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Fakten und Hintergründe zum Film "Die rote Zora"

Kino.de Redaktion |

Die rote Zora Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Kurt Held veröffentlichte sein erfolgreiches Jugendbuch „Die rote Zora und ihre Bande“ 1941 in der Schweiz. Nach 1945 erschien das Buch in ganz Europa, später sogar in Japan. Es heißt, auch die berühmte Autorin Astrid Lindgren habe das Buch gelesen und sich dadurch zu ihrer eigenen rothaarigen Rebellin „Pippi Langstrumpf“ inspirieren lassen.

Produzentin Claudia Schröder sicherte sich die Verfilmungsrechte des Romans bereits im Jahr 2000. Sie finanzierte und entwickelte das Projekt und holte den renommierten Filmemacher Peter Kahane („Bis zum Horizont und weiter“) als Regisseur und Co-Autor an Bord. Die Durchführung und Weiterentwicklung der Produktion übernahm dann Studio Hamburg unter Federführung der Produzenten Malte Grunert und Ronald Kruschak (auch Co-Autor).

„Bei der Verfilmung halten wir uns eng an den Roman“, sagt Malte Grunert, „denn wir achten und respektieren Kurt Helds spannende Abenteuergeschichte. Die rote Zora gehört wie Huckleberry Finn und Oliver Twist zu den unvergesslichen Figuren des Jugendroman-Genres.“ „Eine Drehbuchentwicklung ist ein langwieriger Prozess, in dem die Gewichte ein wenig verschoben werden müssen“, sagt Regisseur Kahane. „Wir versuchen, die Balance zwischen den emotionalen und aktionsreichen Szenen zu halten und dabei nicht nur der Vorlage gerecht zu werden, sondern vor allem auch unseren jungen Zuschauern.“ „In der heutigen Kinderfilmlandschaft ist ,Die rote Zora‘ ungewöhnlich, weil der Stoff klassisch-historisch anmutet“, ergänzt Kruschak. Dabei ist die Geschichte auf sozialer, gesellschaftlicher Ebene in der heutigen Zeit durchaus relevant: Obdachlose Kinder sind ein nach wie vor ein aktuelles Thema: Es gibt Schätzungen, nach denen in Deutschland mehrere tausend Kinder auf der Straße leben, und in Osteuropa noch mehr. Und als Sozialist schlug sich Romanautor Kurt Held auch auf die Seite der kleinen kroatischen Fischer, die vom Großhändler in die Knie gezwungen werden – diese Art von Konflikt erleben wir doch heute im Zuge der Globalisierung immer wieder. In unserer Story wird dieses Motiv dabei leicht satirisch überspitzt.“

„Außerdem handelt die Geschichte von Freundschaft und Solidarität – ebenfalls ein ganz zeitloser Aspekt“, fährt Grunert fort. „Wesentlich war für uns der Umstand, dass sehr wenige Kindergeschichten eine starke Mädchenfigur in den Mittelpunkt stellen. Außer den ,wilden Hühnern‘ und früher ,Pippi Langstrumpf‘ findet man kaum Heldinnen. Unsere Zora ist die mutige Anführerin, die Integrationsfigur, die dem Film eine besondere Stellung verschafft.“ „Was mir an der Zora sehr gefällt: Dieses Mädchen, diese junge Frau – sie ist 14 Jahre alt – passt sich nicht an, will sich nicht ins Leben der bürgerlichen Kreise einfügen“, sagt Regisseur Kahane. „Wie ihre Freunde ist sie Außenseiterin, geht ihren eigenen Weg. Und dabei entwickelt sie eine unbändige Kraft, die sich aus ihrem Überlebenskampf ergibt. Eine Kraft, die ausreicht, um vier, fünf Jungs mitzuziehen und eine Bande anzuführen.“

Über Zora und das neue Bandenmitglied Branko sagt Kahane: „Die beiden sind nicht nur die Hauptfiguren, sie bilden auch die interessanteste Figurenkonstellation, weil Branko ein bisschen ordentlicher und vernünftiger ist als die wilde Zora – er bildet einen wunderbaren Gegenpol zu ihr. Sie reagiert oft unbeherrscht, während er immer genau wissen will, wieso man etwas macht. Er hat wie Zora einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Aber Zoras Lebenserfahrung ist anders: Man nimmt sich, was man braucht. Man stiehlt. Vor Polizisten hat man keinen Respekt. Branko will dagegen niemanden bestehlen, vor allem nicht Menschen, die er mag. Zunächst hat er auch Respekt vor den Polizisten. Aber im Laufe der Geschichte ändern sich die beiden: Branko bringt Zora zum Nachdenken und umgekehrt: zwei starke Figuren, die einander beeinflussen.“ Ronald Kruschak über seine Zusammenarbeit mit Co-Autor und Regisseur Peter Kahane: „Er ist ein großer Schauspielregisseur, geht sehr einfühlsam mit den Kindern um. Er hat immer schon seine Filme als Co- Autor mitgeschrieben, und Kurt Helds im Roman formuliertes Anliegen ist Kahane von seiner eigenen Geschichte her durchaus nicht fremd. Die Erfahrung war für uns so positiv, dass wir inzwischen weitere gemeinsame Projekte planen.“

