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Fakten und Hintergründe zum Film "Die Schwester der K?nigin"

Fakten und Hintergründe zum Film "Die Schwester der K?nigin"
Poster Die Schwester der Königin

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Über die Produktion

In ihrem Roman-Bestseller Die Schwester der Königin (The Other Boleyn Girl) gibt Philippa Gregory einer sehr alten Geschichte eine ganz neue Wendung: der unglücklichen Romanze zwischen König Heinrich VIII. und seiner zweiten Frau Anne Boleyn. Im Mittelpunkt stehen Heinrichs Beziehung zu Anne sowie seine unrechtmäßige Liebschaft mit Annes Schwester Mary; der Roman zeichnet das Leben am Hofe der Tudors als Hort von Sex, Intrigen und Machtspielen.

„Bevor ich den Roman schrieb, wusste wahrscheinlich kaum jemand etwas über Mary Boleyn“, sagt Romanautorin Gregory. „Sie war eine Figur im Schatten der Geschichte, vielleicht weil sich die Historiker nicht für sie interessierten, da sie für die Geschichtsschreibung nicht ausschlaggebend gewesen war. Doch ich sah in ihrer Biographie den Kontrast zwischen beiden Schwestern, und dieser Kontrast war ein fruchtbares und ergiebiges Feld. Er wurde zu einer Parabel dafür, wie Frauen sich die ihnen sich bietenden Gelegenheiten jeweils zu Nutze machen.“

Für Regisseur Justin Chadwick ist der Dreh- und Angelpunkt in „Die Schwester der Königin“ nicht notwendigerweise die berühmte Beziehung zwischen König Heinrich VIII. und Anne, sondern das Verhältnis von Anne zu ihrer Schwester Mary und der Kampf der beiden um die Gunst des Königs. „Anne und Mary tun sich gegenseitig schreckliche Dinge an, sie sind Rivalinnen, eifersüchtig – doch letztendlich bleiben sie Schwestern“, erklärt Chadwick. „Zur eigenen Schwester hat man eben eine Beziehung, die sich von allen anderen unterscheidet. Man unterhält sich hinter verschlossenen Türen und ganz anders als mit anderen Menschen. Mit der eigenen Schwester kann man völlig aufrichtig und ehrlich sein. Wie Mary sagt: Sie sind wie zwei Hälften ein und derselben Person.“

Natürlich können Schwestern auf grausam zueinander sein. „Es ist wie eine Mafia-Geschichte am Hofe der Tudors“, meint Produzentin Alison Owen. „Die Story bietet Sex, Rivalität, Eifersucht, Ehrgeiz, Skandal – und in der Mitte stehen zwei Schwestern.“

Chadwick fand die Darstellerinnen für seine Boleyn-Schwestern in den preisgekrönten Schauspielerinnen Natalie Portman und Scarlett Johansson. „Sie brachten für diese Rollen etwas Besonderes mit, die Nähe zwischen den Geschwistern, das Verständnis füreinander, und so konnten wir die Szenen über das hinausführen, was im Drehbuch stand. Im Verlauf der Films verändert sich die Beziehung zwischen den Schwestern, doch sie bleiben immer verbunden. Natalie und Scarlett haben das meisterhaft vermittelt.“

Natalie Portman spielt Anne Boleyn, die ihre Schwester Mary als Mätresse des Königs verdrängen und schließlich sogar seine Ehefrau und Königin werden sollte. „Man kann diese Ereignisse durch ihre Bedeutung leicht in die Geschichtsschreibung einordnen, doch im Grunde ist es eine Familiengeschichte, sind es die Erfahrungen zweier Schwestern“, sagt Portman.

Scarlett Johansson spielt „die Schwester der Königin“, Mary Boleyn, die als historische Figur in Vergessenheit geraten war. „Beziehungen zwischen Geschwistern sind kompliziert“, sagt Johansson. „Jeder kann diese Eifersucht und das Wetteifern nachvollziehen. Geschwister stehen sich sehr nahe; nur Geschwister können einen so genau durchschauen und instinktiv begreifen, wie man sich wirklich fühlt.“

Wenn diese Rivalität zwischen zwei Schwestern jedoch an einem Wendepunkt der Weltgeschichte ausbricht, geht es um viel mehr – das Risiko ist hoch, die mögliche Belohnung ebenso. Chadwick meint. „Wir beginnen mit drei unschuldigen Kindern, Anne, Mary und George Boleyn, und zeichnen ihre Geschichte vom Leben auf dem Lande über ihre Zeit am Hofe bis hin zum Tod durch Hinrichtung nach. Durch Ehrgeiz und die Gier nach Macht werden ihre Leben zerstört. Die Gemeinheiten und Intrigen werden die Zuschauer von heute ansprechen, sie zum Nachdenken anregen über das Besessensein von Ruhm und Reichtum, und als Warnung davor dienen, dass man – wortwörtlich – vor lauter Ehrgeiz nicht seinen Kopf verlieren sollte.“

