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"Die Unfassbaren": Interview mit Jesse Eisenberg und Regisseur Louis Leterrier

Ehemalige BEM-Accounts |

Die Unfassbaren - Now You See Me Poster

Regisseur Louis Leterrier bringt den Thriller „Die Unfassbaren - Now You See Me“ in die Kinos. In einem exklusiven Interview berichtet er und sein Star Jesse Eisenberg über die Dreharbeiten, Zaubertricks und warum die meisten Filme „Müll“ sind.

Jesse Eisenberg: „Die meisten Filme sind Müll“

In Die Unfassbaren - Now You See Me - ab 11. Juli im Kino - lässt Regisseur Louis Leterrier die Magier Atlas (Jesse Eisenberg), Henley (Isla Fisher), Jack (Dave Franco) und der Hypnotiseur Merritt (Woody Harrelson) auf mysteriöse Weise zusammenfinden um fortan ihre Zuschauer mit Zaubertricks zu verblüffen. In einem exklusiven Interview mit CINEFACTS berichtet „The Social Network“-Star Jesse Eisenberg und der französische Filmemacher über die Dreharbeiten, Zaubertricks und Magie.

CINEFACTS: Haben Sie selber schon einmal Zaubertricks aufgeführt?

Jesse Eisenberg: Ich konnte nie irgendwelche Zaubertricks, aber ich hatte einen Cousin, der bei jedem Restaurantbesuch irgendwelche Servierten schweben ließ und mir nie sagte, wie er es machte. Da ich älter war als er, hat mich das immer ganz schön genervt. Als ich diesen Film machte, konnte ich mich dafür also so richtig rächen. Ich habe also gewonnen (lacht).

CINEFACTS: Also mussten Sie die ganzen Tricks, die Ihre Figur kann, auch wirklich selber lernen?

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Jesse Eisenberg: Ja, genau. Ich versuche generell immer, soviel wie ich kann über die Figur zu lernen, die ich spiele. Ich möchte mich voll und ganz in sie herein versetzen. Bei „Die Unfassbaren“ habe ich mit einem ganzen Team von Zauberern zusammengearbeitet, die mir alles beibrachten. Wirklich alles! Auch Dinge, die im Film gar nicht zu sehen sind. Ich dachte mir, wenn J. Daniel prinzipiell weiß, wie das gemacht wird, dann muss ich es auch wissen. Nach dem Dreh habe ich mir einen David Copperfield Show angesehen und ich wusste, wie er die meisten Tricks machte. Wenn ich in der Lobby jedem verraten hätte, wie es funktionierte, dann hätte er wahrscheinlich dicht machen müssen und ich hätte ein internationales Desaster ausgelöst!

CINEFACTS: Können Sie das Zuschauen denn noch genießen, wenn Sie wissen, wie alles gemacht wird?

Jesse Eisenberg: Ja, sogar noch mehr als vorher. Ein Zauberer wird nur durch das Üben gut. Ich glaube, die wahre Kunst an der Zauberei ist die Disziplin, wirklich jeden Tag zu üben. Manche Tricks musste ich Monate lang üben, bis sie klappten. Wenn ich mir jetzt also Magicshows ansehe, weiß ich es noch wesentlich mehr zu schätzen, weil ich weiß, welche Arbeit dahinter steckt. Es ist wie wenn man ein Basketballspiel guckt, nachdem man selber gespielt hat. Die Sichtweise ist eine andere.

CINEFACTS: Welcher Trick war der schwierigste?

Jesse Eisenberg: Es gibt diese Szene, in der ich mit Handschellen an einen Tisch gefesselt bin und ein Deck Karten mische. Dafür musste ich wirklich sehr, sehr lange üben. Die Szene war schwer.

CINEFACTS: Was haben Schauspieler und Zauberer gemeinsam?

Jesse Eisenberg: Vielleicht, dass sie beide gerne vor einem Publikum auftreten. Wobei Zauberer das Publikum dabei ja auf eine Art und Weise beschummeln und das genießen. Schauspieler lügen nicht wirklich, denn sie geben nicht vor, dass etwas real ist. Zauberer tun so, als wären ihre Tricks echt. Die Beziehung zum Publikum ist also eine ganz andere.

