Fakten und Hintergründe zum Film "Die Perlmutterfarbe"

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Die Perlmutterfarbe Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Hintergrund: Die Buchvorlage

„Die Perlmutterfarbe“ trägt den Untertitel „Ein Kinderroman für fast alle Leute“ – was den Anspruch der Autorin Anna Maria Jokl zum Ausdruck bringt, eine Geschichte zu erzählen, die zwar Kinder als Hauptfiguren hat, aber Menschen aller Altersstufen anspricht.

Jokl schrieb ihren Roman zwischen 1937 und 1939 in Prag und verarbeitete in ihm ihre eigenen Erfahrungen, die sie 1933 zur Flucht aus Berlin gezwungen hatten, wo sie als Dramaturgin und Drehbuchautorin für die UFA gearbeitet hatte: Im Mikrokosmos Schule zeigt sie, wie leicht Menschen sich manipulieren lassen und wie schnell sie bereit sind, sich ganz einem Ziel zu verschreiben – selbst dann, wenn sie dieses Ziel nicht verstehen.

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In Deutschland konnte der Roman selbstverständlich erst nach 1945 erscheinen; die dramatische Geschichte des Manuskripts – und damit auch ihrer eigenen Flucht – schildert Jokl in der Vorrede zur „Perlmutterfarbe“. Die 1911 in Wien geborene Jüdin war aus Berlin zunächst nach Prag geflüchtet. Als deutsche Truppen 1939 den noch nicht annektierten Teil der Tschechoslowakei besetzten, musste sie auch von dort wieder fort, nach Polen. Sie hatte sich einem tschechischen Fluchthelfer anvertraut, der sie auch sicher über die Grenze brachte; nur musste Jokl alles bis auf das, was sie am Leib trug, zurücklassen, einschließlich des Manuskripts zur „Perlmutterfarbe“. Das sei das Einzige, was sie vermissen würde, vertraute sie dem Schlepper an – der sie wenige Wochen später im Flüchtlingslager in der Stadt Katowice, wo sie zunächst untergekommen war, besuchte. Dabei hatte er das Manuskript, das kurz vor der Grenze in einer Tasche zurückgeblieben war.

Jokls Flucht führte sie schließlich nach London, wo sie bis zum Ende des Krieges blieb und Psychologie studierte.

1948 erschien „Die Perlmutterfarbe“ im Ostberliner Dietz Verlag und wurde zu einem Publikumserfolg. Für eine geplante Verfilmung der „Perlmutterfarbe“ zog Jokl 1950 nach Ostberlin, doch das von ihr verfasste Drehbuch wurde abgelehnt und das Projekt zerschlug sich. 1951 wurde Jokl aus der DDR ausgewiesen und „Die Perlmutterfarbe“ aus dem Verkehr gezogen. Jokl blieb im Westteil der Stadt, wo sie als Psychotherapeutin und Publizistin arbeitete, bevor sie 1965 nach Jerusalem zog. Dort lebte sie bis zu ihrem Tod im Jahre 2001.

Ihr Roman wurde erst Anfang der 90er Jahre wiederaufgelegt, nachdem er lange Zeit nur antiquarisch zu haben war. Mitte der 80er lernte der Lektor des (zum Frankfurter Suhrkamp Verlag gehörenden) Jüdischen Verlags Jokl kennen, die sich in Israel längst einen Namen als Psychotherapeutin gemacht hatte. Diese Begegnung hat dazu geführt, dass „Die Perlmutterfarbe“ in den vergangenen 15 Jahren ein neues Publikum in Deutschland gefunden hat und zu einem modernen Klassiker avanciert ist. 1995 wurde Jokl mit dem Hans-Erich-Nossack-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Außer der „Perlmutterfarbe“ sind seit 1992 vier weitere von Jokls Werken veröffentlicht worden: „Die wirklichen Wunder des Basilius Knox“ – ihr erster Roman, ursprünglich 1937 in Prag erschienen -, der Erzählband „Essenzen“ sowie die beiden Titel „Reise nach London“ und „Zwei Fälle zum Thema Bewältigung der Vergangenheit’“.