Peter Morgan, der für sein Drehbuch zu „Die Queen“ für einen Oscar nominiert war, freute sich auf das Verfassen der Kino-Adaption von Philippa Gregorys Roman: „Obwohl ich bereits mit der Figur von Heinrich VIII. gearbeitet hatte (für einen preisgekrönten TV-Film mit Ray Winstone in der Hauptrolle), konnte ich es kaum erwarten, loszulegen, als ich feststellte, dass diese Geschichte von einem ganz anderen Blickwinkel ausgeht“, berichtet der Drehbuchautor. „Das Buch ist mit solcher Energie und mit solchem Elan geschrieben, und die beiden Schwestern bilden so großartige Antipoden. Anne ist eine ausgewachsene Diva aus dem 16. Jahrhundert – entschlossen, stur und manipulativ -, die eine der großen historischen Verführungen zuwege bringt, indem sie ihre Gunst dem mächtigsten Mann ihrer Welt vorenthält, bis sie bekommt, was sie will. Sie ist der Liebling ihrer Familie, startet in der Pole Position, und braucht das Rampenlicht. Mary ist viel komplizierter: sie verfügt über weitaus mehr emotionale Intelligenz, eine ausgeprägte Spiritualität und ist auf ihre Art ziemlich unnachgiebig.“

„Welche Schwester auch immer aus dem Wettkampf um die Zuneigung des Königs siegreich hervorgeht – die andere wird stets zur „anderen“ Boleyn“, erklärt Portman. „Anne legt sich in ihrem Wetteifer voll ins Zeug, während Mary sich für einen Weg entscheidet, glücklich zu sein ohne am Hofleben teilzunehmen – und letztendlich gewinn Mary dadurch, dass sie Anne den Sieg zugesteht, der Anne schließlich zerstören wird. Es ist eine Familiengeschichte voller Liebe und Intrigen, über Kinder, die von einer Welt korrumpiert werden, die sie zur Zwietracht anhält statt zur Solidarität. Mary, die Überlebende, ist diejenige, die diese Welt ablehnt.“

Neben Portman und Johansson spielt Eric Bana die Rolle von König Heinrich VIII.; Kristin Scott Thomas ist Lady Elizabeth, Jungstar Jim Sturgess ist George Boleyn, Mark Rylance spielt Sir Thomas Boleyn und David Morrissey verkörpert den Herzog von Norfolk.

Für die Verfilmung engagierte Chadwick ein ganzes Team von Spezialisten, darunter der Emmy-preisgekrönte Produktionsdesigner John-Paul Kelly sowie die zweimalige Oscar-Gewinnerin Sandy Powell als Kostümdesignerin. Außerdem wurde ein Etikette-Berater an Bord geholt: Noel Butler gab den Mitwirkenden den nötigen Einblick in die Sitten und Gebräuche am damaligen englischen Hof.

Chadwick fasst seine Erfahrungen folgendermaßen zusammen: „Ich möchte die Zuschauer glauben lassen, dass es für Anne Hoffnung geben könnte, obwohl jeder genau weiß, was für ein Schicksal ihr beschieden war. Ich hoffe, die Zuschauer werden den vielen Wendungen der Story folgen und sich wünschen, dass Anne letztlich doch begnadigt wird.“

Produktion: Die Schauspieler

Die Oscar-nominierte Schauspielerin Natalie Portman sagt, sie habe sich der Rolle als Anne Boleyn zunächst über Recherchen genähert. Sie verließ sich nicht nur auf die im Roman beschriebenen Figur, sondern griff auch auf historische Quellen zurück – und stellte dabei fest, dass Anne eine Frau war, die ganz im Einklang mit ihrer Epoche stand, aber auch ihrer Zeit weit voraus war: „Anne hatte einen Sinn für Selbstachtung, der für die Frauen ihrer Epoche ungewöhnlich war. Sie war davon überzeugt, einen Status zu verdienen, der ihr nicht von Geburt an zuteil geworden war – und genau das wurde ihr letztlich zum Verhängnis. Damals ging es bei einer Eheschließung nicht um Liebe; man wollte Familienbande stärken und Machtpositionen ausbauen. Anne akzeptiert das, doch es trifft sie unerwartet, dass König Heinrich charmant, gut aussehend und gebildet ist. In ihm findet sie ein intellektuell ebenbürtiges Gegenüber; indem sie ihn herausfordert, will sie seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen.“

Als Einzelkind vertraute Natalie Portman auf die Erfahrungen ihrer Mitdarstellerin Scarlett Johansson, um die Beziehungen zwischen Geschwistern verstehen zu lernen: „Scarlett ist eine von vier Geschwistern. Ich hatte das Gefühl, eine Mitverschwörerin zu haben – sie ist eine wunderbare Schauspielerin und eine sehr spielerische Person. Peter Morgan stimmte zu, dass in jeder Szene zwanzig Dinge gleichzeitig zwischen den Mädchen passieren – Liebe, Streit, Schuldgefühle, Rivalität, doch vor allem stehen sie sich doch immer nahe.“