Bevor er den Auftrag bekam, hatte Kahane Kurt Helds Roman nicht gelesen, und erst während der Dreharbeiten erfuhr er von seiner Tante, dass es zwischen seiner Familie und dem Kinderbuchautor eine verblüffende Verbindung gibt: „Mein Onkel war bis 1933 Kinderdarsteller an der Volksbühne in Berlin, trat damals zum Beispiel in der Bühnenfassung von ,Emil und die Detektive‘ auf. Dann emigrierte er und kehrte nach dem Krieg zurück, um das berühmte Studentenkino Capitol in Dahlem zu betreiben. Vermutlich kannte er den Autor Kurt Held aus seiner Zeit beim Kindertheater. Denn Kurt Helds Frau Lisa Tetzner engagierte sich schon lange vor ihrem Mann für Kinderliteratur. Jedenfalls nahm mein Onkel den Kontakt nach dem Krieg wieder auf und hat Kurt Held und seine Frau in der Schweiz mehrfach besucht.“

50 Jahre später lernte auch Peter Kahane Kurt Helds Vermächtnis kennen: Als er den Roman bei der Vorbereitung auf seinen Film las, war er begeistert: „Mir gefällt das soziale Moment an der Geschichte: Die Kinder sind Ausgestoßene, leben am Rande der Gesellschaft. Am Ende des Films kommen sie der Gesellschaft ein großes Stück näher: Sie werden aufgenommen, obwohl wir nicht genau wissen, wohin das führt, ob sich die Gesellschaft vielleicht ändern wird. Die Gesellschaft, das sind in diesem Fall die Bürger der Stadt. Es geht um Arm und Reich, um Hunger und ums Sattwerden – um den Unterschlupf in einer Burgruine oder das Wohnen in ordentlichen Häusern. Doch Kurt Held spult nicht einfach nur sein soziales Programm ab, sondern erzählt eine sehr lebhaft geschriebene Geschichte mit nachvollziehbar entwickelten, starken Figuren. Sie sind in sich auch sehr widersprüchlich, sie machen Spaß. Sie machen Fehler, sie streiten sich. Wir konnten leider nicht den gesamten Roman in den Film einbringen.

Wir mussten einige Figuren weglassen – gerade die Bürger der Stadt kommen teilweise zu kurz. Aber der besondere Reiz des Romans bleibt erhalten. Deswegen ist er auch so erfolgreich gewesen. Er wurde ja seit 1941 sehr häufig wieder aufgelegt, unendlich viele Male gelesen. Das liegt an der Mischung aus sozialem Engagement und kräftigen, wunderbar lebhaften Figuren.“

Eine Bande wird besetzt…

Die fünf Kinder der Bande sind die Hauptdarsteller des Films und beherrschen jede Szene. Was für die Filmemacher vor dem Dreh logistische Überlegungen erfordert: „Aufgrund gesetzlicher Vorgaben dürfen Kinder natürlich pro Drehtag nicht so lang arbeiten wie Erwachsene – bestimmte Ruhezeiten sind vorgeschrieben“, sagt Regisseur Kahane. „Aber ansonsten gibt es relativ wenig Unterschiede zu den Erwachsenen. Doch Kinder arbeiten extrem intuitiv: Sie bemühen weniger Schauspieltechnik, arbeiten weniger rational und können kaum von sich abstrahieren. Vielmehr erfassen sie eine Situation, konzentrieren sich darauf und setzen alles so um, wie sie es in ihren Erfahrungshorizont einordnen. Sie reagieren ganz natürlich – vor allem die Darsteller, die noch keine umfangreichen Filmerfahrungen mitbringen. Das macht riesigen Spaß. Ich arbeite unglaublich gern mit Kindern. Natürlich hatte ich auch schon in meinen bisherigen Filmen gelegentlich mit Kindern zu tun. Aber einen ausgesprochenen Kinderfilm mit fünf Kindern als Helden drehte ich jetzt zum ersten Mal. Ich behandle sie genauso wie die Erwachsenen: Ich zeige ihnen, was ich will, ich bespreche mit ihnen die Situationen. Man kann wunderbar ernst mit ihnen reden. Sie bringen so unterschiedliche Begabungen mit – einfach toll.“

Die Kinder wurden während der gesamten Produktion von einem Schauspiel-Coach betreut. Und weil die Dreharbeiten von September bis November stattfanden, wurden sie neben dem Dreh auch unterrichtet, denn eigentlich hätten sie in dieser Zeit die Schulbank drücken müssen. Was die Kinder in dieser Zeit büffeln sollen, spricht der speziell für die Produktion verpflichtete Lehrer mit den jeweiligen Schulen ab. „Das System bewährt sich“, sagt Producer Kruschak. „Alle Kinder haben nach ihrer Rückkehr den Anschluss in ihren Klassen geschafft.“ Außerdem richteten die Filmemacher es so ein, dass während des Drehs immer mindestens ein Elternteil der jungen Darsteller mit am Set war.

