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Fakten und Hintergründe zum Film "Die T?r"

Kino.de Redaktion |

Die Tür Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Produktionsnotizen

1989 sorgte ein neues literarisches Talent für Furore: Mit dem aus der Perspektive einer Katze erzählten Detektivroman „Felidae“ gelang Akif Pirinçci ein Welterfolg. Doch die Talente des Autors beschränkten sich nicht auf tierische Protagonisten. Immer wieder schuf er Thriller, die mit hoch originellen Handlungskonstellationen auf sich aufmerksam machten. Das gilt ganz besonders für den 2001 erschienenen Roman „Die Damalstür“. Zu den Fans des Buches gehörte Producer Björn Vosgerau (EMMAS GLÜCK, 2006), der mit seiner Begeisterung auch Autor Jan Berger (KEBAB CONNECTION, 2004) ansteckte. Bei einem Meeting bei den Hofer Filmtagen 2004 kam Regisseur Anno Saul an Bord, der mit Berger schon bei KEBAB CONNECTION zusammengearbeitet hatte. Das Trio konnte wiederum die Produzenten von Wüste Film, Ralph Schwingel und Stefan Schubert, überzeugen, die ebenfalls an der deutsch türkischen Multikulti-Komödie beteiligt gewesen waren.

Diesmal wagten sich die Filmemacher in ein neues Terrain vor: das Mystery-Drama. Und es stellte sich heraus, dass der Kurs durch die Pirinçci-Welt kompliziert war. Bergers erste Drehbuchfassung stieß zwar gleich auf einhelligen Anklang, aber es entstand der Wunsch, das Skript zu verfeinern, ohne die bereits gefundene dramaturgische Balance zu stören. Die größte Herausforderung bestand laut Saul darin, „einerseits psychologisch extrem präzise zu sein und andererseits die logischen Dinge in den Griff zu kriegen. Die ganze Konstruktion musste exakt stimmen, damit die Zuschauer sie nicht hinterfragen.“ Autor Pirinçci war über den Fortgang der Arbeiten informiert und voll des Lobes über die Versionen, die er zu lesen bekam, auch wenn Berger die Geschichte gegenüber der Vorlage veränderte.

Im Februar 2007 wandte sich das Team mit der ausgereiften Fassung an die Senator Film Produktion, mit der Anno Saul die erfolgreiche Komödie WO IST FRED? (2006) mit Til Schweiger gedreht hatte. Christoph Müller (SOPHIE SCHOLL, 2004) war begeistert und sagte zu, die Rolle des Co-Produzenten zu übernehmen, und auch Anatol Nitschke unterstütze das Projekt sofort. Als Unterstützer kamen die FFA, die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, der Deutsche Filmförderfonds und das Medienboard Berlin Brandenburg ins Boot.

Für die Hauptfigur, die durch eine Zeitreise ihre Vergangenheit umkrempeln will, gab es laut Saul „in einer idealen Welt eine ideale Besetzung“: Mads Mikkelsen, der mit Filmen wie OPEN HEARTS („Elsker dig for evigt“, 2002) oder NACH DER HOCHZEIT („Efter bryllupet“, 2006) zu einer Galionsfigur des dänischen Kinos wurde, sich aber auch international einen Namen machte, vor allem als Gegenspieler des legendären Geheimagenten 007 in CASINO ROYALE (2006). Selbst Nicht-Kinogänger erkennen ihn seit einer H&M-Kampagne.

Mikkelsen war vom Drehbuch so überzeugt, dass er gleich zusagte. Er drehte weitgehend auf Deutsch, was eine lippensynchrone Sprachfassung ermöglichte. Der Regisseur war begeistert von seinem Hauptdarsteller – ebenso wie von dessen Partnerin Jessica Schwarz: „Sie verbindet Anmut und Schönheit mit großer Seriosität, weil sie sich nie dem Publikum angebiedert, sondern konsequent ihre eigene Linie gefahren hat.“ Auch für Mads Mikkelsen konnte es keine bessere Partnerin geben. „Er sagte mir: ‚Sie ist eine Frau, um die ich definitiv kämpfen würde‟“, erinnert sich Saul. Mit ähnlicher Begeisterung spricht der Filmemacher von der gesamten Besetzung, „einem Sack voll toller Schauspieler, von Heike Makatsch bis Thomas Thieme.“