Produktion: Vom Buch zum Film

Wer sagt eigentlich, dass ein Film, in dem Kinder die Hauptrollen spielen, automatisch ein Kinderfilm ist? Dass DIE PERLMUTTERFARBE eine spannende Geschichte für alle Generationen erzählt, stieß dem Münchner Filmproduzent Robert Marciniak sofort ins Auge, als er auf Empfehlung eines Freundes den Roman der österreichischen Schriftstellerin Anna Maria Jokl von 1938 zur Hand nahm. Die Geschichte von Freundschaft und Verrat geht Jung und Alt gleichermaßen an, fand Marciniak. Denn auch wenn ein Junge an der Schwelle zum Erwachsenwerden im Mittelpunkt steht, sind die Themen doch universell; die reine Story könnte statt in der bayerischen Provinz in den 30er Jahren ebenso gut unter modernen Großstädtern in der Jetztzeit angesiedelt sein.

Marciniak, 1960 geboren, war auch als gestandener Vierziger von dem vermeintlichen Jugendbuch sofort gebannt. „Ich habe das Buch in einem Satz durchgelesen“, erinnert sich Marciniak an seine erste Begegnung mit der Geschichte des Jungen Alexander, der sich durch kleine Notlügen und unglückliche Zufälle in immer größere Schwierigkeiten bringt. „Ich war ganz gebannt, weil es mich in meine eigene Kinderzeit zurückversetzt hat. Das Gefühl, dass eine Schlinge um den Kopf immer enger wird, man aber nur selber den Kopf aus eben dieser Schlinge ziehen kann – daran konnte ich mich erinnern.“

Diese Dynamik war für Marciniak auch der Ausgangspunkt, DIE PERLMUTTERFARBE als Grundlage für einen spannenden Kinofilm zu sehen, der auch erwachsene Themen anspricht: wie der eigentlich sympathische Protagonist immer weiter in die Bredouille gerät und dabei mehrere Gelegenheiten verpasst, reinen Tisch zu machen. Marciniak: „Das hat eben auch Auswirkungen auf die Figur. Wenn man da den richtigen Moment verpasst, ist man irgendwann nicht mehr derselbe.“

Zum universellen Anspruch der Schriftstellerin Jokl passt es auch, dass ihr Roman an keinem bestimmten Handlungsort angesiedelt ist. So beeindruckt Marciniak von der kraftvollen Geschichte war: Ihm war klar, dass eine Verfilmung des Buches einen konkreten Schauplatz benötigt. „Im Roman spielt die Geschichte im Nirgendwo, ein Film braucht aber einen Ort, eine Authentizität. Mir schwebte ein kleiner Ort irgendwo in Bayern vor“, sagt er. Diese Vorstellung führte von der noch vagen Idee zu den ersten konkreten Entscheidungen, erzählt Marciniak: „Vom bayerischen Ort ausgehend, kamen wir schnell dahin zu sagen, dann brauchen wir auch einen bayerischen Drehbuchschreiber und einen bayerischen Regisseur.“

Marciniaks erste Wahl war Marcus H. Rosenmüller, der sich mit seinen Filmen „Wer früher stirbt, ist länger tot“, „Schwere Jungs“, „Beste Zeit“ und „Beste Gegend“ den Status eines der größten jungen deutschen Regie-Talente erworben hat, der mit seinen tief in seiner bayerischen Heimat verankerten Sujets praktisch im Alleingang das Genre des (gänzlich unsentimentalen und unkitschigen) neuen deutschen Heimatfilms geschaffen hat. Zu dem Zeitpunkt, als Marciniak sich an Rosenmüller wandte – Anfang 2006 – war von dem Regisseur noch nichts veröffentlicht worden, und von dem Riesenerfolg mit 1,8 Millionen Zuschauern, den der im Sommer 2006 startende „Wer früher stirbt, ist länger tot“ haben würde, konnte niemand auch nur etwas ahnen. Marciniak bewies mit seiner Wahl Gespür: „Ich kannte ihn privat etwas und ich hatte seine Kurzfilme gesehen, die mir alle sehr gefallen hatten.“ Marciniak ließ Rosenmüller das Buch zukommen, ohne sich viele Hoffnungen auf eine baldige Entscheidung zu machen: „Ich dachte: Na ja, der wird sich irgendwann melden… Das war im Januar und ich dachte, irgendwann im April werd’ ich vielleicht was hören – aber schon eine Woche später rief er an und sagte: Du, Robert, ich muss das machen!“

Marcus H. Rosenmüller erinnert sich noch sehr genau an das etwas surreale Gefühl bei seiner ersten Begegnung mit der „Perlmutterfarbe“: „Ich war gerade beim Drehen von „Schwere Jungs“ in Tschechien, „Wer früher stirbt, ist länger tot“ war noch in der Postproduktion, und da wurde mir das Buch zugesandt. Mit dem Robert habe ich dann von einem Feld irgendwo in Tschechien telefoniert, um ihm zu sagen, dass ich es auf jeden Fall machen will.“

