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Fakten und Hintergründe zum Film "Die Queen"

Fakten und Hintergründe zum Film "Die Queen"

Das bringt der Serienherbst auf Disney+

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Über die Produktion

Als Prinzessin Diana bei einem Autounfall im August 1997 starb, hätte kaum jemand vermutet, welche Auswirkungen diese Tragödie sowohl auf die britische Regierung als auch auf die königliche Familie haben würde. Nach ihrer Trennung von Prinz Charles hatte Dianas Weigerung, von der öffentlichen Bildfläche abzutreten, hohe Wellen geschlagen. Aber obwohl sie die meist¬fotografierte und vielleicht berühmteste Frau der Welt war, veränderte erst ihr viel zu früher Tod die britische Öffentlichkeit und deren Einstellung zu offen gezeigten Gefühlen und zur Monarchie.

Als Inspiration zu einem Film waren die Ereignisse rund um den Tod von Prinzessin Diana ideal: Ein Todesfall nach der Hetzjagd durch skrupellose Paparazzi; eine junge Frau in der Blüte ihrer Jahre, die grausam sterben muss; eine umstrittene Liebesaffäre, die der Tod beendet, bevor sie recht erblühen konnte; ein Volk, das die Todesnachricht schockiert und eine Presse, die für den Tod verantwortlich gemacht wurde und verzweifelt die Aufmerksamkeit von sich selbst ablenken wollte.

Dennoch waren es ganz andere Aspekte jener schrecklichen Ereignisse, die die Produzenten Christine Langan und Andy Harries, bei Granada zuständig für Drama, Comedy und Film, aktiv werden ließen und schließlich zur Entstehung von THE QUEEN führten. Die Beiden hatten kurz zuvor „The Deal“ produziert, ein Fernsehdrama über Tony Blair und seinen Widersacher Gordon Brown, ebenfalls aus der Feder von Peter Morgan und inszeniert von Stephen Frears. Die gemeinsame Arbeitserfahrung prägte sich als so positiv ein, dass die Beiden unbedingt ein zweites Projekt mit Frears und Morgan verwirklichen wollten, das sich mit der britischen Gesellschaft der Gegenwart beschäftigte.

Dieses Mal lag die cineastische Messlatte höher: THE QUEEN sollte die formelle, altmodische Welt der Royals in ihrer schottischen Zuflucht Balmoral und im eleganten Buckingham Palast der lässigen Modernität des frisch gewählten Premiers Tony Blair und seiner Entourage aalglatter, imagebewusster Helfer gegenüberstellen.

„Andy, Stephen, Pete und ich wollten zusammen noch einen Film über eine britische Institution drehen“, erzählt Langan. „Die königliche Familie lag da natürlich nahe. Dianas Tod und die Frage, wie die Royals damit fertig zu werden versuchten, kristallisierte sich schnell als vielversprechendes Thema heraus. Zu Lebzeiten war Diana der Grund für immense Spannungen. Da war es fast unvermeidbar, dass ihr Tod die Monarchie mit der vielleicht größten Herausforderung der vergangenen 50 Jahre konfrontieren würde.“

Für Harries gab die Erinnerung daran, wie die Royals auf die Nachricht von Dianas Tod reagierten, den entscheidenden Ausschlag. Die Vorstellung einer königlichen Familie, die so gefangen ist in ihren Traditionen, dass sie selbst angesichts einer solchen Tragödie nicht mit dem Protokoll brechen wollte und konnte.

„Was mich an der Story um Diana und die Queen schon immer fasziniert hat“, erinnert sich Harries, „war diese alternde in der viktorianischen Ära verwurzelte Monarchin, die von einer jungen Prinzessin herausgefordert wird, nur weil diese Prinzessin dank einer Reihe von Fehleinschätzungen in diese königliche Familie aufgenommen wurde. Diana verbreitete eine außergewöhnliche Aura und ich kann mich noch an die Woche erinnern, in der sie starb. Es war fast bizarr, eine merkwürdige Stille herrschte und niemand wusste zunächst wie er reagieren sollte. Dann brach die Trauer los. Aber waren das echte Gefühle oder nur aufgesetzte? Galten diese Gefühle wirklich Diana? Oder waren sie Ausdruck all unserer eigenen Leiden?“

Drehbuchautor Peter Morgan reizte die Vorstellung, die Ereignisse rund um Dianas Tod zu dramatisieren. Aber erst als er zu schreiben begann, nahmen die Figuren für ihn tatsächlich Form an: „Ursprünglich wollte ich ein Drehbuch schreiben, das verschiedenste Figuren, berühmte und namenlose, über 24 Stunden hinweg beobachtete, die allesamt von diesem Ereignis im August betroffen waren. Mir wurde aber schnell klar, dass der eigentlich interessante Teil die königliche Familie war und wie sie sich in der Woche zwischen ihrem Tod und dem Begräbnis verhielten. Die Familie steckte in einer Krisensituation, eingeschlossen in der abgeschiedenen Welt von Balmoral, unfähig auf das, was in London und im Rest des Landes vor sich ging zu reagieren. Um die beiden Enkel zu schützen, hatte die Queen angeordnet, alle Fernseher und Radios zu entfernen. Die Menschen in London jedoch gingen währenddessen auf die Straßen, forderten empört eine Reaktion der königlichen Familie ein. Aber es gab erst einmal keine, die nach außen sichtbar gewesen wäre. In dieser Woche war eine starke anti-monarchistische Tendenz spürbar, die von der Presse angeheizt wurde, weil sie selbst es war, der ja eigentlich die Schuld an den Ereignissen zugeschrieben wurde.“

