Die Ritterinnen (2002)

Die Ritterinnen Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Die Ritterinnen: Autobiographische Spiel-Doku-Kombination über eine autonome Frauengruppe in Berlin-Kreuzberg, die am 1. Mai 1987 den Aufstand probt.

Die sieben Damen der Kreuzberger Frauenwohngemeinschaft im Ritterhof, szene-intern folglich auch als “Die Ritterinnen” bekannt, haben eine konkrete Vision von der Revolution und sind bereit, diese – gern auch ohne männliche Hilfe – von der Theorie in die Praxis umzusetzen. Am 1. Mai 1987, Auftakt einer nunmehr traditionsreichen Volksfestserie in der Hauptstadt, bietet sich dazu reiche Gelegenheit.

Basierend mehr oder weniger auf der eigenen Biografie, erzählt Regisseurin Barbara Teufel in ihrer Spielfilm-Doku-Mischung vom autonomen bzw. feministischen Szenealltag im Kreuzberg der Vorwendezeit.

Am 1. Mai 1987 kommt es in Kreuzberg zu einem Aufstand, dem der Westberliner Stadtteil noch heute seinen legendären Ruf verdankt. Zu den Kreuzberger Autonomen gehören die sieben Mitglieder einer Frauen-Wohngemeinschaft in einer Fabrik namens Ritterhof. Links, radikal, anarchistisch wollen die “Ritterinnen” die Revolution – auch ohne Männer.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Am 1. Mai 1987 lieferten sich Autonome und Polizei in Berlin eine schon fast legendäre Schlacht, Höhepunkt der Bewegung. Barbara Teufel wirft einen Blick zurück auf ein Stück Zeitgeschichte und das Scheitern eines revolutionären Traumes. In einer Mischung aus Dokumentation, Spielfilm und Archivaufnahmen der Straßenkämpfe erzählt sie in der Ich-Form von sieben radikalen Frauen, die in einer Kreuzberger Fabrik lebten und glaubten, die Welt verändern zu können.

    Ein Generationenporträt mit Stärken und Schwächen stellt Barbara Teufel vor, die selbst in den achtziger Jahren aus der schwäbischen Provinz nach Berlin kam und neugierig in eine Autonomen-WG zog. Da gab es dieses “Feeling von Aufstand”, das Leben war wild und gefährlich, auch wenn es sich oft nur auf dem unvermeidlichen Flokkati abspielte oder am Küchentisch, wo man(n)/frau gerne die Revolution probte.

    Die furchtlosen Sieben wollen es ohne Männer schaffen und okkupieren eine Etage in der Kreuzberger Fabrik namens Ritterhof und nennen sich “Die Ritterinnen”. Sie haben die Nase voll von Kompromissen und erklären ihr Domizil zur männerfreien Zone, Liebe und Eifersucht zum bürgerlichen Relikt. Vor der Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) organisieren sie eine Kampagne, nicht ohne sich vorher vom “gemischten Plenum” zu verabschieden. Die Sieben lebten im Kollektiv, doch die Gruppenmoral zerschellt langfristig an den Einzelinteressen.

    Der Rückblick ist sehr persönlich gehalten, Spielszenen wechseln mit Dokumentaraufnahmen ab, in denen die Mitstreiterinnen (vereinzelt auch Mitstreiter) noch einmal die Zeit, in der alles möglich schien, reflektieren. Die inzwischen zu Ehefrauen, Mütter oder Künstlerinnen Gereiften schauen nicht zurück im Zorn, sondern mit leichter Melancholie – statt Aufbruch dominiert Anpassung, auch wenn keine im Kostümchen erscheint, sondern immer noch im bunten Look. Ohne Scheu und mit einer erstaunlichen Portion Selbst-Ironie zeigt die Regisseurin nicht nur das lustige Szene-Leben, sondern auch die ermüdenden Diskussionen und theoretischen Abhandlungen, bei denen man sich heute ein Lachen nicht verkneifen kann, wenn Begriffe wie “Aktionswoche” oder “Kollektivierung des Eigentums” durch den Raum rauschen oder gar fundamentale Erkenntnisse wie “Liebe ist ein bürgerliches Konstrukt zur Verschleierung der Geschlechterverhältnisse” ernsthaft verkündet werden.

    Das Bild eines alten Westberlins findet sein Ende in der Maueröffnung. Das anarchische Biotop, teilweise eine Mixtur aus Revolution und Karneval, brach zusammen, auch die Frauen-WG löste sich auf. Plötzlich waren billige “Einraum-Wohungen” im Ostteil der Stadt angesagt. Adieu Kollektiv! Barbara Teufel, die nach dem Ausflug in die autonome Szene Film in Berlin und Paris studierte, lässt eine fast ferne und exotische Epoche wieder aufleben. Statt der vielen Spielfilm-Szenen, die allerdings schonungslos die Machtstrukturen aufdecken, wünscht man sich manchmal eine größere Tiefe und einen intensiveren Zugang zu den Heldinnen von damals. Wie sie mit dem Abschied von der Utopie klarkommen, das wäre vielleicht auch ein spannendes Thema gewesen. mk.

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