließlich zu weiteren Nachforschungen seine Mutter mit nach Deutschland. Und während dieser spannenden Reise durch die geheimnisvolle Vergangenheit seiner Großmutter entsteht auch dieser Film.

      Dramaturgisch äußerst geschickt und dank einer sehr guten Montage zieht der Film mit ständig steigernder Spannung den Zuschauer in die bewegte Vergangenheit der Familie Tuchler hinein, lässt ihn teilhaben bei Arnon Goldfingers Recherchen. Wie Mosaikstein um Mosaikstein löst sich das Geheimnis um die Vergangenheit der mit Tuchler befreundeten Familie Mildenstein auf. Der Film zeichnet sehr genau die Personen in den Interviews, wobei die Fragen behutsam und nie verletzend gestellt werden. Ausgezeichnet ist der Duktus des Sprechers Axel Milberg im Off, welcher den roten Faden auf der Suche nach der Wahrheit spannt.

      Dass in diesem Fall das Thema Flucht, Vertreibung und Holocaust und der Begriff Schuld nie zentral im Mittelpunkt des Films stehen, ist sicher ein Vorzug dieses Films, wohl auch und besonders durch die Tatsache, dass ein jüdischer Autor und Regisseur ihn geschaffen haben.

      Eines offenbart der Film aber deutlich: Hier, und sicher und auch in vielen anderen Familiengeschichten, sind es die Eltern und deren Kinder, welche nicht in der Lage sind zu fragen oder zu antworten. Es ist der Enkelgeneration vorbehalten, sich nicht nur für die Vergangenheit der Großeltern zu interessieren, sondern sich auch mit deren Schuld auseinanderzusetzen. Sinnfällig dafür ist die klare und stete Aussage von Goldsteins Mutter, sich nicht mit der Vergangenheit ihrer Mutter oder ihres Vaters auseinandersetzen zu wollen, auch wenn der Sohn noch so dazu drängt.

      Ein wichtiger Film, dem ein großer Zuspruch in den Kinos zu wünschen wäre.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
    1. Die Wohnung: Sehr persönliche Doku, in der Arnon Goldfinger schildert, wie er die Wohnung seiner Großmutter nach ihrem Tod mit 98 Jahren aufräumt und dabei seine Familiengeschichte entdeckt.

      Spannende, aus persönlichem Blickwinkel erzählte Dokumentation, bei der Regisseur Arnon Goldfinger herausfindet, dass seine Großeltern mit dem Chef des SS-Judenreferats befreundet waren.

      Eine verlassene, wohl stickige Wohnung. Die Rollläden werden hochgezogen - Luft soll hereinkommen, Licht ins Dunkel gebracht werden. Eine Stimme aus dem Off. Der Filmemacher adressiert sein Publikum. Im Alter von 98 Jahren ist Gerda Tuchler in Tel Aviv gestorben. Die Familie, angeführt von der Mutter des Regisseurs Arnon Goldfinger, ist gekommen, um die Wohnung aufzulösen. 70 Jahre haben die Tuchlers, die 1937 vor den Nationalsozialisten nach Palästina geflüchtet sind, hier gelebt. Das Apartment birgt Zeugnisse eines vollen Lebens: Bücher und Fotografien, Kleider, zig Paar Handschuhe, Fuchs-Stolen, Schuhe, Briefe und Dokumente.

      Akribisch geht Goldfingers Mama Stück für Stück durch - das erste Mal wohl, denn für die Vergangenheit hat sie sich nie interessiert. „Was, zählt“, hat sie ihrem Sohn stets eingebläut, „ist die Gegenwart“. Doch so einfach lässt sich die Vergangenheit nicht vergessen, nicht verdrängen. Goldfingers Großmutter hat offensichtlich nie etwas weggeworfen. Im Herzen ist sie Deutsche geblieben, hat ihr Leben lang nicht Hebräisch gelernt. Da taucht in der Hinterlassenschaft eine Ausgabe der NS-Hetzschrift „Der Angriff“ auf. In ihr ein mit „Ein Nazi fährt nach Palästina“ überschriebener Artikel, verfasst von einem gewissen Baron Leopold von Mildenstein. Zu diesem Mann, Kommandant des SS-Judenreferats und Ex-Vorgesetzter von Adolf Eichmann, scheinen die Tuchlers in engem Kontakt gestanden zu haben. Selbst nach dem Krieg haben Zionist Kurt Tuchler, ehemals Richter in Berlin, und seine Frau die von Mildensteins noch mehrfach besucht.

      „Die Wohnung“ erzählt verdrängte Holocaustgeschichte aus ganz persönlichem Blickwinkel. Wie können ein NS-Scherge und verfolgte Juden, deren Eltern in Vernichtungslagern ermordet wurden, befreundet sein? Goldfinger begibt sich mit seiner (zunächst widerwilligen) Mutter auf Spurensuche. Er befragt Wissenschaftler, besucht einschlägige Archive. Und er reist nach Wuppertal, wo von Mildensteins Tochter noch lebt. Freundlich wird er empfangen - über die Nazivergangenheit ihres Papas scheint sie nichts zu wissen. Oder lügt die Frau? Als Goldfinger sie mit Fakten und Tatsachen konfrontiert, wird die Situation ungemütlich - für die Beteiligten wie auch für die Zuschauer. Plötzlich ist man mittendrin, involviert in eine Geschichte, die einen (nur) vermeintlich nichts angeht. Ein echter Kriminalfall ist dieser Film, mit offenem Ende. Die Beziehung zwischen den Tuchlers und den von Mildensteins wird nicht komplett entschlüsselt. Die Historie ist kein abgeschlossener Prozess - und in punkte deutscher Vergangenheitsbewältigung gilt es noch viel zu tun. Obwohl Goldfinger zum Schluss seiner mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichneten Dokumentation die Rollläden wieder herunter lässt. geh.

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