Die Hauptrollen wurden ausschließlich mit deutschen Darstellern besetzt. Die Titelrolle der roten Zora vertraute Regisseur Peter Kahane der damals 14-jährigen Linn Reusse an, deren Nachname Film- und Fernsehzuschauern besonders aus Ostdeutschland ein Begriff sein dürfte: Ihr Onkel Peter Reusse galt in den 60er- und 70er-Jahren dank Filmen wie „Denk bloß nicht, ich heule“ (1965) als der „James Dean des Ostens“. „Zur gleichen Zeit casteten wir auch die Rolle der Bürgermeistertochter Zlata, und dabei setzte sich Nora Quest deutlich von den anderen Kandidatinnen ab“, sagt Produzent Kruschak. „Erst nachdem wir beiden zugesagt hatten, erfuhren wir, dass beide aus berühmten Schauspielerfamilien stammen.“ Nora Quests Großvater Hans Quest (1915–1997) gehört zu den erfolgreichsten Schauspielern und Regisseuren der deutschen Film- und Bühnengeschichte. Nach Engagements an der Berliner Volksbühne und den Hamburger Kammerspielen in den 30er- und 40er-Jahren (u. a. die Hauptrolle in Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“) inszenierte Quest bis in die 70er-Jahre hinein Kino- und Fernsehfilme, darunter „Wenn der Vater mit dem Sohne“ und den legendären Durbridge-Mehrteiler „Das Halstuch“. „Wir durften schon eine Woche vor Drehstart nach Montenegro reisen und nutzten diese Zeit, um uns gegenseitig, aber auch die Drehorte kennen zu lernen“, berichtet Linn Reusse. „Wir verstehen uns alle bestens – obwohl ich genau wie Zora das einzige Mädchen in der Gruppe bin.“ „Von Linn waren Peter Kahane und ich sofort hellauf begeistert“, erinnert sich Ronald Kruschak. „Zora muss einerseits einfühlsam, sensibel und sanft wirken, was in den Szenen zum Ausdruck kommt, in denen sie Liebeskummer hat. Andererseits tritt sie als Bandenführerin sehr raubeinig auf. Wir merkten, wie schwer es ist, beide Charaktereigenschaften in einem Mädchen zu finden, das gleichzeitig auch Charisma und schauspielerisches Talent mitbringt. Viele der Berliner Mädchen beim Casting wirkten so ruppig und frech wie Zora, zeigten dann aber gar nichts von ihrer anderen Seite. Vom Charakter her entspricht Linn sicher eher Zoras sanften Eigenschaften – das Ruppige mussten wir ihr ,antrainieren‘“, lacht Kruschak. „Wie sie das dann vor der Kamera umsetzt, hat uns voll und ganz überzeugt.“ „Linn erlebe ich als große Entdeckung“, bestätigt Regisseur Kahane. „Auch die Großeltern arbeiten als Schauspieler, insofern ist sie nicht ganz unerfahren. Zunächst hatten wir einige Bedenken, weil sie nicht so extrem extrovertiert ist, wie es die Zora-Rolle eigentlich verlangt. Aber Linn hat viel Potenzial, eine sehr positive Ausstrahlung, großes Talent, eine Menge Energie. Sie wirkt absolut glaubwürdig, völlig natürlich. Und sie begriff sehr schnell, worauf es ankommt: Sie lernte, sich innerhalb der Gruppe zu öffnen, etwas zu zeigen. Bei Linn spürte ich das schon in der Vorbereitungsphase am deutlichsten von allen Kindern, weil sie ja wenig Filmerfahrung mitbringt.“

Eine Neuentdeckung ist der Berliner Jacob Knoblauch: Als Branko stößt er am Anfang der Geschichte zu Zoras Bande. Jacob stand in „Die rote Zora“ erstmals vor einer Kamera. „Wir waren sehr froh, als wir Jakob fanden“, sagt Produzent Kruschak. „Für ihn war der Film ein Riesenabenteuer, denn unser Angebot kam für ihn völlig aus dem Nichts. Weil er anfangs sehr schüchtern war, machten wir uns zunächst Sorgen, denn er musste sich ja in die Gruppe der schon erfahrenen jugendlichen Kollegen integrieren. Er machte dann allerdings beim Dreh eine ganz entscheidende Entwicklung durch.“ Dazu Regisseur Kahane: „Jakob ist ein sehr kontrollierter Mensch. Interessanterweise erlebten wir bei den Probeaufnahmen und Gesprächen, wie er sich in dem Moment völlig öffnete, als er eine Aufgabe gestellt bekam. Es brauchte natürlich auch etwas Training. Aber wir erkannten bald, dass er die Regieanweisungen verarbeiten und sich dann völlig konzentrieren kann. Dass er eher zurückhaltend ist, passt wunderbar zur Rolle. Er wird jedenfalls allen Facetten des Branko gerecht: Er kann jähzornig reagieren, er kann aufbegehren, er kann aber auch unglaublich charmant sein. Er ist ein sehr intelligenter Junge, wirkt äußerst sensibel und trotzdem energisch. Eine wunderbare Mischung für den Branko – gerade zu ideal.“

Ein ganz anderer Typ ist dagegen Pascal Andres, der den kleinen, aber pfiffigen Nicola spielt. Pascal steht seit fünf Jahren regelmäßig in Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera und wird von seiner Familie sehr unterstützt. „Pascal sieht jünger aus als er ist – Nico soll mit elf Jahren der Jüngste der Bande sein“, sagt Kahane. „Als solcher wirkt Pascal sehr überzeugend, aber er hat bereits den Verstand eines 14-Jährigen, brachte die Erfahrung von 23 Filmen mit, war also in der Zusammenarbeit sehr umgänglich. Ein kleines Kind ist er wirklich nicht!“

Auch der aus Hamburg stammende David Berton, der den eifersüchtigen Duro spielt, ist bereits mehrfach in Fernsehproduktionen aufgetreten. Seit den Dreharbeiten zu ,Die rote Zora‘ hat er in Kinderkrimis bereits zwei weitere Rollen gespielt. „Es gibt sehr wenige talentierte Jungen im Alter von 15, 16 Jahren, die trotz der Pubertät ein gesundes Selbstvertrauen an den Tag legen – Jungen sind in dieser Phase viel unbeholfener und unsicherer als Mädchen“, berichtet Produzent Kruschak.