Johansson recherchierte auch über die historische Epoche bevor sie sich an die Rolle machte: „Es ist sehr interessant über die Zeit am Hofe der Tudor zu lesen. Während der Rest der Welt litt und sich in Religionskriegen und um Territorien blutige Schlachten lieferte, lebte der Hof in seiner ganz eigenen, kleinen Welt.“

Dennoch war Scarlett Johanssons wichtigstes Werkzeug zur Hintergrundrecherche für ihre Rolle der Roman: „Es ist nicht viel über Mary Boleyns Leben bekannt“, erklärt sie. „Man kann verschiedene Versionen darüber lesen, wie es zu ihrer Affäre mit König Heinrich kam, und über ihrer Persönlichkeit weiß man gar nichts. Es wurden keine Artikel über sie geschrieben, die Öffentlichkeit hatte keinerlei Interesse an ihrer Person. Sie war einfach eine weitere der Mätressen des Königs. Das beste Forschungsmaterial war für mich also Philippa Gregorys Vorstellung von dieser Person, und der Roman war für meine Rolle unglaublich hilfreich.“

„Die Boleyn-Schwestern werden beschrieben als zwei Hälften ein und derselben Person. Ich denke, das trifft immer auf Schwestern in ähnlichem Alter zu, auch wenn sie das nicht immer zugeben wollen“, meint Johansson. „Das, was Mary an Anne bewundert und verabscheut, sind Merkmale, die sie selbst gerne hätte. Genauso stellt Anne gegen Ende der Geschichte fest, dass sie selbst gerne über einige von Marys Wesenszügen verfügen würde.“

Scarlett Johansson war auch glücklich über die Gelegenheit, mit Natalie Portman zusammenarbeiten zu können. „Die Filmbranche kann ein so wettbewerbsorientiertes Business sein, und es ist sehr selten, dass zwei so starke Frauenrollen in einem Film vereint sind“, sagt die Schauspielerin. „Natalie ist freundlich und großzügig, sowohl persönlich wie auch in ihrer Darstellungsweise. Mit ihr zusammenzuarbeiten ist eine echte Inspiration.“

Für Chadwick bot sich in der Verfilmung von „Die Schwester der Königin“ außerdem die Gelegenheit, König Heinrich VIII. so zu zeigen, wie Anne und Mary ihn sehen: mächtig, charmant und sexy, ganz anders als das Bild des alternden Mannes, das man sonst von ihm hat. „Philippa Gregory hatte Heinrich als den gut aussehenden und intelligenten Mann dargestellt, der er war, bevor der Wahnsinn sich seiner bemächtigte“, berichtet der Regisseur.

Um den jungen König zu verkörpern, engagierte Chadwick Eric Bana. Der Schauspieler hat sich in Hollywood gut etabliert, doch überraschenderweise war es seine Erfahrung in der Comedy-Improvisation, die den Regisseur für ihn einnahm: „Eric ist ein attraktiver Filmstar, aber seine Bühnenerfahrung in der Improv-Comedy erlaubt es ihm, die Warmherzigkeit und menschliche Seite dieses Mannes zu zeigen, der König von England war.“

„Meine Frau hatte den Roman bereits gelesen, genauso wie viele Frauen aus meinem Bekanntenkreis, wie ich dann feststellen solle“, erzählt Bana. „Ich denke, Frauen fühlen sich davon stark angesprochen weil er zwei sehr ausgeprägte Seiten der weiblichen Psyche zeigt: modern gesprochen ist Anne die ehrgeizige Karrierefrau, während Mary sich nach Liebe und Familie sehnt. Ich liebe Philippas Schreibstil – der Roman ist sehr lebendig, voller saftiger und auch schwer zu verdauender Figuren.“

„Besonders hat mir die Komplexität des Mannes zugesagt“, fährt Bana fort. „Ich hatte das Gefühl, dass auch wenn er sich schlimm benahm, ich die dahinter steckende Logik gut nachvollziehen konnte. Gegen Ende des Films können wir erahnen, wohin das führen wird – er verwandelt sich in ein verwöhntes Bald, wird unvorhersehbar und gefährlich. In gewissem Sinne führt er ein Doppelleben – er ist der Mann, auf den am Hofe alle Augen gerichtet sind, doch hinter verschlossenen Türen hat Anne ihn vollständig in ihren Bann gezogen.“

Eric Bana ist voll des Lobes für Portman und Johansson, und beschreibt sie als „zwei wahnsinnig großartige Schauspielerinnen. Sie sind wie zwei sprudelnde Quellen des Talents und der emotionalen Bandbreite. Ich war sprachlos vor Bewunderung während ich sie bei der Arbeit beobachtete. Nachdem man ja verfolgen konnte, wie sich ihre Karrieren entwickelt haben, erscheint es bizarr, dass beide noch so jung sind. Auch ihre Beziehung als Schwestern ist so mühelos gediehen.“