Das Problem war nur: Rosenmüller hatte bereits zu drei weiteren Filmen ein Commitment abgegeben. Aber die Aussicht, dass sich DIE PERLMUTTERFARBE auf diese Weise noch verzögern würde, konnte Marciniak nicht abschrecken, wie er erzählt: „Das musste ich halt in Kauf nehmen. Es stand für mich nie zur Debatte, mich deswegen nach einem anderen Regisseur umzuschauen. Ich hatte ja gemerkt, wie der Rosi gebrannt hat.“ Und außerdem, so Marciniak weiter, „ist er ja auch ein Schnellschreiber und ein Schnelldreher…!“

Der Regisseur war also gefunden und machte sich alsbald an die Arbeit. „Wie der Junge in diese Lügen geschlittert ist – das ist, was mir als Thema gefallen hat“, erklärt Rosenmüller seine spontane Begeisterung für DIE PERLMUTTERFARBE: „So etwas muss da sein: wenn mich ein bestimmter Aspekt interessiert, wenn ich etwas spannend finde. Sonst kann ich keinen Film drüber machen.“ Bei der Lektüre stellte Rosenmüller auch fest, dass er einiges würde verändern müssen, um den Roman filmisch umzusetzen – nicht nur, weil er generell, wie er sagt „beim Drehbuch immer a bisserl a Freiheit haben“ muss, sondern auch, weil in der zweiten Hälfte des Romans vieles als innerer Monolog erzählt wird.

„Deshalb gibt’s den Papagei, der im Roman nicht vorkommt“, erklärt Rosenmüller, damit Alexander im Film nicht ständig seine Gedanken als Off-Kommentar sprechen muss, sondern einen Gesprächspartner hat. Das war aber längst nicht die einzige Änderung, die Rosenmüller und sein Ko-Autor Christian Lerch vornahmen. Eine weitere, berichtet Rosenmüller, war das Hinzuerfinden von Maulwurfs grandiosem Lügendetektor: „Die Kitzelmaschine gab’s auch nicht im Roman; der Maulwurf wird dort einfach als Erfinder beschrieben, der zum Beispiel einen Dampfdruckkochtopf erfunden hat. Aber wir haben uns gesagt: Wenn er schon was erfindet, dann muss das dramaturgisch auch eine Rolle spielen!“

Von Beginn an waren es einzelne Bilder, die Rosenmüller ganz konkret vor Augen standen, nicht zuletzt die Schlüsselszene, in der Alexander das Unglück mit dem von B-Karli aus der Parallelklasse ausgeliehenen Buch passiert: „Ich habe mir genau vorgestellt, wie die Farbe auf das Buch läuft und es ruiniert, und wie er es danach in den Ofen schmeißt. Und wenn ein Buch verbrennt, ist das natürlich auch eine ganz starke Metapher.“

Rosenmüller und Lerch trafen sehr früh noch weitere Entscheidungen, was die Zeit der Handlung und den Ort betraf: „Wir haben uns schon überlegt“, erzählt Rosenmüller, „ob wir einen modernen Film machen sollen. Aber es hätte merkwürdig gewirkt, die Geschichte aus ihrer Entstehungszeit herauszureißen.“

Während Rosenmüller und Lerch begannen, am Skript zu werkeln, kümmerte sich Marciniak darum, die Finanzierung des Filmes auf die Beine zu stellen. Wobei ihm dabei der enge Kontakt zu seinem früheren Arbeitgeber, der Constantin Film, sehr zugute kam. Marciniak: „Ich bin acht Jahre bei der Constantin Film gewesen, ich kenne da alle und ich hänge auch nach wie vor an der Firma. Ihnen hatte ich, noch bevor es überhaupt ein Treatment gab, den Roman zum Lesen gegeben.“ Was offensichtlich sein Wirkung tat: Schon nach dem Treatment und der ersten Drehbuchfassung war die Constantin Film dabei. Grünes Licht gab es im Juni 2007, und im Herbst wurden die Förderungsanträge eingereicht. „Das ging dann rasch und reibungslos“, erzählt Marciniak, „aber da hilft es natürlich auch, wenn man das Gewicht der Constantin Film in die Waagschale legen kann. Gerade in der Kombination mit dem Rosi, bei dem man sicher sein kann, dass ein Film eine gewisse Leichtigkeit hat - im besten Sinne Unterhaltung ist, aber eben auch Tiefgang hat.“