Doch es sollte nicht nur die Situation der königlichen Familie, konzentriert auf die Queen dargestellt werden, sondern ebenfalls die Rolle, die Tony Blair, der frisch gewählte Premierminister der Labour Partei, während der Ereignisse um Dianas Tod spielte. Sehr schnell entwickelte sich das Drehbuch zu THE QUEEN dann in eine Story, die die alte Welt ererbter Macht mit der modernen Welt demokratisch gewählter Macht kontrastierte. Für Peter Morgan wurde es zu einer Geschichte „über die Verfassung, den Führungsstil und das Machtgleichgewicht zwischen dem Premierminister und seiner Herrscherin.“

„Das Faszinierende waren ja gerade jene Dinge, die hinter den Kulissen passierten“, erzählt Langan. „An die brandneue Regierung waren von den Wählern ebenso wie von den politischen Beobachtern hohe Erwartungen gestellt worden. Aber vier Monate nach der Wahl hatte Blair noch keine entscheidenden Zeichen gesetzt. Mit dem Tod der Prinzessin von Wales fand er plötzlich in seine Rolle. Das Schlüsselelement der Story war das Verhältnis zwischen Blair und der Queen und Blair wusste sehr wohl, dass er ein gewichtiger Partner in dieser Beziehung sein konnte.“

Für Harries war der einfache Kern von Morgans Story einfach perfekt: „Auf der einen Seite gibt es die Queen und die königliche Familie, die sich in einem abgelegenen Teil Schottlands verkriechen, auf der anderen Seite steht der junge, dynamische Tony Blair, der die Situation augenblicklich erfasst. Bis zu einem gewissen Grad rettet er die Zukunft der Royals, weil er sie dazu bringt, sich den modernen Medien anzupassen und sich der fordernden Öffentlichkeit zu stellen.“

Bei Regisseur Stephen Frears, der unter anderem die Oscarnominierten Filme GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN, GRIFTERS und KLEINE SCHMUTZIGE TRICKS inszeniert hat, mussten die Produzenten nur wenig Überzeugungsarbeit leisten.

„Themen zu finden, die noch lebendig sind“, so Frears, „und nicht schon breitgetreten wurden, ist sehr schwer. Ich hatte Glück, in den letzten drei oder vier Jahren an solche Projekte zu kommen. THE QUEEN reizte mich zum einen auch deshalb, weil es eine erneute Zusammenarbeit mit Peter Morgan bedeutete und zum anderen wegen seines Themas. Der Film dreht sich um den Konflikt zwischen einer alten und einer neuen Welt. Es geht um Tradition, die in unserem Land immer Stärke und Schwäche zugleich war.“

Stephen Frears Leidenschaft als Regisseur war ausschlaggebend für den Erfolg von THE QUEEN. „Für ein derart komplexes und kontroverses Thema ist ein Schwergewicht von Regisseur wie Stephen unabdingbar“, konstatiert Andy Harries und zählt dessen Vorzüge auf: „Stephen ist nicht einfach nur ein guter Regisseur, sondern auch unglaublich clever. Das sind seltene Eigenschaften. Er ist bereit Risiken einzugehen, ist immer auf dem Sprung und dreht sehr unterschiedliche Filme.“

Zentrales Element in THE QUEEN ist die auffallende Liebe zum Detail. Das überrascht nicht angesichts der Tatsache, dass die Thematik des Films Anlass zur Zensur gegeben hätte, wäre er nicht in seiner Darstellung absolut und exakt authentisch. Diese Genauigkeit reicht von der Art und Weise, wie der Queen das Frühstück serviert wird bis zu ihrem Verhalten gegenüber der Familie hinter verschlossenen Türen. Während er am Drehbuch arbeitete, sammelte Morgans Team Informationen von allen Seiten und wertete sie aus, fahndete nach Quellen, die der königlichen Familie nahe standen und kämpfte sich durch Archivmaterial und alte Fernsehbilder. Dieses Verfahren hatte das Team auch bei „The Deal“ bereits erfolgreich angewandt. Rat inbezug auf die königliche Familie erhielten sie außerdem von Robert Lacey und Ingrid Seward. Zu den erfolgreichen Büchern von Autor Robert Lacey gehören unter anderen „Royal: Her Majesty Queen Elizabeth II“ (2002), „The Queen Mother“ (1987) und „Princess“ (1982). Seward ist Chefredakteurin der angesehenen Zeitschrift „Majesty“, die sich mit den Royals beschäftigt und hatte als Einzige Zugang zu Diana, um ihre Bestseller „Diana: An Intimate Portrait“ (1997) und „The Queen & Di: The Untold Story“ (2001) zu schreiben.