Gedreht wurde 42 Tage lang, überwiegend on location im „realen“ Potsdam-Babelsberg – in der Nähe des Studios, aber nicht auf dem Studiogelände. Hier fand die Produktion die gewünschten Straßenzüge für das überwirkliche Szenario, mit altem erhaltenem Straßenpflaster, das es nur noch selten gibt. Allerdings musste das Team von Szenenbildner Börries Hahn-Hoffman, der bereits Sauls GRÜNE WÜSTE (1999) gestaltet hatte, viele der Originalschauplätze umgestalten.

Es sollte ein geschlossener Kosmos entstehen, viele der Häuser der Nachbarschaft waren in die Dreharbeiten einbezogen. Eine öffentliche Straße wurde gesperrt, die Anwohner mussten Umwege in Kauf nehmen. Der Regisseur wollte „keine wiedererkennbaren Schauplätze“ schaffen. Der Film spielt in einem Villenvorort europäischer Identität, der sich überall in Deutschland, aber auch in England oder Dänemark finden könnte. Das Ziel war „Realismus mit leichter Überhöhung“. Ähnliches galt für das Kamerakonzept, das Saul mit Kamerafrau Bella Halben (IM WINTER EIN JAHR, 2008) in monatelanger Vorbereitung entwickelt hat: „Wir wollten eine Ästhetik, die eine grundlegende Unsicherheit verbreitet. Diese Welt soll sich anfühlen, als sei sie auf Sand gebaut.“

Zu den Schwierigkeiten während der Dreharbeiten, die im März und April stattfanden, zählten die Nachtszenen, in denen Gewitter simuliert wurde. Die Feuerwehr verspritzte Wasser vom Tankwagen, und Mads Mikkelsen musste bei eisigen Temperaturen in voller Montur in den Pool springen.

Die Innendrehs fanden weitgehend in Hamburger Studios statt. Für die aufwändige Postproduktion zog das Team nach Berlin, die Farbkorrektur erfolgte in der renommierten Grading Suite von Arri Schwarzfilm, die Ton-Postproduktion dann wieder in Hamburg bei Loft Studios.

Inspirieren ließ sich der Regisseur von diversen Vorbildern, darunter Alan Pakulas psychologischer Thriller KLUTE („Klute“, 1971) und der Mystery Blockbuster THE SIXTH SENSE („The Sixth Sense“, 1999) von M. Night Shyamalan. Saul erläutert: „KLUTE ist ein Meisterbeispiel für die Erzeugung von Spannung, und THE SIXTH SENSE zeigt mustergültig, wie man einen Genre-Mix hinbekommt, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren.“ Produzent Ralph Schwingel erklärt die Faszination für den Stoff: „Es geht um einen alten Menschheitstraum: die zweite Chance. Und ist das Kino etwa keine Illusionsmaschine? Ein Labor zur Untersuchung der Dinge, die uns sonst nichtzustoßen?“

„Als wir Akif Pirinçcis Roman „Die Damalstür“ gelesen hatten, waren wir uns einig, dass die darin enthaltene Mischung aus Universalität und Originalität dem Rezept entspricht, aus dem man in Hollywood Blockbuster braut. Gleichzeitig haben wir es mit einer Geschichte zu tun, die sich aufgrund ihrer Dichte und Konzentration durchaus mit einem hierzulande üblichen Budget umsetzen lässt“, ergänzt Produzent Stefan Schubert.

Das Budget betrug 4,5 Millionen Euro. Co-Produzent Christoph Müller von Senator Film Produktion fügt hinzu, dass zwischen dem bewussten Einsatz von Genreelementen und einem ernsthaften thematischen Anspruch kein unüberwindlicher Widerspruch herrschen muss: „Wir freuen uns, dass wir zusammen mit unseren Partnern DIE TÜR zu einem spannenden, psychologisch dichten und vielschichtigen Drama mit gleichermaßen hohem Anspruch und populärem Potenzial gemacht haben.“

Interview mit Regisseur Anno Saul

Warum wollten Sie Akif Pirinçcis Roman „Die Damalstür“ verfilmen?