CINEFACTS: Aber auch Schauspieler „schummeln“, denn sie geben vor, dass ihre Emotionen real sind..

Jesse Eisenberg: Ja, wobei ich glaube, dass sie das dann auch sind. Wenn man als Schauspieler auf der Bühne steht, benutzt man seine wahren Gefühle, um die Geschichte rüberzubringen. Ich glaube, anders geht es beim Theater nicht. Man sollte sich so sehr in seine Figur hineinversetzen können, dass die Tränen, die man weint, echte Tränen des Mitgefühls sind. Man manipuliert seine eigenen Gefühle also auf eine Art und Weise. Das ist beim Theater natürlich wesentlich einfacher als beim Film, wo alles immer wieder auf Anfang gebracht wird und man eine Szene zum Teil zig mal drehen muss.

CINEFACTS: Was haben Sie an Ihrer Figur in „Die Unfassbaren“ besonders genossen?

Jesse Eisenberg: Dadurch, dass er ein Performer ist, ist er sehr exzentrisch. Das hat mir gefallen, es hat mir quasi erlaubt, einmal so ganz anders zu sein. Er ist ein totaler Kontrollfreak, aber dadurch, dass er selber eine Figur „spielt“, sind der Interpretation keine Grenzen gesetzt. Denn er ist ja gar nicht „er selber“, sondern hat eine Figur für sich kreiert. Das kann ganz schön verwirrend sein, ist aber gleichzeitig auch befreiend. Aber Daniel ist so von sich überzeugt, dass sich das auf mich übertragen hat. Dadurch habe ich mich in der Performance auch immer sehr wohl gefühlt.

CINEFACTS: Wie war es, erneut mit Woody Harrelson zusammenzuarbeiten?

Jesse Eisenberg: Das war natürlich toll. Ich arbeite gerne mit ihm, weil seine Methode meiner sehr ähnlich ist. Er versucht auch immer, alles über die Figur zu lernen, die er spielt. Während ich also ganz viel über Kartentricks lernte, hat er sich die ganze Zeit mit Hypnose und solchen Dingen beschäftigt. Bevor wir eine Szene drehten, haben wir uns auch immer ein Dutzend verschiedener Wege überlegt, wie wir das am besten machen könnten. Er bringt seinen eigenen Humor mit in die Rollen, die er spielt und arbeitet wirklich sehr hart. Meist spielt er ja eine Figur, die ziemlich lässig und entspannt wirkt. Dabei ist er selber einer der hingebungsvollsten Menschen überhaupt. Er ist sehr fokussiert und gibt immer alles. Er nimmt den Job sehr ernst und das tue ich auch. Daher hoffe ich, dass wir noch ein weiteres Mal zusammenarbeiten werden.

CINEFACTS: Wie war es denn, die Verfolgungsszenen in New Orleans zu drehen?

Jesse Eisenberg: Das war wirklich toll. New Orleans ist die coolste Stadt überhaupt und die Verfolgungsszenen haben richtig Spaß gemacht. Da waren hunderte von Menschen in den Straßen und wir müssten über Mauern springen und all das. Ich bin wirklich sportlich, aber die meisten Filme, die ich mache, drehen sich um deprimierte Leute in kleinen Zimmern (lacht). Also war es toll, sich einmal körperlich verausgaben zu können.

CINEFACTS: Mussten Sie dafür speziell trainieren?

Jesse Eisenberg: Nein, ich trainiere generell viel und mache gerne Sport, daher musste ich für den Film nichts zusätzlich machen.

CINEFACTS: Also werden Sie vielleicht noch zum Actionstar?

Jesse Eisenberg: Oh, das glaube ich nicht. Das Genre reizt mich so gar nicht, also kann ich mir nicht vorstellen, dass das etwas für mich wäre. Mir wurden schonmal ein paar solcher Drehbücher geschickt, aber in Actionfilmen sind die Charaktere meist nicht so interessant. In dem Genre ist die Action und die Story vorrangig, nicht die Figuren. Das ist nicht mein Ding.

