Die Reise nach Kafiristan

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   2001
Die Reise nach Kafiristan Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Die Reise nach Kafiristan: Roadmovie um zwei Schriftstellerinnen, die 1939 mit dem Auto durch die Türkei bis nach Kabul reisen.

Im Jahr 1939 begeben sich die Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach (Jeanette Hain) und die Ethnologin Ella Maillart (Nina Petri) halb aus Abenteuerlust und Forscherdrang, halb aus Flucht vor den sich zuspitzenden politischen Ereignissen auf eine Autoreise quer durch den Balkan und den Orient bis nach Kabul. Auf der Fahrt durch die Türkei und Persien entwickelt sich zwischen den beiden Pionierinnen eine zarte Liebe, doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erstickt weiterführende Zukunftspläne bereits im Keim.

Roadmovie nach den Reiseerlebnissen besagter Damen in einer Inszenierung der Schweizer Dokumentarfilm-Gebrüder Fosco und Donatello Dubini.

1939 reisen Annemarie Schwarzenbach und Ella Maillart gemeinsam nach Kabul. Während Schriftstellerin Schwarzenbach auf der Suche nach sich selbst ist, treibt Ethnologin Ella der Forschungsdrang. Auf ihrer Autofahrt durch die Türkei und Persien entwickelt sich zwischen beiden eine zarte Liebe bis bei ihrer Zielankunft der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs alle Pläne beendet.

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Kritikerrezensionen

  • Nach einer gut einjährigen Tournee von einem internationalen Festival zum nächsten wird dem dokumentarisch angehauchten Roadmovie „Die Reise nach Kafiristan“ nun ein regulärer Kinostart zuteil. Die deutsch-schweizerisch-niederländische Koproduktion des in Köln lebenden Schweizer Brüderpaares Fosco und Donatello Dubini wirbt mit wunderbaren Landschaftsaufnahmen des Nahen und Fernen Osten, den zwei erstklassigen Darstellerinnen Nina Petri und Jeanette Hain sowie der ungewöhnlichen (Liebes-)Geschichte zwischen den beiden historisch verbrieften Schriftstellerinnen Annemarie Schwarzenbach und Ella Maillart. Vor allem Besucher großstädtischer Programmkinos dürfte der engagierte Verleih mit diesem vom Thema her sperrigen sowie bedächtig inszenierten Drama im Visier haben.

    Neun Jahre ließen die Gebrüder Dubini, ansonsten in der Dokumentation zu Hause, verstreichen, bis sie sich nach ihrem Spielfilmdebüt „Ludwig 1881“, ebenfalls einer Reisegeschichte, wieder an einen fiktionalen Stoff wagten. Freilich nur bedingt, denn auch „Die Reise nach Kafiristan“ basiert lose auf den Aufzeichnungen, die Schwarzenbach und Maillart auf ihrem Trip im Jahre 1939, der sie per Automobil von der Schweiz über den Balkan, die Türkei und Persien bis nach Afghanistan führte, gemacht hatten. Für beide Frauen bedeutet die Fahrt ins Ungewisse Flucht, Selbstfindungsversuch und Neuanfang zugleich. Während die sehr junge Annemarie Schwarzenbach, zum Freundeskreis von Erika und Klaus Mann zählend, von ihrem reichen Elternhaus, dem ungeliebten Ehemann und den Drogen, die ihrer Psyche kurzfristig Linderung verschaffen, loskommen will, ist es bei Ella Maillart vor allem die pure Reiselust, die Sucht nach Abenteuern, die sie in die Ferne treibt. Nach und nach beginnt sich zwischen den so konträren Charakteren eine zarte (Liebes-)Beziehung aufzubauen, die indes vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs jäh beendet wird. Während die eine sich nach Indien absetzt, kehrt die andere nach Europa zurück. Beide werden sich nicht mehr wieder sehen – Schwarzenbach stirbt 1942 nur 34-jährig an den Folgen eines Fahrradunfalls – und auch ihr ursprüngliches gemeinsames Ziel, das nördlich von Kabul gelegene Kafiristan mit seinem sagenumwobenen Glücklichen Tal, nie erreichen.

    Auch wenn sich das Werk der Dubinis wegen seines langatmigen Inszenierungsstils, der teilweise verkopften Dialoge und im Off vorgetragenen Monologe sowie der auf den ersten Blick trostlos anmutenden Schauplätze einen breiten Publikum eher verschließen dürfte, so bietet dieses filmische Reisetagebuch einige bemerkenswerte Highlights. Da wäre zum einen Matthias Kälins exzellente Kameraarbeit, die den kargen Wüstenlandschaften Asiens Würde, und Unendlichkeit verleiht. Oder die detailverliebte Ausstattung und akribisch ausgesuchten Kostüme, die die späten dreißiger Jahre zu neuem Leben erwecken. Und mittendrin Jeanette Hain (zuletzt Ben Beckers Geliebte in „Sass“) und Nina Petri (gerade als Mutter der Titelheldin in „Große Mädchen weinen nicht“ zu sehen) – zwei der talentiertesten und engagiertesten deutschen Darstellerinnen der letzten Jahre. Durch ihr zurückhaltendes, fein nuanciertes Spiel gewinnt die Geschichte einer innig-intimen Frauenfreundschaft ein Höchstmaß an Glaubwürdigkeit. „Die Reise nach Kafiristan“ ist ein höchst durchdachtes, intelligentes Historien-Drama, das allein durch seine Locations zwischen Teheran und Kabul auch rund 60 Jahre später nichts von seiner politischen Brisanz eingebüßt hat und zu Recht 2001 auf dem Festival von Locarno mit dem Preis der Internationalen Jury unabhängiger Filmjournalisten ausgezeichnet wurde. lasso.

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