Die Spätzünder

  1. Ø 4.8
   2009
Die Spätzünder Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Die Spätzünder: TV-Komödie mit Jan Josef Liefers als zum Sozialdienst im Altersheim verurteilter Musiker, der die Senioren zu einem Bandcontest ermutigt.

Musiker Rocco muss Sozialstunden im Wiener Seniorenheim ableisten. Zunächst fühlt er sich völlig deplaziert, aber dann zeigt sich, dass die Alten noch ganz schön lebendig sind. Sogar die zunächst zickige Vorgesetzte Marina offenbart reizende Seiten. Als Rocco aus seiner Band fliegt, regt sie an, er solle doch mit den Senioren Musik machen. Heimleiterin Glück sieht das allerdings gar nicht gern und wirft ihn raus. Prompt kommt’s zum Aufstand auf dem Abstellgleis.

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Kritikerrezensionen

  • Kürzlich erst tobte Josefine Preuß als Praktikantin durchs Altenheim („Lotta & die alten Eisen“, ZDF), nun verschlägt es Jan Josef Liefers zu den Senioren. Zwei Filme sind sicher zu wenig, um von einem Trend zu sprechen, aber auch ein „Tatort“ aus Stuttgart („Altlasten“) hat sich vor einigen Wochen schon mit der Frage nach dem würdevollen Altern befasst. „Die Spätzünder“, eine Koproduktion von SWR und ORF, ist allerdings eine Komödie; wenn auch mit tragischen Untertönen.

    Liefers spielt den verkrachten Rock-Musiker Rocco, der Sozialstunden im Wiener Seniorenheim ableisten muss. Zunächst fühlt er sich ziemlich deplaziert, zumal sich die direkte Vorgesetzte ausgerechnet als seine zickige Nachbarin Marina (Ursula Strauss) entpuppt, die sich immer über die laute Musik beschwert. Aber dann stellt Rocco fest, dass die Alten gar nicht so scheintot sind, wie die extrem unterkühlte Heimleiterin mit dem völlig unpassenden Namen Glück (Petra Morzé) gern glauben macht. Degenhard Schagowetz (Joachim Fuchsberger) zum Beispiel ist noch höchst umtriebig und versorgt die Mitbewohner der Residenz gegen Glücks ausdrückliches Verbot regelmäßig mit Alkohol und Zigaretten. Als Rocco aus seiner Band fliegt, weil er dauernd die Proben verpasst, schlägt ihm die mittlerweile sehr liebenswürdige Marina vor, er solle doch mit den Heimbewohnern Musik machen. Frau Glück sieht die ungeahnten Lebenszeichen ihrer Schutzbefohlenen hingegen gar nicht gern und wirft Rocco raus; prompt kommt’s zum Aufstand auf dem Abstellgleis.

    Allein wegen der wunderbar vorgetragenen, vor Sarkasmus nur so triefenden Dialoge von Bibiana Zeller („Zuckeroma“) ist die Komödie schon sehenswert. Ohnehin hat Autor Uli Brée den alten Herrschaften (unter anderem noch Hans-Michael Rehberg) diverse schöne Szenen geschrieben. Natürlich trägt die Geschichte märchenhafte Züge, aber Wolfgang Murnberger inszeniert sie mit viel Sinn für Realitätsnähe; selbst wenn das Ende zu schön ist um wahr zu sein. Zwar hat auch der Tod ein kurzes Gastspiel, aber die wirklich düsteren Seiten des Pflegenotstands bleiben ausgespart. Statt dessen setzen Brée und Murnberger auf kleine Momente, die das Schicksal der Bewohner verdeutlichen; etwa die grenzenlose Enttäuschung von Sissi Hopf (Zeller), die sich gerade noch gefreut hatte, nach ihrer Hüftverletzung wieder laufen und das Heim verlassen zu können, als ihr der Sohn ihre Möbel in die Residenz bringt. Dafür offenbart Herr Klüger (Rehberg) unverhoffte neue Energie, als Rocco mal vergisst, ihm seine Tabletten zu geben.

    Sehr schön sind auch immer wieder die kleinen Anarchismen, die schließlich in den heimlichen Proben nachts im Keller gipfeln. Und das Casting der Rentnerband-Mitglieder ist die ausgelassenste Szene des Films: herrlich, wie sie da alle im Bademantel zum Vorspiel auftauchen. Für Frau Glück, die dem Treiben ein Ende bereitet, sind sie allerdings bloß „ein inkontinenter Haufen Alzheimer-Patienten“. Dass sie damit so komplett daneben liegt, macht den Charme dieser liebenswerten Komödie aus. tpg.

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