Dieser Stoff hat mich wie ein Blitz getroffen, ich wusste sofort, den muss ich machen. Ein Mann geht durch eine Tür, sozusagen in eine Art Parallelwelt, in der er die Chance hat, einen Fehler, den er gemacht hat, nicht noch mal zu begehen. Dadurch bekommt er die Möglichkeit, etwas zu leben, was er bis dahin nicht gelebt hat – weil er an der Kreuzung anders abbiegen kann. Diese Grundidee fand ich wahnsinnig gut. Dann hat es fünf Jahre gedauert, bis es soweit war.

Was dauerte so lange?

Fünf Jahre von der Idee bis zum Kinostart sind nicht ungewöhnlich, weil man ja auch viel Geld auftreiben muss. Bis wir ein Exposé und ein Treatment hatten, war ca. ein halbes Jahr vergangen, dann kam schnell die erste, schon ziemlich gute Fassung. Diese wollten wir dann aber verfeinern, schlanker, intelligenter gestalten – das ist schwierig, wenn man schon eine gute erste Fassung hat. Man zögert, in etwas Gutes einzugreifen. Das war mühsam, aber absolut lohnenswert. Dasselbe passierte dann noch einmal beim Schnitt. Aber die Buchentwicklung ist sicher das Schwierigste.

Wie sind Sie auf den Stoff aufmerksam geworden?

Hintergrund ist der, dass Ralph Schwingel und Stefan Schubert von Wüste Film, Jan Berger und ich nach den Erfahrungen, die wir miteinander bei KEBAB CONNECTION gemacht haben, wieder zusammenarbeiten wollten und aktiv nach einem neuen Stoff gesucht haben. Björn Vosgerau, Producer bei Wüste Film, hat den Roman bzw. die Grundidee des Romans an Jan Berger, Autor von DIE TÜR, herangetragen. Dieser kam zu mir, und ich war sofort begeistert. Zusammen sind wir dann losgezogen – es war, wie bereits bei KEBAB CONNECTION, wieder eine tolle Reise.

Nach stillem Drama (GRÜNE WÜSTE) und ausgelassener Komödie (KEBAB CONNECTION, WO IST FRED?) betreten Sie mit diesem Mystery-Drama Genre-Neuland. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Grundsätzlich interessiere ich mich für die unterschiedlichsten Genres und habe sie ja auch öfters schon gewechselt. Es gefällt mir, mit den Erzählstrukturen der verschiedenen Genres zu spielen. Die Struktur gibt mir die Möglichkeit, mit ganz bestimmten Erwartungen zu arbeiten, sie zu brechen oder zu erfüllen. Das finde ich spannend. Außerdem bin ich mit den unterschiedlichsten Genres aufgewachsen. Das mag ich auch als Konsument.

Woran denken Sie da?

Es ist vielleicht wie in der Musik: Ich mag alle Musikrichtungen, das ist natürlich auch stimmungsabhängig. Aber es gibt in jeder Musikrichtung gute und schlechte Musik. Ich versuche, das Gute zu finden. So geht es mir auch mit Filmen: Ich sehe genauso gerne eine gute Komödie wie einen spannenden Thriller, einen intelligenten Arthouse-Film oder manchmal auch eine rührende Liebesgeschichte. Aber weil ich glaube, dass praktisch jeder Film eine Liebesgeschichte ist, fällt das eigentlich als Genre aus.

Inwiefern ist jeder Film eine Liebesgeschichte?

Insofern er von Sehnsüchten handelt, von menschlichen Beziehungen, ihrem Scheitern – vielleicht nicht jeder Film, aber doch weit über 90 Prozent.

Möchten Sie als Regisseur den Film machen, den Sie selbst als Zuschauer gerne sehen würden?

Das ist richtig und nicht ganz richtig zugleich. Es gibt Filme, die ich sehe und die ich mag, die mich aber als Regisseur nicht interessieren. Und dann sehe ich manchmal etwas, was meine Fantasie für die eigene Arbeit anregt. Allerdings versuche ich nicht, das Genre einfach nur zu bedienen und nachzuahmen, sondern jedem Stoff etwas zu geben, was über das Genre hinausweist.

