Filmhandlung und Hintergrund

Gefühlvolles Roadmovie durch Europa, in der Enkel und Großvater gemeinsam ihre Familiengeschichte radelnd erfahren.

Bei einem Autounfall bei Leipzig sterben die Eltern des erwachsenen Alex, er selbst überlebt, kann sich aber an nichts erinnern. Als sein Großvater Bai Dan davon erfährt, kommt er aus seinem bulgarischen Dorf, um den jungen Mann auf eine Reise in die Vergangenheit zu nehmen. Er überredet ihn, mit einem Tandem von Leipzig nach Bulgarien zurück zu radeln. Die Fahrt quer durch Europa erweist sich als heilsame Therapie für den jungen Mann, der seine Lebensfreude und Geschichte wieder gewinnt.

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Kritikerrezensionen

    1. In seinem zweiten Spielfilm adaptiert Stephan Komandarev den ersten Roman des wie seine Protagonisten in Bulgarien aufgewachsenen Illja Trojanow. Das Road Movie schildert sowohl die langsame Annäherung der kauzigen, eigenwilligen Großvaters Bai Dan zum ihm langst fremd gewordenen Enkel Saschko ebenso wie die einstige Odyssee der Familie ins entfernte Deutschland.

      Als Paradies erscheint die neue Bleibe jedoch keinesfalls, da Komandarev den Westen in kalte blaue Farben taucht und die Menschen selten herzlich miteinander umgehen. Doch auch in ihrer alten Heimat konnte sich die Familie angesichts repressiver Überwachungsmethoden nicht entfalten. Vor die Wahl gestellt, den eigenen Schwiegervater verraten zu müssen oder selbst ins Schussfeuer der Interessen zu geraten, entschloss sich Vater Vasko zur Flucht. Zu den bitteren Pointen des Familiendramas gehört der Umstand, dass einige Wendehälse sich stets nach dem jeweiligen politischen Wind richten und immer wieder auf die Füße fallen.

      Überhaupt zählen die Rückblenden über die beschwerliche Reise der Familie gen Westen und ihre unangenehme Zeit in einem umzäunten italienischen Flüchtlingslager, wo stets nur Spagetti gereicht werden, zu den stärksten Passagen der etwas uneinheitlich entwickelten Coming-Of-Age-Geschichte.

      Trotz sympathischer, lebendiger Charaktere und humorvoller Einlagen kommt der Gegenwartsstrang nicht ohne Längen und aufgesetzter Folklore-Einlagen aus. Auch die kurz angerissene Liebesgeschichte zwischen Saschko und der Ungarin Maria, die er auf einem Campingplatz kennen lernt, wirkt verzichtbar, was mehr noch auf einige Sentimentalitäten gegen Ende zutrifft. Dazu wird noch Backgammon als Spiel des Lebens bemüht, eine etwas aufgesetzte Symbolik.

      Zu den Stärken der unter anderem von Karl Baumgartner von Pandora Film mitfinanzierten internationalen Co-Produktion zählt gewiss der wandlungsfähige Miki Manojlovic als unbeugsamer, bauernschlauer Großvater. Zuletzt verkörperte der Emir Kusturica-Stammschauspieler in der französischen Comicverfilmung „Largo Winch“ den Millionen schweren Patriarchen Nerio Winch, der dort ebenfalls seinem Ziehsohn unter die Fittiche nahm. Seine überzeugende Leistung und manche stimmungsvolle Momente helfen bei Komandarevs Literaturadaption über gelegentliche dramaturgische Schwächen hinweg.

      Fazit: Eine nostalgisch-kritische Rückbesinnung auf Familienwurzeln sowie eine Entwicklungsgeschichte mit überflüssigen Sentimentalitäten und reichlich Lebensweisheiten.
    2. Die Welt ist groß und Rettung lauert überall: Gefühlvolles Roadmovie durch Europa, in der Enkel und Großvater gemeinsam ihre Familiengeschichte radelnd erfahren.

      Gefühlvolle Literaturadaption, in der ein junger bulgarischer Einwanderer in einer langen, sentimentale Fahrt Familienvergangenheit und Identität wiederfindet.

      Dafür muss er zunächst sein Gedächtnis verlieren: Bei einem folgenschweren Autounfall bei Leipzig sterben die Eltern des erwachsenen Alex (Carlo Ljubek), er selbst überlebt nur knapp mit Totalamnesie. Als sein Großvater Bai Dan (Miki Manojlovic), ein Backgammon-As, davon erfährt, bricht er aus seinem bulgarischen Dorf auf, um den Jungen mit auf eine Reise in die eigene Vergangenheit zu nehmen. Energisch bringt er den lethargischen Enkel dazu, mit ihm auf einem Tandem von Leipzig nach Bulgarien zu radeln. Die Fahrt quer durch Europa erweist sich als heilsame Therapie, die in goldgelben Rückblenden zunächst von idyllischem Leben schwärmt, aber bald den totalitären Stalinismus ankreidet. So durchsetzt Stephan Komandarev sein Roadmovie mit einer Fluchtgeschichte vor brutalen Apparatschiks, die in einem italienischen Auffanglager zu enden droht, wo Migranten wie Verbrecher eingepfercht werden. Doch dies ist kein Sozialdrama, sondern ein Film über Träume, die auf wundersame Weise wahr werden.

      Die Adaption des gleichnamigen, stark autobiografisch geprägten Werks des renommierten deutschen Literaten Ilija Trojanow verzaubert über weite Strecken mit einer üppigen, deutungsreichen Dramaturgie. Trotz Kusturica-Mime Manojlovic erinnert das Balkan-Movie eher an Tornatores sentimentale Epen. Zeitgeschichte, Migrationsdrama, Selbstfindung und märchenhafte Heimatreise werden erzählerisch geschickt verwoben, zwar nicht ohne altgediente Wendungen und Motive, aber stets mit überzeugender Wirkung. Wie in der humorvollen Saga ein junger Mann dank seines Bilderbuchgroßvaters nicht nur seine Lebensfreude wiederfindet, sondern sich mit seiner Vergangenheit aussöhnt und obendrein seiner großen Liebe begegnet, könnte nicht reizvoller und einnehmender arrangiert sein. Die Philosophie des Backgammons, die von der Kraft kündet, das Glück in die eigenen Hände zu nehmen, rundet den sympathischen Eurotrip ab. tk.

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