Fakten und Hintergründe zum Film "Die Stimme des Adlers"

Kino.de Redaktion |

Die Stimme des Adlers Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Produktionsnotizen

Die international finanzierte Koproduktion von Stromberg Productions Deutschland und Eden Film Schweden wurde im Oktober / November 2007 in der Mongolei realisiert. Die westlichste mongolische Provinz Bayan Olgii grenzt an Russland, China und Kasachstan.

Das mongolische Altaj Gebirge hat eine einzigartige botanische und zoologische Artenvielfalt. Den Buddhisten gilt das Gebirge im Herzen Asiens als „Shambhala“ – der spirituelle Mittelpunkt der Welt. Die Familie des Jungen lebt westlich von der Provinzhauptstadt Olgii in den Bergen in einem Sommer und einem Winterlager. Die extremen landschaftlichen und klimatischen Umstände erleichterten die Dreharbeiten, da ca. zweidrittel der Motive im Umkreis von ca. 300 km gedreht werden konnten.

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Jedoch bereiteten genau diese Umstände andererseits einige extreme Probleme für die Produktion: Zum einen musste zunächst das gesamte Equipment von Ulaan Bator, wo es per Cargo hingebracht wurde, in die 1600 km entfernte westlichste Provinz der Mongolei im Altaj Gebirge transportiert werden. Man entschied sich für den Transport per Jeep, der allerdings 8 Tage dauerte. Das Basislager für 2/3 der Produktionszeit wurde in der Provinzhauptstadt Olgii aufgeschlagen. Der restliche Teil wurde in Ulaan Bator gedreht.

Schon bei der Vorbereitungsreise wurden alle Erfordernisse wie Locations, Übersetzer, Tiere und Darsteller gefunden. Der Hauptdarsteller wurde auf einem mongolischen „Adlerwettbewerb“ ein Jahr vor Drehbeginn gecastet. „Das Problem war dann nur den Jungen ein Jahr später in den Bergen des Altaj Gebirges wieder zu finden“, sagt Produzent Hannes Stromberg lachend, als er an die Produktion des Skandinavisch-Deutschen Kinofilms zurückdenkt. Der zweite Drehblock fand dann in Ulaan Bator und Umgebung statt. Die Produktion arbeitete ausschließlich mit Laiendarstellern, was eine kompakte Technik und eine kleine Crew erforderte, um die Authentizität nicht zu gefährden.

Der Adler im Film ist der Jagdadler der Familie des Hauptdarstellers. Nur einzelne Flugszenen wurden mit einem anderen Adler von einer befreundeten Familie gedreht. Inzwischen ist der Filmadler in die Freiheit entlassen, wie es in der Kultur der Adlerjäger Tradition ist.

Grundsätzlich befand man sich während der gesamten Produktionszeit auf 1800-2000m Höhe, wodurch nicht nur das Team sondern auch das Equipment extremen Situationen ausgesetzt war. Neben der Kälte, die bis zu -25°C betrug, hatte man bedingt durch die Tatsache, dass die Mongolei eine der am nördlichsten gelegenen Wüsten der Welt ist, außerdem mit einem extrem feinen Staub zu kämpfen. Durch die extrem trockene und staubige Luft hätte man mit 16mm Filmkameras keine Chance gehabt, Kontraste in großer Entfernung zu sehen.

Da der Film die Reise des kasachischen Nomadenjungen von der Steppe am Rand der Altaj Berge bis in die 1600 km entfernte Stadt Ulaan Bator beschreibt, sind aber genau diese Landschaftsaufnahmen unabdinglich, um den Zauber dieser einzigartigen Landschaft zu vermitteln. Die Entscheidung konnte deshalb nur für eine digitale Kinokamera lauten.

Hintergrund: Der Kult des Adlers

Nur wenige Tiere spielen in Mythologie und Volksglauben eine so herausragende Rolle wie der Adler – und das auf der ganzen Welt. So ist er das Symboltier verschiedener Himmelsgottheiten, vom syrischen Azizos zum griechischen Zeus bzw. römischen Jupiter, vom akkadischen Bel über den germanischen Odin bis zum aztekischen Tonatiuh.

Dem renommierten ukrainischen Völkerkundler Lev Sternberg zufolge lag das einerseits an den „ungewöhnlichen Kräften“ sowie an der Tatsache, dass der Adler in der Regel Menschen nicht angreift: „Infolge dessen gilt er (…) als eine wohltätige Gottheit, als Beschützer und Helfer.“

Einen besonderen Stellenwert genießt er im Schamanismus, der als Phänomen vor allem bei den Eingeborenenvölkern Sibieriens und Innerasiens beobachtet wurde. Ein Schamane ist ein mit übernatürlichen Gaben ausgestatteter Mensch, der mit Hilfe seelisch-geistiger Fähigkeiten in die jenseitige Welt eintreten und deren Wesenheiten um Hilfe bitten kann. Symbole des Schamanen sind Vögel wie der Adler sowie Donner, Blitz und Regen, die ihrerseits nach mythologischer Vorstellung vom Adler gebracht werden (im Fall des Donnervogels der nordamerikanischen Indianer verschmelzen sie sogar mit ihm).