Die Rolle des Bandenmitglieds Pavle übernimmt Woody Mues. Er kennt die Film- und Fernsehwelt schon sein Leben lang: Sein Vater ist der bekannte Schauspieler, Drehbuchautor, Schriftsteller und Hörbuchsprecher Dietmar Mues („Gangster“, „Träume, Tod und Filzpantoffeln“). Auch Woodys ältere Brüder Wanja und Jona haben sich der Schauspielerei verschrieben. Dazu Kruschak: „Woody war der letzte Junge, der besetzt wurde – wir brauchten ihn, um die Gruppe auch optisch abzurunden: Ihm war es etwas peinlich, den tumben Muskelprotz zu mimen, denn er ist eigentlich das genaue Gegenteil, ein intellektueller Typ, der bereits eigene Romane schreibt. Er ist deutlich der Älteste und Reifste der Jugendlichen, stieg zu einer Art ,Ehrenkapitän‘ auf und war für die Integration der Gruppe sehr wichtig.“

„Die Wahl unserer Darsteller hat sich beim Dreh bestätigt“, berichtet Regisseur Kahane. „Die Jugendlichen bilden vor der Kamera ein Team, aber natürlich auch hinter der Kamera – das ließ sich bald nicht mehr klar unterscheiden. Sie lebten zweieinhalb Monate in einem Hotel zusammen. Privat strukturierte sich die Gruppe etwas anders als im Drehbuch – da spielten die Filmerfahrungen und die Altersunterschiede eine gewisse Rolle. Als Vernünftigster und Ältester hat Woody wesentlich zur guten Atmosphäre im Team beigetragen.“ Über ihre erwachsenen Filmpartner sagt Linn Reusse: „Es ist total komisch, wenn Stars, die ich aus dem

Fernsehen kenne, plötzlich leibhaftig vor mir stehen. Vor einem Jahr hätte ich nie geglaubt, einmal mit Ben Becker im Hotel zu sitzen und Lieder zu singen. Das ist sehr lustig, und sehr schnell empfindet man das als ganz normal.“ „Mir macht die Arbeit mit den Kindern Spaß“, bestätigt Ben Becker. „Sie sind unglaublich neugierig, nicht abgebrüht, nicht professionell – und sie wollen noch etwas lernen. Es ist ein Vergnügen, mit Leuten zu arbeiten, die nicht abgefrühstückt sind! Als ich merkte, dass die Kinder ein bisschen schüchtern sind, dachte ich mir: ,Die besuche ich mal.‘ Ich fuhr also in ihr Hotel und setzte mich mit ihnen zusammen. Das kam offenbar gut an, und mir machte das ebenfalls Spaß. Ich spielte Gitarre, hab’ gesungen und Geschichten erzählt. Und ich habe mir angehört, was sie zu erzählen haben, welche Musik sie mögen. Sie brachten mir ein paar Griffe auf der Gitarre bei, die ich noch nicht kannte. Das war klasse.“

„Bei der Auswahl der erwachsenen Darsteller ging es mir vor allem um prägnante, klare Typen“, berichtet Kahane. „Ben Becker und Dominique Horwitz sind ausgesprochen starke Persönlichkeiten, haben eine ganz besondere, deutliche Ausstrahlung, eine ganz klare Physiognomie. Daher sind sie für einen Film wie ,Die rote Zora‘ hervorragend geeignet. Und Mario Adorf, der einzige erwachsene Verbündete der kleinen Filmhelden, ist ein volksnaher, wunderbarer Schauspieler. Den wählten wir natürlich aufgrund seines positives Charismas aus. Denn er ist der Einzige, der in unserer Story wirklich gut mit den Kindern umgeht und ihre Partei ergreift. Ich bin sehr, sehr glücklich über diese Besetzung.“ „Ich spiele gern mit Kindern, habe mich seit ,Momo‘ als eine Art Spezialist in diesem Genre etabliert“, sagt Mario Adorf. Und Creative Producer Kruschak fügt hinzu: „Mario Adorf ist für die Rolle des Fischers Gorian die absolute Idealbesetzung. Bei Schauspielern der alten Schule wie Adorf erlebe ich es immer wieder, wie eisenhart professionell sie sich den Bedingungen des Drehs stellen. Adorf war morgens der Erste am Set (und brachte damit das einheimische Team zum Staunen), er machte sich über seine Rolle Gedanken, diskutierte immer wieder seine Rolle, brachte sich mit großem Interesse ein, überarbeitete mit den Regisseur seine Szenen: ein Profi reinsten Wassers.“

Der in Köln lebende Hilmi Sözer („Der Schuh des Manitu“) und sein in Hamburg ansässiger Schauspielerkollege Badasar Calbiyik („Kebab Connection“) standen als Darsteller der trotteligen Ortspolizisten schon früh fest und bilden im Lager der erwachsenen Gegner der Kinder den satirisch-lustigen Gegenpol zu den bitterbösen Schurken Karaman (Ben Becker) und Bürgermeister Ivekovic (Dominique Horwitz).

