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Die perfekte Kandidatin

   Kinostart: 12.03.2020

The Perfect Candidate: Engagiertes Drama über eine junge saudische Ärztin, die sich als Kandidatin für den Stadtrat aufstellen lässt.

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„Die perfekte Kandidatin“ im Kino

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Filmhandlung und Hintergrund

Engagiertes Drama über eine junge saudische Ärztin, die sich als Kandidatin für den Stadtrat aufstellen lässt.

Immer wieder scheitert die junge saudische Ärztin Maryam (Mila Al Zahrani) daran, dass die Zufahrtstraße zu ihrer Klinik endlich asphaltiert wird. Zutiefst frustriert sieht sie nur einen Ausweg, den unhaltbaren Zuständen in ihrem Krankenhaus Abhilfe zu verschaffen: Maryam lässt sich als Kandidatin für den Stadtrat aufstellen. Wider Erwarten fällt ihre Kampagne auf fruchtbaren Boden, was dem langjährigen Amtsinhaber – ein scheinbar übermächtiger Konkurrent – nicht wirklich gefällt.

„Die perfekte Kandidatin“ – Hintergründe

Die Dreharbeiten zum Film von Regisseur Haifaa al-Mansour fanden im Frühjahr 2019 in Raid statt, gefördert wurde das Projekt unter anderem vom Medienboard Berlin-Brandenburg. Getragen wird der Film von seinen drei weiblichen Hauptfiguren, gespielt von Mila Al Zahrani (Maryam), Nora Al Awadh (Sara) und Dea Al Hilali (Selma). Alle drei geben in „Die perfekte Kandidatin“ ihr Spielfilmdebüt.

In den deutschen Kinos startet die Dramedy am 12. März 2020.

 

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Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • „Wertvoll”

      Nach DAS MÄDCHEN WAJDJA der zweite Film von Haifaa Al-Mansour, der von einer jungen Frau erzählt, die in Saui-Arabien eher per Zufall für den Posten als Gemeinderätin kandidiert.

      Weil sie in dem Krankenhaus, in dem sie als Ärztin arbeitet, von den männlichen Patienten einfach nicht akzeptiert wird, will Maryam die Klinik verlassen und sich in Dubai in einem größeren Krankenhaus bewerben. Doch am Flughafen muss Maryam feststellen, dass ihr Vater ihre Reiseerlaubnis, ohne die Frauen in Saudi-Arabien nicht reisen dürfen, nicht verlängert hat. Wütend marschiert Maryam ins Rathaus zu ihrem Cousin, den sie darum bitten möchte, das Dokument zu verlängern. Durch ein Missverständnis jedoch füllt Maryam eine Bewerbung als Gemeinderätin aus. Und befindet sich, ob sie es will oder nicht, ab sofort im Wahlkampf. Schon mit ihrem ersten Film DAS MÄDCHEN WAJDJA stellte die Regisseurin Haifaa Al-Mansour unter Beweis, mit welcher Kraft und großer Sensibilität sie ihre Geschichten starker Mädchen und Frauen erzählen kann. Und genau das gelingt ihr auch mit DIE PERFEKTE KANDIDATIN. Dabei bringt der Film dem Zuschauer eine fremde Kultur näher und zeigt diese in all ihren Schattierungen, ohne jegliche Schwarz/Weiß-Malerei. Al-Mansour zeigt, wie sehr die Frauen unterdrückt werden in einem System, das sich nur schwer lösen kann von all den Traditionen und Glaubensvorgaben. Doch es zeigt auch, dass es Möglichkeiten gibt, diese verkrusteten Strukturen aufzubrechen. Das alles macht der Film auf ruhige unaufgeregte Art, das Spiel der Darsteller ist natürlich, authentisch und das Drehbuch lässt bei aller Schwere des Konflikts auch Raum für feine Humornuancen. DIE PERFEKTE KANDIDATIN liefert auf sensible, aber doch eindrückliche Art einen spannenden, vielschichtigen Blick in eine fremde Kultur.

      Jurybegründung:

      Schon das erste Bild dieses Films ist ein Statement: Vor kurzem war es in Saudi-Arabien für eine Frau noch gegen das Gesetz, ein Automobil zu steuern. Doch in DIE PERFEKTE KANDIDATIN fährt die Protagonistin Maryam tief verschleiert, aber ganz selbstverständlich mit dem Auto zu ihrem Arbeitsplatz. Sie arbeitet als Ärztin, ihre Schwester als Kamerafrau - auch dies sind Zeichen dafür, dass eine langsame Emanzipation der Frauen in dem erzkonservativen Land möglich ist. Und auch, dass mit Haifas Al-Mansour eine Frau in Saudi-Arabien einen Film inszenieren kann, ist ein Zeichen dieser neuen Öffnung. Die Existenz des Films selber ist also Teil seiner Botschaft. Haifas Al-Mansour erzählt hier konsequent aus der Perspektive dieser jungen Frau, wie mühsam es ist, sich als moderne, gut ausgebildete und kluge Frau in dieser extrem patriarchalisch geprägten Gesellschaft zu behaupten. Sie darf ohne die Erlaubnis eines männlichen Verwandten keine Flugreise unternehmen oder bei einer Versammlung von Männern nicht vor diesen erscheinen und sie ansprechen. Haifas Al-Manour hat einen extrem realistischen, oft fast dokumentarisch wirkenden Film darüber gemacht, in welchem Ausmaße und gegen welche Widerstände Frauen in Saudi Arabien selbstbestimmt leben können. Dabei zeigt sie, wie komplex das Problem der Gendergerechtigkeit in ihrem Heimatland heute ist. Außerdem erzählt die Regisseurin davon, welchen Wert Kultur und Kunst in Saudi-Arabien haben. Maryams Vater ist Musiker und wird einerseits hofiert, andererseits aber von vielen reichen und mächtigen Männern mit Herablassung behandelt. Seine Frau war Hochzeitssängerin, und auch dadurch sind er und seine Familie Außenseiter der Gesellschaft. Haifas Al-Mansour erzählt die Geschichte ihrer jungen Heldin, die sich entschließt, bei einer Wahl für ein regionales Amt gegen den etablierten männlichen Kandidaten anzutreten, weil sie ganz konkret Missstände wie den Zustand der Straßen im Stadtviertel verbessern will, sachlich und ohne etwa die Vertreter der herrschenden Zustände allzu negativ zu zeichnen. Mit der gleichen Umsicht, die ihre Protagonistin an den Tag legt und so kleine Siege gegen das System erringt, hat die Regisseurin in einem Land mit strengen Zensurbestimmunen diesen Film gedreht. Auch auf dieser Ebene bilden hier also Form und Inhalt eine harmonische Einheit. DIE PERFEKTE KANDIDATIN bietet eine authentische Innensicht in eine Gesellschaft, die so wohl selten gezeigt werden kann. Und mit ihrer subtilen, unaufgeregten Erzählweise zeigt Haifad Al-Mansour auch, dass sie eine talentierte Filmemacherin ist.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
    1. Die perfekte Kandidatin: Engagiertes Drama über eine junge saudische Ärztin, die sich als Kandidatin für den Stadtrat aufstellen lässt.

      Engagiertes Drama um eine Ärztin in Saudi-Arabien, die sich zur Wahl im Gemeinderat stellen will von der mit „Wajda“ erfolgreichen Regisseurin Haifaa Al-Mansour.

      Sara, die junge Heldin von „The Perfect Candidate“, der dritten Regiearbeit von Haifaa Al-Mansour, sieht man gleich in der ersten Szene in einem revolutionären Akt. Erstmals sieht man im Kino eine Frau in Saudi-Arabien Auto fahren: Die ersten Führerscheine für Frauen wurden in dem Emirat im Juni 2018 ausgestellt. Auch sonst ist Sara eine Frau, die sich vorgenommen hat, etwas aus ihrem Leben zu machen: Sie ist Ärztin, strebt nach einem gefragten Job in Riyadh. Sie ist aber auch gefangen in der Realität eines Landes, in dem der Fortschritt von Frauen keinen hohen Stellenwert hat. Ältere Männer lassen sich in dem kleinen Krankenhaus lieber von weniger qualifizierten Pflegern behandeln, weil sie sich nicht von einer Frau berühren lassen wollen. Und dass die kurze Auffahrt zum Krankenhaus schon seit Wochen überflutet ist und das Ausladen von Patienten in dem Matsch jeden Tag beschwerlicher wird. Als Sara sich bei einer Behörde meldet, um eine Genehmigung abzuholen, dass sie alleine reisen darf, dort aber nur vorgelassen wird, wer sich für eine Stelle im Gemeinderat zur Wahl stellen will, meldet sie sich dafür an. Zwar weiß sie nicht, wie man Wahlkampf macht, und ihre Chancen gegen den alt eingesessenen Kandidaten laufen gegen Null, aber sie sieht eine Gelegenheit, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die überflutete Straße zu richten.

      Nach dem weniger gelungenen „Mary Shelley“ ist Haifaa Al-Mansour wieder zurück, um nach „Das Mädchen Wadjda“ - dem ersten saudi-arabischen Film überhaupt! - wieder aus ihrer Heimat zu erzählen. Man merkt sofort, dass ihr das mehr liegt. Sorgfältig erzählt sie die Familiendynamik mit einem alleinerziehenden und liebevollen Vater, der als Musiker durch die Lande reist, und seinen drei Schwestern, die alle ihren eigenen Kopf haben. Schön stellt der Film eine Tournee des Vaters mit seinem Orchester für traditionelle Musik gegen die Versuche der drei Schwestern, Sara als Politikerin zu etablieren. Das geschieht alles ganz unaufgeregt, und vielleicht ist „The Perfect Candidate“, der mit Razor Film als deutschem Produktionspartner entstand und in fast allen technischen Abteilungen deutsche Leiter hat (Kamera: Patrick Orth), kein großer Film. Aber dass sich hinter seiner ruhigen Machart etwas Revolutionäres verbirgt, das spürt man in jeder Einstellung. ts.

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