Produktion: Die Besetzung

„Unsere Casterin hat da sehr viel Geduld mit uns aufbringen müssen, bis wir mit der Besetzung restlos zufrieden waren“, fasst Robert Marciniak lachend die Suche nach den Darstellern für den Film zusammen. Mit über einem Dutzend Sprechrollen allein für die Kinder war es ein großer Aufwand, ein in sich stimmiges Ensemble zusammenzubekommen. Zumal die Filmemacher auch hohe Anforderungen an die Jungschauspieler stellten. Marciniak sagt: „Die Kinder müssen das auch ein bisschen in sich tragen, was sie spielen.“

Dadurch stand die endgültige Besetzung erst sehr kurzfristig fest, wie im Fall von Dominik Nowak, der den Klassentüftler und genialen Nachwuchs-Erfinder Maulwurf spielt. Marciniak erinnert sich: „Der Maulwurf war der Letzte, den wir besetzt haben – das war gerade mal vier Wochen vor Drehstart!“

Markus Krojer in der Hauptrolle des Alexander zu besetzen, war für Regisseur Rosenmüller ein naheliegender Gedanke, da Krojer bereits sein Hauptdarsteller in „Wer früher stirb, ist länger tot“ war. „Es macht einfach Spaß, mit Markus zu arbeiten“, sagt Rosenmüller: „Er hat ein ausdrucksstarkes Gesicht, das auch in Großaufnahmen toll wirkt, und er ist auch sehr schlau: Er fragt nach, er will Sachen genau wissen und arbeitet ganz begeistert an der Entwicklung seiner Rolle mit.“

Auch Zoë Mannhardt, an die die Rolle von Alexanders Klassenkameradin Lotte ging, hatte Filmerfahrung vorzuweisen; zuletzt spielte sie die Hauptrolle in Detlev Bucks „Hände weg von Mississippi“. Von Krojer und Mannhardt abgesehen, haben aber nahezu alle anderen Kinderdarsteller in DIE PERLMUTTERFARBE zum ersten Mal gedreht. Und dabei das Filmteam tief beeindruckt, Benedikt Hösl (als Gruber) und Thomas Wittmann (in der Doppelrolle als Hugo und als Heini) etwa, um nur zwei Namen aus einem herausragenden Ensemble zu nennen. Rosenmüller sagt ganz einfach: „Der Benedikt Hösl: Das ist der Wahnsinn, wie der spielt!“ – und Marciniak ergänzt: „Es ist einfach verdammt schwierig, mit 14, 15 Jahren so was Perfides wie den Gruber zu spielen, aber der Benedikt bringt das ganz großartig rüber.“ Gleiches Lob haben die Filmemacher auch für Thomas Wittmann über, der nicht nur in seinem Schauspieldebüt die Doppelrolle des Zwillingspärchens Heini und Hugo übernahm, sondern auch ein Gespür für komisches Timing beweisen musste. „Das hat er einfach ganz toll gemacht“, sagt Rosenmüller. Und fährt fort: „Einerseits haben wir mit den Kindern viel Glück gehabt, andererseits haben wir auch viel Zeit auf das Casting verwendet.“

Nachdem die Produktion fast alle Schulen in Südbayern abgeklappert hatte, waren es im Großen und Ganzen am Ende Laien aus der Schule, mit denen die Rollen besetzt wurden. Dabei war es zwar ein Vorteil, wenn sie bayerisch sprachen, aber nicht die zwingende Voraussetzung. Vielmehr ging es Rosenmüller und Marciniak darum, Darsteller zu finden, die das nicht definierbare gewisse Etwas mitbrachten. Das von Rosenmüller erwähnte Glück, das im Spiel war, bezieht er eben nicht nur auf das schauspielerische Talent, sondern auch auf die Professionalität der Kinder. „Ich war ich wirklich erstaunt, wie schnell die sich zurechtgefunden haben; du weißt ja nicht, ob die das alles durchhalten. Aber die ham an Anstand g’habt – unglaublich!“

Was die Erwachsenen-Rollen betrifft, sagt Rosenmüller: „Da habe ich auch aufs Repertoire von denen zurückgegriffen, mit denen ich schon zusammengearbeitet habe. So gehörten etwa Brigitte Hobmeier, die in DIE PERLMUTTERFARBE Alexanders Mutter spielt, und Sigi Zimmerschied (Konditor Schreier) bereits zum Ensemble von Rosenmüllers „Räuber Kneissl“. „Die Gitti Hobmeier“, schwärmt Rosenmüller, „bewundere ich einfach, weil sie mit so einer Kraft, so einer Lust spielt.“