Stichwort Genre-Elemente. Sie wollen keine reinen Genre-Filme machen, auch DIE TÜR ist eine Mischung aus Liebesgeschichte, Thriller, Mystery, das Drama eines Mannes, der versucht, mit seiner Schuld fertig zu werden.

Ich mag die Mischung. Mit den Mitteln des Mystery Dramas erzählen wir eine zutiefst menschliche Geschichte, und stellen bestimmte Fragen: Gibt es eine zweite Chance? Wenn es die gibt, sind wir überhaupt in der Lage, sie zu nutzen? Wenn wir in der Lage sind, sie zu nutzen, welchen Preis hat das? Das sind erst einmal keine Genre-spezifischen Fragen. Deshalb glauben wir, dass der Film sich viel mehr einem weiblichen und auch verstärkt Arthouse-interessierten Publikum öffnen wird, als es vielleicht vordergründig den Anschein hat. Es geht um grundlegende menschliche Fragen, mit denen der Film intelligent umgeht.

Ist es schwieriger, ein Mystery-Drama zu machen oder eine Komödie zu drehen – Spannungsbögen zu erzeugen oder Witz?

Das kann man nicht sagen. Spaß machen tut mir beides; ich kann mir gut vorstellen, wieder eine Komödie zu machen oder einen Thriller oder ein Drama oder etwas ganz anderes. Es gilt, die Aufgabe, die man gestellt bekommt, auf eine überraschende, innovative, aber eben auch gut mit dem Zuschauer kommunizierende Art und Weise zu lösen. Da kann man nicht bewerten, ob es schwieriger ist, eine gute Komödie zu machen oder ein gutes Mystery-Drama.

Die Aufgabe, die man gestellt bekommt – durch den Stoff?

Ja, und durch die eigenen Erwartungen und Ansprüche!

Sie hatten einen komplexen Roman umzusetzen. Sie haben dabei auch einige Veränderungen vorgenommen. Inwieweit war der Autor Akif Pirinçci involviert, und war das hilfreich?

Der Autor hat sich zwar im Prinzip weitgehend herausgehalten, aber immer da, wo er etwas beigetragen hat, war das extrem konstruktiv. Wir haben ihn während der Drehbuchphase auf dem Laufenden gehalten und auch um seine Meinung gefragt, etwa bei Castingvorschlägen. Auch das Ende weicht ja vom Buch ab, aber das wollen wir hier nicht verraten… All seine Kommentare waren von Respekt und Freundschaft getragen und von großer Klugheit.

War Mads Mikkelsen von Anfang an Ihr Wunschkandidat für die Hauptrolle?

In meinem Kopf war er relativ früh, aber wir haben lange gebraucht, bis wir uns zu einem internationalen Star durchgerungen haben. Wir haben auch deutsche Schauspieler in Betracht gezogen.

Wie gewinnt man einen internationalen Star seines Ranges für eine deutsche Kinoproduktion?

Ganz einfach: Man schickt ihm das Buch. Ihm hat es so gut gefallen, dass er den Regisseur kennenlernen wollte. Wir haben uns in Kopenhagen getroffen, unterhalten, und er hat zugesagt. Und die gute Verbindung zu Wüste Film, die seinen Film TAGE DES ZORNS co-produziert hatten, war sicher auch hilfreich.

War es für Sie anders, mit einem internationalen Star zu arbeiten?

Ich habe bereits vorher mit schwedisch-dänischen Schauspielern gearbeitet bei „Der Kommissar und das Meer“, einer Krimi-Reihe, für die ich auch den Piloten gedreht habe. Obwohl es da um einen deutschen Kommissar in Schweden geht, werden sehr viele Rollen von Schweden, Dänen und Norwegern gespielt. So konnte ich schon Erfahrung mit wirklich erstklassigen skandinavischen Schauspielern sammeln. Vielleicht hat das geholfen.

Fügte sich Mads Mikkelsen gut in das Team ein?

Mads ist einer der nettesten Menschen, die man sich vorstellen kann. Höflich, aufmerksam, kommunikationsfähig, uneitel und ein grandioser Schauspieler, hervorragend vorbereitet.

Er soll viel auf Deutsch gedreht haben. Beherrscht er denn die Sprache?