Die Oscar-nominierte Schauspielerin Kristin Scott Thomas spielt Mary und Annes Mutter, Lady Elizabeth Boleyn, die versucht, ihre Töchter zu beschützen und deren Erfolg im Leben zu gewährleisten. „Wenn es um das Überleben ging, drehte sich bei einer Frau damals alles um die Ehe“, stellt die Schauspielerin fest. „Je nachdem, wie „günstig“ man heiratete, hatte man eben einen Wohnort und konnte sich ernähren. Gleichzeitig ist sie im Film eine gläubige Frau – sie möchte für ihre Töchter das Beste und befürchtet, dass die Mädchen auf den falschen Weg geraten könnten. Sie dient als moralischer Kompass und steht stellvertretend für die Zuschauer, als beide Mädchen in den Wirren des Hofes verloren gehen.“

„Es ist eigenartig, die damalige Zeit zu beschreiben, denn die Worte, die wir benutzen, sind alle modern. Andererseits haben sich die Menschen eigentlich nicht sehr verändert“, fährt die Schauspielerin fort. „Man benimmt sich natürlich anders, aber die Gefühle und Emotionen sind genau die gleichen.“

David Morrissey spielt den Herzog von Norfolk, Annes und Marys Onkel. Er ist der Mann, der hinter dem Thron die Fäden in der Hand halten würde, und spinnt seine Intrigen um den Status seiner Familie bei Hofe zu steigern – durch alle erdenklichen Mittel.

Morrissey sagt: „Der Herzog von Norfolk drängt nicht nur sowohl Mary als auch Anne zum König, sondern war auch – und das spricht der Film gar nicht an – der Onkel von Katherine Howard, der fünften Ehefrau von Heinrich VIII. Er war ein Macher, ehrgeizig, hoch intelligent und ziemlich skrupellos – zumindest hinsichtlich seiner Nichten. Obwohl man sich heutzutage empören würde, wenn jemand seine Verwandten so behandelte, waren die Frauen zur damaligen Zeit nur eine Tauschware.“

Jim Sturgess, der George Boleyn spielt, beschreibt seine Figur als „liebenswerten Draufgänger, einen energiegeladenen jungen Mann, der unkritisch das Leben am Hofe und alles, was damit zusammenhängt, ersehnt und liebt. Er blüht am Hof auf und lässt es sich gut gehen, ist aber gleichzeitig genauso ehrgeizig wie sein Vater und sein Onkel. Und er versteht, dass er in diesem Strategiespiel eine bestimmte Rolle spielen muss – auch wenn er nur als Unterpfand dient.“

Zusätzlich zu der Chance, mit Portman und Johansson zusammenzuarbeiten, war Sturgess interessiert an der Art Film, den Chadwick plante: „Er wollte wirklich die schmutzigen Details und die Realität des damaligen Lebens am Hof darstellen – und auch die Ränke und den Wahnsinn zeigen, der sich hinter den Pforten abspielte“, erzählt der Schauspieler.

„George, Anne und Mary sind definitiv ein Trio“, meint Sturgess. „George fungiert praktisch als Vermittler zwischen den Mädchen. Er ist seinen beiden Schwestern sehr zugetan. Vielleicht würde er sich eher auf die Seite von Anne stellen, da sie die ehrgeizigere der beiden Schwestern ist, doch er liebt beide wirklich aufrichtig. Tatsächlich ist es auch seine Liebe und Loyalität zu Anne, die ihn letztendlich auf gewisse Weise umbringt.“

Produktion: Die Herstellung

„Die Schwester der Königin“ wurde in High Definition gedreht. Regisseur Justin Chadwick berichtet: „Wir haben die TV-Serie „Bleak House“ in HD gedreht und die herausragende Qualität des Endprodukts wirklich zu schätzen gelernt; deswegen hat es mich gefreut, dass Sony daran interessiert war, dass wir wieder in HD drehen. Der große Vorteil liegt darin, dass nichts verborgen bleibt – man kann jedes einzelne Detail sehen. Bei den Nahaufnahmen hat man das Gefühl, den Schauspieler erreichen und berühren zu können; man kann ihnen tief in die Augen blicken. Das ist für einen Kostümfilm nicht die nahe liegende Wahl, aber ich wollte die Darstellungen in den Mittelpunkt rücken und nicht nur Weitwinkelaufnahmen der wunderschönen Drehorte zeigen. Dieser Film wird einen ganz eigenen und einmaligen Look haben.“

„Das Drehen in HD eröffnete uns etliche Möglichkeiten“, sagt Kristin Scott Thomas. „Wir konnten viele Takes machen. Justin war ein sehr großzügiger, feinfühliger Regisseur, und gab uns die Gelegenheit, einen sehr leidenschaftlichen Film zu verwirklichen.“