Der schnöselige und geldgeile Fischgroßhändler Karaman ist eine Paraderolle für Ben Becker. „Er kann ebenso arrogant wie witzig auftreten, zeigt eine hervorragende Leistung, und wir wissen von vornherein: Er kann das spielen, was wir von dieser Rolle erwarten“, sagt Kruschak. Mario Adorf freute sich auf die Zusammenarbeit: „Ich schätze Ben Becker, seine Schwester Meret und seinen Ziehvater Otto Sander seit vielen Jahren. Mit Ben habe ich auch schon gedreht – und wir planen bereits einen weiteren gemeinsamen Film.“ „Ich war als Kind selbst Mitglied von Banden und Cliquen“, sagt Ben Becker. „Auf irgendwelchen Trümmer-Grundstücken gruben wir zwei Meter tiefe Löcher, die wir überdachten und mit Laub tarnten. Wir klauten und machten Streiche. Ich hätte in die Bande der roten Zora gut hineingepasst!“ Über Karaman sagt er: „Fieslinge spiele ich ausgesprochen gern. Inzwischen werde ich oft mit ihnen identifiziert, was mich manchmal nervt, weil ich auch andere Rollen gespielt habe. Aber mir macht es Spaß, denn das Böse hat eine gewisse Anziehungskraft. Ich habe als Kind bei ,Edgar Wallace‘ immer darauf gewartet, bis der Wahnsinnige mit dem Silbertablett spricht. Das fasziniert irgendwie.“

Karaman bemüht sich, an der Adria-Küste ein Fischhandelsmonopol aufzubauen. Dazu Becker: „Ich lese gerade die Biografie von Franz Josef Strauß und entdecke da einige Ähnlichkeiten. Es geht darum, ein ganzes Dorf, eine ganze Region für sich zu vereinnahmen. Das macht man halt über Klüngelei mit den Mächtigen!“ Doch nicht alles läuft nach Plan – immer wieder werden Karamans Winkelzüge durch Zora und ihre Bande torpediert. Schließlich kommt es auf dem Markt zu einer Keilerei – mit Frischfisch als Geschossen. Den Ekelfaktor dieser Szene kommentiert Becker: „Da habe ich schon Schlimmeres erlebt. Schauspielerei ist Schauspielerei. Da muss man sich manchmal auf der Bühne nackt ausziehen, oder man steht schon mal im Winter in der Kälte. Oder man bekommt eben einen Fisch ins Gesicht. Lebensgefährlich ist das ja nicht. Da die Adriaküste tatsächlich eine Fischgegend ist – was ich sehr genieße – fand ich das eher lustig. Ich durfte mir auch den Fisch, den ich ins Gesicht bekommen sollte, aussuchen: einen Tintenfisch.“

Karaman steckt mit Bürgermeister Ivekovic unter einer Decke, der von Dominique Horwitz dargestellt wird. Produzent Kruschak: „Ich kannte Dominique bereits von früheren Dreharbeiten – ich weiß, wie vielseitig er ist. Oft spielt er sympathische Typen. Ihm machte der Bürgermeister großen Spaß, und er setzte der Figur selbst ,die Krone auf‘, als er beschloss, sich für die Rolle eine Glatze scheren zu lassen und einen künstlichen Schmerbauch um die Taille zu binden. Als theatererfahrener Schauspieler bastelt er gern an seinen Dialogen, bringt immer neue Vorschläge ein – die Arbeit mit ihm sorgt immer für gute Laune.“ Und die ist für die Atmosphäre am Set unabdingbar. Denn ein Film besteht nicht aus isolierten Einzelleistungen – ohne Teamarbeit geht gar nichts. „Damit hatten wir in diesem Film keinerlei Probleme“, freut sich Kruschak. „Denn die Chemie der Darstelleruntereinander stimmt!“

Am Strand der Adria…

Am 26. September 2006 fiel in Montenegro die erste Klappe. Ende November waren die Dreharbeiten planmäßig abgeschlossen.

„Der Roman spielt in den 30er-Jahren in Kroatien. Wir drehten in Montenegro, weil wir dort sehr malerische, historisch anmutende Städte an der Küste und eine schöne Burg für unsere Bande fanden“, sagt Claudia Schröder. „Die rote Zora“ ist damit der erste im freien Staat Montenegro produzierte Film. Die Schauspieler waren aus logistischen Gründen in der Nähe des Hauptmotivs untergebracht. Das Quartier der Produktion befand sich in Becici, etwa eine Autostunde von der Landeshauptstadt Podgorica entfernt. Dort war der Großteil des 90-köpfigen Teams in einem Hotelkomplex untergebracht, der zur Hauptsaison von Touristen frequentiert wird.

Das Mitarbeiterteam setzte sich aus Deutschen, Montenegrinern, Kroaten, Serben und Slowenen zusammen. Um die Service-Produktion vor Ort kümmert sich der Produzent Brana Srdic („Welcome to Sarajevo“) aus Llubiljana. Produktionsdesigner ist Aleksandar Denic aus Belgrad, der schon mit Emir Kusturica erfolgreich zusammengearbeitet hat („Underground“). Darüber hinaus sind auch einige Nebenrollen mit montenegrinischen Schauspielern besetzt. „Unser slowenischer Service-Produzent Brana Srdic organisierte das Team vor Ort in Montenegro“, berichtet Producer Kruschak. „Neben den deutschen Mitarbeitern stammte die größte Crew-Gruppe aus Serbien. Als Assistenten verpflichteten wir Studenten der Medienhochschule in Montenegro. Unterstützt hat uns auch der montenegrinische Produzentenverband. Unser Kameramann Dragan Rogulj ist gebürtiger Kroate, lebt und arbeitet aber schon seit langem in Deutschland. Das kam uns in diesem Fall natürlich sehr zugute.“ „Der hervorragende Produktionsdesigner Aleksandar Denic ist ein äußerst kreativer Mann, dem ich durchaus eine internationale Karriere zutraue“, sagt Schröder. „Als wir auf Location-Suche nach Montenegro kamen, konnte er uns bereits mehrere Vorschläge für die Hauptmotive Bucht, Stadt und Burg präsentieren.“