Hinzu kamen einige andere Schauspieler, die Rosenmüller, wie er sagt, „noch nicht kannte, mit denen ich aber arbeiten wollte.“ Dazu zählen Gustav-Peter Wöhler („Erleuchtung garantiert“, „Stellungswechsel“) als Deutschlehrer Schloder, Johannes Silberschneider als Rektor und Starkabarettist Josef Hader („Komm, süsser Tod“) in der kleinen, aber nicht unentscheidenden Rolle des Herrn Ametsbichler. Rosenmeier: „Dass der Josef Hader mitgemacht hat, ist eine große Ehre. Das gilt auch für Gustav-Peter Wöhler, den ich aus einigen Filmen kannte und toll fand, und auch für den Johannes Silberschneider – sie waren alle gleich bereit mitzumachen, auch wenn sie nur kleine Rollen zu spielen hatten.“

Produktion: Die Drehorte

Bei der Menge an Kindern, die sich als Darsteller am Set aufhielten, kamen die 40 Drehtage nicht nur Marciniak „ein bisschen wie Ferienlager“ vor. Insbesondere als die Produktion in Burghausen im oberbayerischen Landkreis Altötting Station machte: Weil sehr lange in Burghausen gedreht wurde, mietete man für die Zeit einfach die Jugendherberge an. Was zwar eher wenig an Luxus und Glamour bot, aber dafür sorgte, dass die so unterschiedliche Gruppe sehr schnell zusammenwuchs: Marciniak: „Die haben natürlich auch viel Unsinn gemacht, aber darüber sind sie eine verschworene Gemeinschaft geworden. Da sind auch viele Freundschaften entstanden!“

Große Bauten waren dort nur notwendig, um den Gruselstreifen, der in DIE PERLMUTTERFARBE als „Film im Film“ zu sehen ist, in Szene zu setzen. In einer alten Remise des Klosters Raitenhaslach baute das Team um Szenenbildner Johannes Sternagel (der für Rosenmüller auch „Beste Zeit“ und „Beste Gegend“ ausgestattet hat) und Doerthe Komnick das „Frankenstein-Labor“ auf, das die Szenerie für „Die Menschenfabrik des Dr. Knopf“ abgibt – für die Szenenbildner eine Herausforderung, aber auch eine höchst interessante Abwechslung, aus dem möglichst authentischen 30er-Jahre-Look des restlichen Films hier in den experimentellen Stil des filmischen Expressionismus der damaligen Zeit zu wechseln.

Welche Orte konkret das Aussehen des Films bestimmen würden, stellte sich im Wesentlichen erst während der laufenden Pre-Production heraus. Was auch an Rosenmüllers Arbeitsweise liegt, wie er berichtet: „Bestimmte Sachen stehen natürlich schon lange, aber es kommen halt auch immer wieder neue hinzu. Bei der Drehortbesichtung und gerade bei den Proben passiert es noch sehr häufig, dass ich Änderungen am Drehbuch vornehme.“

So wirkten sich die gefundenen Orte auf die Story aus – und natürlich auch sehr stark auf die Atmosphäre. Das gilt vielleicht für kein Motiv stärker als für das alte Stahlwerk, in dem Maulwurf und seine Bande ihr Geheimversteck haben. Gedreht wurden die Stahlwerk-Szenen in der 2002 stillgelegten Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz, einem Industriedenkmal von beeindruckenden Ausmaßen, das zum Teil bereits in den 1860er Jahren errichtet wurde.

Nicht allzu weit entfernt, in der Nähe von Bayreuth, liegt die oberfränkische Marktgemeinde Weidenberg; dort fanden die meisten Außenaufnahmen im Ort (der Dorfplatz, die Buchhandlung und das Wirtshaus) statt.

Hinzu kam schließlich ein Drehtag im sächsischen Plauen, wo die Kulisse der historischen Weberhäuser für weitere Außenaufnahmen genutzt wurde.

Produktion: Die Dreharbeiten

Anfang 2008 fiel schließlich die erste Klappe für DIE PERLMUTTERFARBE. Nicht die ideale Jahreszeit, wenn man einen Film mit vielen Außendrehs vor sich hat, aber die einzig passende Jahreszeit, um die Geschichte so zu erzählen, wie Rosenmüller sie im Kopf hatte.