Chadwick war fest entschlossen, so weit wie möglich an Originalschauplätzen zu drehen. „Wenn die Figuren sich in ihrer echten Umgebung wie zuhause fühlen, dann beflügelt das auch die Darstellungen“, erklärt der Regisseur. Die meisten der Außenaufnahmen wurden in echten Schlössern und Anwesen in ganz England gedreht; für einige der Innenaufnahmen jedoch erforderte der von Chadwick gewünschte, realistisch gealterte Look auch die Errichtung von Studiosets. „Wir haben viele der echten Schauplätze besucht, z.B. Hever Castle, in dem die Boleyn-Familie eine Zeit lang gelebt hatte, doch die meisten dieser unter Denkmalschutz stehenden Gebäude werden heutzutage touristisch genutzt und sind daher instand gesetzt worden und sehr gepflegt. Sie bieten einfach nicht die Atmosphäre, die sie während der Epoche von Heinrich VIII. ausgestrahlt haben.“

Die Herangehensweise von Produktionsdesigner John-Paul Kelly begann damit, über die Tudor-Epoche zu recherchieren und potentielle Drehorte zu besuchen. „Anfangs machte ich mich mit Justin und dem Kameramann Keiran McGuigan auf die Suche. Wir fuhren zu möglichen Drehorten und unterhielten uns darüber, wie der Film aussehen könnte. Justin wollte einen relevanten, modernen und lebendigen Stil. Die Tudor-Epoche war unglaublich energiegeladen, es war eine Zeit massiver Veränderungen auf der Welt, und Heinrichs Hof war der Anfang des modernen Großbritannien, in dem wir heute leben. Wir wollten den Hintergrund lebendig, vibrierend und interessant gestalten. Unser Ausgangspunkt war eine Balance zwischen akkurat dargestellter historischer Epoche und einer modernen und aufregenden Story.“

Um diese einzigartige Stimmung zu erzeugen, studierte Kelly alte Fotografien aus aller Welt auf der Suche nach Inspirationsquellen. Die Ideen für sein Design des Tudor-Hofes bezog er aus so unterschiedlichen Aufnahmen wie die von Straßenszenen in Indien und aus Nachtclubs in Berlin. Kelly berichtet, dass es den Filmemachern wichtig war, keine anachronistischen Elemente aufzunehmen, man gleichzeitig versucht habe, „die Quintessenz der Epoche darzustellen, ohne alles mit Details zu überfrachten. Ich wollte das Flair und die Attraktivität der Bilder, die uns aufregend schienen, widerspiegeln.“

Zwei der zentralen Schauplätze des Films sind das Haus der Familie Boleyn und Whitehall Palace, wo Heinrichs Hof ansässig ist. Um die Ball-Sequenz in Whitehall zu drehen, errichteten Kelly und sein Team weitläufige Areale von Whitehall auf zwei Bühnen im George Lucas Building in den Londoner Elstree Studios. Dies ist laut Kelly eine Schlüsselszene: „Hier erleben beide Boleyn-Schwestern den ganzen Glanz von am Hofe von Heinrich VIII. zum ersten Mal. Und natürlich reagieren beide auf unterschiedliche Weise: Anne ist dieser Welt mit Haut und Haar verfallen, Mary wäre am liebsten ganz woanders.“

Kellys Sets betont noch die Bedeutung dieses Augenblicks: „Wir wollten einen massiven, langen Korridor, der den Dimensionen des Palastes entsprach. Der Ball sollte eher wie eine Party wirken, auf der man von Raum zu Raum gehen kann und sich in jeder Ecke aufregende Dinge abspielen, und eben nicht wie diese großen, typischen Königsbälle, die man oft in Kostümfilmen sieht. Es sieht zwar nicht aus wie ein Nachtclub in Berlin, fühlt sich aber hoffentlich genauso aufregend an.“

Kellys Lieblingsset war Heinrichs Schlafzimmer, das ebenfalls im Studio errichtet wurde. Der Produktionsdesigner erzählt: „Ich dachte, es wäre interessant, wenn Heinrich mit Mary in einen waldgetäfelten Raum geht, also beschloss ich, ein Wandbild rundherum zu ziehen in Farben, die auch für Gobelins hätten benutzt werden können. Und weil aus jener Zeit auch nur wenige Möbelstücke erhalten sind, haben wir selbst viel davon entworfen und gebaut. Das war ein fantastischer Moment des Exzesses für mich, als ich das Bett von Heinrich VIII. entwerfen und bauen konnte.“

Whitehall Palace war niedergebrannt und wurde später wieder aufgebaut, weshalb es wenig Referenzen zum Originalpalast aus den 1530er Jahren gab. „Der echte Palast hatte wahrscheinlich viele langweilige Korridore und war spärlich in Braun möbliert. Die Herausforderung in einem Kostümfilm liegt eben darin, eine Realität zu erzeugen, die der Geschichte treu bleibt, uns jedoch gestattet die Geschichte so zu erzählen wie man es möchte“, sagt Kelly.

