Filmhandlung und Hintergrund

Satirisch angehauchtes Drama über einen polnischen Rocker aus der Provinz, dem ein neues Gesicht transplantiert wird.

Jacek (Mateusz Kościukiewicz) ist ein typischer Rocker: Lange Haare, Metallica-Patches überlagern seine Jeansjacke, in der Kirche lässt er Gotteshymnen aus und ist in seiner polnischen, spießigen Heimat längst als Außenseiter verschrien. Während er mit seiner Freundin Dagmara (Małgorzata Gorol) auf der Tanzfläche derart die Sau rauslässt, dass ihr Umfeld gleich Abstand nimmt, träumen die beiden vom gemeinsamen Neuanfang in London. Um das nötige Kleingeld zu verdienen, arbeitet er auf der größten Baustelle seiner Region. Die örtliche Kirche erbaut die größte Christus-Statue der Welt, die Tourismus ankurbeln, Gottesfrommheit untermauern und zugleich protzig gen Rio de Janeiro schauen soll.

Bei einem Arbeitsunfall zieht sich Jacek eine schwere Verletzung zu. Er ist ans Krankenbett gekettet, sein Gesicht entstellt. In einer riskanten Operation wird er der ersten Gesichtstransplantation des Landes unterzogen und in der Öffentlichkeit als Volksheld und Märtyrer gefeiert. Jacek hingegen erkennt sich selbst im Spiegel nicht wieder, das Sprechen fällt ihm schwer und die Märtyrer-Rolle nimmt er nur widerwillig an. Selbst Dagmara sucht in dieser Situation die Flucht vor ihrem entstellten Freund. Einzig seine Schwester (Agnieszka Podsiadlik) und die Familie halten in der Not zu ihm und leiden mit ihm unter Krankenhausrechnungen und öffentlichem Interesse.

„Die Maske“ – Hintergründe

Nahe der deutsch-polnischen Grenze wurde 2010 in Swiebodzin tatsächlich die größte Jesus-Statue der Welt erbaut. Mit 36 Metern Höhe ist sie damit sechs Meter größer als die Statue in Rio de Janeiro. Inmitten dieser Geschichte bettet Regisseurin Małgorzata Szumowska („Body“) ihr neues Drama „Die Maske“ (OT: „Twarz“) ein, um die Missstände in der polnischen Bevölkerung mit satirischen Zügen zu zeigen. Der Film wurde auf der Berlinale 2018 uraufgeführt und wurde von der Jury um Tom Tykwer mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet.

Übersetzt bedeutet Twarz Gesicht. Hauptdarsteller Mateusz Kościukiewicz und die 13 Jahre ältere Regisseurin Małgorzata Szumowska sind verheiratet und haben ein Kind. „Twarz“ ist nach „Im Namen des…“ ihre zweite gemeinsame Arbeit.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Die Maske: Satirisch angehauchtes Drama über einen polnischen Rocker aus der Provinz, dem ein neues Gesicht transplantiert wird.

    Satirisches Drama um einen jungen Mann aus der polnischen Provinz, dem ein neues Gesicht transplantiert wird.

    Malgorzatas Szumowskas Rückkehr in den Wettbewerb nach dem mit dem Regiebären prämierten „Body“ ist gelungen mit einem toll gefilmten und erzählten und sehr unterhaltsamen Drama über einen jungen Mann, dem nach einem schweren Unfall ein neues Gesicht - so die deutsche Übersitzung des Titels - operiert wird. Mit viel Ironie und Bissigkeit erzählt es von einer Gesellschaft, in der die katholische Religion dominiert, aber keine Offenheit für Andere, dafür Materialismus herrscht. Euthanasie-Witze über Roma werden beim Familienessen gerissen und die Eingangsszene zeigt Schnäppchenjäger in Unterwäsche durch die Gänge eines Einkaufszentrum jagen. Schauplatz ist ein idyllisch zwischen Hügeln an einem Fluss gelegener polnischer Provinzort, in dem die größte Jesus-Statue der Welt aufgestellt wird. Hauptfigur Jancek, ein Metallfan, der wegen seiner langen Haare und weil er nach London gehen will, ständig von der Familie angeraunzt wird, arbeitet mit am Bau der Statue und stürzt wegen fehlender Sicherung viele Meter in die Tiefe. Vor seinem Unfall hat er eine süße Freundin, die er sogar auf dem Pferd im Sonnenuntergang abholt, doch die will nichts mehr mit dem Mann zu tun haben, der nach der lebensrettenden Gesichtstransplantation aussieht wie Leatherface und kein verständliches Wort mehr sagen kann. Seine Mutter denkt gar, dass hinter dem fremden Gesicht ein Perverser steckt, den der Priester exorzieren will. Eine hochkomische Szene, „Exorzist“-Parodie als Gesellschaftskritik. Nur die Werbebranche und das Fernsehen hat Interesse an Jancek. Und seine Schwester kümmert sich rührend um ihn, der der gleiche Mensch geblieben ist wie vor dem Unfall und am Ende der Provinz den Rücken kehrt. Szumowska und ihr Koautor und Kameramann Michal Englert verleihen dem Film nicht nur einen ironischen, sondern auch lmärchenhaften Ton - auch durch ihr Kamerakonzept. Das Bild ist nur partiell scharf, die Unschärfe ist auch mit subjektiver Perspektive erklärt, kann Jancek mit einem Auge kaum mehr sehen. Gesellschaftskritik in einer Geschichte in der polnischen Provinz unterhaltsam verpackt hatte Agniezka Holland bei der Berlinale 2017 mit „Die Spur“ und war dafür ausgezeichnet worden. Szumowska ist das vielleicht sogar noch ein bisschen besser gelungen. Sie erhielt 2018 den Großen Preis der Jury. hai.

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