„Ich habe mit jedem gesprochen, der reden wollte“, erinnert sich Peter Morgan. Es gibt viele Biografen sowohl der Royals als auch der Blairs und alle verfügten sie über Quellen vom Stallmeister bis zur Sekretärin, von Butlern und Dienstmädchen bis zu Staatsbeamten. Material gibt es genug, man muss nur wissen, wie man die Spreu vom Weizen trennt.“

In Bezug auf Protokoll und Etikette war es einfach herauszufinden, wie zum Beispiel die korrekte Anrede der Queen durch einen Diener ist. Schwieriger wurde es für Morgan sich vorzustellen, was seine Figuren wohl in den privaten, unbeobachteten Momenten sagen würden. „Natürlich muss ich als Autor spekulieren“, erklärt er, aber auch diese Spekulation wird einfacher, wenn man vorher jemanden befragen konnte, der mit Charles in der Nacht von Dianas Tod gesprochen hat. Ich weiß, was Charles damals gesagt hat und konnte es also relativ genau wiedergeben. Je mehr Informationshäppchen man sammelt, desto besser kann man auch erkennen, welche Quellen verlässlich sind.“

Peter Morgan arbeitet mit seiner ganz eigenen Methode: „Ich schreibe das, was die Figuren meiner Meinung nach sagen sollten, und danach überprüfe ich den Dialog durch Recherche. Überraschenderweise klappt das ziemlich häufig und es stimmt, was ich mir habe einfallen lassen“, schmunzelt er. Es gibt Szenen, die komplett erfunden sind, wie zum Beispiel jene Szene, in der die Queen den kapitalen Hirsch besichtigt, der erlegt wurde. Und es gibt andere, da liegt die Vermutung einfach nahe, dass es so gewesen sein könnte. Warum zum Beispiel hat Tony Blair die Queen so vehement verteidigt? Wir wissen, dass er Pragmatiker ist, wir wissen auch, dass er konservativer ist, als die meisten Leute meinen und - seine Mutter, wäre sie noch am Leben, hätte dasselbe Alter wie die Regentin. Und vielleicht wäre sie ihr ein wenig ähnlich. Deshalb konnte ich eine Szene erfinden, in der Cherie Blair laut darüber nachdenkt, warum ihr Mann sich so verhält wie er es tut.“

In Stephen Frears fand Morgan seinen Lieblingskollegen: „Er ist ein Autorenregisseur“, lobt er. „Stephen geht jedes einzelne Dialogwort durch und zwingt dich, Dinge noch klarer auszudrücken. Er fragte andauernd: Was passiert in dieser Szene? Ich antwortete: X, Y und Z. Darauf er: Aber das hast du nicht geschrieben. Es gab unzählige Veränderungen in Atmosphäre, Tonlage und Eindeutigkeit. Nur wenige Regisseure haben diese intellektuelle Strenge.“

Frears selbst gibt sich bescheiden, was seinen Beitrag zum Drehbuch angeht: „Alle Änderungen am Drehbuch dienten nur dem besseren Erzählen der Handlung. Mir geht es immer darum, es dem Publikum leichter zu machen.“

Die Produktion

Während Produzent Harries noch über der Idee zu THE QUEEN brütete, arbeitete er auch an einer Staffel der preisgekrönten Krimiserie „Heißer Verdacht“. Während einer Leseprobe mit allen Schauspielern „guckte ich Helen an und dachte mir: Sie ist die Königin des britischen Dramas und sie sieht ein wenig aus wie die Queen. Was für eine grandiose Idee: Helen als Queen.“

Auch Helen Mirren, die auf Bühne, Bildschirm und Leinwand bereits unvergessliche Figuren zum Leben erweckt hat, fand das Angebot unwiderstehlich. „The Deal“ war ganz hervorragend und ich wusste, dass auch THE QUEEN in guten Händen war. „Es handelt sich um delikates, wenn nicht sogar gefährliches Material. Deshalb muss man darauf vertrauen können, dass die Menschen, mit denen man daran arbeitet, diese Geschichte auf die Leinwand bringen, ohne dabei Verrat an den Figuren und dem Thema zu üben.“

Trotz ihrer langjährigen Berufserfahrung scheute sich Helen Mirren nicht, ihren Partner Michael Sheen, den sie in „The Deal“ so bewundert hatte, um Rat zu fragen. Er riet ihr, so eng und so früh wie möglich mit der Sprachtrainerin Penny Dyer zusammen zu arbeiten, damit sie bei Drehbeginn mit der Stimme und der Gestik vertraut sei. Außerdem lud Helen Miren jene Darsteller zu sich nach Hause ein, die im Film ihre Familie spielen sollten, James Cromwell, der Prinz Phillip spielt, Prinz-Charles-Darsteller Alex Jennings und Sylvia Syms, im Film die Queen Mom. „Ich wollte, dass wir uns alle an die Stimmen der anderen gewöhnen, damit wir im Film tatsächlich wie eine Familie wirkten und nicht wie eine Truppe von Leuten mit gestelzten Akzenten.“