Sowohl Kelly als auch Kostümdesignerin Sandy Powell stützen sich auf die Farbpalette, die der Porträtmaler Hans Holbein eingesetzt hat: „Als Holbein den Hof von Heinrich VIII. porträtierte, arbeitete er ganz anders als seine Zeitgenossen“, erklärt Kelly. „Seine Palette war sehr außergewöhnlich; er verwendete viele Türkis-Nuancen, starkes Blau und tiefe Grüntöne. Unsere Entwürfe basierten auf diesen Vorgaben und ergänzten sich gegenseitig, so dass die Einrichtung und die Garderobe komplementär sind. Sie erzählen dieselbe Geschichte.“

Produktion: Zu den Kostümen

Kostümdesignerin Sandy Powell war bereits sieben Mal für den Oscar nominiert und wurde zwei Mal mit der Auszeichnung bedacht: für „Shakespeare in Love“ und „Aviator“. Die Chance, an „Die Schwester der Königin u arbeiten, sah sie als große Herausforderung; sie und ihr Team waren dafür verantwortlich, hunderte von Originalkostümen zu entwerfen und zu fertigen, die der Tudor-Ära angemessen waren.

Genau wie ihr Kollege, der Produktionsdesigner John-Paul Kelly, stützte sich Sandy Powell für die Entwürfe der Garderobe von Heinrich VIII. und den Boleyns auf die Gemälde von Hans Holbein: „Er war der einzige Maler seiner Zeit, der den Hof von Heinrich VIII. porträtierte, und das auch noch so detailliert. Unser heutiges Bild von Heinrich ist geprägt von Holbeins Porträt, das in der National Gallery hängt: der König steht breitbeinig und hat beide Hände auf den Hüften. Im Film zeigen wir natürlich einen jüngeren Heinrich, also haben wir uns unser eigenes Bild von ihm gemacht.“

Laut Powell ist das Einfangen des authentischen Looks jener Zeit und die gleichzeitige Aufrechterhaltung von hoher Kreativität und Originalität ein Balanceakt für jeden Designer, der sich einer gewissen Epoche auseinandersetzt: „Man muss sich immer gewisse künstlerische Freiheiten nehmen; man kann niemals nur strikt authentisch sein, und außerdem weiß niemand wirklich genau was authentisch bedeutet“, erklärt die Designerin. „Wir haben keine vollständigen Informationen zu der Garderobe jener Zeit, und wir haben nicht die gleichen Stoffe. Ich recherchiere, und daraus entwickle ich dann meine eigene Version. Ich tue das, was für die Figur, oder den Schauspieler, oder die Szene, oder für den Film als ganzes richtig ist. Wir wollen eine Geschichte erzählen.“

Einer der Schlüsselelemente des Films ist die Unterscheidung zwischen Mary und Anne Boleyn. Powell erläutert: „Es gibt keine große Vielfalt in der Formgebung oder Silhouette der Kleider aus der Tudor-Zeit, und die Mädchen hatten den gleichen Lebensstil und bewegten sich größtenteils in den gleichen Kreisen, zuhause sowie am Hof. Deshalb habe ich unterschiedliche Farbtöne und Nuancen eingesetzt um sie zu differenzieren. Marys Figur ist etwas sanftmütiger und romantischer als Anne, die wir als energischer und stärker empfinden. Ohne also so eindeutig sein zu wollen und die eine in Rot, die andere in Blau zu kleiden, habe ich ihrer Garderobe unterschiedliche Grundtöne gegeben.“

Powell setzte die Garderobe auch dazu ein, um die Politik jener Zeit auf subtile Weise zu verdeutlichen: „Für den Vater der Mädchen zum Beispiel, Sir Thomas Boleyn, habe ich jedes Gewand etwas prächtiger als das vorherige gemacht, gegen Ende sogar etwas vulgär. Seine Macht am Hof nimmt zu, und damit auch sein Vermögen. Genau wie ein Emporkömmling oder Neureicher heutzutage hat er eben Geld und will das auch zur Schau stellen.“

Die Designerin hat ein Lieblingsoutfit: „Natalie trägt das Lilien-Kleid während sie reitet“, sagt Powell. „Es ist strahlend Grün und vorne mit Lilien bestickt.“

„Die Ausstattung ist immer sehr hilfreich“, sagt Johansson und betont, dass dies besonders auf Kostümfilme zutreffe. „Wie man sich hält und wie großartig man sich fühlt, wenn man solche Roben trägt. In Marys Fall verändert sich ihr Charakter genauso wie sich auch ihre Kleidung verändert. Auf dem Land trägt sie einfache Baumwollkleider, mit denen sich einfacher arbeiten lässt. Später im Film wird sie sehr mütterlich, hält ein Kind im Arm – und in den ausladenden Hofgewändern ist das unmöglich. Man fühlt die Charakterveränderung.“

Produktion: Zu den Drehorten

Das Haus und Anwesen von Great Chalfield Manor in der Nähe von Bath wurde von den Filmemachern als Landhaus der Boleyns genutzt. Dort wurden zwei Schlüsselszenen gedreht: Marys Hochzeit mit William Carey und der Besuch des Königs, der mit Anne und George auf die Jagd geht. Das Manor House und die kleine Gemeindekirche von All Saint, die auf dem Anwesen liegt, wurden im 15. Jahrhundert wieder aufgebaut, und seither war das Haus stets bewohnt – in den vergangenen 130 Jahren von ein und derselben Familie. 1905 restaurierte Familie Fuller restaurierte das Anwesen und 1943 überschrieb sie Haus und Grundstücke in einer Schenkung an das National Trust. Das Manor ist ein hervorragend erhaltenes Beispiel der Architektur jener Zeit: ein Amalgam aus mittelalterlichen Merkmalen, darunter ein gewölbte Eingangshalle, Erkerfenster und eine große Zentralhalle mit der „modernen“ (aus dem 16. Jahrhundert stammenden!) Anbau eines Empfangszimmers.