„Ich kenne diese Gegend, seit ich hier in den 60er-Jahren ,Winnetou 1. Teil‘ und etliche andere Filme gedreht habe“, freut sich Mario Adorf. „Für mich bietet sie die schönste Natur in ganz Europa. Auch das hat mich beeinflusst, diese Rolle anzunehmen.“ Regisseur Kahane sieht das ähnlich: „Montenegro gefällt mir sehr – eine wunderbare Landschaft. Weil wir als erste internationale Produktion in den unabhängigen Staat kamen, waren die Behörden besonders zuvorkommend. In solch einem kleinen Land breiten wir uns mit unserem großen Team natürlich spürbar aus.“

Es war schwierig, einen Landstrich zu finden, der sich trotz des modernen Tourismus nicht verändert hat, denn die Geschichte ist bekanntlich in den 1930er-Jahren angesiedelt. Claudia Schröder suchte daher entlang der Adria intensiv nach geeigneten Locations. Der Roman spielt im kroatischen Senj, das heute leider als Schauplatz nicht mehr infrage kommt, weil der Ort von modernen Schnellstraßen durchschnitten wird, das Ortsbild ist von Hotelhochhäusern aus den 1960er- und 1970er-Jahren geprägt. „Also stießen wir weiter südlich in Montenegro auf den kleinen Küstenort Perast, der vom Zahn der Zeit völlig unberührt wirkt“, berichtet Schröder. „Dort sieht alles noch so aus wie zur Handlungszeit vor 70 Jahren.

Perast ist unser Film-Senj – wir erlebten das wie ein großes geschenktes Filmset. Die am Ufer entlang führende Straße ließen wir für die Dreharbeiten sperren, und so musste sich der gesamte normale Verkehr mit der einzigen Alternativstraße begnügen, die weiter landeinwärts über den Berg führt. Auch die wettergegerbte Bevölkerung von Perast passte genau ins ,Zora‘-Milieu. Praktisch brauchten wir unsere Schauplätze kaum dem Filmambiente anzupassen.“ „Da mussten wir nur ein paar Satelliten-Schüsseln abschrauben“, ergänzt Regisseur Kahane.

Die historischen Autos, die durchs Bild fahren, stammen aus Belgrad von einem Spezialisten für Oldtimer. Die Strandszenen entstanden in der Umgebung des idyllischen mittelalterlichen Badeorts Budva – in unmittelbarer Nachbarschaft des Produktionshauptquartiers in Bidici. Gorians Fischerbucht liegt eine Stunde entfernt – dort am Strand baute Aleksandar Denic mit seinem Ausstattungsteam Gorians Hütte. Doch nicht nur in Deutschland, sondern auch an der Adria wird das Wetter im November unwirtlicher, manchmal fror das Team morgens bei Temperaturen unter null. Man musste mit Regen rechnen, und in dem geschützt liegenden Städtchen Perast verschwand die Sonne um 15.30 Uhr hinter dem Küstengebirge – was die tägliche Drehzeit verkürzte.

Zoras Burg, eine alte Festung der österreichischen Armee aus dem frühen 19. Jahrhundert, liegt in den Bergen hinter der Küste. „Wir fanden eine traumhafte Burgruine“, berichtet Kahane. „Besonders innen ist sie sehr malerisch. Anfangs stellte ich mir noch vor, dem Produktionsdesigner den Auftrag für ein gebautes Filmburg-Set zu geben: Es muss interessant aussehen, fein gegliedert sein und sollte eine Zwischenebene haben, und die Steine sollen sich im Licht spiegeln. Natürlich soll durch irgendwelche Fensteröffnungen die Sonne einfallen. Aber ein nach gebautes Set war nicht nötig, weil wir die Burg in Montenegro umsonst bekamen – die wartete bereits fix und fertig auf uns. Ich war begeistert: Wir haben eine glatte Million gespart für die Konstruktion eines so aufwändigen Gebäudes.“ „Diese Burg gefiel uns unter den mehreren Alternativen am besten“, sagt Claudia Schröder. „Allerdings liegt sie so hoch, dass wir berechtigte Zweifel hatten, ob uns nicht der Nebel einen Strich durch die Rechnung machen würde, obwohl er oft sehr malerisch aussieht. Zum Glück verloren wir aber dadurch keine Drehtage.“ „Dennoch hatte es der Dreh dort in sich“, erinnert sich Linn Reusse. „Weil die Burg auf dem Berg liegt, war es richtig kalt. An manchen Tagen waren wir eingenebelt, dann wieder regnete es. Und in der Burg regnete es später ganz von selbst – in der Ruine hatte sich Regenwasser gesammelt. Schließlich fielen sogar Steine von der Decke. Also ganz irre. Aber es hat viel Spaß gemacht, da wir auch ein paar Nachtdrehs hatten, und die finde ich am coolsten.“

Fische aus dem Computer…

„Im Filmgeschäft wird davor gewarnt, mit Kindern und Tieren zu drehen, viel Außen-Action und computergenerierte Bilder einzusetzen, weil all dies schwer planbare und kaum kontrollierbare Faktoren sind. Nun, wir sind stolz darauf, all diese Elemente in unserem Film zu haben“, meint Executive Producer Malte Grunert lachend.