Beim mongolischen Volksstamm der Burjaten ist der Adler selbst der erste Schamane. Bei den Jakuten im fernöstlichen Sibirien verdankt dieser dem Adler sein Leben: Das Tier verschlingt die Seele des zum Schamanen bestimmten Kindes, das er in einem Ei ausbrütet. Nach dem Zerbrechen des Eis wird das Kind in eine Wiege am Fuß einer heiligen Birke gelegt, vom Muttervogel aufgezogen und zum Schamanen erhoben.

In der jakutischen Mythologie hat der Adler gleich mehrere Funktionen: Er ist Wirt und Gebieter der Sonne, die er mit seinem Ruf erscheinen lassen kann. Er ist Herr des Feuers und bewirkt die Wiedergeburt der Natur nach dem Winter – vergleichbar einer Fruchtbarkeitsgottheit.

Eine ähnliche Rolle spielt er in der finnischen Mythenwelt, die mit der der Jakuten eng verwandt ist. Als Totemtier der Jakuten ist er unantastbar und wird mit Opfern geehrt. Lässt sich ein Adler an der Wohnstätte eines Jakuten nieder, schlachtet dieser, so arm er auch sein mag, sein letztes Stück Vieh, um ihn zu bewirten. Den Vogel zu töten, ist eine Todsünde. Wer ihn versehentlich umbringt, muss ihn bis auf den Kopf verspeisen.

Indo-iranische Mythen zeigen den Adler häufig auch in Verbindung mit der Sonnengottheit. Im Hinduismus wird der adlergestaltige Garuda zum Wagen des Sonnengottes Vishnu. Der älteste assyro-babylonische Sonnen- und Donnergott, Ningirsu, hatte die Form eines Adlers mit Löwenkopf. Angesichts dessen ist es nicht verwunderlich, wenn der Adler zu einem der beliebtesten Wappentiere avancierte.

Seit dem römischen Kaiserreich ist er Symbol des imperialen Herrschaftsanspruchs. Kaiser Konrad II. (1024-1039) führte erstmals den Adler im Thronsiegel.

Ab etwa 1200 ist der einköpfige schwarze Adler im goldenen Schild das Wappen der deutscher Herrscher. Verschiedenste Nationalwappen verwenden Adlermotive – ob Albanien oder Deutschland, Irak oder die USA.

Hintergrund: Die Adlerjagd

Die Beize mit dem Steinadler (russisch Berkut) ist eine Jagdart zentralasiatischer Völker. Bevorzugt werden die Adlerweibchen – weil größer, stärker und aggressiver. Bei den Kirgisen und Kasachen sind Berkuts aus dem Südural beliebt, da sie wegen ihrer Größe auch zur Wolfsjagd eingesetzt werden können.

Der Steinadler packt dabei die Wirbelsäule des Wolfes mit einem Fuß; wenn dieser seinen Kopf zum Biss wendet, greift der Adler mit dem anderen Fuß die Schnauze und hält seine Beute so lange bewegungsunfähig, bis der Jäger kommt und sie tötet. Weitere Beutetiere sind Fuchs, Antilope, aber auch schlicht Hasen und Mäuse. Bei den kasachischen Adlermännern im westlichsten Teil der Mongolei ist diese Tradition rund 4.000 Jahre alt. Jagdsaison ist der laut Mondkalender neun mal neun Tage lange mongolische Winter – und das bei Temperaturen von oft 40 Grad unter Null.

Ungeachtet dieser Bedingungen hat der Tourismus in diese Region Einzug gehalten. So gehen die Berkutschi auch mit westlichen Besuchern auf Adlerjagd. Die größte Attraktion ist indes das traditionelle Adlerfest, das in Orten wie Bayan Olgii, der Hauptstadt des westlichsten Teils der Mongolei, stattfindet. Die vielfach in Zelten in der Steppe lebenden Adlermänner nehmen dafür einige Tagesritte in Kauf. Der materielle Gewinn ist überschaubar – umgerechnet 100 Euro. Aber entscheidend ist die Ehre.

Die Teilnehmer – rund 60 Berkutschi – werden zunächst nach dem Gesamteindruck von Reiter, Pferd und Adler bewertet. In weiteren Disziplinen setzen die Herrchen ihre Tiere an einer festgelegten Stelle ab und reiten dann weg. Auf Zuruf soll der Vogel dann zügig zu seinem Berkutschi fliegen. Danach folgen verschiedene Varianten einer Fuchsjagd. Aber nicht alle Steinadler spielen ohne weiteres mit. Einige genießen die Freiheit so sehr, dass sie lieber auf einen Ausflug gehen – und ihren Besitzer der Lächerlichkeit preisgeben.

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