Ganz in Nähe liegt die Lacock Abbey, deren Gärten, Wandelgänge und Räume als Drehorte für Szenen im Whitehall Palace dienten, wo Königin Katharina zum ersten Mal den Boleyn-Schwestern entgegentritt und Anne mit dem jungen Heinrich ihr Spiel treibt, um den König an seinen Wunsch nach einem Sohn und Thronfolger zu erinnern. Lacock Abbey wurde im 13. Jahrhundert von der Countess von Salisbury gegründet; in der Regel lebten dort zwischen 15 und 25 Nonnen. Die armen Dorfbewohner der Ortschaft profitierten von diesem Kloster, denn die Nonnen versorgten die Mittellosen mit Nahrung und Geld. Die meisten Dorfbewohner arbeiteten als Pachtbauern für das Kloster und zahlten ihre Abgaben in Naturalien, z.B. mit Korn oder Wolle. Nach König Heinrichs Bruch mit der Römischen Kirche wurde Lacock Abbey, genau wie viele weitere Ordenshäuser, an einen wohlhabenden Landbesitzer verkauft. Seit dem 16. Jahrhundert liegt es im Besitz einer einzigen Familie.

Die Saint Bartholomews Church in der Gegend von Smithfield bei London war der Drehort für den Prozess gegen Königin Katharina und für die düstere Hochzeit der schwangeren Anne Boleyn mit König Heinrich. Direkt neben Saint Bartholomews Hospital und dem Smithfield Market gelegen, in einem für seine Bars und Restaurants zunehmend begehrten Viertel, ist Saint Bartholomews eine aktive anglikanisch-episkopalische Kirche; errichtet wurde sie 1123 als Heinrich I., Sohn von Wilhelm dem Eroberer, König von England war. Diese Kirche überstand sowohl den großen Brand von London im Jahr 1666 als auch die Bombenangriffe im ersten und zweiten Weltkrieg.

Die Hinrichtungen von Anne und George Boleyn, die in Wirklichkeit im Londoner Tower stattfanden, wurden für den Film in Dover Castle gedreht. Diese Burg liegt hoch auf den Klippen an der südöstlichen Küste Englands, mit Blick auf die engste Stelle des Ärmelkanals nach Frankreich; schon zu Zeiten der römischen Besatzung stand an diesem strategisch wichtigen Standort eine Festung. König Heinrich VIII. wusste die wehrhafte Bastion zu schätzen, als England von einer scheinbar unvermeidlichen Invasion durch die Katholiken bedroht schien, nachdem er seine Ehe mit Katharina von Aragon aufgelöst hatte und das Friedensabkommen zwischen Spanien und England zerbrochen war. Heinrich befahl die Aufrüstung der Verteidigungsanlagen im Lande und gab die Errichtung einer Reihe von Artillerie-Festungen entlang der Küste in Auftrag. 1539 besuchte er auch Dover Castle, um sich persönlich von den Fortschritten der Bauarbeiten zu überzeugen.

Knole House, ein repräsentatives Anwesen in der Grafschaft Kent im Südosten Englands, ist wegen seiner 365 Räume als „Kalender-Haus“ bekannt. Nachdem Heinrich VIII. den Erzbischof von Canterbury enteignet hatte, war es im Besitz des Königs, der es für Jagdausflüge nutzte. Heinrichs Tochter, die spätere Königin Elizabeth I.. schenkte das Haus samt 1.000 Hektar Wildpark ihrem Cousin Thomas Sackville, dessen Nachkommen, die Herzöge und Earls von Dorset und die Barone von Sackville seither dort beheimatet sind. Im Film wird das Anwesen für die Außenaufnahmen von Whitehall Palace genutzt; die Dächer des Hauses verkörpern auch die Turmspitzen von London bei Nacht, als Mary Boleyn vom Hofe flieht, um zu William Stafford aufs Land zurückzukehren.

Marys Reise zu Pferd führt sie auch durch das Derbyshire Peak District und zeigt die spektakuläre Landschaft um Dovedale und Stannage Edge. Als sie zu dem Haus kommt, in dem sie mit William Stafford und ihren Kindern lebt, sehen wir die Fassade von North Lees Hall; diesem Gebäude wird nachgesagt, es habe Charlotte Brontë zur Beschreibung von Thornfield Hall angeregt, dem Wohnsitz von Mr. Rochester in ihrem Roman Jane Eyre.