Wir haben 90% auf Deutsch gedreht. Er spricht nicht wirklich Deutsch, verfügt über Basiskenntnisse aus der Schule. Aber mit Auswendiglernen war es ihm nicht getan. Er wollte die Sätze in einem tieferen Sinne verstehen und begann sie zu erweitern, mit Füllwörtern, Pausen – er hat immer wieder nachgefragt, wie er den Sprachrhythmus optimal hinbekommt. Das ist nur mit einer tiefen Auseinandersetzung mit Sprache möglich.

Nach welchen Gesichtspunkten haben Sie seine Partner ausgewählt, Jessica Schwarz als seine Frau, Heike Makatsch als Geliebte, Thomas Thieme als den dämonischen Nachbarn?

Nach Mads Mikkelsen kam Jessica Schwarz dazu, dann Thieme, dann Makatsch – was für ein Ensemble, glauben Sie mir: Ich war im Himmel. Und dann noch die wunderbare Valeria Eisenhart, die wir mit einem großen Castingaufwand aus über 50 Mädchen, die alle schon Kameraerfahrung hatten, herausdestilliert haben. Wir sind sehr glücklich mit der Entscheidung. Mads stand übrigens bei den Casting-Endrunden schon persönlich zur Verfügung. Das war sehr hilfreich, z. B. für die Besetzung der Rolle seines Freundes Max mit Tim Seyfi. Sie sind gute Freunde im Film, das spürt man – aber es gibt nicht viele Szenen, um ihre Freundschaft zu etablieren. Das muss stimmig sein in dem Moment, wo man sie auf der Leinwand zusammen sieht.

Wo liegen die Schwierigkeiten beim Dreh mit Kindern?

Den Text auswendig zu lernen und zu behalten ist fast das kleinste Problem bei den Kindern, das können fast alle. Den Text dann aber wieder zu vergessen und in ein echtes Staunen und ein echtes Spiel zu kommen, das ist für Kinder das Schwierigste. Die Sätze so bringen, dass sie suchend, fragend, spürend sind, ist das Besondere. Kinder verfallen oft in eine Spielsprache, einen Singsang und agieren nicht natürlich. Eine schöne Anekdote: Die Szene, in der der junge David dem älteren begegnet, ist nicht ganz gewaltfrei. Prompt kam an diesem Tag Valeria, die eigentlich drehfrei hatte, ans Set, um uns zu besuchen. Und natürlich bekam sie mit, wie mit Special Effects und verschiedenen Masken gearbeitet wurde … Das fand sie toll, aber ihr schwante langsam, dass ihr Vater ihr wohl in irgendeiner Weise eine frisierte Drehbuchfassung unter die Nase gehalten hat. Sie lieh sich dann unbemerkt bei einem Teammitglied das Drehbuch, verschwand in der Ecke und war begeistert, wie das Buch wirklich ist. Sie ist neun Jahre alt, und ihr Kommentar war: Die Geschichte ist viel cooler als die, die mein Papa mir gezeigt hat. Später im Schneideraum wollte sie nicht die Szenen mit sich selbst sehen, sondern die gefährlichen – sie hat gesehen, wie die entstanden sind, wusste um ihre Unechtheit und fand die ganz toll.

Sie gelten als Schauspielerregisseur – wie würden Sie Ihre Schauspielerführung bezeichnen?

Ich gehe auf jeden Schauspieler so ein, wie ich meine, dass es für ihn richtig ist. Ich inszeniere nicht jeden auf die gleiche Art und Weise, sondern nehme die Unterschiede im Ensemble wahr. Auch die Herangehensweise an eine Rolle ist durchaus unterschiedlich. Mit Mads war das eine stark intellektuelle Auseinandersetzung, es ging hauptsächlich um sprachlichen Rhythmus und um Psychologie. Bei Jessica Schwarz stand während der Vorbereitung die Erarbeitung einer Körperlichkeit für die Rolle im Vordergrund. Sie hat einen Altersunterschied von fünf Jahren in einer komplett anderen psychischen Situation zu spielen – und hat wesentlich weniger Zeit, sich in diesen beiden Rollen zu etablieren als Mikkelsen. Deshalb haben wir sehr stark über die Körperlichkeit gearbeitet. Wie bewegt sie sich in ihrer Rolle, wie fühlt sie sich in ihrem Körper, wie drückt sie sich aus, wie ist ihr Vermögen bzw. Unvermögen, sich auszudrücken.