Laut Romanvorlage wartet Gorian darauf, dass die Thunfische in seine Bucht kommen – ohne die Fische kann man die Geschichte also schlecht erzählen. „Thunfische mag es früher in der Adria mal gegeben haben – heute aber nur noch in japanischen Zuchttanks“, berichtet Claudia Schröder. „Wahrscheinlich hat Kurt Held dieses Motiv etwas ins Märchenhafte übersteigert. Jedenfalls lassen sich diese Fische für einen Auftritt vor der Kamera nicht dazu abrichten, auf Kommando Wassersprünge zu vollführen. Und Tintenfische gibt es zwar in der Adria, aber nicht solche Riesenkraken, wie Held sich für seine Geschichte ausdachte – auch dies ein eher fantastisches Motiv. Wir fragten uns also: Wenn es ohne Thunfische nicht geht, verwenden wir für die Szene Archivbilder aus einem Dokumentarfilm? Die Alternative, für die wir uns entschieden: Wir schufen die Fische im Computer.“

Weil von Anfang an die schwedische Firma Sonet Film als Co-Produzent an Bord war, entstanden die Effekte im Studio Trollhättan in West-Schweden, wo auch Lars von Trier seine Filme dreht. Sonet Film stellte den Kontakt zur Firma Chimney Pot her, die sich in Trollhättan auf visuelle Effekte spezialisiert hat und unter anderem an Musikvideos für Madonna und Paul McCartney gearbeitet hat. Dazu Claudia Schröder: „Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir auf diese Weise von den aktuellen, revolutionären Entwicklungen im Bereich der Computer-Effekte profitieren können.“ Sind solche aufwändigen Effekte im Budget eines Kinderfilms vorgesehen? „Ein normaler Kinderfilm war ,Die rote Zora‘ nie“, meint Kruschak. „Denn wenn man mit sechs kindlichen Hauptdarstellern und auch Tieren monatelang an einem exotischen Schauplatz im Ausland dreht, ist jedermann klar, dass ein höheres Budget als üblich nötig ist.“

Sytze van der Laan, Vorsitzender der Geschäftsführung der Studio Hamburg Produktion, Executive Producer der „Roten Zora“ sowie Begründer des Kompetenz-Centers für deutsche und englischsprachige Kinofilme, SHIP, erklärt: „Der Film erzählt eine bewegende Geschichte vom Erwachsenwerden, mit viel Action und Humor. Bestes Family-Entertainment ist eine große Stärke von Studio Hamburg International Production: Die Basis unserer erfolgreichen Arbeit ist ein exzellentes Netzwerk, internationales Know-how sowie umfassende Finanzierungs- und Vertriebsressourcen. Wir machen Kino für ein großes Publikum! Mit dem unvergesslichen Charakter der starken Mädchenfigur Zora präsentieren wir dem Zuschauer eine weitere große klassische Kindermarke in neuer Form.“

Und van der Laan weiter: „Bei der Adaption des Drehbuchs fragten wir uns: Welche dramaturgischen Elemente bleiben dem Leser im Gedächtnis, wenn er den Roman aus der Hand legt? Was muss unabdingbar im Film vorkommen? Branko und Zora natürlich, Gorian und die Fische, Schlüsselszenen wie die Präsentation des toten Hundes. Auch Kurt Helds politischen Intentionen wollen wir gerecht werden, allerdings nicht ganz so realistisch, wie er sie formuliert. Wir bringen ein wenig mehr Humor in die Story, weil wir niemanden belehren wollen. Dennoch hält Gorian auch im Film seine flammende Rede vor Gericht, in der er Kurt Helds Überzeugungen formuliert und die Gesellschaft als Urheber der miserablen Lebensumstände unserer kindlichen Helden anklagt. Natürlich mussten wir viele Einzelheiten aus dem 400 Seiten starken Roman streichen. Dennoch haben wir uns sehr bemüht, dem Geist und der Struktur unserer Vorlage gerecht zu werden. Obwohl der Roman vor 65 Jahren erschienen ist, präsentiert er nach wie vor aktuelle Themen, eine mitreißende Story, starke Szenen, überzeugende Figuren. Wer das Buch kennt und mit seinen Erinnerungen ins Kino geht, wird von ,Die rote Zora‘ nicht enttäuscht.“ Enttäuscht wurde auch nicht Zora-Darstellerin Linn Reusse, die gern an ihr Abenteuer an der Adria zurückdenkt: „Schade, dass meine roten Haare nicht echt sind. Aber ich werde auch anschließend zum Frisör gehen und dafür sorgen, dass sie so bleiben!“

Hintergrund: Die Uskoken

Wo das Meer ist so schön, wo das Meer ist so blau,

Uskoken, seid immer bereit! Wenn ein Windstoß sich regt, wenn die Erde vergeht Und der Adler hoch über uns schreit, Dann zu Schiff, dann zu Schiff und die Segel gerefft, Und wir stoßen voll Freude vom Land. Kommen Feinde daher über Land oder Meer – Wir nehmen das Schwert in die Hand!