Wie ihre Kollegen war sich Mirren der Gefahren, die die Darstellung einer realen Person mit sich bringt, wohl bewusst - besonders einer so berühmten wie der amtierenden Monarchin. Die Herausforderung lag darin, den schmalen Grat eines akkuraten Porträts nicht zu verlassen, um nicht in eine Karikatur abzugleiten. „Man muss ja unbedingt vermeiden, dass sich das Publikum an einer Art Parodie der Person erfreut“, erläutert die Schauspielerin. „Die Menschen im Kino sollen dir deine Figur ja wirklich abnehmen, damit du sie auf die Reise mitnehmen kannst, die diese Figur antritt. Wenn die Nachahmung der realen Person zu gut ist, kann die Wahrheit zu aufdringlich sein. Dann muss man sich als Schauspieler zurücknehmen, um das Publikum nicht von seiner Reise in die Imagination abzulenken.“

„Ich habe viel recherchiert“, fährt Helen Mirren fort. „Im Nachahmen von Menschen bin ich ohnehin nicht sehr gut, ganz abgesehen davon, dass auch der beste Nachahmer nur 50 Prozent der realen Person einfangen könnte. Und der Status einer Ikone, den die Queen nun einmal hat, jagte mir schreckliche Angst ein“, gesteht sie und räumt ein, bei dieser Rolle „nervöser als bei jeder anderen“, gewesen zu sein. „Die Arbeit mit Penny Dyer war dabei von unschätzbarem Wert, sie hat ein außerordentliches Verständnis für Stimme. Schließlich fand ich eine Vorstellung, die mich enorm beruhigte:

Ich sah mich als einen Porträtisten. Gute Porträtmaler steuern ihre Wahrnehmung bei. Sie geben die Person, die sie darstellen durch ihre Augen wieder. Ihre eigene Persönlichkeit und ihre persönlichen psychologischen Strukturen spielen also eine Rolle und lassen jedes Porträt verschieden aussehen. Ich sah mir also alle Porträts an, die ich finden konnte. Leider gibt es kein Buch mit Porträtbildern von Elizabeth II. Aber es sollte eines geben.“

Sie fährt fort: „Bestimmte Dinge wie Haare, Hände, Haltung, Stimme müssen natürlich stimmen. In meinem Trailer hingen Fotografien der Queen an der Wand und ich habe mir laufend Videos von ihr angesehen. Es war etwas peinlich, weil mich jedes Mal beim Anschauen das Gefühl überkam, ihr Unrecht zu tun, ihr zu nahe zu treten. Das ist schlimm, weil man ja als Schauspieler immer versucht, bis zur inneren Persönlichkeit seiner Figur durchzudringen. Ich erinnere mich an ein kurzes Filmschnippselchen, in dem Elizabeth ungefähr zwölf Jahre alt ist und aus einem Auto aussteigt, um jemandem die Hand zu schütteln. Das Ganze dauert vielleicht eine Minute, aber es hat mich sehr berührt. Je mehr ich mich mit ihr beschäftigt habe, desto außergewöhnlicher erschien sie mir als Person, als Persönlichkeit. Sie ist eine Kultfigur und dennoch wissen wir so wenig über sie. Sie ist nicht wie Tony Blair, der gerade heraus agiert. Sie ist zurückgezogen, aber keines falls auf neurotische oder verwirrte Art, sondern eher beständig, voller Selbstvertrauen. Sie beweist unglaubliche Selbstdisziplin und nur manchmal lugt sie aus dieser Nische hervor und genau auf diese Persönlichkeit arbeitete ich hin.

Auch die Aussicht auf eine Zusammenarbeit mit Stephen Frears reizte Helen Mirren an dem Projekt THE QUEEN. „Stephen ist fast wie ein Dirigent, er inszeniert wie ein Dirigent“, erklärt Mirren. „Es kommt einem vor, als höre er die Partitur des Films in seinem Kopf und dirigiert nur deren Aufnahme, beziehungsweise Aufführung.“

Michael Sheen spielt in THE QUEEN erneut die Rolle, die er schon in „The Deal“ erfolgreich verkörpert hatte. Seine Darstellung des jungen, ehrgeizigen Labour-Führers in spe begeisterte damals die Kritiker. Aber obwohl der begabte Schauspieler Sheen dieselbe Person verkörpert, hatten die vier Jahre, die zwischen seinem Triumph und dem Tod Dianas lagen, erhebliche Auswirkungen auf die Figur des Tony Blair. Er hatte inzwischen nicht nur die innerparteiliche Auseinandersetzung gewonnen sondern auch einen grandiosen Sieg in den landesweiten Wahlen verbucht.