Jesse Eisenberg über das Berühmtsein

CINEFACTS: Wenn Ihnen also ein Drehbuch geschickt wird, wie entscheiden Sie, ob es etwas für Sie ist oder nicht?

Jesse Eisenberg: Als ich „Die Unfassbaren“ las, spielte ich gerade in einem Theaterstück in New York und ich war vor jedem Auftritt sehr nervös. In „Die Unfassbaren“ sollte ich einen Kerl mit unglaublichem Selbstbewusstsein spielen, der total gerne auftritt. Ich wusste sofort, dass das etwas für mich war, weil es eben etwas ganz anderes war. Ich fühle mich oft wie die Figur, die ich spiele und während des Drehs war ich wesentlich selbstbewusster und es ging mir wirklich gut. Bei dem Stück in New York spielte ich eine ängstliche Figur, die sich selber nicht leiden konnte. Das hat sich auf meine eigene Stimmung übertragen. Ich wusste also sofort, dass „Die Unfassbaren“ nicht nur eine tolle Herausforderung, sondern auch noch gut für mich sein würde! Fast wie eine Therapie.

CINEFACTS: Und mit geglätteten Haaren sahen Sie auch noch komplett anders aus!

Jesse Eisenberg: Ja, das gefiel mir auch wesentlich besser! Sie wissen ja gar nicht, wie es ist, als Junge mit lockigen Haaren aufzuwachsen. Das ist wie ein Schlag ins Gesicht jeden Morgen (lacht). Ich könnte sie abschneiden, aber das sähe auch komisch aus. Ich finde meine Haare immer noch ziemlich furchtbar (lacht).

CINEFACTS: Haben Sie durch Ihre Rolle in „Die Unfassbaren“ etwas über sich selbst gelernt?

Jesse Eisenberg: Ja, nachdem wir mit dem Film fertig waren, habe ich mich gefragt, warum ich beim Dreh soviel Spaß hatte und mir wurde bewusst, dass es an dem Selbstbewusstsein meiner Figur lag. Mir wurde bewusst, dass ich mich selber lieber mag, wenn ich eine Figur spiele, die sich mag. Das sollte ich also öfter tun. Meist spiele ich jemanden, der ängstlich ist oder sich ständig Sorgen macht. Das überträgt sich dann auf mich. Ich bin da offensichtlich sehr sensibel.

CINEFACTS: Wie war es, mit Hollywoodgrößen wie Morgan Freeman und Michael Caine zu arbeiten?

Jesse Eisenberg: Das ist seltsam, weil man ja quasi den gleichen Job hat wie sie, dabei blickt man so zu ihnen auf. Ich hatte vorher gerade dieses Stück in New York zu Ende gebracht, in dem ich jeden Abend zwei Stunden lang mit Vanessa Redgrave spielte. Man hat da zweierlei Erfahrungen. Zum einen möchte man alles lernen, was man kann, aber gleichzeitig hat man auch das Gefühl, diese Chance gar nicht verdient zu haben. Allerdings hat man ja keine Wahl: man muss versuchen, so gut zu sein, wie diese Stars, weil man ja direkt neben ihnen eine Szene dreht. Das gibt mir Antrieb und macht mich besser. Ich musste mich wirklich zwingen, zu versuchen, mit ihnen mitzuhalten.

CINEFACTS: Inwiefern hat sich Ihr Leben seit Ihrer Oscar-Nominierung verändert?

Jesse Eisenberg: Es hat sich nicht wirklich verändert. Ich habe mit 19 meinen ersten Film gedreht und danach viele Skripte geschickt bekommen. Das hat damals einen großen Unterschied gemacht, weil ich vorher nie Angebote bekam. Aber durch die Oscar-Nominierung hat sich nicht wirklich etwas verändert. Ich bekomme Drehbücher geschickt, von denen die meisten ziemlich schlecht sind. Manchmal ist dann etwas Gutes dabei. Aber gucken Sie sich Filme an, die rauskommen. Die meisten sind Müll.

CINEFACTS: Welcher Film ist der schlechteste, den Sie in letzter Zeit gesehen haben?