(Das Lied von Zora und ihrer Bande)

Zora und ihre Freunde verstehen sich als Nachkommen der tapferen Uskoken, die ihre größten Ruhmestaten von Zoras Wohnort Senj aus vollbrachten. Wer waren sie? Der Balkan im 16. Jahrhundert: Das habsburgische Österreich wird von den osmanischen Türken bedrängt, die 1529 Wien belagern. Um die unruhige Grenze zu sichern, sammeln die Österreicher die von den Türken vertriebenen Flüchtlinge und bieten ihnen Ackerland im Grenzgebiet – mit der Auflage, dieses durch eigene Milizen zu verteidigen. Da Landwirtschaft im umkämpften Gebiet kaum möglich ist, bilden diese Siedler Banden, die sich durch Räubereien auf türkischem Gebiet versorgen. Der Begriff „Uskoken“ tauchte um 1530 auf und geht wahrscheinlich auf einen „Uskok“ genannten Klan zurück. Das Wort entstand aus dem slawischen Wort „skok“ („einspringen, einfallen“). Damit wird kein Volksstamm definiert, sondern eine Gruppierung von Flüchtlingen, türkischen Überläufern und Söldnern unterschiedlicher Herkunft, die allerdings durch ihr gemeinsames Schicksal durchaus ein ethnisches Selbstverständnis entwickelten. Auch die Religion der Uskoken war zunächst nicht einheitlich, aber weil der gemeinsame Feind an Allah glaubte, erwartete man von den Kriegern, die sich den Uskoken anschlossen, dass sie alsbald zum römisch-katholischen Glauben übertraten, den viele von ihnen bereits mitbrachten.

Die Uskoken waren aus den inzwischen osmanisch beherrschten Gebieten Kroatiens, Bosniens und der Herzegowina geflohen und sammelten sich in der Festung Klis bei Split an der kroatischen Küste. Der Ruhm der Uskoken bezieht sich vor allem auf die 80 Jahre zwischen 1537 und 1617. 1537 eroberten die Osmanen Klis, und die Uskoken zogen sich nördlich nach Senj an der dalmatinischen Küste zurück. Oberhalb der Stadt verschanzten sie sich in der Festung Nehaj, in der später Zora und ihre Freunde unterkommen.

Von Senj aus leisteten die Uskoken den Türken erbitterten Widerstand, aber sie kämpften auch gegen die Venezianer, die damals die Adria beherrschten – nur Senj und Dubrovnik konnten sich als freie Städte behaupten. Die Uskoken waren als Schützen und Schwertkämpfer gefürchtet, und bald profilierte sie sich auch als kühne und wendige Seefahrer, die den Venezianern durch ihre Kaperfahrten empfindliche Niederlagen beibrachten. „Gott schütze uns vor der Senjer Hand“ war damals ein gängiges venezianisches Sprichwort. Der ungarische König Matthias nannte die Uskoken das „Bollwerk Dalmatiens“, der habsburgische König Rudolf II. bezeichnete sie als „die einzige Festung in meinem Land“. Weil die Piraten gleichzeitig die Türken bekriegten, wurden ihre Raubzüge von den Habsburgern faktisch geduldet – es gelang weder den Venezianern noch den Türken, die Uskoken zu unterwerfen. Diese Situation führte 1612 zur venezianischen Kriegserklärung gegen Österreich. Der Krieg besiegelte das Schicksal der uskokischen Piraten: Im Frieden von Madrid (1617) vereinbarten Venedig und Wien, dass die Uskoken Senj verlassen mussten. Ihre Flotte wurde verbrannt, sie zogen landeinwärts und siedelten im 120 km entfernten Karlovac bei Zagreb und an der Kupa, so etliche von ihnen früher schon heimisch gewesen waren. Ihre Nachkommen kämpften auch in den folgenden österreichisch-türkischen Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts gegen die Osmanen.

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  • Kinocharts: Nicolas Cage erobert die Top Ten

    Die Top Ten der CineStar Kinocharts In den CineStar Kinocharts setzt sich das Action-Abenteuer „Das Vermächtnis des geheimen Buches“ mit Nicolas Cage auf Anhieb an die Spitzenposition. Damit wurde Will Smith mit „I am Legend“ von Platz eins auf den vierten Platz verdrängt. Auf Platz 2 und 3 bleiben „P.S. Ich liebe Dich“ und „Keinohrhasen“ ungeschlagen. Als weitere Neueinsteiger können sich Jake Nicholson und Morgan...

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  • "Die rote Zora" mit Mario Adorf kommt ins Kino

    Regisseur Peter Kahane inszeniert für Universal Pictures die Romanvorlage „Die rote Zora“. Das Jugenbuch von Kurt Held wurde bereits als Fernsehserie „Die rote Zora und ihre Bande“ (1979) verfilmt. Die Hauptrolle der roten Zora übernimmt die Neuendeckung Linn Reusse, ihr Filmpartner wird Jakob Knoblauch als Branko sein. In weiteren Hauptrollen sind zahlreiche deutsche Schauspielgrößen wie Mario Adorf, Ben Becker,...

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  • Die rote Zora steht Mario Adorf bei

    Universal Pictures International plant im Januar 2008, Die rote Zora zu veröffentlichen. Kurt Helds Jugendbuchklassiker wurde von Ronald Kruschak, Christian Zübert und dem Regisseur Peter Kahane adaptiert, der es auch für die große Leinwand inszenierte. Mit dabei sind Mario Adorf (Es ist ein Elch entsprungen), Ben Becker (Esperanza), Dominique Horwitz (Shooting Dogs) und Linn Reusse, welche die Hauptrolle der Bandenchefin...

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