Für Sheen war es reizvoll, eine reale Person darzustellen. „Absurderweise kehrt sich der Prozess des Schauspielens dabei um“, erzählt Sheen. „Bei einer fiktionalen Figur spielt man von innen nach außen, Stimme und Gestik ergeben sich dann daraus. Bei einer realen Person fängt man von außen an und arbeitet sich nach innen vor. Ich habe mir sehr viel Videomaterial angesehen, viel über Blair gelesen und mit Anderen über ihn gesprochen. Ich wollte ihn eben nicht nur kopieren, sondern auch auf jene kleinen Dinge achten, die eine Vorstellung davon vermitteln, was in seinem Kopf vorgeht.

Nachahmung zielt letztlich auf Karikatur ab und irgendwo gibt es immer eine Pointe, die darauf wartet, geliefert zu werden. Wir haben dagegen versucht, ein emotionales Drama zu drehen. Der Erzählfaden durfte nicht unterbrochen werden und das geht nicht mit einer schlichten Nachahmung. Man bereitet sich aufwändig vor und versucht beim Dreh dann einfach loszulassen.“

Nach MARY REILLY und „The Deal“ ist THE QUEEN Sheens dritte Zusammenarbeit mit Stephen Frears: „Stephen treibt einen immer weiter, bringt einen dazu, neue Grenzen auszuloten und Sachen aus einem selbst zutage zu fördern, von denen man gar nicht wusste, dass sie in einem stecken. Es ist eine extrem befriedigende und lohnenswerte Erfahrung – aber keine bequeme. Seine Figuren sind immer sehr komplex und um diese Komplexität zu schaffen, bringt er einen dazu, tiefer und tiefer im eigenen Selbst zu wühlen. Man weiß genau, dass man von Stephen manipuliert wird, aber man fühlt sich gut, weil man ihm vertraut. Er gibt laufend kleine Bemerkungen von sich. Einmal hatte ich eine Szene mit Helen Mirren und er hat mir vorher erzählt: „Die ist doch angsteinflößend, findest du nicht?“ Er wollte damit den Kontext kreieren, der für meine Figur der Richtige war. Er sagte das mit einem Augenzwinkern, aber es hat gewirkt!“

Für Sheen hat der Film aber auch eine fröhlichere Seite. „Es steckt viel Humor darin. Peter Morgans Drehbuch balanciert geschickt auf dem Drahtseil – zwischen Frechheit und Kühnheit. Mir hat sehr gefallen, dass er häusliche Szenen, die Blairs, wie sie daheim vor dem Fernseher Nudeln essen, und Berufliches vermischt. Hoffentlich schockiert es das Publikum ein wenig und macht den Film glaubhaft, diese berühmten Menschen solch alltägliche Dinge tun zu sehen. Peter und Stephen haben solche Details schon bei „The Deal“ hinbekommen und sie haben es auch hier geschafft.“

Für Sheen ist „THE QUEEN nur auf den ersten Blick ein Film über die Royals und wie Blair sie nach dem Tod von Diana beraten hat. Tatsächlich ist es ein Film über Werte. Er beleuchtet einen Punkt in der britischen Geschichte, an dem Pflicht und Tradition, wie sie das Königshaus repräsentiert, mit Ungezwungenheit und Flexibilität kollidieren. Der Film zeigt außerdem das große Geschick, das Blair und New Labour darin hatten, die Stimmung in der Bevölkerung zu erkennen.“

Weitere Schlüsselrollen des Ensembles besetzen Helen McCrory als Cherie Blair, Schauspielveteranin Sylvia Syms als Queen Mum, Bühnenstar Alex Jennings als Prinz Charles, Roger Allam als Charles’ Privatsekretär Sir Robin Janvrin und Tim McMulllan in der Rolle von Blairs Pressechef Alastair Campbell.

Die einzige Überraschung in der Besetzung war vielleicht James Cromwell, den Stephen Frears für die Rolle des Prinz Phillip haben wollte. Cromwell, der dem Publikum wohl am besten bekannt ist durch die internationalen Hits EIN SCHWEINCHEN NAMENS BABE und L.A. CONFIDENTIAL, hatte mit Frears für den amerikanischen Fernsehfilm „Fail Safe“ zusammengearbeitet.

„Ich glaube, Stephen brauchte einfach einen Außenseiter“, witzelt Cromwell, „jemanden, auf den sich die britische Presse einschießen konnte: Ein Amerikaner als Prinz Phillip. Das geht ja wohl gar nicht!. Erst zögerte Stephen, war sich nicht sicher, ob ich das bewerkstelligen könnte. Überzeugt hat ihn dann die Tatsache, dass ich Prinz Phillip und die Queen persönlich getroffen hatte. Bei einem Event in Whitehall, das Phillip für den World Wildlife Fund gesponsert hatte, durfte ich vor den Beiden auftreten. Dadurch hatte ich eine Vorstellung davon wie er spricht und sich bewegt. Aber dennoch orientierte ich mich zumeist am Drehbuch.“ James Cromwell interessierte an seiner Figur am meisten „die Menschlichkeit hinter der Rolle herauszuarbeiten. Das heißt aber auch, dass man bestimmte Annahmen auf Basis seiner selbst und eigener Entscheidungen machen muss. Aber vielleicht hätte die gespielte Person ja ganz andere Entscheidungen getroffen.“