Jesse Eisenberg: Ich habe seit Jahren keinen Film mehr geguckt. Ich gucke keine Filme.

CINEFACTS: Was machen sie stattdessen?

Jesse Eisenberg: Ich weiß nicht, sogar mein Zimmer zu streichen ist interessanter (lacht).

CINEFACTS: Warum wollten Sie denn dann Schauspieler werden?

Jesse Eisenberg: Ich arbeite gerne an Filmen, ich gucke sie mir nur nicht an. Ich gehe wirklich nie ins Kino. Ich gehe gerne ins Theater, wenn ich mich unterhalten lassen will.

CINEFACTS: Was ist Ihnen lieber: Filme oder Theater?

Jesse Eisenberg: Nun ja, ich schreibe die Theaterstücke, in denen ich spiele, also liegt mir das mehr am Herzen. Meist verbringe ich circa ein Jahr damit, ein Play zu schreiben und dann spielen wir es für sechs Monate. Das geht mir also sehr nahe. Aber ich liebe die Filme, die ich mache. Letztes Jahr habe ich in „The Double“ zwei Figuren gespielt, was wirklich toll war. In einem Play geht das natürlich nicht, da kann man nur eine Figur spielen.

CINEFACTS: Wird es noch mehr Stücke von Ihnen geben?

Jesse Eisenberg: Ja, unser letztes Stück wird nächstes Jahr noch einmal aufgeführt werden und ich arbeite schon an weitere Plays.

CINEFACTS: Nur in New York, oder auch in Europa?

Jesse Eisenberg: Ja, wir wollen versuchen, auch ans West End in London zu gehen.

CINEFACTS: Was glauben Sie ist der größte Irrtum, den die Menschen über Sie haben?

Jesse Eisenberg: Ich glaube gar nicht, dass man genug über mich nachdenkt, um sich zu irren (lacht).

CINEFACTS: Und was ist das nervigste daran, berühmt zu sein?

Jesse Eisenberg: Ich mag es nicht, wenn die Menschen ungefragt Fotos von mir machen. Das nervt schon. Aber wahrscheinlich ist es ein guter Tausch, denn dafür habe ich den tollsten Job der Welt. Also kann ich damit leben.

CINEFACTS: Gab es jemals eine Alternative zur Schauspielerei?

Jesse Eisenberg: Ich wäre wahrscheinlich Lehrer geworden. Meine Eltern sind Lehrer und mein bester Freund auch. Ich war immer von Lehrern umgeben, also hätte ich wahrscheinlich das getan.

Louis Leterrier: „Ich mag die Dynamik von diesen Filmen“

CINEFACTS: Wie kamen Sie zu diesem Projekt?

Louis Leterrier: Mein letzter Film war „Kampf der Titanen”, also sein sehr großer Film. Ich wollte nun etwas „kleineres” machen, wobei der Fokus mehr auf den Charakteren liegen sollte. Es sollte eine Art Thriller werden. Also habe ich mir viele Drehbücher, die in die Richtung gingen, durchgelesen. Bis mir einer „Die Unfassbaren“ vorschlug und sagte, dass das ein bisschen von allem hätte. Eine Mischung aus Thriller, Comedy und Drama quasi. Als ich es dann las, konnte ich es gar nicht wieder aus der Hand legen. Ich ging das Skript in einem Sitting durch, machte Notizen und war hin und weg. Dann rief ich meinen Agenten an und sagte „Das muss ich machen!“. Man sagte mir, dass ich ja eigentlich große Actionfilme machen würde und ob so etwas überhaupt mein Ding wäre. Man zweifelte daran, ob ich so einen Film überhaupt machen könnte und ich musste wirklich hart dafür kämpfen. Das Resultat, dass Sie heute sehen, entspricht genau meiner Vorstellung. Wir wollten, dass es real wirkt, aber wollten trotzdem einige tolle Effekte mit einfließen lassen. Jetzt gibt es Magie zu sehen, die es vorher so noch nie gab.

CINEFACTS: Gibt es einen Grund, weswegen Sie bisher hauptsächlich Actionfilme gedreht haben und würden Sie zukünftig gerne mehr Filme machen, die in die Richtung von „Die Unfassbaren“ gehen?