Machen Sie Proben?

Ja, vor den Dreharbeiten gibt es mit allen Schauspielern Leseproben. Wir versuchen zusammen, den Stoff zu begreifen, zu erkunden, besprechen die Verhältnisse untereinander. Dann gibt es Einzelproben oder Proben zu zweit, um bestimmte Verhältnisse, Familiengeschichten etwa, herauszuarbeiten. Das läuft aber nicht so ab, dass wir in einem Proberaum einzelne Szenen probieren. Wir haben auch mit Familienaufstellung gearbeitet, aber in der Drehbuchphase. Die Figuren müssen sehr greifbar sein, Intuition ist dabei wichtig – aber ich mache kein Psychogramm pro Rolle…

DIE TÜR ist Ihre erste Zusammenarbeit mit Bella Halben. Welches optische Konzept liegt dem Film zugrunde?

Gemeinsam haben wir eine Sommerwelt voll Licht und Farben und eine Winterwelt in düsteren Tönen erarbeitet. In dem Maße, in dem sich die Sommerwelt als problembeladen entpuppt, haben wir die Farben steiler und bleicher gemacht. Wenn David in diese Parallelwelt einsteigt, ist sie sonnig und strahlend und schön, je größer seine Schwierigkeiten werden, desto trister wird die Umgebung. Die Zusammenarbeit mit Bella Halben war übrigens hervorragend, sie ist sehr kreativ und schlau.

Wie ist die Musik entstanden?

Fabian Römer, den ich bereits von der Arbeit an „Der Kommissar und das Meer“ kenne, hat sie komponiert. Ich mag die Feinstofflichkeit seiner Musik. Es war kein leichter Prozess – für DIE TÜR strebte uns einerseits eine Musik vor, die durchaus auch Genre-Elemente bedient, andererseits sollte sie eine eigene Tonalität haben – also nicht die 37. Kopie von Thomas Newmans Musik für AMERICAN BEAUTY. Wir wollten mindestens eins oder mehrere musikalische Elemente in den Film einbringen, die man so noch nicht gehört hat. Fabian hat etwas gefunden, das Con Legno heißt und das Auftreffen des Geigenbogens mit seiner Holzseite auf die Saiten der Geige bezeichnet. Dabei entsteht ein ganz spezieller Ton. Dieser Ton ist der Grundton unseres Films – das gibt es in keiner anderen Filmmusik. Diese Mischung aus Rhythmus und einem bestimmten Ton erzeugt die unheimliche, aber auch treibende Stimmung, die uns vorschwebte. Sie strahlt Faszination aus, hat aber auch etwas Bedrohliches – diese Basistonalität passt perfekt zum Film.

Welche Filme haben Sie inspiriert?

Es wird keinen wundern, wenn ich THE SIXTH SENSE anführe. Das war ein Film, der mich damals doch sehr fasziniert hat, in seinem Genremix, seiner Tonalität, seinem Überraschungsmoment. Wir haben nicht drei Minuten vor Schluss eine Mega-Überraschung, die den ganzen Film ändert – wir haben eine andere dramaturgische Konstruktion und erzählen eine komplett andere Geschichte. Trotzdem hat THE SIXTH SENSE mich zumindest ermutigt, eine solche Art von Film zu drehen, eine Mischung aus Drama und Mystery zu versuchen.

Welches Publikum haben Sie für DIE TÜR im Blick?

Natürlich das Mystery-Thriller-Publikum, aber auch die Menschen, die stärker am Drama interessiert sind. Der letzte Film, der als Mystery-Drama bezeichnet wurde, war UNBREAKABLE – UNZERBRECHLICH – was nicht heißt, dass wir so ähnlich sind, aber es ist kein Genre, das man jeden Tag im Kino sehen kann.

War das Ihr bisher kompliziertestes, aufwändigstes Projekt?

Ja, aber in keiner Weise erschreckend kompliziert oder aufwändig.

Sind Sie im Budget geblieben?

So ziemlich – zumindest reden die Produzenten noch mit mir. Aber das könnte natürlich auch daran liegen, dass es einfach wunderbare Menschen sind.

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