Er sieht Prinz Phillip als „sehr ehrerbietig und sich seiner Stellung genau bewussten Menschen. Er äußert das, was er äußern kann und von dem er meint, dass es nötig ist und weiß aber auch, wann er sich zurücknehmen muss. Dennoch bleiben Fragen unbeantwortet: Wer trägt die Verantwortung für diese dysfuntktionale Familie? Hat sie ihrem Mann die Verantwortung als Mutter übertragen, um jene als Monarchin erfüllen zu können? War Phillip unfähig, Charles so zu lieben und anzunehmen, dass er sich heute anders verhalten würde?“ Dennoch will Cromwell kein Urteil abgeben: „Ich kann kein Urteil fällen, weil ich mich als Schauspieler damit von der Figur entferne und sie nicht mehr spielen kann.“

Für Helen McCrory war ihre Rolle die Möglichkeit, Cherie Blair endlich einmal ins rechte Licht zu rücken. Denn obwohl in der Presse viel über sie geschrieben wird, ist das meiste davon sehr kritisch und zeichnet ein eindimensionales Bild der Premiersgattin. Außerdem gibt es wenig Tonmaterial von Cherie Blair oder Aufnahmen von Gesprächen mit ihr.

„Mir war sie immer sympathisch“, erklärt Helen McCrory, „die Presse hat sie immer schlecht behandelt und jedes unvorteilhafte Bild von ihr gedruckt. Hinter Cherie Blair steckt mehr als jene Karikatur, die wir in den Medien von ihr zu sehen bekommen. Sie ist intelligent, instinktsicher, natürlich und sehr witzig. Ihre Körpersprache zeigte mir, dass sie ein sehr einnehmendes Wesen hat, gerne lacht und offen auf Fremde zugeht. Es ist eher sie als Tony, die auf andere Menschen zuerst zugeht.“

Nachdem die Besetzung feststand, begannen die Dreharbeiten zu THE QUEEN am 13. September in Schottland, bevor die Produktion an Drehorte in London und im Südosten Englands umzog. Unterstützt wurde das Projekt von Pathé, die mit Frears erneut nach LADY HENDERSON PRÄSENTIERT zusammenarbeiteten. Als ausführender Produzent stieg auch der renommierte amerikanische Produzent Scott Rudin in das Projekt ein.

Look und Locations

Eines der wichtigsten Themen in THE QUEEN ist die Spannung zwischen der alten Welt der Tradition und des Protokolls und jener neuen des Gefühls und der Ungezwungenheit. Dieser Kontrast beeinflusste jeden Aspekt des Films, von der Beleuchtung über die Wahl der Kamera bis hin zum Szenenbild und den Kostümen.

Die Bildinszenierung von THE QUEEN übernahm Affonso Beato. Der brasilianische Kameramann ist am besten bekannt durch seine Zusammenarbeit mit dem spanischen Autorenfilmer Pedro Almodóvar, unter anderem bei dessen Filmen ALLES ÜBER MEINE MUTTER und LIVE FLESH – MIT HAUT UND HAAR.

Stephen Frears Anweisungen an ihn waren denkbar einfach, erinnert sich Beato: „’Alle Szenen mit der königlichen Familie auf 35 mm und alle Szenen mit Blair auf Super 16!’ Das passt zum Film: 35 mm wirkt durchkomponierter, statischer und hat mehr Grandezza, während Handkamera auf Super 16 mehr Energie und Struktur vermittelt. Wir wollten einen starken Kontrast zwischen den beiden Welten, von einer starren, stillen Welt zu einer modernen, hektischen.“

Eine der Herausforderungen für Affonso Beato war der zeitliche Rahmen des Films: „Die Handlung spielt innerhalb einer Woche, aber wir haben über einen Zeitraum von zwei Monaten gedreht. Die Innendrehs konnte ich kontrollieren, die Außendrehs leider nicht. Die Schwierigkeit lag darin sicherzustellen, dass der Farbton der Bilder gleich blieb. Ein wenig Sonne hätte ich mir für diesen Film natürlich auch gewünscht. Aber mit diesem Problem kämpft man bei einem Dreh in England ja immer.“

In den Drehorten und dem Szenenbild tritt der Kontrast zwischen der steifen Atmosphäre bei den Royals und dem entspannten Charme der Blairs erst recht zutage. Die Herausforderung, diese zwei Welten zu erschaffen, nahm Szenenbildner Alan Macdonald an, zu dessen vorherigen Filmen John Mayburys THE JACKET und die Francis-Bacon-Biografie LOVE IS THE DEVIL gehören. Seiner Meinung nach ist ein Szenenbild dann gelungen, „wenn man es fast gar nicht wahrnimmt.“