Louis Leterrier: Ja, auf jeden Fall. Ich weiß nicht, warum ich bis jetzt immer Actionfilme gedreht habe. Ich sehe sie als Abenteuerfilme und ich war selber immer ein großer Fan von diesen. Ich mag die Dynamik von diesen Filmen, aber ich glaube, dass „Die Unfassbaren“ mich persönlich viel besser repräsentiert. Das ist genau meine Art von Film. Ich glaube, ich war noch nie so nah an einem Film, bei dem ich wirklich das Gefühl habe, dass er zeigt, wer ich bin. Als Regisseur, aber auch als Mensch. Daher würde ich natürlich gerne weiterhin solche Filme drehen.

CINEFACTS: Sind die Herausforderungen bei einem Film wie „Die Unfassbaren“ andere als bei Filmen wie zum Beispiel „Kampf der Titanen“.

Louis Leterrier: Ja, sicherlich. Bei einem Actionfilm Regie zu führen macht natürlich riesig Spaß und ist an sich schon eine ziemliche Herausforderung. Man muss bei den Stunts sehr präzise sein. Aber bei einem Drama ist das gar nicht so anders. Ich hatte so tolle Darsteller, dass ich auch da das Gefühl hatte, sehr gefordert zu werden. Das waren alles so tolle Darsteller, dass sie mich sofort durchschaut hätten, wenn ich mir bei einer Sache nicht sicher gewesen wäre. Ich meine, das war nun schon die A-Liga Hollywoods, etwas Besseres kann ich mir kaum vorstellen. Also habe ich mir große Mühe gegeben, dem Projekt gerecht zu werden.

CINEFACTS: Also waren diese Darsteller auch genau die, die Ihnen von Anfang an vorschwebten? Oder wurde auch mal über jemanden anderes nachgedacht?

Louis Leterrier: Um Ihnen die Wahrheit zu sagen, am Anfang sollten es vier Männer werden. Isla Fishers Figur sollte also auch von einem Mann gespielt werden. Aber ich fand, dass es ausgewogener schien, wenn eine Frau eine der Hauptrollen spielen würde. Es schien mir eine gute Idee zu sein, die Ex-Assistentin eines Zauberers mitspielen zu lassen. Die Assistentinnen sind so ein wichtiger Teil der Show! Da wurde also ein bisschen am Script rumgebastelt. Aber die meisten Darsteller schwebten uns von Anfang an vor. Man träumt ja davon, mit Schauspielern wie Morgan Freeman und Michael Caine zusammenzuarbeiten! Es gibt nicht viele andere Darsteller, die den gleichen Effekt gehabt hätten. Also war ich überglücklich, als die beiden das Drehbuch genauso toll fanden wie ich.

Louis Leterrier über Zaubertricks und Chris Nolans „Prestige“

CINEFACTS: Sie haben gesagt, dass sie „Prestige - Meister der Magie“ selber sehr mögen. „Die Unfassbaren“ ist ja vom Prinzip her nicht unähnlich. Was für Filme mögen Sie generell?

Louis Leterrier: Ich halte Chris Nolan für einen tollen Filmemacher. Er ist unglaublich begabt. Was ich an „Prestige“ liebe, ist die wahre Magie, die der Film ausstrahlt. Der größte Zaubertrick ist dabei für mich, dass der ganze Film in Los Angeles gedreht wurde, was man überhaupt nicht sieht. Aber mir gefällt auch die gelungene Mischung aus Historie und Moderne. „Prestige“ wirkt ja unglaublich modern, obwohl er in vergangenen Zeiten spielt. Chris Nolan hat einfach dieses unglaubliche Talent, eine ganz neue Welt zu erschaffen. Ich glaube schon, dass mich das inspiriert hat. Unser Film ist natürlich eigentlich etwas ganz anderes, die einzigen wirklichen Gemeinsamkeiten sind Michael Caine und die Zauberei (lacht). Aber ich fühle mich immer sehr geehrt, wenn der Vergleich gezogen wird und man beide Filme in einem Atemzug nennt. Persönlich fühle ich mich aber von ganz unterschiedlichen Dingen inspiriert. Zum Beispiel auch von dem koreanischen Kino. Das finde ich im Moment sehr interessant. Da hält man sich nicht so stark an die Struktur, der unser Kino unterliegt. Man weiß nie, wo es hinführt. Ich mag Filme, bei denen man bis zum Ende hin nicht genau weiß, was da gerade eigentlich passiert.

