Filmhandlung und Hintergrund

Gleichzeitig lyrische und naturalistische Beschreibung des Alltags eines blinden Jungen in der iranischen Provinz.

Der zehnjährige Khorsid ist blind, dafür hat er ein ausgeprägtes Gehör. Er liebt Musik über alles und hört sie überall, sogar Beethovens Fünfte in der Natur. Jeden Morgen fährt er mit dem Bus in die Stadt, wo er bei einem Instrumenten-Stimmer arbeitet. Das bunte Treiben auf dem Marktplatz beispielsweise nimmt er durch das Geschrei der Verkäufer war. Straßenmusikern folgt er auf Schritt und Tritt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Die Stille: Gleichzeitig lyrische und naturalistische Beschreibung des Alltags eines blinden Jungen in der iranischen Provinz.

    Mohsen Makhmalbaf zählt zu den populärsten Regisseuren des iranischen Kinos. Während sich viele seiner Kollegen aufgrund der herrschenden Zensur in den 80er und 90er Jahren in Metaphorik flüchteten, wies er in seinen Werken auf die Schattenseiten der Gesellschaft hin. Jetzt, wo die Reformbewegung kleine Freiheiten ermöglicht, erzählt er ein vordergründig apolitisches und poetisches Märchen.

    Der Regisseur, der damit kokettiert, bis zu seinem ersten eigenen Spielfilm 1982 kein Kino betreten zu haben, bewegt sich nach eigenen Worten „weg vom politischen Kino“. Der Mann, der unter dem Schah-Regime im Gefängnis saß und sich in seinem künstlerischen Anspruch auch nicht den Mullahs unterwarf, führt in die Welt des zehnjährigen Khorshid. Der blinde Junge arbeitet als Instrumentenstimmer in der Stadt, um Geld für die vom Landlord mit Drohungen eingeforderte Miete zu verdienen. Seine Freundin Nadereh, „leiht ihm ihre Augen“, führt ihn sicher vom Bus zur Arbeit. Die alleinstehende Mutter ermahnt ihn, sich nicht durch Musik ablenken zu lassen, woran sich der Junge mit dem ausgeprägten feinen Gehör natürlich nicht hält. So lauscht er im Bus Omar Chajams Gedichten, die aufrufen, den Augenblick intensiv zu nutzen und nicht die Zeit zu vergeuden. Irgendwann hört er Beethovens Fünfte Sinfonie, folgt dem Musiker durch die Straßen, vergisst Arbeit und Alltag.

    Auch wenn die Geschichte in Tadschikistan spielt (und auch dort gedreht wurde), ist Khorshid Makhmalbafs alter ego. Auch er wurde als Kind von der religiösen Großmutter vor den Gefahren der Musik gewarnt, sollte sich die Finger in die Ohren stecken, um keine Klänge zu hören. Die erste westliche Musik für ihn war Beethovens fünfte Sinfonie. Makhmalbaf, der an die befreiende Kraft der Kunst glaubt, sieht „Die Stille“ als Schritt vom Realismus zum Surrealismus, zeichnet den Konflikt zwischen objektiver Welt und subjektiver Empfindung. Dabei gelingen ihm sinnliche Momente. So fiel im Iran eine Szene der Zensur zum Opfer, in dem die junge Nadereh in orientalischer Tradition tanzt. Bild und Ton sind der (sehr dünnen) Handlung nicht untergeordnet, sondern führen in der elliptischen Struktur ein Eigenleben. Manchmal ist die Langsamkeit des Erzählflusses schwer zu ertragen, wirkt die Geschichte aufgebläht. Liebhaber cineastischer Minimalismen lassen sich davon nicht die Freude an Exotik trüben. mk.

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