„Zunächst einmal spielt auch schon der Roman im Winter“, erzählt Robert Marciniak: „Und der Rosi hatte ein ganz zentrales Bild vorm geistigen Auge: das Schneefeld, auf dem Alexander liegt, wenn seine Welt um ihn herum zusammenbricht.“

Nachdem klar war, dass die Produktion im Winter würde stattfinden müssen, beschleunigte sich das Tempo der Vorbereitungen noch; dennoch ließ sich ein Drehbeginn schon Ende 2007 nicht verwirklichen – nicht zuletzt deshalb, weil die Weihnachtsferien der Kinder nicht wirklich als Drehzeit in Frage kamen. Marciniak: „Wir haben dann recht spät, Ende Februar, angefangen. So sind wir dann schon wieder in die Osterferien reingerutscht, aber der Rest war natürlich normale Schulzeit und wir mussten für alle Schulbefreiungen einholen.“

Allen Beteiligten war natürlich von Anfang an bewusst, dass die gesetzlichen Vorgaben, die Dreharbeiten mit Minderjährigen auferlegt werden, ab und an für Verzögerungen sorgen würden. Was vor allem den Produktionsleiter ins Schwitzen brachte, wie Marciniak erzählt:

„Von der Drehorganisation her war das extrem schwierig. Da musste man höllisch aufpassen mit dem Jugendschutzgesetz und den vorgegebenen Arbeitszeiten.“ Gerade in der Szene im Festsaal der Schule am Ende des Films erforderte die maximale tägliche Arbeitszeit von fünf Stunden, die Kindern zugemutet werden darf, für ziemliches Stühlerücken. Marciniak: „Wir haben immer nur in einer Seite des Saals gedreht und dann die Komparsen umgestellt…!“

Und die Arbeit mit den jungen Darstellern ging natürlich nach Drehschluss weiter. „Unsere Kinderbetreuerinnen“, sagt Marciniak, „haben einen Wahnsinnsjob gemacht: die Kinder zum Set zu bringen, für die Essenspausen zu sorgen, das Abendprogramm zu gestalten.“ Nicht zu vergessen, die Hausaufgaben zu machen – Marciniak erzählt: „Wir waren ja verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Kinder ihren Schulstoff nachholen; die Betreuerinnen und die von uns engagierten Privatlehrer haben sich mit den Schulen in Verbindung gesetzt und mit jedem individuell gelernt – eine ganz tolle Sache!“ Schließlich war auch ein wenig psychologische Betreuung oder einfach auch nur Fürsorge Teil der Arbeit; viele waren zum ersten Mal überhaupt für so lange Zeit von Zuhause weg.

Auch wenn die Zusammensetzung des Ensembles für die Drehdurchführung eine steile Herausforderung war: Die Stimmung bei den Dreharbeiten beschreiben alle Beteiligten als „ganz, ganz toll“. Zu den geselligen Höhepunkten der Produktion wie Bergfest und Abschlussfest waren auch die Eltern der Nachwuchsdarsteller eingeladen, die nur noch bestätigten, was für schöne, aber eben auch wertvolle Erfahrung der Dreh für ihre Kinder war. Kein Wunder, dass am Schluss des letzten Drehtages alle schweren Herzens, zum Teil mit Tränen in den Augen, gingen…

Das einzige wirkliche Problem, das die Filmemacher hatte, war der Schnee – genauer gesagt, der Mangel daran: an keinem einzigen Tag gab es wirklich Schnee. „Da hat uns der Winter im Stich gelassen“, erinnert sich Rosenmüller: „und das mit dem Kunstschnee ist ein Riesenaufwand, und auch eine Riesensauerei. Das war so ein Schaum, fast wie Löschschaum. Und auch wenn die Leute, die’s gemacht haben, fix waren, hat das natürlich Zeit gekostet.“

Robert Marciniak ergänzt: „Wir mussten den Schnee immer herstellen und auch mit künstlichem Schnee arbeiten. Für die Szene mit der Schneeballschlacht haben wir eine Schneekanone kommen lassen, das hätte mit Schaum natürlich überhaupt nicht funktioniert!“ In der Postproduction, verrät er, ist noch einiges digital nachbearbeitet worden. „Man würde, wenn man es jetzt fertig sieht, niemals glauben, dass das kein echter Schnee sein soll.“ Und so wirkt das Gebibbere der Jungen, die von Kostümbildnerin Natascha Curtius-Noss in historisch korrekte kurze Hosen gesteckt wurden, nun ganz besonders echt…

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