CINEFACTS: Kennen Sie selber irgendwelche Zaubertricks?

Louis Leterrier: Ich kenne sie zum Teil. Aber ich war immer ein begeisterter Fan der Zauberei und wollte die Geheimnisse nie wirklich lüften. Wenn man weiß, wie etwas funktioniert, geht die Magie verloren. Wir wissen ja alle, dass einige der beeindruckendsten Trick im Grunde total simpel sind. Wenn man dann dahinter steigt, ist man ein bisschen enttäuscht und denkt „was, das war’s jetzt schon?“ Das möchte ich eigentlich vermeiden und mir den Zauber wahren. Beim Dreh war das natürlich nicht wirklich einfach. Da waren mir die Tricks schon bewusst. Aber ich möchte trotzdem weiterhin an die Magie „glauben“. Ich gucke mir gerne Magic Shows an und möchte daran glauben, dass da wirklich etwas Übernatürliches passiert, auch, wenn ich weiß, dass dem nicht so ist.

CINEFACTS: Was wird Ihnen vom Dreh immer in Erinnerung bleiben?

Louis Leterrier: Ich denke einfach die Momente, in denen alle Schauspieler zusammen waren. „Die Unfassbaren“ funktioniert im Grunde nur wegen der Charaktere. Ich erinnere mich gerne an die Momente, in denen wir alle in einem Raum saßen und zusammen etwas kreierten. Ja, es gab tolle Effekte und Stunts und diese Szenen bleiben mir natürlich auch in Erinnerung. Aber am Ende geht es mir um das emotionale und intellektuelle Talent. Man kann die tollste Technik einsetzen, aber letzten Endes geht es wirklich um die Personen, die etwas schaffen.

CINEFACTS: Hat die Stadt Paris immer eine Rolle im Film gespielt oder haben Sie das selber mit eingebracht, weil Sie aus Paris stammen?

Louis Leterrier: Nein, es sollte immer Paris sein. Man fragt mich das natürlich oft, aber es war von Anfang an im Drehbuch. Das war natürlich eine nette Überraschung für mich, besonders, weil ich selber noch nie in Frankreich gedreht habe. Weil ich Paris gut kenne, konnte ich natürlich ein paar Ideen mit einbringen, was die Schauplätze angeht.

CINEFACTS: Würden Sie gerne mal in Frankreich oder Europa drehen oder konzentrieren Sie sich lieber auf das große amerikanische Kino?

Louis Leterrier: Nein, ich würde liebend gerne einmal in Europa drehen! Aber die Filme, die mir in Frankreich angeboten werden, kommen mir immer wie eine Art gefälschtes amerikanisches Kino vor. Das ist nicht mein Ding. Wenn, dann möchte ich amerikanische Filme in Amerika drehen und in Europa dann solche, die auch wirklich dorthin passen. In Amerika gibt es eine Art intellektuelle Zensur. Bei den großen Blockbusterfilmen kann man nicht alles zeigen. Sie sind in der Hinsicht nicht so frei wie kleinere, europäische Filme. Wobei man bei den großen Filmen natürlich immer auf gewisse Dinge achten muss. Aber ich würde gerne einen kleineren europäischen Film machen, der so ganz anders ist als dass, was ich hier in LA mache.

CINEFACTS: Haben Sie momentan schon weitere Projekte in Aussicht?

Louis Leterrier: Nein, noch nicht. Ich wollte mich voll und ganz auf „Die Unfassbaren“ konzentrieren und den Film bis zur Veröffentlichung begleiten und ihm meine ganze Aufmerksamkeit widmen. Jetzt, wo der Film in den Kinos läuft, wende ich mich dann neuen Projekten zu.

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