Die Räumlichkeiten von Haddon Hall, ebenfalls im Peak District gelegen, dienten weiteren Innenaufnahmen des Hauses der Boleyn-Familie. Haddon Hall ist eines der best erhaltenen mittelalterlichen Häuser im Tudor-Stil und wurde beschrieben als „das perfekteste Haus, das aus dem Mittelalter bis in die heutige Zeit überlebt hat“. Seit 1567 ist es im Besitz der Familie Manners; nachdem es 200 leer stand, wurde es in den 1920er Jahren vom Herzog und der Herzogin von Rutland restauriert.

Penshurst Place liegt ebenfalls in Kent und war im Film der Drehort für die Gärten und den Großen Speisesaal von Whitehall Palace. Dieses Manor House ist das vollständigste heute noch erhaltene Beispiel für ein Privatwohnhaus aus dem 14. Jahrhundert. Heinrichs Sohn, Edward VI., vermachte das Anwesen 1552 Sir William Sidney; seither ist es der Wohnsitz der Familie gewesen. Die vorherigen Eigentümer waren die Herzöge von Buckingham, von denen einer Heinrich VIII. im Jahre 1519 in der Baron’s Hall bewirtete. Zwei Jahre später war diese Gastfreundschaft in Vergessenheit geraten und der Herzog wurde wegen Hochverrats geköpft. Tatsächlich verloren während der Tudor-Regentschaft gleich drei Herzöge von Buckingham nacheinander ihren Kopf.

Historischer Hintergrund: Über König Hei

Henry Tudor wurde 1491 geboren, als zweiter Sohn von König Heinrich VII. von England. Sein älterer Bruder Arthur starb und so trat Heinrich die Thronfolge an. Heinrichs erste Ehefrau war Katharina von Aragon, die Witwe seines Bruders Arthur – eine Eheschließung, die unter der römisch-katholischen Kirche nur gestattet wurde, weil man anführte, dass die Ehe zwischen Katharina und Arthur niemals vollzogen worden sei. Mit Katharina hatte Heinrich eine Tochter, Mary. Heinrich ließ sich von Katharina scheiden, nachdem er sich in Anne Boleyn verliebt hatte. Sein Wunsch nach einem männlichen Thronfolger war ausschlaggebend dafür, dass Heinrich die schwangere Anne zur Frau nehmen wollte – doch auch Anne gebar ihm nur eine Tochter, Elizabeth. Die Ehe von Heinrich mit Anne währte nur drei Jahre, bevor Anne des Ehebruchs angeklagt und hingerichtet wurde. Überstürzt heiratete Heinrich dann Jane Seymour, die im Kindbett starb, als sie Heinrich den lang ersehnten Sohn und Erben, Prinz Edward, das Leben schenkte.

Daraufhin arrangierte Heinrich die Ehe mit Anne von Cleves, nachdem er laut Überlieferung das schöne Porträt sah, das Hans Holbein von ihr angefertigt hatte. Die Anne von Cleves in Fleisch und Blut sagte ihm jedoch nicht zu, und die Ehe wurde niemals vollzogen. Catherine Howard, eine weitere Nichte des berechnenden Herzogs von Norfolk, wurde Heinrichs fünfte Ehefrau, doch innerhalb von nur zwei Jahren wurde auch sie des Ehebruchs angeklagt und geköpft. Heinrichs sechste und letzte Ehefrau war Caherine Parr, die den König überlebte. Er starb 1547 im Alter von 56 Jahren.

Zunächst folgte ihm sein damals neunjähriger Sohn, Edward VI., auf den Thron; seine Herrschaft währte sechs Jahre. Als er starb, kam Lady Jane Grey an die Macht, doch da sie nicht in der Erbfolge stand, wurde sie gezwungen, nach nur neun Tagen auf die Krone zu verzichten, als Mary, die Tochter von Katharina von Aragon, triumphierend in London einritt. Mary bekam aufgrund ihrer unnachgiebigen Haltung gegenüber allen Nichtkatholiken den Beinamen „Bloody Mary“. Nach Marys Tod wurde Anne Boleyns Tochter Elizabeth zur Königin von England gekrönt; so begann eine lange und gefeierte Regentschaft, die als „goldenes Zeitalter“ bekannt wurde.

Als junger und tatkräftiger König fiel Heinrich in Frankreich ein, besiegte in der Schlacht am Flodden Field die Schotten und verfasste ein Traktat gegen die Reformation, wofür ihm der Papst den Titel „Verteidiger des Glaubens“ verlieh. Doch Heinrichs fixe Idee, einen männlichen Erben zu zeugen, der ihm auf dem englischen Thron folgen sollte, führte zu seiner Scheidung von Katharina von Aragon; da der Papst sich zuvor geweigert hatte, die Ehe zu annullieren, folgte auf die Scheidung der Bruch mit Rom. Heinrich spaltete die Anglikanische Kirche von der römisch-katholischen Kirche ab – ein Ereignis, das die englische Politik und das gesamte westliche Christentum zutiefst veränderte, da somit die unangefochtene Vorherrschaft der römischen Kirche untergraben war.