Macdonald, der zur Vorbereitung Biografien und anderes Fernseharchivmaterial über die Royals studierte, stellt fest: „THE QUEEN spielt in einer Welt, die einem sehr vertraut erscheint. Wir glauben, die königliche Welt von Windsor Castle, Balmoral und dem Buckingham Palast zu kennen, weil uns die Bilder davon so vertraut sind. Unser Film spielt aber nicht in jenen öffentlichen Bereichen, die man aus dem Fernsehen kennt. Tatsächlich spielt sich das meiste in jenen Privatbereichen der königlichen Residenzen ab, über die nur wenig dokumentiert ist – Die Queen in ihrem Schlafzimmer, im Bett, beim Fernsehschauen oder im Auto, wie sie über das Gelände von Balmoral fährt. Zunächst war ich etwas irritiert, bis ich dann die große visuelle Chance erkannte, die sich mir dadurch bot.“

Ein großer Teil des Films spielt auf Balmoral, der wohl privatesten Residenz der Queen. Sie ist eine von zwei Residenzen, die der Queen persönlich und nicht dem Staat gehören und wurde von Queen Victoria erbaut als rein private Oase. Victoria und ihr Mann entwarfen es selbst als gräfliches Anwesen und dank Alberts deutscher Herkunft zeigt Balmoral deutlich bayerische Einflüsse. Es ähnelt den Jagd¬schlössern König Ludwigs II.

Macdonalds Recherche wurde erschwert, weil etliche Besitzer von möglicherweise geeigneten Anwesen die Drehgenehmigung verweigerten, sobald sie erfuhren, um was es bei diesem Film ging. Von 25 bis 30 ursprünglich in Frage kommenden Anwesen blieben am Ende jene drei übrig, die im Film bei Innen- und Außenaufnahmen Balmoral doubeln: Cluny Castle in Aberdeenshire, Glenfeshie Estate in Invernessshire and Blairquhan Castle in Ayrshire. Keines von ihnen war zuvor jemals in einem Film zu sehen.

„Interessant daran war für mich, in eine private Welt einzudringen“, erzählt Macdonald. „Wir mussten etwas Zeitloses erschaffen, das auf der einen Seite Tradition vermittelte und auf der anderen Seite wie ein Landhaus einer wohlhabenden Familie wirkte.

Die Royals werden in THE QUEEN so gezeigt, als seien sie ein wenig in der Mitte des 20. Jahrhunderts stehen geblieben. Sie verharren in formalen Dingen und gehören eben einer Generation an, die während und nach dem Krieg aufgewachsene ist und eine Zeit der Entbehrung miterlebt hat. Diese Zeit hat ihre Psyche ebenso wie Design und Funktionalität ihres Hauses geprägt. Die Queen ist sparsam. Bei ihr gibt es Heizstrahler anstatt Zentralheizung, wenn es mal kalt wird. Und in Balmoral, dem Gegenpol zum Pomp des Buckingham Palasts dreht sich alles um das Leben draußen, in der Natur. „Wir benutzten keine Rot und Blautöne“, erläutert Macdonald, „nur Natur- und Erdtöne. Außerdem haben Victoria und Albert ja in Balmoral die „Tartanmania“, also die Leidenschaft für die Karomuster der schottischen Clans, begründet. Da sind wir für den Film allerdings hinter der Realität zurück geblieben, die von karierten Vorhängen über Teppiche bis zu Sofabezügen reicht. Sonst hätte unser Balmoral im Film wie das Hotel eines Themenparks gewirkt. Ich habe also alles etwas abgemildert und gedämpft. Es ist außerdem auch sehr formell, aufgeräumt und ordentlich.“

Macdonald fährt fort: „Die Blairs sind das völlige Kontrastprogramm. Meine Nachforschungen hatten ergeben, dass Tony und Cherie eher studentisch lebten. Sie haben keine Ahnung von dem, was die Royals in ihrem königlichen Haushalt umtreibt. Sie sind ein Ehepaar mit kleinen Kindern, das ziemlich genau so lebt wie die meisten Ehepaare ihres Alters mit Kindern: Ein wunderbarer Kontrast zum steifen und peniblen königlichen Haushalt - chaotisch und von großer emotionaler Wärme.“

Diese Lockerheit erstreckt sich bis auf den Amtssitz des Premierministers in der Downing Street. „New Labour hat auch den Stil in der Downing Street entkrampft. Es gilt eher die Devise ‚Nenn mich Tony“ als „Jawohl, Herr Premierminister“. Dementsprechend habe ich Downing Street auch gestaltet.“

Weitere Drehorte waren die Londoner Goldsmith’s Hall, die den Chinese Room im Buckingham Palace doubelte, Brocket Hall in Hertfordshire, wo sich das Film-Schlafzimmer der Queen und ihr Ankleideraum befanden, RAF Halton in Buckinghamshire, dessen Innenräume verschiedene offizielle Räume des Palasts „spielten“ und schließlich der Southend Flughafen, der im Film als RAF Northolt fungierte.

Die Kostüme

Die erfahrenen Kostümbildnerin Consolata Boyle musste für THE QUEEN die wohl meistfotografierte Familie der Welt ankleiden. „Ich hielt es für gefährlich, möglichst viel möglichst exakt nachzubilden. Die Queen ist sehr bekannt, aber auch sehr rätselhaft. Wenn man also auf reine Nachahmung der tatsächlichen Kleidung setzt, kann das irritierend wirken. Ich wollte also eine Welt erschaffen, die gefühlsmäßig zwar wahrhaftig wirkt, mir aber künstlerisch Freiheit lässt. Also habe ich nur einzelne Elemente von der tatsächlichen Kleidung der Queen übernommen.“

Es bereitete Consolata Boyle Vergnügen, einen privaten Look für die Queen in Balmoral zu kreieren. „Dort ist sie am entspanntesten und dort herrscht auch größte optische Kontinuität zwischen dem, wie die Queen als junge Frau ausgesehen hat und wie sie jetzt aussieht. Ich wollte entspannte Eleganz und eine ganz eigene Schönheit erschaffen in der Art wie sie und diejenigen, die sie umgeben, sich kleiden. Die Kleidung sollte ihre Liebe zur Natur und ihren Lebewesen widerspiegeln und die Kraft, die in der gewaltigen Schönheit der Natur rund um Balmoral liegt. Dort, wo die Queen am glücklichsten ist, sollte die Entspannung auch in warmen, erdigen Karos zum Ausdruck kommen, sowie in den Gummistiefeln und Arbeitsschuhen, die sie trägt. Alles ist praktisch und bequem. In London gab es einen kühleren, höfischeren, städtischen Look sowohl für die Queen als auch für die Blairs. Die Queen ist im Arbeitsmodus, im Gegensatz zum entspannten, heimeligen Balmoral.“

Während die Garderobe der Queen extra angefertigt wurde, mischte Boyle für den Rest der königlichen Familie, einschließlich der Tweeds von Prinz Phillip und Prinz Charles, der bunten Kostüme der Queen Mum und der Kleidung für die Bediensteten, Leihkostüme und Eigenentwürfe.

Für die Kleidung von Tony und Cherie Blair orientierte sie sich an Archivmaterial. „Heutzutage sind beide glatter und durchgestylter als damals. Da waren sie wesentlich weniger glamourös und chaotisch. Bei diesen Kostümen musste ich besonders aufpassen, da kann man sehr leicht völlig daneben greifen.“

Archivmaterial

An einigen Stellen jedoch mussten sich Boyle, Macdonald und Beato streng an die historische Realität halten, nämlich dort, wo der fiktionale Teil mit Archivmaterial angereichert wurde.

Wie schon in „The Deal“ wollte Frears auch für THE QUEEN Archivmaterial einsetzen. Dabei half ihm Adam Curtis. Der bekannte Dokumentarfilmer geriet 2005 in die Schlagzeilen, als seine kontroverse Untersuchung zum Thema Al-Kaida und der Krieg der amerikanischen Regierung gegen den Terror im offiziellen Programm der Filmfestspiele in Cannes lief. Nach „The Deal“ und LADY HENDERSON PRÄSENTIERT, arbeitete Curtis für THE QUEEN zum dritten Mal mit Stephen Frears zusammen.

„Wir wollten eine Vorstellung davon vermitteln, dass Diana, obwohl bereits tot, ständig präsent war“, erläutert Frears. „Es gibt im Film nur wenige Szenen, in denen kein Fernseher läuft. Adam Curtis bringt nicht nur eine ganz eigenen Sensibilität bei der Auswahl der Archivszenen mit sondern auch ein unglaubliches Wissen darüber, wo er gutes Material herbekommt. Wir brauchten einige vertraute Bilder, an die wir uns alle erinnern können, wie zum Beispiel Cherie, die am Tag nach dem Wahlsieg im Morgenrock die Tür öffnet. Wir wollten das Publikum aber mit einigen der Bilder, die Adam fand, auch überraschen. In zwei oder drei Sequenzen ist das Archivmaterial ineinander geschnitten, damit ein ziemlich lückenloses Verständnis der Ereignisse möglich wird.“

Harries war sich sehr wohl bewusst, dass der Film womöglich kontroverse Diskussionen auslöst. Harries, sein Regisseur und der Autor betonen aber, dass sie keinerlei subversive Absichten hegen. „Wir haben immer mit offenen Karten gespielt, nichts verheimlicht. Es steckte auch kein republikanischer Geheimplan zur Abschaffung der Monarchie hinter dem Drehbuch. Die Kraft dieser Filmidee liegt in ihrem Mut – einen Film zu drehen über eine lebende Monarchin.“

„Natürlich wird der Film als kontrovers gelten, einfach weil es ihn gibt“, konstatiert Frears. Die Ungehörigkeit unseres Unterfangens liegt schlicht darin, diesen Film überhaupt gedreht zu haben. Er hat keine schockierende oder skandalöse Aussage, die nicht schon vorher in der Öffentlichkeit kursierte. Der Schockeffekt liegt schlicht darin, die Queen wie eine normale Frau zu behandeln, und nicht als einen über allem stehenden Souverän.“